Wellblech – well done

  • Wellblech selber herstellen


    Mit diesem kleinen Beitrag möchte ich Euch meine Methode vorstellen, Wellblech selber anzufertigen.


    Manche Bilder werden in höherer Auflösung geladen, wenn man sie anklickt.
    Und da ich Wert darauf lege, dass meine Threads keine Threats sind, geht das ohne Anmeldung und ganz ohne Werbung.



    Einführung


    Wellblech ist ein häufig verwendetes Baumaterial; beim Vorbild wie auch auf der Modelleisenbahn.
    Für Modellbauzwecke kann man Wellblech aus verschiedenen Metallen oder Kunststoffen kaufen. Je nach Anbieter und Material zahlt man für ein A4-grosses Stück bis zu 10 Euro und mehr.
    Die Versionen aus Kunststoff sind mir zu dick.
    Als günstiger Ersatz wird auch Wellpappe verwendet. Deren Trägerschicht stört mich aber. Ausserdem ist Pappe empfindlich, wenn Feuchtigkeit ins Spiel kommt, z.B. beim Bemalen.


    Ich verwende „weiches“ Aluminium, das sich fast überall in Form von Behältern, Schalen, Tuben usw. finden lässt. Die Materialstärke liegt zwischen 0,05 und 0,07 mm. Gewöhnliche Haushalts-Alufolie ist mit 0,01 mm zu dünn.
    Die meisten Spray- und Getränkedosen sind zwar auch aus Alu, für diesen Zweck jedoch ungeeignet, da es sich um „hartes“ Aluminium handelt.
    Am liebsten verwende ich Aluschalen, in denen sich einst ein „Fischfilet à la Bordelaise“ befand (andere Geschmacksrichtungen gehen auch), oder in denen die Lasagne vom Pizza-Service geliefert wird. Die Schalen sind auch sonst nützlich, z.B. bei Malerarbeiten:



    Das Ausgangsmaterial ist also im Wesentlichen gratis zu haben.


    Jetzt brauchen wir noch ein kleines, handelsübliches Haushalts-Gerät (Okt. 2017: momentan leider nicht mehr erhältlich). Gibt’s für 6,50 CHF (das sind z.Zt. ca. 5,40 Euro) in der Migros. Sicherlich findet sich so etwas auch anderenorts.


    So, genug der Vorrede, jetzt geht’s los…



    Entstehungsgeschichte


    Neulich drückte meine Liebste eine ihrer Cremetuben aus. Ich habe die Szenerie einmal nachgestellt:







    Sieht aus wie Wellblech, dachte ich...



    Herstellung


    Ich habe mir also Alu besorgt und den Tubenauspresser geliehen. Die folgenden Bilder dokumentieren meinen ersten Versuch:




    Eine leere(!) Cremetube wird so zurechtgeschnitten, dass das Blech durch den Tubenauspresser gedreht werden kann:




    Das Blech einfädeln:




    Und durchdrehen:




    Das Ergebnis kann sich schon sehen lassen. Es war nur etwas zu breit, dadurch wurde der untere Rand beim Durchdrehen verdrückt:




    Verarbeitungstipps

    • Vorsicht
      Wenn man die Aluminiumbleche schneidet, können rasiermesserscharfe Kanten entstehen!
    • Aluminium lässt sich (praktisch) nicht löten, aber einfach verkleben. Das kommt sicher so manchem (mir inklusive) gelegen. Welchen Kleber ich verwende, sieht man weiter unten.
    • Es ist leicht zu bearbeiten und lässt sich mit einer normalen Schere oder einem Bastelmesser schneiden.
    • Das Material vor dem Wellen glätten, indem man es mehrfach abwechselnd in unterschiedlicher Richtung und Orientierung über eine Tischkante zieht und auf einer glatten Oberfläche plan reibt.
    • Kleinere Abschnitte schneiden, wie man sie für Platten vorbildgerechter Grösse benötigt (z.B. 65mm x 25mm). Grosse Stücke funktionieren bei mir nicht, da der Tubenauspresser nach wenigen Umdrehungen schief zieht ;( Deswegen das Blech geringfügig schmaler schneiden als den Einzug und beim Einlegen rechts und links ein wenig Platz lassen.
    • Beim Wellendrehen ein paar Mal vor- und zurückfahren, um die Wellen schön auszuformen.
    • Das gewellte Material ist erstaunlich formstabil. Man kann es ruhig in die Hand nehmen, ohne dass es gleich zerdrückt wird. Trotzdem kann man, wenn es misslingt, das Alu einfach wieder glattstreichen und dasselbe Stück nochmals durchdrehen – beliebig oft, ohne Verluste.
    • Da das Blech durch das Wellen kürzer wird, muss man es entsprechend länger ausschneiden. Wie viel, kann man mit der Sinus-Funktion berechnen. Das möchte ich Euch jetzt aber nicht antun ;)
      Es genügt, den Wert mit eins, zwei Probestücken experimentell zu ermitteln. Umgekehrt kann man auch die Anzahl Wellen bestimmen, die man aus einer bekannten Länge erzeugt.
      Mehrere Platten verlegt man dem Vorbild entsprechend überlappend, wofür man nochmals 2 Wellen hinzurechnet.


