Hin und her in Oberfranken - Rangieren in "Krumme Fohre"

  • Liebe Freunde des raumbegrenzten Rangierens,


    der Frage "geht Spur 0 auf nur 210 x 45 cm?" sind wir an dieser Stelle Spur 0 auf 210x45 cm .... geht das? nachgegangen. Auf vielfachen (na gut, es waren nur zwei...) Wunsch geht´s jetzt mal um einen typischen Betriebsablauf in "Krumme Fohre". In früheren Zeiten hätte das wohl "abgeschlossener Fotoroman" geheißen... ;)


    Wir fangen mal mit einem Wiederholer an. Da ist er, der spartanische Spurplan des Hp Krumme Fohre (Ofr). Fall jemand über die Hp-Eigenschaft nach EBO diskutieren möchte, findet er in og. Beitragsbaum Anregungen...und natürlich auch die dazugehörige Zonengrenzlandgeschichte...



    Etwas bunter geht´s auch. Deshalb noch mal das überschaubare Panorama der oberfränkischen Zonengrenzlandidylle...



    Die Ruhe vor dem Sturm. Nach dem der morgendliche Pto "Krumme Fohre" in Richtung Süden verlassen hat, macht sich trügerische Ruhe breit. Nur ein Kühlwagen döst auf einem der Anschlussgleise der Porzellanfabrik "Königlich Tettau" vor sich hin. Fragt mich nicht was die Porzellanfabrik mit einem Kühlwagen will...vielleicht gefüllte Butterdosen transportieren oder Weißbier für die Belegschaft? Na egal, einigen wir uns darauf, dass der Kühlwagen halt da war...



    Weil´s so schön war, gleich noch mal...hier mit Blick über den malerischen Recyclinghof... Warum die Fahrgäste jetzt schon auf den Mittagszug nach "Grub am Forst" (nächste größere Ansiedlung höherer Lebewesen) warten? Wahrscheinlich haben sie nichts zu tun oder sie sind angeklebt...?



    Keine Ahnung, warum der Wagen vor dem Fabrikgebäude steht und nicht innen (vielleicht weil die Fabrik nur eine Kulisse ist :rolleyes: ?) Genug der Fragen, am Horizont ertönt sonores Motorengeräusch...



    Nun erscheint die Rangierabteilung auf der Bildfläche. Die Herren Leikeim (Rltr) und Kulmbacher (Lf) (wer jetzt übrigens Durst auf ein Weißbier bekommen hat, darf zum Kühlschrank gehen und sich eins holen...zurück? Gut, dann geht´s weiter...) dieseln mit der V60 und drei Wagen für den Anschluss in Krumme Fohre heran. Da Krumme Fohre keine Umsetzmöglichkeit aufweist, wird geschoben...



    Die überschaubare Rangierabteilung kommt rechtzeitig vor dem zonengrenzbedingten Gleisabschluss zum Stehen. Rltr Leikeim tritt in Aktion...



    Da der Kühlwagen (wir erinnern uns...was macht der nochmal hier?) noch nicht vollständig entladen worden ist, muss er in den Rangierplan eingearbeitet werden. Die drei mitgebrachten Wagen bleiben in Krumme Fohre, soweit kein Problem. Der Kühlwagen (ständig Ärger macht der) muss auf dem vorderen Anschlussgleis verbleiben, soll aber vorne zu stehen kommen, damit die Nachmittagsfuhre (die immer etwas unter Zeitdruck ist wg. des drohenden Berufsverkehrs-Pto) ihn ohne große Sägereien mit nehmen kann. Zudem ist die Auszuglänge in Richtung "Grub am Forst" auf Lok plus zwei Wagen begrenzt (kein Wunder, da ist die Anlage auch zu Ende...). Das ganze erfordert also Überlegung, will man sich nicht den ganzen Vormittag verhobeln...



