Groß-Reken und sein Bahnhof

  • 1. Das Empfangsgebäude


    Hallo Freunde der Spur 0,


    während ich in den vergangenen Monaten die Beiträge schrieb zu „Der lange Weg zum kleinen Bw“ ( Der lange Weg zum kleinen BW) bekam ich zahlreiche Anfragen, wie ich denn die Situation links und rechts vom Bhf.-Gebäude und dahinter gelöst hätte; d.h. landschaftlich, perspektivisch, baulich, technisch usw.


    Darum habe ich mich entschlossen, mal in 3 Beiträgen mein Vorgehen genauer zu beschreiben. Vielleicht hilft es ja. Und wenn es nur einem einzigen einen guten Einfall gibt, hat es seinen Zweck erfüllt.


    Auf alle Fälle hoffe ich, dass es allen Freude macht.


    Also: jahrelang sah das in Groß-Reken so aus:
    Ein paar Gleise lagen auf dem gebeizten Holz, ein Bausatz aus Polystyrol mit einigen Lämpchen und davor ein paar Preiserleins unterhalb der Schienenoberkante.
    Kein Bahnsteig – nichts. Der einzige Luxus: die beste aller Ehefrauen hatte schon ein paar Gardinen genäht, gerafft und der Autor hatte sie mittels Holzleisten hinter die Fenstergläser montiert.



    Zunehmend wurde die Szenerie mit immer mehr Accessoires ausgestattet:
    Wahlplakate von 1969, Automaten, Telefonzelle, Fahrradständer, ein altes schwarzes Mercedestaxi, Fahrplananschläge und vor allem das Namensschild „Groß-Reken“ kamen hinzu.



    Aber alles sah doch immer noch sehr wie eine große Baustelle aus. Die „Idee eines Empfangsgebäudes“ aber noch nichts wirklich Fertiges, wie wir es in Natura kennen.


    Sicherlich der schwächste Punkt war: das war keine Bhf. für normale Leute. Da musste man ja Olympia-Hochspringer sein, um in den Zug zu gelangen. Es fehlte also ein (Haus-) Bahnsteig.
    Immer dringlicher wurde dieses Bedürfnis, nachdem schon vor einigen Monaten ein Großteil des restlichen Bahnsteigs mit Pappelreihe und dahinterliegender Bushaltestelle fertig geworden war.



    Jetzt wurde das Loch vor dem EG zum richtigen Desaster und glich einer eiternden Wunde, auch in der Fantasie des Autors.
    Wie soll das Ganze aussehen? EG auf dem Bahnsteig (obendrauf)? EG in den Bahnsteig eingelassen? Wie soll das hinter dem EG aussehen? Wie soll es neben dem EG aussehen? Alles in einer Ebene? Wie die Übergänge? Wo die Bäume? Keine Bäume?????


    Und dann kamen ganz plötzlich nach vielen Zeichnungen und Diskussionen (mit mir selbst – und der besten aller Ehefrauen) die Tage mit dem Arbeitsanfall und alles ging plötzlich ganz einfach und schnell.


    Wie viele andere Teile auf der MoBa-Anlage wurde das EG und die allernächste Umgebung als Minidiorama gebaut, das nach Fertigstellen als Ganzes auf die Anlage transferiert wird. Besonders zu beachten ist hierbei natürlich der Übergang zum nächsten benachbarten Diorama; der muss stimmen, sonst sieht das alles nur wie Stückwerk aus.


    Hier nun ersteinmal das fertige Diorama vom Bhf.-EG.
    Die Bilderserie entstand bei einem Spaziergang an einem warmen sommerlichen Spätnachmittag.













    Abschließend ein paar technische Angaben:
    die Beleuchtung des Dioramas wird über Schaltdecoder von Uhlenbrock gesteuert; der Bahnsteig besteht aus Styrodurplatten für die Trittschalldämmung behandelt mit Faller Straßenfarbe und Drainagematerial von ASOA; die Bleiverkleidung für die Schornsteine wurde aus Ponal/Wasser-getränktem Tempotaschentuch geformt; die Bäume und Sträucher sind von Mark Isler/Modell-Design.net; Gräser und Büsche sind von Silhouette; Gullys und Kanaldeckel sind von Wenz; und Fernsprecher, Telefonzelle und Mülleimer sind von Hofmann’s Modellbau und das kleine Becken mit dem Wasserkran von Real-Modell.


    So, das war’s für heute.
    Weiter geht’s demnächst mit der Integration des Dioramas auf der MoBa-Anlage und dem Bau vom Bhf.-Vorplatz.


