Entstehung Tauschrahmen

  • Ich wurde schon öfters gefragt, wie ich die Rahmen für die diversen Loks konstruiere. Ich möchte mal an Hand des Rahmens für die BR55 (preuß G8.1) aufzeigen wie so ein Rahmen entsteht. Erforderlich dazu ist auf jeden Fall der zu ersetzende Rahmen und originale Zeichnungen und jede Menge originaler Fotos.


    Zuerst werden die Hauptabmessungen des zu tauschenden Rahmens in ein CAD (computer-aided design) Programm übernommen, dazu zählen auf jeden Fall der Achsabstand (die alte Steuerung soll ja weiterhin funktionieren), Länge und Höhe des Rahmens und eventuelle Teile zur Befestigung und jede Menge anderer Maße. Danach nimmt man die originale Zeichnung und vergleicht zuerst den Achsenabstand, inwieweit der Hersteller sich an die originalen Abmessungen gehalten hat. Ich kann jetzt schon sagen, dass bei allen Rahmen die ich bis jetzt konstruiert habe, es nur sehr minimale Abweichungen beim Achsenabstand gab.
    Als nächstes werden so gut wie alle Details des originalen Rahmens auf den bereits gezeichneten Rahmens des Modells übernommen, dabei versuche ich soweit wie möglich alles abzubilden, jede Schraube, jede Niete, jeden Ausschnitt, …. Alles kann nicht übernommen werden, da der Aufwand der Teile für die breite Masse zu teuer wäre wie zum Beispiel Ausgleichshebel für die Achsen, Federung über die Federpakete, komplette Bremsanlage, …. , bei dem Rahmen der BR55 wurden diese nur nachgebildet. Eventuelle Fehler am Modell wie das falsche Ende des Rahmens (ist von der G7.2) werden korrigiert. Verbindungspunkte/Platten um den Rahmen zusammenzuhalten werden erstellt und der Zeichnung hinzugefügt. Ein weiterer Punkt auf den ich immer Wert lege ist die Möglichkeit eine automatische Lenz Kupplung zu integrieren und den Zusammenbau durch Lehren oder Passungen so weit wie möglich zu vereinfachen. Die Kupplung habe ich als fertiges Teil gezeichnet und brauche sie nur in der Zeichnung so zu verschieben dass sie passt. Zusätzliche Komponenten wie eine neue Pufferbohle, Umlaufstützen, Umläufe, … werden mit eingezeichnet und später als Einzelteile weiter konstruiert. Weiters müssen vorhandene Antriebe weiter verwendet werden können, Pilzkontakte dürfen nicht im Wege sein. Nun werden eventuelle neue Zurüstteile (Bremszylinder, Sandfallrohre, Schienenräumer, …. ) vermessen und in die Zeichnung gebracht.


    Die meisten dieser beschriebenen Schritte liegen in der Zeichnung auf unterschiedlichen Layern, vergleichbar mit mehreren Overheadfolien. Auf jeder Folie befinden sich unterschiedliche Komponenten die man einzeln oder als Gruppe ausblenden kann. Somit kann ich nun alles ausblenden bis auf den nackten Rahmen ohne Bohrungen und einzelne Folien wieder hinzufügen.


    Nun werden die ganzen Einzelteile wie Rahmenwangen, jedes einzelne Federblatt, Verbindungsteile, …. in eine neue Zeichnung übertragen und in ein CAM (Computer-aided manufacturing) Programm übernommen. Hier werden nun die einzelnen Schritte erstellt, die man benötigt um den Rahmen und Verbindungsteile, Einzelteile auf einer CNC Fräse zu Fräsen und zu Bohren. Nun wird aus einer Zeichnung der erste Prototyp aus vielen Einzelteilen aus Messing gefräst. All diese Einzelteile müssen jetzt noch verlötet werden um das erste Mal die Achsen/Antrieb einzusetzen und den neuen Rahmen mit dem vorhanden Aufbau zu verbinden. Eventuelles vorhandenes Zubehör wie Zylinder, Steuerungsträger müssen natürlich weiterhin am Rahmen passen und an der richtigen Stelle sein.


    Nun kann, wenn alles passt, der erste Probelauf durchgeführt werden, dabei wird kontrolliert ob die Achsen genug Seitenspiel haben, die Steuerung nicht klemmt oder sonstiges nicht passt. Falls Probleme auftauchen, werden diese eingegrenzt und die CAD Zeichnung angepasst, eventuell muss ein neuer Rahmen gefräst und der Test wiederholt werden bis alles passt.