    Da ist Rltr Leikeim in seinem Element. Grübel...und ja, Lok abhängen und erst mal unter die Staatsstraßenbrücke dieseln. Dann gekonnt abspringen (schade, guckt wieder kein Schwein zu...) und die Weiche in Richtung Anschluss aufschließen und auf Abzweig legen.



    Nun ist erst mal der Kühlwagen dran und muss seinen angestammten Platz verlassen. Angekuppelt (nimmt der eigentlich irgendwann mal die Hände von den Hüften...?) und los geht´s...



    Lf Kulmbacher verspürt zwar schon gewaltigen "Durscht", die Pflicht geht aber vor, also wird zurückgesägt...diesmal mit dem widerspenstigen Kühlwagen im Gepäck...



    Wie dröhnt´s so schön unter der Staatsstraßenbrücke...und schon erreicht die Fuhre die stehengebliebene Wagengruppe...



    ...soo, und nun ganz vorsichtig den Kesselwagen (ja, auch eine Porzellanfabrik benötigt Heizöl...) mitnehmen...



    Auf besonderen Wunsch des Herrn Leikeim zeigen wir ihn hier noch mal in der Pose als "Held der Arbeit" :)



    Fortsetzung folgt...



    Viele Grüße aus Krumme Fohre


    Alexander

  • Fortsetzung...


    Inzwischen hat unser Rangierer endlich jemanden zum "ratschen" gefunden (man beachte die konforme Körperhaltung) und erläutert wortreich seine Bedeutung für den deutschen Eisenbahnbetrieb... vielleicht reden die Beiden aber auch über die geneigte Lenz-Laterne (die kam mal in den Staubsauger und ist seit ihrer glücklichen Errettung etwas aus der Bahn geraten...) oder auch über die Mühsal Grenzzeichen von Weinert zu bemalen (s. Vordergrund)...oder darüber, warum der wuschige Erbauer hier Weichen mit Antriebsimitationen und nicht mit Handhebeln verbaut hat und wo sind überhaupt die vorgeschriebenen Gleissperren...? Lieber nicht weiter zuhören...



    Nun ist der Kessel am rechten Ort und kann entleert werden...Nee, aber nicht in den Diesel-Mercedes des Vorarbeiters...! Und einmal mehr wird zurückgesägt...



    Der Kühlwagen hat mittlerweile das gesamte Gleisnetz von Krumme Fohre kennengelernt (wozu bekanntermaßen nicht viel gehört) und muss mit zurück...



    Retour auf Gleis 1 wird nun der G10 mitgenommen (ich weiß, Bremserhäuschen um 1970 geht eigentlich gar nicht, aber s.o. die Wagen sind halt da....).



    Währenddessen haben sich auf der wilden Parkfläche neben Gleis 1 einige Automobilisten (erkennbar an der gerundeten Körperform, ist halt nischt, wenn man immer nur hinter dem Steuer sitzt...) zusammengefunden und diskutieren über den zukünftigen Modal-Split zwischen Schiene und Straße...



    Nun wagen wir mal einen Blick auf die andere Seite der Staatsstraßenbrücke... wie man sieht, sieht man noch nicht so viel. Aber auch aus der Mondlandschaft wird noch was...



    Nun geht der G10 in Richtung Porzellanfabrik. Endlich können Omas Sammeltassen verladen werden... Wie man sehen kann, ist die Staatsstraßenbrücke immer noch nicht mit einer Absturzsicherung versehen...oha



    Na bitte, passt. Und der lästige Kühlwagen kann auch gleich da bleiben...endlich! Und auf zur letzten Runde...



    Einen ha´m wir noch... der Omm 52 muss noch ans Ziel...und die Brotzeit lockt, also Tempo! Hin...



    ...und wieder zurück...



    ...der Omm ist am Ort. Die V60 macht sich vom Hof...