    Beste Grüße


    Hendrik

    Edited 3 times, last by HüMo: Link eingesetzt ().

  • Hallo Hendrik,


    grossen Respekt vor Deiner Arbeit! Du zeigst sehr gefällig und nachvollziehbar die Entwicklung dieser Anlage in Wort und Bild(ern). Richtig durchgängig.


    Die Idee mit den Gardinen ist für mich der Anstoss, sofort die Papiergardinen aus meinem Salonwagen zu entfernen um diesen mit echten Stoffgardinen zu versehen. Die Idee als solche hatte ich ganz allgemein auch schon mal, aber Dein Wirken ist nun der volle Trigger es (erstmalig) umzusetzten. Danke, insbesondere an Deine beste aller Ehefrauen.

  • Hallo Freunde


    ich bin ja über die tolle Resonanz tief beeindruckt. Besten Dank an alle.
    Ich habe gar nicht gedacht, dass die Geschichte so "einschlägt".
    Das spornt mich ja richtig an, so schnell wie möglich weiter zu schreiben.


    Nach dem Spur 0 Treffen in Dachau am Wochenende geht's auch gleich weiter. Fest versprochen.


    Viele Grüße


    Hendrik

  • Hallo Hendrik,


    feine Sachen betreibst Du da. Gefällt und regt an. Klasse :thumbsup:


    Eine kleine Anmerkung zum Toilettenpapierhalter in der Damentoilette:
    in Deiner Epoche und allgemein auf solchen "Plumpsklos" kommt mir der Halter für sehr fortschrittlich vor.
    Ich kenne diese Örtlichkeit eigentlich nur so, dass maximal ein Drahtbügel auf einem Holzbrettchen mit ner Holzrolle die Papierrolle hielt.
    Da das aber nicht Vandalensicher war, lag, wenn überhaupt, das Toilettenpapier auf der Holzverkleidung der Grube. :)
    Und noch etwas zur Entlüftung der Plumpsklos:
    Direkt aus der Grube/ Verkleidung wurde ne 100er Leitung über Dach gezogen. Dadurch war es dann zum aushalten.
    Dein Regenhut wäre besser zur Aussenwand hin aufgehoben.


    Mit sanitären Grüssen von der Ostfront
    Knut

  • Hi,


    ich kenn das noch als kleiner Junge, wo damals ältere Leute noch einen Drahtspiess mit in ca. DIN A 5 geschnittenem Zeitungspapier draufgespiesst an der Wand des Plumsklos befestigt hatten. (Druckerschwärze? Mahlzeit - lecker :rolleyes: ). Naja, o tempora, o mores.

  • Hallo Robert, hallo Knut


    ihr seid ja wahrhaftig schon sehr nah an des Rätsels Lösung.


    Der Bahnhofsorsteher von Groß-Reken ist schon sehr progressiv für seine (damalige) Zeit (man schreibt das Jahr 1969).


    Für das Männerklo hat er bereits den berühmten Automaten aufhängen lassen; und auf der Frauenseite wurde gerade erst der Papierhalter angebracht. Deshalb ist der auch noch leer.
    Das zerschnippelte Papier vom Groß-Rekener Kurier auf Drahtspieß kann man nicht sehen. Das ist links hinter der Wand.



    Bzgl. Gestank: wir haben hier in Groß-Reken einen recht starken Westwind. Der bläst Gott-sei-Dank alles Richtung Gewerbegbiet und Nachbargemeinden. Da sollen doch dann die gefälligst das Problem lösen (lassen).


    Beste Grüße


    Hendrik

  • Hallo Hendrik,


    da paß mal bloß auf das dat Klo nicht nach n´ viertel Jahr so aussieht wie bei mir: :D





    "Ferkel" gibt´s vielleicht auch in Spur 0...


    Gruß Peter

  • Na Freunde


    jetzt müssen wir ja bald einen neuen Thread aufmachen. So in der Art: "Klos in Spur 0". Sonst verfehlen wir hier das Thema.


    Peter: die Klos sehen ja richtig echt aus; wenn das nicht mit der Tiefenschärfe wäre...; aber auch die kann man ja inzwischen mit Nachbearbeitungsprogrammen künstlich erzeugen; ich frage mich nur, wie oft und lange Du dafür in der Realität geübt und studiert hast;


    @Johann: habe im MIBA-Messeheft gelesen, dass es Maulwurfshügel in Spur 0 geben wird; vielleicht kann man ja die dafür nehmen.


    So - jetzt gehe ich mal die BR 78 für die Messe in Dachau verpacken.


    Vielleicht sieht man sich ja. Wäre sehr schön.


