Oberleitung Modellgerecht oder doch mal ein Kompromiss eingehen.

  • Hallo.


    Heute ist bei uns leider Dauerregen angesagt und somit bin ich schon mal von der Baustelle abgehauen . Da der Tag nun buchstäblich ins Wasser gefallen ist will ich auch gleich mal eine Frage stellen die zum Aufbau meiner Oberleitung im Bahnhof Oberammergau mir schon lange auf dem Magen liegt.


    Ich habe vor drei Jahren von einem guten Freund eine ganze Packung O Masten bekommen sie sind zwar schon etwas älter aber doch sehr schön. Mit dabei sind auch eine ganze Anzahl 26 m Masten für die Quertragwerke. Der Thomas ( Staudenfan ) hat mir neulich mal einige Bilder ( DSO Link, dafür nochmals ein Dankeschön ) zukommen lassen wo der Bahnhof Oberammergau abgebildet ist. Mir ist da aufgefallen das die Quertragmasten gar nicht so hoch sind wie sonst die 26 m Masten ( Optisch gesehen ). Auch auf dem Bahnsteig steht irgend so ein Mast den ich nun in der Norm der DB nicht wieder finden kann. Nach Übernahme durch die DB wurden ja die alten historischen Masten abgebaut und unter Verwendung von alten Material neu aufgestellt. Kann es sein das man damals auch aus Kostengründen auf Nebenbahnen nicht immer nach der Norm gebaut hat?


    http://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?17,7477135


    Nun aber der Hintergrund meines eigentlichen Anliegens. Mein Oberammergau kann ich in der Tiefe so wie so nur mit drei Gleisen herstellen und die 26 Masten sind mir beim überspannen der drei Gleise eigentlich zu hoch ( optisch gesehen ), zumal eine Reihe noch an der Anlagenkannte stehen wird. Auch wegen Hinterhaken beim ständigen begehen des Ganges. Ich wollte eigentlich die 20 m Masten die sonst für Abspannung Verwendung finden dort alleine aus Optischen Gründen einbauen was mir beim Gesamteindruck besser gefällt. Ist das nun ein Vorbildlicher Stilbruch und hat es nie gegeben oder hat man in solchen Fällen auch bei der DB mal alle fünfe grade sein lassen, alleine aus Kostengründen.



    Links der 26 m Mast und rechts ein schon gekürzter Mast.


    Auf Antworten würde ich mich freuen.


    Gruß Hein

    Ich baue nach dem Grundsatz " meine Anlage wird nie fertig " :thumbup:

    Edited once, last by Hein 2 ().

  • Hallo Hein!
    Meine Meinung ist eindeutig:
    Wenn E-Lok, dann Oberleitung!
    Welche Masthöhe für deine Bahn die richtige wäre, weiß ich nicht, aber das würde ich persönlich auch nicht so eng sehen.
    Die Gefahr einer Beschädigung der an der Anlagenkante stehenden Maste kannst du umgehen, indem du eine Schutzwand aus Plexiglas montierst. Die sollte natürlich für Arbeiten an der Anlage abnehmbar sein.
    So würde ich es machen....


    Viele Grüße
    Heiner

  • Nach Jahrzehnten der "Vorbildhörigkeit" hat sich meine Sicht verändert.


    Jegliche Ausschmückung der Anlage muss in den Gesamtzusammenhang passen
    und zwar aus meiner Sicht.

    Wenn mein Hintergrund nur 50 cm hoch ist passen keine 40 cm hohen Bäume.
    Da meine sichtbare Anlagentiefe auch nur 60 cm ist muss alles ein wenig kleiner sein.


    In meinem kleinen, geplanten Steinbruch werden Spur N Loren geschoben von Arbeitern
    die Steine abfahren. Passt vom Thema und zum (kleinen) Umfeld bestens.


    Aus meiner Sicht muss es passen. Ob die Lore maßstäblich ist hängt vom Arbeiter ab
    der sie schiebt. Für eine Spur 0 Lore bräuchte ich eine Lok in dem Ministeinbruch.


    Ich würde die kurzen Masten verwenden. Maßstäblich hin, maßstäblich her.


    Persönliche Selbstbeschränkung durch unbedingte Vorbildtreue brauche ich nicht mehr.
    Meiner Erfahrung, vorbildgerecht Bauen sieht oft schlechter aus.


    Jo

  • Die Frage ist, was willst Du?
    Willst Du eine funktionierende, deinen Platzverhältnissen gerecht werdende und Dir selber zusagende Modellbahn?
    Oder willst Du eine genaue Kopie der Realität?
    Was gefällt Dir optisch besser?