    Anwendung


    Der gezeigte Tubenauspresser erzeugt Wellen von gut 3 mm. In 1:1 entspricht das ca. 140 mm – absolut vorbildgerecht. Das lässt sich auch noch gut für die grössere Spur I und bedingt für II und H0 verwenden.


    Für meinen Autounterstand wollte ich ein Wellblechdach. Auf dem Bild rechts der Unterstand, links eine Aluschale, davor ein Streifen aus einer solchen Schale: geglättet, in der gewünschten Breite zugeschnitten und die einzelnen Platten in der benötigten Grösse plus Wellen-Zuschlag markiert:




    Die einzelnen ausgeschnittenen Platten:




    Anschliessend durch meinen (mittlerweile habe ich einen eigenen, damit es keinen Streit gibt) Tubenausdrücker gedreht:




    Hier ein vergrösserter Ausschnitt:




    Sieht doch gut aus das Material: leicht aber dennoch stabil:




    Das Dach wird in der gewünschten Grösse zusammengeklebt:




    Das hatten wir ja schon an anderer Stelle:



    Wenn man ein älteres, etwas verwahrlostes Dach darstellen möchte, einfach alles weniger akkurat machen: z.B. Ecken abknicken, ein bisschen schief kleben, Löcher rein,... auch Platten verschiedener Grösse machen sich gut. Richtig authentisch wird es dann nach einer entsprechenden Bemalung.



    Das Ergebnis der Farbbehandlung wird es in einem anderen Bericht zu sehen geben. Und so geht es weiter:




    Freundliche Grüsse aus der Schweiz
    Peter

    Edited once, last by pgb: Bilder wiederum neu verlinkt - danke ihr lieben Bilderhoster, dass ihr Millionen Forenbeiträge zerstört! ().

  • Hallo Hendrik,


    wie so oft im Leben gibt es viele Dinge in verschiedenen Größen. Eine schnelle Anfrage bei Hr. Google hat ein Wellblech 42/160 ans Licht geführt. Natürlich stimmt auch hier der Maßstab nicht, aber vielleicht handelt es sich bei dem Wellblech ja auch um ein Sondermaß?


    Für mich ist es ein genialer Tipp und auch das Resultat finde ich toll. Maßstab hin oder her.


    Gruß
    Stefan

  • Bevor alles wieder, wie leider so oft hier, zerredet wird....


    GENIALE IDEE!!!!


    Dafür gibts auch 'ne + Bewertung!

    Gruss
    Stefan


    yusgss3p.jpg

    Wenn man bis zum Hals in der Scheisse steckt, sollte man den Kopf nicht hängen lassen...

  • Apropos zerreden...


    die Idee ist einfach super, werde am wochenende gleich mal losziehen und so einen Auspresser suchen.


    Jetzt etwas was hier ja eigentlich nicht hingehört, aber zum Schluss-Satz passt:


    Rennt eine Maus über den Bauernhof, auf der Flucht vor der Katze. Als sie eine Kuh sieht ruft sie schon von weitem Hilfe,Hilfe. Bleib stehen sagt die Kuh – lässt einen großen grünen Fladen fallen und die Maus ist weg, nur der kleine Schwanz schaut noch raus. Kaum ist die Katze da, schnappt sie zu und frisst die Maus.
    Die Moral von der Geschichte: Nicht jeder der die bescheisst ist den Feind, aber nicht jeder der dich aus der Scheiße zieht ist dein Freund! Nur wenn man schon so tief in der Sch.. sitzt, dann lass den Schwanz nicht raushängen. ;(


    In diesem Sinne, Kopf hoch weiter machen.
    Ich hoffe ihr verzeiht meine Ausschweifung...
    Gruß
    Hörby

  • Das Echo hat mich glatt umgehauen. Ich freue mich, dass Euch der Beitrag gefällt.
    Das Forum war heute Abend leider für einige Zeit nicht erreichbar. Ich werde im Laufe der Woche aber noch eine ausführlichere Antwort erstellen.
    Insbesondere die Frage nach der richtigen Wellenlänge: UKW, KW, MW, LW,... hat mich im Vorfeld auch umgetrieben.


    Freundliche Grüsse aus der Schweiz
    Peter

  • Nochmals herzlichen Dank für Euer Interesse an meinem Beitrag.


