Kündigung Händler/Hersteller: ärgerlich hinsichtlich der Vorbestellungen

  • Hallo Freunde,


    an anderer Stelle wurde ein Thread geschlossen, bei dem es um die Kündigung der Geschäftsbeziehung zwischen einem Hersteller und einem Händler ging. Das ist das freie Spiel der Kräfte. Doch an einer Stelle ist es besonders ärgerlich:


    # Man bestellt ein angekündigtes Modell bei einem Händler vor, um Hersteller und Handel zu stärken


    # Hersteller und Händler beenden ihre Geschäftsbeziehungen


    # Das Modell ist jetzt herstellerseitig ausverkauft


    --> Jetzt steht man ohne Modell da!


    Es sollte künftig doch möglich sein, dass die Vorbestellungen in irgend einer Weise übernommen werden!


    Gruß


    Kallisto


    (Der inzwischen vielleicht auch ganz froh ist, wenn er ein Modell einmal verpasst...)

  • Wenn der Händler Dir das gesagt hätte, hättest Du Dich ja direkt an den Hersteller wenden können.
    Er hätte sicher gern geholfen da ja auch durch die Stornierungen des Händlers wieder Stückzahlen frei geworden sind.


    Gruß
    Adalbert

  • dass die Vorbestellungen in irgendeiner Weise übernommen werden! "



    Es kann nur übernommen-weitergetragen werden, wie du schreibst und es gerne möchtest, wenn das angekündigte Modell überhaupt erst einmal ausgeliefert werden kann.
    Aber in deinem Falle hast Du vielleicht die Möglichkeit, dir ein entgangenes Modell immer noch auf dem Sekundärmarkt wie z. Bspl. auf Ebay, usw. zu suchen und zu erweben.


    In meinem konkreten Falle habe ich während den letzten Jahren, drei verschiedene Lokmodelle eines Spur 0 Modellbahnherstellers bei meinem Modellbahnhändler meines Vertrauen verbindlich vorbestellt. Dann, nach einiger Zeit wurden diese Bestellungen alle wieder einkassiert, da diese Modelle wieder aus den Ankündigungs-/Bestelllisten verschwanden.


    Dann stelle ich mir die Frage, welche Bedeutung haben dann Vorbestellungen überhaupt noch für mich?
    Wenn ich welche mache, dann jedenfalls kann ich später nicht verärgert sein oder irgendwie darauf pochen oder noch etwas erwarten?


    Fazit: Würde man die beiden weiter unten aufgeführten Grundsätze mehr beherzigen, die schon jeder Student in der ersten Stunde Betriebswirtschafslehre lernt, gäbe es wohl viel mehr zufriedenere Spur Kunden auf der einen Seite und mehr zufriedenere Spur 0 Händler und Spur 0 Hersteller auf der anderen Seite.


    Erstens: Man fängt an oder man führt ein Geschäft nur, wenn man auch einen Gewinn erwirtschaften kann.
    Zweitens: Ganz wichtig, man muß das Produkt auch liefern können, das man seiner werten Kundschaft anbietet.



    Im Grunde kann man als Modellbahner ja ganz locker bleiben, da man das nicht ausgebene Geld sehr gut auch in andere bereits erhältliche Modelle, oder auch in Modelle umlenken und investieren kann, die tatsächlich auch erschienen sind und erscheinen werden.


    Grüße
    Georg

  • Vorbestellungen sind nichts anderes als eine Marktanalyse. und solange noch kein geld geflossen ist, ist auch kein belastbarer vertrag zustande gekommen. sprich der Käufer muss nicht kaufen, der Verkäufer muss nicht verkaufen. alles ist nur eine Absichtserklärung. und der markt ist klein und äußerst unsicher. ein bis zweimal am markt vorbei kalkuliert und schon sitzt du auf schulden, die du nie wieder los wirst. da muss einem schon klar werden, dass Marktanalysen sehr wichtig sind. und daran, dass vieles angekündigte dann wieder in der Versenkung verschwindet sieht man doch, das die erfolgreiche Vermarktung von spur 0 alles andere als sicher ist.