    Im Prinzip hast Du Dir Deine Frage schon selber beantwortet.


    Modellbahn ist nun mal eine für das eigene Auge gefällig gemachte Ansammlung von Kompromissen.


  • .....und was haben diese, auf mich etwas befremdlich wirkenden Ansichten, mit der Oberleitungsfrage zu tun?


    Zur Frage:


    welche Masten zum Einsatz kommen, hängt nur von der Anzahl zu überspannender Gleise ab. Den einzigen Kompromiss, den Hein machen muss, hängt sonst nur mit den verkürzten Abständen zusammen, die sich aus den verwendeten, steileren Weichen ergeben. Der Kompromiss wurde, wie geschrieben ja schon bei der Anzahl der Stationsgleise gemacht und setzt sich jetzt bei der Fahrleitung fort......


    Null-Problemo :thumbup:

  • Hallo Hein, die Höhe der Masten richtet sich ja auch an der Menge, der zu überspannenden Gleise. Je mehr Gleise, je Höher der Mast. Das hängt mit dem Tragseil zusammen. bei nur 3 Gleisen, brauchen die Maste auch nicht so hoch sein. Wie sieht es den mit Zubehör aus? Ausleger, Isolatoren usw. Ich hatte damals meine H0 Oberleitung selbst gebaut. Den passenden Draht hab ich noch. Könnte ich dir geben.


    Gruß Micha :)

  • Hallo Hein,


    hier auch Dauerregen, allerdings darf ich meine Erwerbstätigkeit im Büro oder Auto sitzend ausüben; insoweit noch keine Zeit für modellbauerische Aktivitäten.


    Ich würde die kürzeren Masten nehmen; mögliche Gründe dafür (ob zutreffend oder nicht ist eigentlich egal) gäbe es sicherlich auch beim Vorbild reichlich.
    Entscheidend dürfte aber Deine im Prinzip schon geäußerte Einschätzung zur Anlagenkannte und der zu überspannenden Distanz sein.


    Vorbildgerecht bauen, ja, immer da wo es -nach deinen Maßstäben- geht; ansonsten sollten vor allem die gewählten Proportionen meiner Meinung nach einigermaßen harmonieren.


    Weiter viel Spaß beim Bauen und Hut ab vor den Fortschritten bei Deiner Anlage.


    Beste Grüße
    Nils

  • Hallo Hein,


    ich würde auf alle Fälle im vorderen Bereich kürzere Turmmaste nehmen. Und wenn längere Turmmaste gekürzt werden, dann würde ich diese oben kürzen, so dass mir unten das Fundament einschließlich der Befestigungsschraube erhalten bleiben (auch die unteren Befestigungsbleche der Querspannwerke sind dann erhalten und in der richtigen Höhe).
    Die längeren Maste bieten sich aber auch an, die Speiseleitung aufzunehmen, was auch ein interessantes Detail ist. Also, an der Anlagenkante die niedrigeren Maste und hinten die höheren Maste dann mit Speiseleitung versehen, aufstellen.


    Bei den Abständen musst Du dich eh nach Deiner Gleisgeometrie richten.


    Ich habe übrigens mal versucht, Fahrleitung aus Stahldraht zu bauen. Verwendet habe ich dafür Fesselflugdraht, Durchmesser 0,3mm, ging sehr gut zu löten und ist gegenüber Messing oder Bronze bedeutend stabiler. (in N habe ich die Fahrleitung aus 0,2mm Bronzedraht gebaut)


    Die Einzelmaste auf Deiner Strecke dürften ehemalige bayrische Masten aus den 20er Jahren gewesen sein (so wie ich es im Buch "Deutsche Altbau-Elloks Band 2" gefunden habe. Reizvoll wäre es natürlich, diese Maste nachzubauen, und wenn Du dich traust, solltest Du das auch machen. Wäre ein Hingucker.


    Mit freundlichen Grüßen
    Roland

  • Hallo Leute.


    Danke für eure Hinweise zum Bau der Oberleitung. Masthöhen werden den zu überspannenden Gleisen angepasst und somit nicht so hoch werden, das war eigentlich auch mein größtes Problem was ich hatte. Die hohen Masten waren ja schon einmal auf dem alten Areal aufgebaut und gefielen mir einfach von der Gesamtansicht nicht besonders gut, das wirkte irgendwie nicht .