    Rltr Leikeim nimmt wiederum die Feldherrenpose auf der Rangiererbühne ein und lässt sich (bei 40 km/h) den Fahrtwind um die Nase wehen. Hier riecht´s doch schon nach Brotzeit, oder?



    ...und tschüss! Die von Wagen befreite Lok kurbelt ab nach Grub am Forst...



    Nun kehrt wieder schläfrige Ruhe ein in Krumme Fohre...bis der Mittagszug kommt...



    Bleibt die Frage, was wollte der Autor dem geneigten Leser damit sagen...? Tja, vielleicht, dass Spur 0 auch auf kleinstem Raum spannende Betriebsabläufe ermöglicht und dass "kein Platz" einfach keine Ausrede mehr für eine fehlende Anlage ist ;) !


    Wie ihr sicher gemerkt habt, ist die Rangierordnung in Krumme Fohre eigentlich vom Zufall abhängig. Deshalb auch die großen Nummern auf den Güterwagen (auch für kurzsichtige Rangiergäste...). Die entsprechenden Lose werden vor der Rangiertour gezogen und damit ist dann auch die anzustrebende Endposition der Wagen festgelegt. Wer´s kompetetiv mag, kann auch um die Wette rangieren (Geschwindigkeits- und EBO-Regeln sind aber einzuhalten!)... wie gelesen, kann man die karge Mathematik aber gut mit netten Geschichten drapieren...


    Bis denne in Krumme Fohre!


    Alexander

  • Hallo Alexander,


    das ist eine anschauliche Geschichte die Du zum Betriebsablauf in "Krumme Fohre" geschrieben hast. Danke dafür - auch für die nette Illustration dazu. Auch den Herren Leikeim und Kulmbacher sie Dank gesagt. Die werden sicher noch ihren Kindern und Kindeskindern davon zu erzählen gehabt haben; von dem Tag, als ein Eisenbahnnarr sie begleitete und wie ein Verrückter hin und her lief und ein Foto nach dem andern machte von der elenden Rangiererei! Weswegen sich die Üg auch verspätete (was dem FdL Kolb überhaupt nicht gefiel) und es ein wenig Ärger gab. Der aber später (nach Dienstschluss) mit einem Hefeweizen (oder waren es mehrere?) herunter gespült und geglättet wurde. Der Ärger - nicht der FdL Kolb! ;)


    Ich bin mir sicher:

    Dieses Bild hing später voller Stolz in der Wohnung des Herrn Leikeim (Rltr). ;)


    Gerne mehr, wenn das Personal auch weiterhin so gut mitspielt. Über fehlende Zutaten wie Gleissperren oder Brückengeländer kann man auch gerne mal hinwegsehen, bei so einer schönen Betriebsreportage. :!:
    Ich hab's bei mir auf der Seite jedenfalls gern verlinkt.

    Edited 2 times, last by tom tofte ().

  • Hallo Tom, na, das ist ja ´ne Ehre. Verlinkung auf den Lokalbahn-Reminiszenzen...danke! Und ja, das mit dem Weißbier dürfte sich so zugetragen haben, kein Zweifel ;) .


    Hallo Andreas, vielen Dank. Zum Literaturnobelpreis wird´s wohl nicht reichen, aber na ja, wer braucht den schon :) ?


    Nach der Regel (...selber erdacht): Kein Beitrag ohne Bild - möchte ich mal zeigen wie das Ganze mit vorbildgerechterer Kupplung ausgesehen hat... nur leider - das Gefiesel mit Spezialpinzetten ging mir doch auf den Keks. Die An- und Abkuppelmanöver dauerten länger als im Original und wenn dann noch ein Wagen im Weg stand und oben eine Telegrafenleitung hing... Deshalb wurden die Originalkupplungen wieder gegen die Lenz-Klopper getauscht. Nicht schön, aber grandios funktionstüchtig.



