Zur Betriebstauglichkeit von Messingmodellen

  • Hallo!


    Seit den 70er- und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts; lange bevor ich daran denken konnte, eine Modellbahn in Spur 0 zu bauen, stand ich oft mit großen Augen vor den Messingmodellen der damaligen sogenannten „Edelschmieden“ wie Fulgurex, Lemaco, Eurotrain-Hübner, Micro Metakit usw. Mein damaliger Händler, der viel zu früh verstorbene Manfred Linden aus Düsseldorf, verstand es prächtig, mir den Mund mit diesen Juwelen wässrig zu machen. Auch die Vorstellungen von Neuheiten dieser Hersteller in der Fachpresse, garniert mit detailreichen Fotos, ließen mich von diesen Loks träumen.


    Nun, inzwischen bin ich ein 0er. Und ich kann mir neben den schönen Betriebsmodellen von Brawa, Lenz und MBW heute auch ein paar meiner Messingträume von damals leisten. Und sie begeistern mich immer noch – zumindest in optischer Hinsicht. Auch das Fahrverhalten ist – sofern es in Schleichfahrt 2 Meter geradeaus geht – sehr gut. Leise und geschmeidig rollen die schweren Loks über die Gleise.


    Da ich aber an einer Anlage baue, auf der Züge fahren sollen, sind auch diese Loks gefordert. Und da trennt sich die Spreu vom Weizen: Kiss-Loks fahren perfekt über Weichenstrassen und geben auch bei höherer Geschwindigkeit keinen Anlaß zur Kritik.


    Andere haben da schon größere Probleme:
    Die Eurotrain 92er hat 4 von 4 Achsen so weich gefedert, dass sie unter Last (4 Zweiachser) wackelt wie der Hundehintern beim Schwanzwedeln. Ausserdem nimmt sie an Weichen und DKWs gerne schon mal die Richtung, die ihr gefällt und nicht die, die vorgesehen ist.


    Der Glaskasten von Micro Metakit ist ein wunderschönes Teil, aber er hat ein lautes Getriebe und macht mit seinen 2 angetriebenen Achsen mehr Geräusch als die 5-achsige 94er von Kiss.
    Auch er zeigt an Weichen häufiger eine gewisse Eigensinnigkeit was die Wahl des Fahrweges angeht.


    Ich finde, dass auch und gerade diese teuren Loks betriebsfähig sein müssen, ohne dass aufwendige Nacharbeiten erforderlich sind.


    Wenn es zuverlässig laufen soll, dann sind halt die "Großserien-" und Kiss-Fahrzeuge am Zug. Zum Präsentieren und Hin- und Herrollen im Bw kann man die Messingloks nehmen.


    Wohlgemerkt – das sind meine persönlichen Erfahrungen. Und ich werde mir mit Sicherheit auch weiterhin Messingmodelle kaufen – allerdings weiß ich nun, dass ich bei der Betriebssicherheit Abstriche machen muss.


    Mich würde interessieren, wie andere Betriebsbahner das sehen und welche Erfahrungen sie gemacht haben.


    Viele Grüße
    Heiner

    Viele Grüße

    Heiner


    Spur 0, DB, Epoche III

    DCC, ECOS, MS 1

    TC Gold 9.0

    Edited once, last by heiner ().

  • Hallo Heiner,


    grundsätzlich laufen alle Messingmodelle im Anlagenbetrieb, wenn die Radien groß genug sind (ca ab 2 m). Oft muss man denen allerdings erst einige Ungezogenheiten abgewöhnen. Bei kleineren Radien wird es bei älteren großen Dampfern meist problematisch. Die Kiss-Maschinen sind ja noch nicht so alt und die haben mit kleineren Radien meist weniger Probleme.


    Ich möchte nicht noch mal alles schon Geschriebene hervorkramen und bitte Dich, schau mal in SNM Heft 12, da habe ich was zu meinen Betriebserfahrungen geschrieben. Und was die 92er anbetrifft, kenne ich das Problem zu genau: zu weiche Federn für die schwere Maschine - siehe auch meinen kurzen Bericht hier im Forum zur 043 Performance mit vergleichbarem Problem.