    Bis dann


    Hendrik

  • Hallo liebe Leser


    so, nachdem wir jetzt einen kurzen und sehr lehrreichen Ausflug zu Bahnhofstoiletten gemacht haben und dabei gelernt haben, dass für die richtige realistische Darstellung schon eine ganz besondere Patinierungsfähigkeit gefordert ist ;), kommen wir jetzt zu


    2. Das Einpassen des EG-Dioramas in die MoBa-Anlage.


    Weiter geht es also mit dem Bau des Empfangsgebäudes in Groß-Reken und dem Fertigstellen des Hausbahnsteigs.


    Wichtig war, dass die Übergänge links und rechts des Dioramas vorbereitet sind für einen perfekten Übergang zu den benachbarten Anlagenteilen oder aber Platz lassen für evtl. „Pufferstücke“, die als Adapter/Übergänge dienen.


    Bei dem EG-Diorama ist auf der rechten Seite das WC-Häuschen. Direkt daran wurden Büsche gesetzt, die den Übergang zum tieferliegenden Busbhf. mit Kopfsteinpflaster kaschieren.


    Auf dem Bahnsteig steht die Telefonzelle direkt neben dem Dioramenübergang und lenkt die Aufmerksamkeit des Betrachters ab von dem kleinen schwachen Ritz im Bahnsteig. Etwas trickreich ist hier allerdings die perfekte Farbanpassung der Bahnsteigteile. Wenn nicht alles aus einem Stück gebaut wird, muss man etwas probieren, bis es bei dem verwendeten Licht genau passt.



    Zudem besitzt das rechts anschließende Diorama ebenfalls zwei „Hingucker“, die vom Übergang ablenken: der Bohlenüberweg zum Bahnsteig 2 und den Fahrradständer auf dem Hausbahnsteig.



    Somit sieht momentan der Hausbahnsteig rechts vom EG (bestehend aus 3 zusammengesetzten Kleindioramen) folgendermaßen aus:













    Auf der linken Seite vom Empfangsgebäude war noch kein fertig gebautes Diorama vom Bhf.-Vorplatz vorhanden. Als Übergang wurde hier eine kleine Treppe hinter dem Bahnsteig angelegt, die vom Bahnsteig hinunter zum Vorplatz führt.



    Davor – zum Gleis hin – wurde noch der Bahnsteig vorn verlängert, am Vorplatz vorbei bis zum Kiosk „Nüssings Halle“ und fast bis zum Gewerbegebiet. So wurde eine Gesamtbahnsteiglänge von fast 3 Metern erreicht.


    Am Ende, als dann alles fertig war, sah das so aus:



    So das war’s wieder für heute.


    Beim nächsten Mal geht’s dann um den Bau des Kleindioramas vom Bhf.-Vorplatz, der eigentlich mehr ein „Seitenplatz“ ist.


    Beste Grüße und bis demnächst


    Hendrik

  • Hallo Hendrik,


    sehr schön gebaut und vor allem auch schön in Szene gesetzt!!! :thumbsup: Das gefällt mir - Gratulation!


    Gruß Peter

  • Hallo zusammen


    herzlichen Dank für all die Blumen und tollen Statements. Ich habe mich sehr darüber gefreut.


    Tief beindruckt hat mich auch die Reaktion von Robert/BTB0e+0, dass er jetzt die Papiergardinen seines Salonwagens durch echte Gardinen ersetzen will. Bin schon sehr gespannt. Wenn sie fein genug sind, ist das bestimmt ein zusätzlicher Gewinn und wird toll aussehen.


    Ich bin gerade mit dem Zusammenstellen der Bilder für den letzten Teil des Bauberichts über den Vorplatz beschäftigt und hoffe mal, dass das nicht so lange dauern wird.


    Beste Grüße


    Hendrik

  • Hallo Spur 0-er


    bevor jetzt die BR 58 von Kiss in Groß-Reken einrollt, möchte ich doch noch den Baubericht vom Bahnhof in Groß-Reken abschließen.
    Denn dann werde ich wohl erstmal kaum noch Zeit zum Schreiben finden, da ich soviel im MoBa-Keller spielen...ähm..arbeiten muss.


    Hier also jetzt das letzte Kapitel:


    3. Der Bahnhofsvorplatz


    Auch hier sah das jahrelang so aus:




    Der Kiosk „Nüssings Halle“ (ein Bausatz von Real-Modell) war fertig gebaut und mit einer selbstgebauten Einrichtung versehen worden. Beleuchtung gab es auch.