    Bis demnächst im Zonengrenzland


    Alexander

  • Hallo Alexander toller Bericht,Spannend geschrieben,mach weiter so
    Gruß Ilona und Ralf

  • Hallo Alexander,


    obwohl ich kein ausgemachter Weißbierfreund bin habe ich deinen Bericht über das schweißtreibende Rangiergeschäft in Krumme Fohre mit großem Vergnügen gelesen! Kaum zu glauben was auf dieser kleinen Fläche doch so alles geht...
    Dein kleines Anlagenensemble gefällt mir im übrigen auch sehr gut: mit einfachen Mitteln hast du eine stimmige Szenerie geschaffen die wirklich echten provinziellen Charme Ausstrahlt - sehr schön! :thumbsup:


    Und jetzt erstmal ein Pilsken... :D


    Gruß, Dirk.

  • Hallo Alexander,


    danke für die hervorragenden Bilder, soviel Betrieb auf wenig Fläche, macht riesig Spaß anzuschauen!! ( und nebenbei bekommt man auch noch Lust auf ein Weißbier...) :D
    Ich habe Herrn Leikeim noch etwas beim Ratschen zugehört, und ich meine ich hätte sowas verstanden wie dass das obligatorische Schild "Gleisanschlussgrenze" fehlen würde, genauso wie die Sh 2 Markierungen ("Schutzhalt") an den geschlossenen Rolltoren. Und überhaupt stünden keine Hemmschuhe zum Sichern der Wagen zur Verfügung, die flögen doch sonst auf den Gleisanschlüssen immer neben oder im Gleis rum... 8) Aber das habe ich nur beim genauen Hinsehen Hinhören erfahren und wär mir sonst nicht aufgefallen.
    Ich hätte gern noch auf den "Mittagszug" gewartet, aber soviel Zeit hatte ich dann leider nicht. So bleibt die Frage: wie hätte diese Fohre äh Fuhre denn ausgesehen? Wieder ein Pto, oder gar ein lokbespannter Zug, der ggf als geschobene Rangierfahrt bereitgestellt wird? :S
    Vielleicht gibts ja noch ein Bild zur Aufklärung!


    Grüße Chris

  • Chris: Vielen Dank für die freundlichen Worte. Und, ja, der Leikeim ist ein echter Korinthenkacker...aber Recht hat er. Um die entsprechende KoRil 3677/34f (oder so ähnlich) zu erfüllen, wurde in Windeseile wenigstens schon mal provisorisch die Anschlussgrenze markiert...hier sieht man die Mannschaft der Bahnmeisterei beim umweltfreundlichen Einkauf von geeigneten Altmaterialien auf dem gleisnahen Recyclinghof. Die Chefin macht der Bundesbahn ´nen guten Preis...



    ...über die Gestaltung des Mastes sollte man allerdings lieber schweigen...nicht schön, aber selten...



    ...die Mastdicke hält auch den Anprall fehlgeleiteter Rangierhobel aus, die Weichenlaterne nicht...egal, Vorschrift Genüge getan, uff...


    Bis bald in "Krumme Fohre" ;)


    Alexander

  • Liebe Anhänger des Kurzstreckenlayouts,


    ja mach dir nur ´nen Plan, sei ein großes Licht, mach dir noch ´nen Plan, geh´n tun sie beide nicht...sagte schon der Dichter, der allerdings nicht aus Oberfranken, sondern aus dem südländischen Augschpurg stammte (Lautschrift in ortsüblichem Idiom). Wie üblich gilt, wer weiß, wen ich meine, darf sich jetzt ein Weißbier aus dem Kühlschrank holen...!. Trotz dieser entmutigenden Feststellung gibt´s natürlich auch für "Krumme Fohre" ein zugrunde liegendes Planwerk, das ich euch nicht ersparen möchte.


    Auf zur Grundlagenforschung! Grau ist alle Theorie...sagte ein anderer Meister deutscher Sprache... Damit er nicht vollständig Recht behält, kommt zumindest der erste Plan - der schon bekannte und schier unübersichtliche Spurplan - diesmal handcoloriert daher... schaut schon hübscher aus, gell?