    An Rollos Vorschlag auf dem kleinen Bahndamm die alten Bayrischen Fahrleitungsmasten zu nehmen ist sehr gut , auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen aber werde ich wohl Umsetzen


    Gruß Hein

    Ich baue nach dem Grundsatz " meine Anlage wird nie fertig " :thumbup:

  • Moin Hein,


    wie wär's mit einem Kompromiss: für die hinteren beiden Gleise baust Du Dir Rohrausleger (Foto), für das vordere nimmt Du Einzelmasten.
    Ich kenn den Eindruck, dass Masten zu hoch in ihrer Umgebung wirken..., aber mein Tipp: mach sie nicht zuuuu kurz, dann wirkt weder das Quertragwerk noch ein Rohrausleger authentisch. Und es soll ja nicht aussehen, wie bei 'ner Strassenbahn :-))


    Viele Erfolg,
    Matthias

  • Hallo.


    Der Vorschlag von Matthias ist auch nicht verwerflich einfach normale Fahrleitungsmasten zu nehmen und dann einen Doppelausleger dort zu bauen,aber keinen 26 m Mast. Um das ganze mal zu veranschaulichen habe ich heute Abend mal schnell ein paar Löcher gebohrt und die mir zur Verfügung stehenden Masten dort eingesteckt.


    Im Grunde ist es ein Optisches Problem und da hat Oliver recht das ist die Anlagenkannte. Große Masten stehen einfach zu dicht am Anlagenrand und sind von Berührungen, obwohl diese sehr stabil, sehr anfällig. Ebenso steht der Äußere zu dicht am Gleis und der andere muss deshalb auch mit selben Abstand stehen und ein Quertragwerk ist dann einfach zu dicht zusammen und wirkt nicht. Nun kann man die Masten etwas Kürzen aber auch nicht auf 20 cm das wäre zu viel.




    Der Vorteil bei den normalen Fahrleitungsmasten ist , ich könnte die alten Bayrischen nehmen wie sie bis zur Übernahme der DB im Bahnhof Oberammergau auch standen, das wäre nach Vorbild.



    Jedenfalls bin ich schon froh das man sich um mein kleines Problem gekümmert hat und ich aussagekräftige Meinungen von euch bekommen habe. Das ist der Sinn eines Forums für mich und nicht irgendwelches andere Gedöns was mit dem Modellbau/Modellbahn nichts zu tun hat ;( , aber damit muss man wohl leben. :whistling:


    Gruß Hein

    Ich baue nach dem Grundsatz " meine Anlage wird nie fertig " :thumbup:

    Edited once, last by Hein 2 ().

  • Hallo Micha.


    Ich werde , wenn diese Arbeiten anstehen es alles erst mal ausprobieren und testen wie die Oberleitung zum Gesamtbild am besten passt. Jedenfalls will ich nicht alles mit Fahrdrähten und Masten zu stellen wie ich es oft bei H0 Anlagen gesehen habe . Momentan ist aber der normale Streckenmast nach Bayrischen Vorbild einer meiner Favoriten. Euch allen für die Anregungen meinen Dank. :thumbsup:


    Gruß Hein

    Ich baue nach dem Grundsatz " meine Anlage wird nie fertig " :thumbup:

  • ...des jeweiligen Erbauers.


    Mein Einwand wäre aber, dass Du die Masten nicht so nah, direkt ans Gleis setzen solltest?
    Laß viel mehr Abstand, dann wirken sogar die höheren Abspannmasten stimmiger und passender.


    Ach ja, nochwas, was miraufgefallen ist: Du hast am Ende der Strecke " Peinermasten" gesetzt? Korrigier mich, wenn ich es falsch gesehen habe, aber diese Bauart habe ich auf freier Strecke oder in Bahnhöfen bis jetzt eher selten in Oberbayern gesehen? Meist werden diese mehr an engen Stellen verbaut, entlang einer Stützwand, usw. wo wenig Platz für einen normalen Masten vorhanden ist und dieser sonst zu sehr ins Lichtraumprofil hineinragen würde? Entlang der Rheinstrecke kann man das gut beobachten.


    (Die Peiner Träger GmbH steht innerhalb der Salzgitter Gruppe für Stahl und Technologie, ein umfassendes Walzstahl-Lieferprogramm.)


    Wie Du ja auch sicher weißt, stehen an der Garmischer Strecke auch heute noch in vielen Abschnitten die originalen Reichsbahnmasten. (Bin vor kurzer Zeit gerade einmal von Füssen aus übers Außerfern nach Österreich gefahren und konnte dabei die alten Anlagen wieder einmal beobachten und bestaunen.)


    Grüße,
    Georg



    Nachtrag: Beschaffe Dir, wenn Du es noch nicht gemacht hast, unbedingt die nicht teure und hervorragende Oberleitungsplanungsmappe von der Fa. Wenz. Dort wird anhand von ausführlichen Zeichnungen alles von A-Z über den Oberleitungsbau im Modell erklärt.

    Edited 4 times, last by Georg ().