    Grüße
    Eckhard

  • Moin Heiner,


    ganz herzlichen Dank für Deinen Erfahrungsbericht. Seit geraumer Zeit flirte ich mit einer E60, kann mich aber aus mehreren Gründen nicht aufraffen zuzugreifen:


    1. der Preis !!!
    2. keine Lenzkupplung !!!
    3. Fahrverhalten ???
    4. Sound ????
    5. Pantografensteuerung


    Es ist zum Anschauen ein wunderschönes Modell, aber es tät mir in der Seele weh, die schönen Originalkupplungen durch einen Umbau gegen Lenzkupplungen zu tauschen. Zumal das sicher kein banaler Eingriff sein wird. Also bleibe ich beim flirten und träumen. Vielleicht kommt sie ja irgendwann mal als Großserienmodell.


    Gruß, Ian

  • Hallo Heiner,


    da machst Du ein interessantes Themenfeld auf, von dem ich vermute, dass es recht kontrovers diskutiert werden wird. :)


    Meine persönlichen Erfahrungen sind insgesamt gesehen besser als Deine, ich kenne eine Vielzahl von Kleinserienloks, die bei uns im Ausstellungsbetrieb ihre "Betriebssicherheit" im Dauerbetrieb unter Beweis gestellt haben. Ich kenn aber auch ein paar "Krücken", die nach 2m Fahrstrecke ein Tenderachlager abgeworfen haben ...


    Meines Erachtens hängt "Betriebssicherheit" aber nicht nur von der Lok und ihrem Erhaltungszustand, sondern auch recht stark von den Rahmenbedingungen (Gleismaterial, verwendete Radien, ...) ab. So ist z.B. meine Fulgurex 86 auf Peco-Weichen absolut entgleisungssicher unterwegs, auf Lenz-Weichen der ersten Generation gibt es eine 10% Chance auf eine Entgleisung. Nachdem ich die Lenzweichen ausgebaut habe, ist diese Lok nun auf meiner Anlage absolut betriebssicher, im Club gilt sie als "Angstlok" ...


    Viele Loks der 80er-Jahre waren hinsichtlich der Stromabnahme suboptimal konzipiert, bei solchen Loks genügen minimale Umbauten und sie laufen problemlos. Meine Spring 42 war anfangs unfahrbar, nach geringfügigen Änderungen am Fahrwerk und einer Verbesserung der Stromabnahme ist sie nun tagelang im Ausstellungsbetrieb problemlos unterwegs ...


    Vielleicht wäre es sinnvoll, wenn wir hier die Diskussion an Hand unserer Erfahrungen mit konkreten Modellen führen und in die Erfahrungsberichte auch gleich die jeweiligen Rahmenbedingungen (Gleissystem, Mindestradien, ...) einfließen lassen.


    Grüße aus Wien
    Martin

  • Hallo, Ian


    Wenn Du die Dingler E 60 meinst - ich habe sie - muß ich sagen, ist das Fahrverhalten durch das Freilaufgetriebe perfekt.
    Die Pantos sind sehr filligran - eignen sich nur bedingt für den Oberleitungsbetrieb. Hier suche ich auch noch eine Lösung.
    Eine Lenz Kupplung zu verbauen ist sicherlich nicht einfach und zerstört meines Erachtens auch den sehr schöne Gesamteindruck der Lok. ;(


    Gruß
    Matthias

  • Die Idee von Martin, diese Diskussion mit konkreten Erfahrungen zu füllen, fände ich sehr hilfreich. Gerade die "Neu-Nuller" würden auch gerne das ein oder andere Messing-Modell kaufen, sind sich aber ob der Problematiken der einzelnen Modelle sehr unsicher.


    Auch Hinweise auf die Möglichkeiten/Beschränkungen der Modernisierung solcher Loks wären gut (Digitalisierung, Lautsprecher, Stromabnahme, Zurüstung, usw. ...)


    Ich fände das prima, wenn man vom Wissen der alten Hasen in der Szene in dieser Form profitieren könnte!


    Hoffe nur, dass nicht wieder Modelle einfach nur "zerrissen" werden ....



    Gruß


    Thoralf

  • ... meines Erachtens ein Musterbeispiel für eine betriebssichere Kleinserienmaschine, wenn
    1.) die Mindestradien > 1.500mm sind, (die Lok schafft aber auch deutlich engere Radien bis zu 91 cm, wie bramloch hier zeigt)
    2.) die Stromabnahme intakt ist (die Lok nimmt im Originalzustand nur von 2 Achsen Strom ab; die Pilzkontakte unterliegen einem gewissen Verschleiß, sie zu tauschen, ist nicht ganz einfach!),
    3.) alle Radsätze einen exakten 90 Grad-Versatz aufweisen. (haben sie das nicht, dann kommt die Lok sehr wackelig daher)


    Die BR 94 ist auch eine jener Loks, die Lenz-Weichen problemlos durchfahren.