    Aber sonst stand der Kiosk recht verloren auf einem Anlagenplatz zwischen dem Gewerbegebiet mit halbfertigem Zaun und dem Empfangsgebäude vom Bhf.


    Es war nicht klar:
    soll der Kiosk auf den Bahnsteig oder auf einem Platz neben dem Bhf.? Soll dieser Platz tiefer sein als der Bahnsteig? Wie soll dann der Übergang Platz-Bahnsteig sein? Wie sieht das dann in der gedanklichen Vorstellung für den Betrachter auf der Straßenseite vom Bhf.-Gebäude aus? Wird dabei das „Höhen-Empfinden gestört? Auch soll an den Übergang an eine später Hintergrundkulisse gedacht werden. Auf gut deutsch: ist das Ganze hinterher stimmig?


    Als dann das Empfangsgebäude vom Bhf. mit Hausbahnsteig fertig war und an seinem Platz stand, war klar wie es weitergehen soll:


    Eine kleine Treppe führt vom Bahnsteig mit ein paar Stufen hinab zum Platz.
    Vorn wird der Platz zum Gleis hin begrenzt mit einer kurzen Weiterführung des Bahnsteigs.
    Ein Zaun sichert vor dem Herabstürzen der Reisenden.
    Vom Ende des Bahnsteigs folgt dann eine Begrenzung mit Büschen und Sträuchern bis hin zum Zaun des Gewerbegebiets.







    Gepflastert wurde der Platz mit Gipsplatten von Vampisol. Da diese Platten sehr filigran sind, wurden sie mit Ponal-Verklebung auf 3mm Styrodurplatten stabilisiert.


    Für den „Bürgersteig wurde Segmentbodenpflaster gewählt (ergänzt durch Steinplättchen (Domus Kits, Barcelona) um den Kiosk herum).
    Für den Straßenbereich wurden Pflasterplatten von Kopfsteinen gewählt, die im Reihenverband verlegt sind.


    Gealtert wurde mit der Alterungsfarbe von Real-Modell und einem Sand/Ponal-Gemisch. Ich sollte allerdings darauf hinweisen, dass die Vampisol-Platten – so schön sie strukturmäßig aussehen – den Nachteil haben (neben der hohen Bruchgefahr), dass sie nur geringe Furchenvertiefungen zwischen den Steinen aufweisen und damit Alterungsmaterialien enorm schnell wieder ausgewaschen werden. Es bleibt also sehr viel Versuch-und-Irrtum bei der Patinierung.




    Schließlich wurde der Platz noch verfeinert mit Bänken von Lütke-Modellbau, einer Litfaßsäule von Wenz und Pflanzkübeln von „Miniaturbeton“. Pflanzen kamen von Busch und Faller. Und Paulo lieferte Weinflaschen, Bierkisten, Orangenkisten etc.


    Und so sieht das dann vom Gleis her in der Mausperspektive aus:






    Das letzte Bild zeigt dann noch abschließend den Blick über die Gleise zum Bahnhofsvorplatz von Groß-Reken und den Übergang zum benachbarten Gewerbegebiet mit der Firma Oberdorfer.


    Davon aber demnächst mehr in einem anderen Kapitel.



    Ja, das war’s diesmal.
    Ich hoffe, dass diese Zusammenfassung hilfreich war und ist; und allen Freude gemacht hat und auch zu vielen neuen Ideen führen wird.


    Beste Grüße und bist demnächst


    Hendrik

  • Hallo Hendrik,


    wirklich ganz sauber, was Du hier zeigst. Wirkt nicht überladen.
    Bin am überlegen, ob die Kioskbesucher mit einem Zaun zu den Bahnanlagen hin geschützt werden müssen.
    So es Alkoholausschank gibt, wahrscheinlich ja.
    Das liegt in Deiner Entscheidung.


    Grüsse von der Ostfront
    Knut

  • Hallo Spur 0 Freunde


    vielen herzlichen Dank für die tollen Kommentare.


    Bestimmt gibt es auch Fortsetzungen. Dann aber in anderen Kapiteln/Threads.
    Aus Groß-Reken gibt es so viel zu berichten, da passiert so viel; das wird wohl erst einmal nicht langweilig werden.


    @ Knut: mit dem Zaun hast Du wohl Recht; mit morgentlichem Sarkasmus könnte ich ja sagen: "da sind sowieso zu viele Figuren auf der Anlage" :)), aber momentan bin ich schon am Basteln eines richtig schön verrosteten, löchrigen alten Maschendrahtzauns. Der könnte wohl dorthin passen.
    Mal sehen.


    Bis demnächst und viele Grüße


    Hendrik

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!