Eine ordentliche Weiche.....

  • ....muss man selbst bauen!


    Hallo Nullers,


    da wir einerseits kein Vermögen für Weichen ausgeben und andererseits die Fahrzeuge nicht um die Ecke knicken wollen, bleibt bei den Weichen nur die Alternative "Selbstbau". Als Basis dienen die alten Euro-Rail-Bausätze.


    Vorteile:


    • Echtholt-Schwellen


    • Vorbildliche Zungenprofile


    • Brauchbare Abzweig-Radien mit 2500 und 3500 mm


    • Gegossene Kleineisen


    • Hoher Vorfertigungsgrad


    Nachteile:


    • Verfügbarkeit


    • Hoher Zeitaufwand


    Hier die Vorgehensweise:



    Am Anfang war die Mittellinie! Die gezeigte Weiche wir an einem Abzweig auf freier Strecke benötigt (Hochbett). Wir montieren daher die Weiche auf einem Stück 10mm starken MDF. Auf dem Brett wird zunächst die Mittellinie des geraden Stranges aufgezeichnet. Alle Teile der Weiche wurden im Vorfeld präzise abgelängt und lackiert. Die Schwellen wurden gebeizt und sind gut durchgetrocknet.



    Die Schablone wird aufgeklebt.....



    ....und das Loch für den Stelldraht wird eingefräst. Das handliche Brett erweist sich hier als Vorteil.



    Jetzt werden am Anfang und am Ende der Weiche die ersten Schwellen aufgeleimt....



    ....dabei auf die genaue lage achten! Wer hier schludert, hat später eine krumme Weiche!


    Dann wird die gerade Backenschine sammt Radlenker befestigt. Hier haben wir die Lage ständig mit einem Alu-Linieal gepüft und Nagel für Nagel in das Holz getrieben. Die Basis für eine wirklich gerade Weiche.



    Das Herzstück wird mit Spurlehren in Position gebracht und entsprechend befestigt.....



    Nach gut 6 Stunden Nagelarbeit (einer bohrt, einer treibt Nägel) ist es fast geschafft.......



    ...noch die Nägel mit Farbe versehen und die Schienenköpfe von Farbe befreien.....



    Den ersten Rollversuchen und Testfahrten steht nichts mehr im Weg!





    Soweit die erste Weiche. Drei weitere werden kurzfristig folgen. eine Gleisverbindung wird dabei "am Stück" entstehen, denn nur so sind exakt parallel liegende Gleise und genau fluchtende Abzweiggleise möglich....


    Im Februar-Podcast wird die Weiche ebenfalls behandelt. Sie funktioniert so gut wie sie aussieht!


    Null-Problemo :thumbup:

  • Hallo,


    schöner Beitrag. Ich nehme an, dass MDF nur als Aufbauunterlage Verwendung findet? Das neigt nämlich zum Aufquellen bei Kontakt mit Wasser, was beim Einschottern kaum vermeidbar wäre. Außerdem würde MDF bald durchhängen , wenn man es freitragend verwendet.


    Gruß Uli

  • Hallo,


    ... es gibt somit auch mal etwas anderes als Lenz, MBW ... DAS wäre für mich die wahre "Spur 0"!


    Herzlichen Dank für's bauen und zeigen.




    Gruß Wolfgang (Spur-E1NS)

  • Hallole,


    aber wie schon geagt:


    VERFÜGBARKEIT!!!


    Schön gemacht und gut gebaut, aber da nicht verfügbar,- für mich -,nicht wirklich brauchbar.


    Grüße Herbert

  • ... es gibt somit auch mal etwas anderes als Lenz, MBW ... DAS wäre für mich die wahre "Spur 0"!

    Warum nicht, neben den alten Euro-Rail gibt es Hegob, Wenz, Hassler, ..... also jede Menge Selbstbaugleise, wie auch in der Spur1. Natürlich erhöhen sich dadurch auch die Kosten, aber wenn es gut aussehen soll, ... ;)


    Gruß,
    Wolfgang (der auch Spur1 schnuppert)

    Grüße,
    Wolfgang


    Nicht labern sondern schaffen

  • Hallo Oliver,


    woher stammen denn die gegossenen Kleineisen? Bei meinen EuroRail Bausätzen waren die nicht dabei. Gab es da verschiedene Ausführungen?


    Ich habe ja auch einige EuroRail Weichen und DKW's gebaut. Bei mir stimmten die Rillenweiten Herzstück/Radlenker nicht, so dass ich die auseinander- und neu zusammengelötet habe. Hast du das mal kontrolliert?


    Gruß


    clausO

  • ....der Reihe nach....


    Quote

    Ich nehme an, dass MDF nur als Aufbauunterlage Verwendung findet? Das neigt nämlich zum Aufquellen bei Kontakt mit Wasser, was beim Einschottern kaum vermeidbar wäre.