    ...oben rechts geht´s nach Grub am Forst. Links unten ging es mal weiter nach Thüringen...ziemlich eng hier aber bunt...

    So richtig neu, sind ja nur die Farben. Gleichwohl kann man hier die ganze "Zwänge" (Achtung Insiderwitz ;)) der ungewollten Grenzlage erahnen. Eingezwängt zwischen Grenze und Staatsstraßenbrücke bleiben der Ministation keine Entfaltungsmöglichkeiten. Daher gibt´s auch keine Umsetzmöglichkeit. Vor der Grenzschließung gab´s die auch nicht, konnte doch per Nahgüterzug jeweils von Grub am Forst oder Bad Schrobenstein ohne Probleme und ohne lange "Schiebereien" der Porzellananschluss bedient werden...womit wir beim nächsten Plan wären, dem Übersichtsplan. Endlich sieht man mal, wo wir uns hier befinden.



    ...ja wer hätte das gedacht, Krumme Fohre liegt in der Nähe der "Schiefen Ebene"...wer jetzt alle Fehler in der Karte findet, darf sich ein Weißbier...ach nee, jetzt reicht´s, ihr sollt ja noch folgen können...


    Und da erkennt man auch, dass unser Streckenstummel früher mal Teil eines größeren Ganzen war, nämlich der Überquerung des Kammes des Frankenwalds (deshalb auch die Spitzkehre in Schrobenstein, sowas hilft beim Kammüberqueren ja ungemein) zwischen dem Anschlussbahnhof Voccawind und Saalfels im Norden. So schuf unsere Strecke eine Verbindung zwischen "Schiefer Ebene" (hat nichts mit dem Gestein zu tun...) und Frankenwaldbahn. Nun ist sie auf die Funktion einer Stichbahn reduziert und Krumme Fohre wurde zum unfreiwilligen Kopfbahnhof. Das sieht man dem nun folgenden Plan - dem Fahrplan - auch an:


    ...das ist also die Mobilität der 70er. Und ja immer die Fußnoten beachten, sonst wartet man und wartet und wartet...(und plötzlich sind´s die Achtziger)... und übrigens, die "Werktagshämmerchen" habe ich auf meiner Tastatur nicht gefunden, deshalb das x, das ja eigentlich was ganz anderes bedeutete... :)


    Die Bundesbahndirektion Nürnberg war der Meinung, drei Zugpaare am Tag sollten der Befriedigung des Mobilitätsbedürfnises der Landbevölkerung genügen. Stundentakt war noch eine Vokabel die man eher mit schlechtem Musikunterricht in Verbindung brachte. Erste-Klasse-Fahrgäste erwartet man auch nicht und am Wochenende wird spät aufgestanden... Wer den obigen Beitrag (den mit den vielen Bildern) erfolgreich durchgestanden hat, der ahnt jetzt auch in welchen (breiten) Lücken des Personenverkehrsfahrplans sich die Güterverkehrsübergabe mit den Herren Leikeim und Kulmbacher tummelt. Einmal zwischen 7und 13 Uhr (die Manöver hatten wir ja schon Gelegenheit oben zu beobachten) und dann nochmal zwischen 14 und 18 Uhr (kommen wir noch in einer späteren Folge dazu). Dabei ist zu beachten, dass nur in Grub am Forst (und natürlich im Anschlussbahnhof Voccawind) eine Kreuzungsmöglichkeit besteht. In "Krumme Fohre" darf sich immer nur ein Zug aufhalten (entspricht der Auffassungsgabe und Reaktionsfähigkeit des zuständigen Fahrdienstleiters).