    Geschäftsbeziehungen lösen sich im allgemeinen nicht freundlich. selbst wenn der Hersteller die Vorbestellungen übernehmen wollte (was er in der Regel sicher will, nur eine verkaufte Lok ist eine gute Lok), bedeutet das für den gerade in seinem Umsatz reduzierten Laden Mehrarbeit, die er ja gerade nicht bezahlt bekommt. da auf eine einvernehmliche für den Käufer erfreuliche Regelung zu hoffen, halte ich für illusorisch.



    meint jedenfalls volker

  • Hallo Volker,


    tut mir leid, wenn ich Dir da widersprechen muss! Aber von der rechtlichen Seite her ist eine Bestellung (auch eine Vorbestellung) grundsätzlich bindend, das heißt, da kommt sehr wohl ein Kaufvertrag zustande. Immer dann, wenn sich die Vertragsparteien über die wesentlichen Vertragsbestandteile einig sind, ist ein Vertrag geschlossen. Wann das Geld fließt, spielt keine Rolle für den Vertragsschluss. Also Vorsicht bei Vorbestellungen: Wenn der Verkäufer auf Erfüllung besteht, muss man die Ware abnehmen und bezahlen.


    Gruß
    Klaus

  • Hallo Klaus,


    wenn das so (eindeutig) ist, wie sieht es denn dann aus Sicht des potenziellen Käufers aus, der z.B. für 800 € vorbestellt hat und dann seine vorbestellte Ware aus diversen Gründen (Produktion hat sich z.B. mal wieder verschoben) zunächst nicht geliefert bekommt und dann irgendwann erfahren muss, dass der bestellte Artikel neuerdings 1.500 € kostet? Hast du da auch eine schlüssige Antwort?


    Gruß, Helmut.

  • Hallo Helmut, hallo alle anderen,


    wenn die Auslobung bzw. das Angebot für den Preis von (angenommen) 800€ angenommen wurde (vorbehaltlich eines verbindlichen Angebotes) und ein Vertrag zustande gekommen ist, dann gilt der Vertrag und der Preis.


    Meist ist aber ein Angebot an die Allgemeinheit gestellt und da gilt folgendes:


    - mit der Annahme wird noch kein Vertrag geschlossen sondern


    - erst mit der (bestätigten) Annahme durch den Anbieter.



    Inwieweit die Lieferzeit eine Rolle spielt:


    - Wenn die Lieferzeit nicht genau definiert ist, dann gilt diese als unbestimmt.


    - wenn eine Lieferzeit genauer bestimmt ist (z. B. mit Woche oder Monat und Jahr) dann gilt der Vertrag weiter, man hat lediglich die Möglichkeit, den Lieferanten/Hersteller mit einer Fristsetzung in Verzug zu setzen. Dann besteht bei Verstreichen der Frist die Möglichkeit, aus dem Vertrag auszusteigen.

    Grüße aus Lappersdorf (bei Regensburg)


    Heinz ;)

    Edited 3 times, last by Heinz Becke ().

  • Hallo Helmut,


    meinen Ausführungen lag folgender "Normalfall" zugrunde:


    Verkäufer A kündigt auf seiner Homepage einen bestimmten Modelbahnartikel x zum Preis von 800€ an mit einem voraussichtlichen Liefertermin. Da Dir das zusagt, schickst Du ihm eine Bestellung ("Ich bestelle den Artikel x zum Preis von 800€ = Angebot). Der Verkäufer schickt Dir eine Bestätigung (= Annahme).


    Folge: Kaufvertrag zum Preis von 800€ zustande gekommen.


    Dann müssen sich beide Vertragsparteien auch daran halten.


    Gruß
    Klaus

  • Hallo,


    es kommt immer auf die Vertragsbestandteile an.