    Die Oberfläche ist mit Klarlack abgesperrt.....die Schwellen ebenfalls (gegen aufschwimmende Beize beim Schottern).


    Quote

    woher stammen denn die gegossenen Kleineisen? Bei meinen EuroRail Bausätzen waren die nicht dabei. Gab es da verschiedene Ausführungen?


    Ja! Zuerst die mit geprägten Kleineisen, später die Gegossenen und danach gab es das sog. K-Modul. Ich habe die Nummern 145 001 ff. verwendet. später kamen die 145 300 ff.


    Quote

    Ich habe ja auch einige EuroRail Weichen und DKW's gebaut. Bei mir stimmten die Rillenweiten Herzstück/Radlenker nicht, so dass ich die auseinander- und neu zusammengelötet habe. Hast du das mal kontrolliert?


    Ja! Die Rillenweiten folgen dem Arge-Kompromiss (siehe ARGE Weicheheft von 1992). So läuft alles.....es steht nicht geschrieben, das man einen Bausatz 1:1 verwenden muss!


    Quote

    (der auch Spur1 schnuppert)


    Wer macht denn sowas? :whistling:


    Null-Problemo :thumbup:

  • Hallo Oliver,
    vielen Dank für deinen aufschlussreichen Baubericht. Nachdem nun jeder Nuller gesehen hat, dass der Bau einer Weiche wahrlich kein Hexenwerk ist, möchte ich noch eine kleine Ergänzung beifügen:
    Der Weichenbauer kann sich sein Leben ungemein erleichtern, wenn er vor dem Aufkleben der Schwellen die Papierschablone mit einer braunen Farbe abtönt (da reicht schon Farbe aus dem Tuschkasten, die ist "durchsichtig" genug, um die Zeichnung noch klar erkennen zu können). Denn nach der Fertigstellung des Meisterwerkes leuchtet oft an den unmöglichsten Stellen das weiße Papier durch die frisch aufgebrachte Schotterung nach dem Einbau ins Gleisfeld, und da ist es doch schade, wenn nach solch einer reifen Bastelleistung ständig der Wurm der Unvollkommenheit im Erbauer nagt.
    Vielen Dank und viele Grüsse aus dem Südschwarzwald,
    Dieter

  • Hallo Oliver,


    danke für Deinen schönen, anschaulichen Bericht! Er zeigt, dass die Montage von Weichen kein "Hexenwerk" ist!


    Zwei Tipps habe ich noch:

    • Vor dem Bekleben der Schablone mit den Schwellen sollte man auf der Schablone vermerken, wo welche Schienenstühlchen hinkommen. Wenn die Schwellen aufgeklebt sind, sieht man nicht mehr, ob da ein normales Stühlchen oder ein Gleitstuhl hinmuss.
    • Wer sich für das Thema interessiert, der kann das Sonderheft der Spur-0-Lokomotive zum Thema "Weichenbau" kostenlos runterladen, hier der Link dahin.


    Freundlicher Gruß
    Stefan

  • Hallo,


    mir ist nach den bisherigen Beiträgen immer noch nicht klar, welche Verfügbarkeit besteht und welche Kosten dabei entstehen.


    Welche Gleisbilder (Weichen, Kreuzungen, DKws, etc.) gibt es, mit welchem Schienenprofil und Kleineisen kann systemimmanent weitergebaut werden?


    Kann da jemand etwas Licht in das Dunkel bringen?

    Grüße aus Regensburg


    Heinz ;)

  • Quote

    Verfügbarkeit und Kosten


    Gute Frage! Euro-Rail wird schon einige Zeit nicht mehr hergestellt. Von daher ist speziell dieses Fabrikat etwas schwierig. Wir arbeiten derzeit an Kleineisen nach deutschem Vorbild um wenigstens einen Teil davon zu retten. Sinngemäß gilt der Aufbau aber für alle erhältlichen Bausätze (z. B. Hassler). Die Bausatzpreise bei Euro-Rail sind zwischen "kannst du haben" bis "unsinnig überteuert" angesiedelt. Die gezeigte Weiche, bzw. der Bausatz hat 1999 DM 165,- bei Simrock (damals noch in Frankfurt) gekostet.


    Null-Problemo :thumbup:

  • Hallo Null-Problemo!


    Das ist wirklich eine ordentliche Weiche! Kompliment! So eine Qualität sieht man selten...


    Ich quäle mich gerade mit Lenz-Weichen rum. Die Probleme sind bekannt, die möglichen Maßnahmen auch... ich wünschte mir Fertig-Weichen wie Deine, aber mit der Geometrie der Lenz-Weichen... dann könnte man Zug um Zug austauschen, wenn eine schlapp macht... irgendwann bietet irgendjemand so was an, da bin ich sicher! Der Markt ist da...