  • Moin Georg.


    Das habe ich heute auch festgestellt, in meinem Buch über die E 69 konnte ich die verschiedenen Varianten der Mastausführungen, die dort heute noch stehen, sehen. Gebaut wurde wohl alles was noch einigermaßen brauchbar war. Da hängen die alten Bogen der Localbahnmasten an neuen Fahrleitungsmasten der DB usw. Auch vereinzelt stehen dort noch Masten aus Holz. Richtig ist das die Turmmasten weiter aus einander stehen müssen , aber da ist gerade das Problem wegen dem Anlagenrand. Ich werde mir wohl was selber bauen damit das auf der einen Seite praktisch ( wegen dem Hinterhaken ) und auf der anderen Seite im Gesamtbild stimmig wirkt.


    Gruß Hein

    Ich baue nach dem Grundsatz " meine Anlage wird nie fertig " :thumbup:

  • Moin Rollo.


    Du hast ja vorgestern im Bericht von Micha Oberammergau Bahn auf die Strecken Masten eine ausführliche Analyse erstellt. Mir liegt das Buch der Baureihe E 69 EK Verlag vor und dort konnte ich einiges herausfinden welche Masten in welcher Zeit dort standen.


    Jedenfalls sieht es so aus das auf der Ammergau Bahn immer irgendwie Improvisiert wurde . Mein Zeitraum soll ja in den Jahre 1950 bis 1980 angesiedelt sein und somit fallen die alten Bay. Masten eigentlich schon weg .Ab 1952 modernisierte die DB die Strecke aus alten gebrauchten Masten der Garmischer Hauptbahn und die sahen dann so aus als ob man dort die Straßenbahnmasten aufgestellt hat. Aus Urheber Rechten kann ich keine Bilder hier einstellen, desshalb mal eine kleine Zeichnung von mir. Der linke Mast ist die alte Bay. Ausführung und der rechte die ab 1952 aufgebauten Masten ( Bild muss ich leider später einfügen , Fehler beim Hochladen )







    Auf meiner Strecke sollen die Masten auch nur bei der Ausfahrt aus Oberammergau aufgestellt werden. Ab Unterammergau finden dann die mit Z Ausleger Verwendung.


    Gruß Hein

    Ich baue nach dem Grundsatz " meine Anlage wird nie fertig " :thumbup:

    Edited 4 times, last by Hein 2 ().

  • Hallo Hein,


    jetzt versuche ich das zweite mal, Dir Zeichnungen zu den mastauslegern einzustellen. Irgendwie bricht das Programm heute immer wieder zusammen.
    Das sind ursprünglich verwendeten Ausleger, wie sie damals bei Straßenbahnen verwendet wurden. Kettenfahrleitungen waren zu diesem Zeitpunkt noch im Versuchsstadium.


    Beim Umbau auf Kettenfahrleitung wurden dann diese bayrische Ausleger verwendet.



    Zum Vergleich, preussische Ausleger sahen damals so aus. Diese Darstellung ist aber trotzdem interessant, da hier die Mastaufstellung im Bezug zur Signalaufstellung dargestellt ist.


    Es kommt noch eine Fortsetzung. Ich fahre aber jetzt erst einmal den Computer runter, in der Hoffnung, dass dann das Einstellen der Bilder besser funktioniert.


    Mit freundlichen Grüßen
    Roland


    Bilderquelle: Bild 1 Siemens Handbücher Band 15 Elektrische Bahnen 1929
    Bilder 2 und 3 Eisenbahnwesen , Die Eisenbahntechnische Tagung und ihre Ausstellungen 1924 VDI-Verlag

  • Hallo Hein,


    habe wieder die "Anklick"-Bildeinstellung verwendet.



    Bei diesen Masten handelt es sich um die in Bayern verwendeten Mastformen.



    Diese Bauformen wurden vorwiegend im Mitteldeutschen und Schlesischen Netzt verwendet. Wobei ich auf der DSO-Seite auch einen Mast der Bauart Abb. 56 und 57 entdeckt habe. Beim Umbau auf Kettenfahrleitung hat man anscheinend alles Material genutzt, was irgendwo günstig aufzutreiben war.


    Bildquellen: Eisenbahnwesen VDI-Verlag 1924


    Mit freundlichen Grüßen
    Roland

  • Moin Rollo.


    Da bin ich richtig Platt was du über einen Fundus an Nachschlage Werken verfügst. Schönen Dank für diese Hilfestellung , damit kann man wirklich was anfangen um solche Masten nach zu bauen.


    Gruß Hein

    Ich baue nach dem Grundsatz " meine Anlage wird nie fertig " :thumbup:

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