    Damit haben wir nun erfolgreich einige theoretische Grundlagen des Zonengrenzlandverkehrs erarbeitet und wer bis hierher durchgehalten hat, bekommt jetzt noch ein Bonusbild. Inzwischen hat der Schrottplatz nämlich ein neues Büro, passenderweise in einem Wohnwagen...(wer hat´s erfunden?...Falsch - die Niederländer natürlich).



    ...tja, ganz so hatten sich die Erfinder die Zonengrenzlandförderung nicht vorgestellt, aber nun hat der Schrottplatz (als zukunftsweisender Wirtschaftszweig) ein bewegliches Büro (man weiß ja nie...).



    Feedback ist selbstverständlich gern gelesen...und nächstes mal gibt´s wieder mehr Praxis...


    Bis bald in "Krumme Fohre"


    Alexander

  • Hallo Alexander !



    Ich bin ein großer Fan Deiner beiden Threads hier im Forum.


    Wunderschön geschrieben, viele tolle Fotos und so richtig Werbung machend für Spur 0 bei wenig Platz.


    Das ist für mich Basteln pur !


    Jetzt aber etwas -konstruktiv gemeinte- Kritik:


    Das mit dem Wohnwagen geht so nicht.


    Entweder schickst Du ihn "zurück in die Zukunft", wo er her kommt.


    Ersatzweise könnte man versuchen, ihn farblich und konstruktiv (Dachfenster verschließen, Dachreeling und Zierstreifen entfernen usw.) so zu verändern und auf alt zu trimmen, daß er sich auffällig unauffällig seiner Umgebung und der Epoche anpasst.



    Viele Grüße und Dank nochmals für das hier Gezeigte !


    Norbert

  • Hallo Alexander,


    Schön das Du Deiner Bahn nun auch noch eine kleine Streckenbeschreibung inclusive Karte und Fahrplan verpasst hast. Das ist oft das Salz in der Suppe, die Phantasie für das "drumherum". Wo lag die Strecke, welche Geschichte hat sie, welche Anschlüsse hatte sie, usw. Gefällt mir sehr gut, was Du hier zeigst! Klein aber fein! :thumbup:


    Was machen übrigens die Gleissperren?!? ;) (Duck und weg ...)
    Ich freue mich auf weitere erlebnisreiche Berichte aus der "Krummen Fohre"!

    Edited once, last by tom tofte ().

  • Tja, Norbert, da hast du wohl einen größeren Skandal aufgedeckt ;) :



    ...waren´s die NSA oder Außerirdische? Dieses Fotodokument beweist: In den 70ern gab´s Zeitreisende. Nur die Tarnung ließ zu wünschen übrig... Nun aber hurtig zurück in die 90er!

    Tom: Gleissperre, welche Gleissperre? ;)


    Beste Grüße und bis bald in "Krumme Fohre"


    Alexander

  • Hallo


    auch von mir ein großes Lob. Die Anlage, der Bericht, die Fotos alles extraklasse. Ich hoffe noch einiges aus Krumme Fohre zu sehen und zu höhren. Vielen Dank dafür.