    Passt alles, wird der Rahmen inklusive aller Bohrungen für Nieten/Schrauben, Durchbrüche und noch fehlender Einzelteile neu gefräst. Dieser wird nun auch mit allen Nieten/Schrauben, allen Zusatzkomponenten, Pufferbohle, … verlötet und fertig zusammengebaut.
    Auf diese Art und Weise wurden bereits Rahmen für die BR80, V20, BR55, BR52, ... neu konstruiert und erstellt.


    Wie bei dem Rahmen werden auch weitere Teile wie das Führerhaus, Umlauf, ... neu erstellt.


    Zeichnung der Rahmenwange:


    Abgleich mit originaler Zeichnung:


    Zeichnung mit einem weiteren Hilfslager inkl. Höhenabmessunge, Aufbau, Räder, ...:


    Zusammenstellung einiger Teile aus 1mm zur Übergabe ins CAM Programm:


    Fräsvorschau CAM Programm:


    Das Resultat:


    Der Kunststoffrahmen im Vergleich:


    Führerhaus BR55:


    Führerhaus BR55 original:

    Grüße,
    Wolfgang


    Nicht labern sondern schaffen

  • Hallo Wolfgang,


    was mich noch interessieren würde: Braucht man um den Rahmen in die BR 55 einzubauen, zusätzliche Bauteile?
    Oder kann man mit den vorhandenen Teilen die Lok wieder komplettieren?


    Welche Teile, außer den bereits vorgestellten, Rauchkammertür und Führerhaus, hast du zu der Lok noch geplant?
    Ich denke, dass du damit einigen die Möglichkeit bietest ihre Framos Lok aufzuwerten. Denn so, wie es derzeit
    aussieht, wird es auf absehbare Zeit noch nichts mit einer Neuauflage der BR 55.


    Danke schon mal und viele Grüße
    Hans - diesel007

  • Hallo Hans,


    ich selbst baue mir eine 55er komplett aus Messing, die Abwandlungen die ich derzeit anbiete entstehen aus den für mich entstehenden Teilen passend gemacht um sie ohne große umbauen auf die Kunststoffversion zu montieren. Das einzige das derzeit vom vorhanden Aufbau entfernt werden müsste wäre der vordere Umlauf falls man diesen auch tauschen möchte, was auch Sinn macht wenn man sich den aus Kunststoff ansieht. Alle anderen Teile passen ohne Änderungen in die vorhandenen Aufnahmen, auch die zu öffnende Rauchkammertüre. Für die vorhandnen Teile wie die Zylinder und Steuerungsträger wurde der Rahmen so konzipiert, dass sie sich genauso aufstecken lassen wie auf dem alten Rahmen aus Kunststoff und können somit weiter verwendet werden. Ich zeige allerdings nächste Woche auch Zylinder aus Messing die man ebenso tauschen könnte. Was jeder für sich selbst tauschen will bleibt ihm selbst überlassen, so kann man das Kunststoff-Modell Step für Step "tunen".


    ich bin gerade am oberen Umlauf dran, allerdings eher für meine Version. Es würde auch funktionieren, diesen am Kunststoffaufbau zu montieren, was allerdings bereits einiges an Arbeit bedeutet. Ich habe gestern mal einen Aufbau genommen und den alten Umlauf und Anbauten am Kessel entfernt und den neuen Umlauf (noch ohne Riffelung) und Führerhaus daraufgepackt:


    Möglich ist natürlich vieles, ...

    Grüße,
    Wolfgang


    Nicht labern sondern schaffen

  • Hallo Wolfgang,


    gibt es schon einen voraussichtlichen Termin wann die Fahrwerksbausätze für die BR 55 zu erwerben und geliefert werden können?


    Das gleiche gilt auch für weitere Teile wie neue Räder ?


    Werden die Räder komplett mit Achsen und Lagersteine fertig montiert angeboten ?


    Ein neuer Umlauf wäre auch nicht schlecht, die Plastikversion ist ja nicht so schön.


    Baue zur Zeit gerade eine BR 55 aus der alten ARGE Aktion im Maßstab 1:43,5, welche noch aus Weißmetall und Messing ist, da ist schon viel mehr Detailtreue vorhanden, leider aber auch noch einige Probleme um das Modell für übliche Fahrtreffen mit Lenzgleisen fit zu bekommen.


    Die dort beigefügten Räder haben sehr Maßstäbliche Spurkränze die nach sehr guten Gleisen und Weichen verlangen und Radien kleiner als 1,50m sind fast nicht zu durchfahren.


    Deshalb würde ich gerne ein Modell in 1:45 für Fahrtreffen fit machen, da kommt mir deine Bausatzaktion gerade recht.


    Für welche Mindestradien ist das Fahrwerk eigentlich geplant ?


    Gruß Uwe

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!