    Die Frage nach der Realisierung anderer Wellenlängen kann ich nur ansatzweise beantworten:

    • Eventuell gibt es andere Tubenauspresser mit feineren oder gröberen Zahnwalzen.
    • Ich habe Berichte gelesen, in denen Wellblech mittels paralleler, auf einem Holz angebrachter Drähte, Röhrchen oder Rundstäben produziert wurde. Mit einer solchen Methode könnte man Wellbleche mit allen möglichen Wellenlängen erzeugen.[/url] (Oktober 2017: wie so oft sind die Bilder mittlerweile verschwunden)
    • Es gibt sogenannte Paper Crimper zum Papierprägen. Ich habe ein solches Gerät allerdings noch nie in den Händen gehabt.
    • In einem anderen Bericht las ich, dass Wellblech mittels eines vieladrigen Computer-Kabels nachgebildet wurde.
    • Dann noch die schon erwähnte Wellpappe selbst, und kaufen kann man ja auch noch so einiges…


    Aus meiner Sicht muss das Wellblech nicht genau einem ganz bestimmten Vorbildmass entsprechen.
    Ich habe Wellen zwischen 76 und 180 mm gefunden. Früher wird die Vielfalt eher noch grösser gewesen sein. Und da meine Modellbahnwelt Anfang der 60er Jahre spielt, gibt es bei mir eine solche Vielfalt.


    Ein Beispiel von vielen, ein Hersteller mit 3 Wellenlängen:



    Quelle: http://www.hoesch-bau.com/uplo…oads/140917_kl-BTP_de.pdf (Oktober 2017: PDF nicht mehr verfügbar)


    Und ein Beispiel mit 180mm Wellenlänge: http://www.nordbleche.de/produkte/wellblech/nb-45180.html (Oktober 2017: Webseite nicht mehr verfügbar)



    Der gezeigte Tubenauspresser erzeugt Wellen von gut 3 mm. In 1:1 entspricht das ca. 140 mm – absolut vorbildgerecht. Das lässt sich auch noch gut für die grössere Spur I und bedingt für II und H0 verwenden.


    Um das etwas anschaulicher zu machen, habe ich eine kleine Grafik für alle gängigen Baugrössen angefertigt. Die blauen Balken zeigen jeweils den Vorbild-Bereich von 75 bis 200 mm, unterteilt in Abschnitte von 25 mm. Die horizontale Achse zeigt die Modell-Wellenlänge in mm. Die rote Linie markiert die von mir vorgestellte Wellenlänge.




    Freundliche Grüsse aus der Schweiz
    Peter

    Edited once, last by pgb: Bilder wiederum neu verlinkt - danke ihr lieben Bilderhoster, dass ihr Millionen Forenbeiträge zerstört! ().

  • Hallo Wellenreiter,


    wie oben schon geschrieben, gibt es kein "Richtig" oder "Falsch" bei Wellblechen, das sieht man ja an den vielfältigen Formen des Wellblechs, die lieferbar sind. Die Größe der Welle ist normalerweise abhängig von der Belastung der Dachfläche und der Spannweite, d.h. je größer diese beiden Faktoren desto höher die Welle. Und damit ändern sich (logischerweise) auch der Abstand der Wellen untereinander...


    Dazu 2 Beispiele:
    Auf dem Dach einer Werkhalle, das zu Wartungszwecken auch mal betreten werden muss, würde man ein relativ hohes Profil einbauen. Hier liegen die Spannweiten (Abstände der Tragkonstruktion) oft mehrere Meter auseinander.


    Ein kleines Vordach über einem Eingang, das nur dem Witterungsschutz dient, kann dagegen mit einer flachen Welle eingedeckt werden. Hier würde normalerweise keiner auf die Idee kommen, darauf zu steigen.


    In beiden Fällen muss natürlich das Dach die zu erwartende Schneelast aufnehmen können. Diese hängt einerseits von der Dachneigung (z.B. flach geneigt oder Steildach) andererseits von der Gegend (z.B. Schwarzwald oder Lüneburger Heide) ab.


    Zu den Bastelmaterialien: dieses Dach besteht aus Alublech:


    und dieses aus Polystyrol (die Kanten sind inwischen nachbehandelt):


    Das Alublech ist sicher filigraner, ich kann aber mit beiden Stärken gut leben.


    Gruß
    Thomas

  • Hallo 0 Fans, hallo Peter. Ich glaube wir sollten uns hier nicht über die Wellenlänge den Kopf heiß machen. Wichtig ist der Gesamteindruck und der stimmt auf jeden Fall. Tolle Idee, was man für unsere Spur so alles aus dem richtigen Leben verwenden kann.


    Gruß Micha :thumbsup:

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