    Aber ich schweife ab, sorry! Deine Weiche ist topp!


    Gruß
    Thomas

  • Hallo Olivier,


    das ist eine super Beschreibung einer Bauanleitung für den Weichenselbstbau.


    Der Aufbau ist bestimmt bei der Wenzweiche gleich?


    Ich habe eine Frage zum Gleisselbstbau allgemein, sollte man das Gleis und die Weichen generell auf eine separate Holzplatte bauen. Bzw.


    bei dir die MFN Platte und diese später so komplett in die Anlage integrieren. Kann man auch Pappelsperrholz nehmen oder ist das zu weich. Und sollte man die Seiten dann schon als Böschung darstellen. Ich glaube dadurch verschiebt sich aber der ganz Aufbau nach unten und man muß dies bei der Planung berücksichtigen oder?


    Oder mache ich bei den Gedanken einen Fehler.


    Gruß Dieter

  • Ahoi,


    ob ich die Weiche auf eine Brett (wie gezeigt) oder direkt auf die Platte baue, hängt davon ab ob sie im Hoch- oder Tief-Bett liegen soll. Das Brett gehört maßlich also zum Oberbau. Pappel ist sehr weich und das Holz reißt beim Sägen. Es ist daher nicht meine erste Wahl, geht aber auch. Wichtig ist das Absperren gegen eindringende Feuchtigkeit wie oben beschrieben.


    Die Maße für den Oberbau kann man z.B. bei Wenz downloaden. (Workshop)


    Null-Problemo :thumbup:

  • Hallo Beisammen,,


    @ Oliver,
    vielen Dank fürs zeigen der Weiche, sehr schön. :)


    @ Dieter,
    bei den Wenz Weichen hast Du etwas mehr Arbeit, zum Beispiel müßen die Zungenschienen und die Radlenker
    noch zusammen gelötet werden. Diese Teile kann man bei Wenz aber auch fertig, gegen Aufpreis, bestellen.


    Ich baue meine Gleise immer auf extra Trassenbrettern, es erleichtert die Arbeit ungemein, wenn man ein nur relativ
    kleines Brett vor sich liegen hat, statt eines unhandlichen Moduls oder gar einer Anlage. Als Trassenbrett nutze ich
    Pappelsperrholz.


    Hier vier Bilder meiner ersten Wenz Weiche, definitiv nicht so perfekt gebaut, wie die von Oliver. Die beiden Bretterreste
    unter der Weiche liegen nur darunter, weil die Weiche durch die schon angelöteten Kabel sonst schief liegen würde.






    Die Lackfehler der Weiche sind inzwischen ausgebessert, die Weiche aber noch nicht eingebaut.


    Edit: Ich habe noch zwei Bilder auf der Festplatte gefunden.



    Schöne Grüße
    Frank

    Edited once, last by Z1R ().

  • Hallo Zusammen,


    Olivier und Frank vielen Dank für eure Informationen.
    Frank ich findet deine Weiche sieht ebenfalls super aus.
    Ich habe gestern den ersten Weichenbausatz bei Wenz bestellt. Das was du als Grundlage genommen hast, so habe ich mir das auch vorgestellt. Baust du das Streckengleis auch auf Trassenholzplatten?
    Den ersten Bausatz habe ich mit fertiggebauten Weichenzungen bestellt.
    Frank welche Farbe hast du genommen um das Gleis einzufärben?
    Hast du die Stellstange ebenfalls von Wenz verwendet?


    Gruß aus Kerpen
    Dieter :):):S

  • Hallo Dieter,


    danke :D


    Ja, ich baue auch das Steckengleis auf extra Trassenbrettern, es ist viel einfacher.
    Die Schwellen streiche mit einer normalen Holzfarbe, in verschieden Brauntönen.


    Mit dem Wort Stellstange kann ich leider nichts anfangen, aber sicher meinst Du den
    Weichenverschluß, der liegt der Wenzschen Weiche bei.


    Sehr schön, dass Du Dich an den Weichenbau heran traust, aber baue erst einmal einen
    Meter Streckengleis um ein Gefühl für das Material zu bekommen. Die Weiche ist kein
    Anfängerbausatz, obwohl mit den dazu bestellten Weichenzugen schon ein großer Brocken
    erledigt ist.


    Edit: Das Gleis habe ich mit der Farbe von RST Modellbau "Rost hell" lackiert.


    Viel Spaß und Glück beim bauen.


    Schöne Grüße
    Frank

    Edited once, last by Z1R ().