    Viele Grüße


    auch Alex

  • Liebe Freundinnen und Freunde des schienengebundenen Güterverkehrs,


    kehren wir kurz zurück in eine ferne Zeit als Fußballer eigenartige Frisuren trugen, Torjäger "Müller" hießen und Bayern München alles gewann...äh...nein, es sind natürlich die 70er gemeint! Die Fußballweltmeisterschaft ist noch weit (na gut, so weit auch nicht...) entfernt, als die Mannschaft der Übergabe nach "Krumme Fohre" eine fachlich konzentrierte Diskussion mit dem Bahnhofsvorsteher von "Grub am Forst" führt. Es ist Nachmittag, noch ist der Personenzug aus "Voccawind" nicht unterwegs zum Zonenrand und deshalb Zeit und Raum für den (gnadenlos unwirtschaftlichen) Einzelwagenverkehr auf der nunmehr bekannten Nebenstrecke. Wir erinnern uns: Morgens liefert die Übergabe allerlei lustige Güterwagen in "Krumme Fohre" ab, zwecks Ent- oder Beladung zur Ankurbelung der darbenden Zonengrenzlandwirtschaft. Damit die Erzeugnisse des Landstrichs denselben auch wieder verlassen können ist auch ein nachmittägliche Abfuhr nötig. Dieselbe muss deutlich vor dem Abend geschehen, damit die gesammelten Wagen noch auf die Nahgüterzüge in "Voccawind" übergehen können und noch im Nachtsprung, sprich morgens, ihre Bestimmungsbahnhöfe in Sonstwo erreichen. Dieser Aufgabe stellen sich der zum Kleinlokbediener avancierte ehemalige Rangierer Leikeim (bekannt aus der vorigen Folge und ob seiner Vorliebe für unkleidsame Schürzen "der Metzger" genannt) sowie der leicht kreuzlahme Rangierer Haberstrumpf (deshalb die geduckte Haltung). Die Morgenübergabe hatte die Mitnahme eines G-Wagens für "Krumme Fohre" wg. festgefahrener Bremse verweigert und denselben zum Ärger des Bahnhofsvorstehers in "Grub am Forst" zurückgelassen. Kein Wunder, das dieser - mit der ganzen Autorität des Oberbeamten - den (inzwischen von einem herbeigeeilten Wagenmeister reparierten) Wagen der Nachmittagsfuhre "aufs Auge drückt".



    Erwartungsgemäß setzt sich der gehobene Dienst gegen die arbeitende Bevölkerung durch. Die mehr oder weniger intelligenten Einwände gegen die Undurchsichtigkeit von G-Wagen können sich nicht durchsetzen... Leicht grummelig geht die Mannschaft nach diesem erfrischenden Gespräch auf die Strecke. Befürchtete Komplikationen an Bahnübergängen (BÜs) bleiben aus, "Krumme Fohre" wird planmäßig mit geschobenem G-Wagen erreicht...



    Währen der örtliche Fahrzeugeinzelhandel an der Übermotorisierung der Zonengrenzlandbevölkerung arbeitet, erreicht die Übergabe lautstark den Endpunkt der Strecke...



    Das charakteristische Geräusch der kettengetriebenen Kleinlok erfüllt die bukolische Landschaft und übertönt sogar kurzfristig das Gerede übermotivierter Gebrauchtwagenhändler...



    Das nahe Ende der durch die innerdeutsche Grenzziehung jäh unterbrochenen Strecke zwingt zum kernigen Bremsmanöver...



    ...kaum da, springt Rangierer Haberstrumpf (nein, er ist nicht verwandt mit dem von Karl Valentin bekannten Herrn Wrdlbrmft) zum bahnamtlichen Fernsprecher und meldet dem Fahrdienstleiter (Fdl) in Grub die glückliche Ankunft an Gleis 1...



    Leikeim gibt Gas und zieht den G-Wagen mittels seiner "Kleinlok mit Ölfeuerung" (endlich wird die Abkürzung mal entschlüsselt ;) ) bis vor Weiche 1 vor...



    ...trotz gewisser Irritationen über das verbaute Material legt Habestrumpf die Weiche auf Abzweig...



    ...und an der Anschlussgrenze gleich nochmal...



    Die im Anschlussgleis 3 (Spurplan findet man weiter oben...) der Dinge harrenden Wagen (Kesselwagen und 0-Wagen) werden von unserem engagierten Rangierer an die Kette gelegt, und die nun verlängerte Fuhre zieht sich wieder unter die Staatsstraßenbrücke zurück (hat da wer was von Böschungswinkeln gesagt???)




    Einmal rechts bitte, Rangierer Haberstrumpf hat ein Plätzchen auf der Bremserbühne des Kessels gefunden (spart Fußweg, müssen doch wieder Weichen gelegt werden).