    Vertragsbestandteile sind u. a. :


    - Kaufpreis
    - Beschaffenheit der Ware (d. h. Ausstattung, etc.)
    - Liefertermin (kann auch Zeitraum sein)
    - Lieferkosten (Porto/Verpackung)
    - Ort des Warenübergangs


    - und ganz wichtig -> (in der Regel gelten) die AGB des Anbieters.

    Grüße aus Lappersdorf (bei Regensburg)


    Heinz ;)

    Edited 2 times, last by Heinz Becke ().

  • Hallo,
    so ganz „generelle Regeln“ gibt es dazu nicht, da die Details zumeist - wie Heinz schon sagte - in den AGB eines Verkäufers abgeklärt sind.


    Beispiel: „Die im Shop des Verkäufers enthaltenen Produktdarstellungen stellen keine verbindlichen Angebote seitens des Verkäufers dar, sondern dienen zur Abgabe eines verbindlichen Angebots durch den Kunden.


    Damit ist klar geregelt, dass der Verkäufer mit seinen „Produktdarstellungen“ an mögliche Käufer überhaupt kein verbindliches Angebot abgibt. Im Gegenzug gibt aber ein Kunde mit der Abgabe der Vorbestellung/Bestellung verbindlich zu verstehen, dass er die Ware zu den genannten Bedingungen kaufen möchte. In der Folge kann also der Verkäufer auch von seinem (nicht bindenden Angebot) zurücktreten, der Käufer aber muss zu seiner bindenden Kaufabsicht stehen.



    Beispiel: „Der Kunde gibt, nachdem er die ausgewählten Waren in den virtuellen Warenkorb gelegt und den elektronischen Bestellprozess durchlaufen hat, durch Klicken des den Bestellvorgang abschließenden Buttons ein rechtlich verbindliches Vertragsangebot in Bezug auf die im Warenkorb enthaltenen Waren und/oder Leistungen ab.“


    Damit ist klar geregelt, dass der Kunde mit seiner Bestellung an den Verkäufer ein verbindliches Vertragsangebot richtet. Der Verkäufer nimmt dies im Regelfall dadurch an, indem er eine Auftragsbestätigung schickt oder aber zur Zahlung auffordert oder die Ware selbst ausliefert.


    Beispiel: „Die Bestätigung des Zugangs der Bestellung erfolgt per E-Mail unmittelbar nach dem Absenden der Bestellung und stellt noch keine Vertragsannahme dar (Bestellbestätigung). Der Vertrag kommt durch die Zusendung oder gesonderte Bestätigung (Auftragsbestätigung) zustande.


    Damit ist klar geregelt, dass eine E-Mail-Bestätigung über den reinen Zugang der Bestellung noch keine Vertragsannahme durch den Verkäufer darstellt. Dies erfolgt erst mit dem Versenden bzw. der Auftragsbestätigung, die zumeist erst dann erfolgt, wenn der Verkäufer auch wirklich ausliefern kann. Eine E-Mail-Bestätigung über den Zugang der eigenen Bestellung beim Verkäufer ist also nicht mit einer rechtlich verbindlichen Auftragsbestätigung des Verkäufers zu verwechseln.


    Gruß Armin

  • moin an alle,
    abschließend dieses offtopic-themas: mir ist schon klar, dass rein rechtlich verträge schon allein mit Handschlag gültig sein können. um meine Antwort nicht unnötig in die länge zu ziehen, habe ich das mit dem wort "belastbar" umschrieben, dass kaum eine Vorbestellung rechtlich einklagbar wäre. andersherum unterliegen Vorbestellungen dem Fernhandelsgesetz (Außnahme: Sonderanfertigungen) sodass man bei in augenscheinnahme vom vertrag zurücktreten kann. also im Grunde in beiden Richtungen nicht wirklich bindend, nicht "belastbar".


    für mich ist das Thema aber damit beendet.


    tschüß volker

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