  • Hallo Weichenfetischisten,


    Weichen beschäftigen mich schon sehr lange. Selbstverständlich habe ich alles probiert, was so an Bausätzen erhältlich ist. Hier meine persönliche Wertung:


    Hassler-Weiche:


    Geometrie, Radius und Schienenprofil ok. Die gestanzten Kleineisen sind nicht mein Ding. Zungenprofile entsprechen nicht dem Vorbild.


    Wenz Weiche:


    Geometrie, Radius und Profil ebenfalls ok. Geätzte Kleineisenteile sind mir zu 2-dimensional. Fertige Zungen nur als "Extra" erhältlich. Arbeitsaufwand enorm.


    Eurorail:


    Mein Favorit, wenn die Bausätze verfügbar wären....


    Weichen-Walter:


    Idee ganz nett. Ausführung u.a. der Zungen ist mit wie bei der Hassler Weiche zu spielzeughaft.


    Hegob und K-Modul scheiden für mich wg. des hohen Preises aus.


    Also kompletter Selbstbau!







    Basis für meine Überlegungen waren die großen Weichen von Eurorail mit 3500 mm Zweigradius und 7 Grad Neigung. Maßstäbliche Weichen sind zwar toll, fressen aber auch viel Platz. Ich setze also überall dort, wo beim Vorbild 190er 1:9 liegen die 3500er ein und steigere mich in den Einfahrten bis auf 5000 mm Zweigradius (wo beim Vorbild lange 500 1:12 bzw. 500 1:14 liegen würden). Innenbogenweichen haben 9400/3500 mm Radius. Außenbogenweichen (geformt aus den 7-Grad, 3500 mm Weichen sorgen für die Harmonie der Bögen, die ich beim Vorbild so mag. Dieser Kompromiss ist mir als Purist sicher nicht leicht gefallen. Die optische Wirkung haben wir mit Schablonen und div. Fahrzeugen überprüft und für gut befunden (man sieht anders auf eine Modellbahn als auf das Vorbild draussen!)






    Schablonen für den Aufbau:






    hier leistet die Freeware von AWA-Service gute Dienste. Man kann die Wunschweiche am Bildschirm entwickeln und speichern. Als Maßzeichnung gedruckt hat man schnell die benötigte Schablone für die zu bauende Weiche.


    Aber was ist mit der Zunge und dem Herzstück?







    Neben dem Herzstück bereiten die Zungenschienen das größte Kopfzerbrechen. Wer sich ein Zungenprofil man in der freien Wildbahn angesehen hat, weiß das eine sehr komplexe Form herzustellen ist. Da ich mehrere Weichen herzustellen habe, scheidet das Befeilen und Schleifen einzelner Profile aus. Eine bessere, praktikabelere Lösung muss her. Auch die Wiederholgenauigkeit muss nebenbei deutlich steigen.






    Erste zufriedenstellende Lösungen:






    1. Lötlehre für die Roh-Zunge.











    Die Roh-Zunge besteht aus einem Stück Schienenprofil meiner Wahl und einem 2x4 L-Profil aus Messing. Mit der Lehre kann ich jeweils zwei Roh-Zungen in gleichbleibender Qualität verlöten.






    5 Fräsgänge bis zum Ziel (Fräslehre):











    Die Lehre ist verstellbar (seitliches Verschwenken). Das ist nötig um alle Winkel an die Roh-Zungen fräsen zu können. Das Profil wird dabei exakt parallel zur Maschinenachse geführt. Die hohe Anzahl der Klemmen ist nötig um Vibrationen auf der Maschine zu unterbinden. Die Klemmen werden jeweils nur dort entfernt, wo der Fräser gerade arbeitet. Das kostet zwar etwas Zeit, verhindert aber die Vibrationen zuverlässig.






    Sind alle Winkel gefräst, werden die Zungenprofile umgedreht und um das Maß der Gleitstuhlplatten geschwächt. So entsteht das typische Zungenprofil einen Vorbild-Weiche. Das Profil ist vorbildlich niedriger als das Schienenprofil der Backenschiene. Die Messerkannte legt sich spaltfrei an die Backenschiene an. Ein paar Feilstriche auf der Innenseite sorgen für gute Optik und sanftes Einlaufen des Radsatzes.











    Lohn der Mühe:






    Zungenprofile - so viele ich will.....











    Mit den Herzstücken geht´s kurzfristig weiter....






    Null-Problemo :thumbup:

  • Quote

    Weichen-Walter:


    Idee ganz nett. Ausführung u.a. der Zungen ist mit wie bei der Hassler Weiche zu spielzeughaft.


    Erlaube mir dazu den Hinweis: Aufwändigere Zungen sind natürlich gegen Aufpreis auch möglich, dies wurde bisher allerdings nie angefragt.

    Gruß vom Bodensee


    Weichen-Walter

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