    Schwungvoll wird die Fuhre auf Gleis 2 dem dort rastenden G-Wagen beigestellt.



    Während die Brauereibelegschaft sehnsüchtig die Ankunft des schon morgens erwarteten G-Wagens erwartet, kann sie staunend die weiteren kunstvollen Rangiermanöver der deutschen Staatsbahnbediensteten verfolgen. Warum geht´s jetzt wieder andersrum? Ganz einfach, die Übergabe muss "vorsortiert" in Voccawind ankommen, da die Rangierzeit für die Nahgüter nach Hof und Lichtenfels auf ein Minimum reduziert werden soll (Nachtsprung und so, wir erinnern uns). So ist die Reihenfolge vorgegeben: Wg. 4 + Wg. 2 + Wg. 3 + Köf. Also...lautet der Beschluss, dass man doch noch mehr rangieren muss...



    Der 0-Wagen (aka Wg. 4) findet sich endlich am geeigneten Platz kurz vor der Zonengrenze ein. Der Rest muss noch mal sägen...




    Das kernige Motorengeräusch des Rangierhobels beeindruckt zumindest die männlichen Teile der Wohnbevölkerung...




    Nachdem auch der Kessel am Platz ist, stimmt die Reihenfolge. Der Auffassung des Herrn Leikeim sei an dieser Stelle aber widersprochen. Wo bleibt der erst einmal aus dem Weg nach Gleis 3 verbrachte G-Wagen für die Brauerei?




    Endlich kann das Verladegeschäft mit frisch produziertem Weißbier aufgenommen werden. Die Mannschaft der morgigen Frühübergabe wird sicherlich viel Spaß mit dem erratisch im Wege stehenden G-Wagen haben und dankbar an ihre abendlichen Vorgänger denken ;)



    Nach Bremsprobe und vorschriftsmäßiger telefonischer Meldung darf die Übergabe nun ihren Weg nach "Voccawind", die Wagen in die weite Welt des Einzelwagenverkehrs der DB antreten...geschafft!




    Nach dem planmäßigen Verschwinden des Zuges kehrt Stille in "Krumme Fohre" ein. Nur die regionaltypischen Spezies gefiederter und sonstiger Art verbreiten artgerechte Geräusche. Demnächst erscheint der Nahverkehrszug aus "Voccawind" auf der Bildfläche, aber das ist eine ganz andere Geschichte...


    Soweit der abgeschlossene Fotoroman aus dem Zonengrenzland. Man hätte die Geschichte natürlich auch etwas prosaischer erzählen können. Z.B. so, dass aus der Lostrommel die Wagennummern 4, 2 und 3 in dieser Reihenfolge gezogen wurden und die Rangiermanöver der Herstellung eben dieser Wagenreihung dienten...hmm, kurz und präzise aber vielleicht nicht ganz so unterhaltsam, oder?


    Bis bald in "Krumme Fohre"


    Alexander

  • Hallo Alexander,


    zum ernsthaften Tei: Ein Diorama vom Feinsten. Ideenreich, detailreich, phantasievoll, Ausführung erste Klasse.


    Zum spassigen Teil: Ich habe selten so im Zusammenhang mit der Moba gelacht wie hier in Deinem Tröööt (ähhhh Thread). Immer irgend einen Spass oder Blödsinn auf der Pfanne, das ist sehr sympathisch!


    Für Nichtfranken: "Einfach blous schäi" = Einfach nur schön. Dieses Kompliment ist eine Abwandlung des höchstmöglichen Kompliments in Franken: "Bassd scho" = Passt schon.


    P.S.
    ... niemand hat die Absicht, etwas über Böschungswinkel zu sagen... (schon gleich garnicht in der Nähe der Zonengrenze, werde mich hüten ;) ).

    Gruss
    Robert
    BTB0e+0

    Edited 2 times, last by BTB0e+0 ().

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