    Sie wird bei e-Bay immer wieder in den unterschiedlichsten Erhaltungszuständen gehandelt. "Leichen" gehen schon mal um ca. EUR 600,-- weg, gut erhaltene Exemplare bewegen sich zwischen ca. EUR 900,-- und EUR 1.200,--.


    Die Lok lässt sich sehr einfach digitalisieren. 2 Schrauben verbinden Fahrgestell und Rahmen, in den Wasserkästen ist Platz für Dekoder und Powerpack (sollte man unbedingt vorsehen, wenn man nicht zusätzliche Stromabnehmer montiert). Der Lautsprecher findet seinen besten Platz im Langkessel.
    Ob und ggf. wie man ihr eine Lenz-Kuppung verpassen kann, kann ich nicht beurteilen.





    ÖBB 694.604 (äußerlich Original Gebauer, Umbau auf Zahnriemenantrieb und Digitalisierung) und ÖBB 694.730 (ein weitgehender Neuaufbau aus einer günstig erworbenen "Leiche")



    Mein Fazit: Eine gut laufende 94 ist eine ideale Lok für den Einstieg in die Welt der Messing-Modelle.


    Grüße aus Wien
    Martin

    Neues über unsere Spur 0-Projekte findet man auch auf unserer Facebook-Seite

    Edited 4 times, last by Martin Zeilinger: Ergänzung bei "Mindestradien" eingefügt. ().

  • Guten Abend Heiner und andere interessierte Forummitglieder,


    Ich besitze zwar drei Loks (bay GtL 3/4, bay Ptl 2/2 und die BR 97.1) von der Edelschmiede Micro-Metakit, muss aber erlich gestehen, dass ich, außer einige absolvierte Testfahrten, kaum einige Fahrpraxis und oder –erfahrung habe. Da diese Loks qua Fahrwerkskonstruktion sehr an den Vorbild anlehnen, muss man nun einmal bestimmte Einschränkungen in Bezug auf das Befahren von knappere Radien und Weichenwinkel akzeptieren. Es ist mit solche Präzisionsmodelle schlich nicht ohne weiteres möglich auf für „Spielbahner“ konzipierte Gleissysteme und dito Modellbahnanlagen einen sicheren Fahrbetrieb zu machen. Die größten „Übeltäter“ sind hier die sehr begrenzte Seitenverschiebbarkeit aller Radachsen und eine ziemlich präzise und daher, ohne den geringsten Spiel ausgeführte, Schiebmimik der Steuerung.
    Auch wie Martin bereits anführte, ist die Stromabnahme solcher Maschinen nicht für einen intensiven und sicheren (digitalen) Betriebsdienst ausgelegt, und soll überarbeitet werden; so möglich Stromabnahme von allen Räder, und wenn noch ausführbar eine Anpassung der Radabfederung.
    Ansonsten erreicht die Geräuschentwicklung einiger Messingloks, insbesondere die BR 97.1 von Micro-Metakit, ein ziemlich hohes Pegel, was bei der Wahl des gewählten Motorisierung liegt: Da die Konstrukteure damals für ein Doppelantriebseinheit (einen für dem Reibungsbetrieb und einen für den Zahnradbetrieb) mit fest am Motor angeflanschten Getriebekästen (mit einem Planetengetriebe um die erforderliche Übersetzung für eine vorbildgerechte Höchstgeschwindigkeit zu erhalten ) optiert haben, macht die Lok von Hause aus schon etwas Lärm! Ein leichtes Einfetten der Antriebszahnräder und Einölen der Radachsen sowie dem optionalen Einbau eines Sounddecoders könnten hier ein wenig Abhilfe schaffen.
    Und last but not least die Digitalisierung solcher Loks. Oft mangels fehlende technischen Informationen und oder praktisches Knowhow ist der Einbau eines (Sound) Decoders nicht in jede Lok ohne weiteres möglich, und muss man sich oft von die Hilfe von spezialisierten Firmen bedienen, die begreiflicherweise nicht um sonst arbeiten können. Auf jedem Fall werde ich Euch liebe Forummitglieder, bei Umbauten meiner edle Messing Modelle selbstverständlich auf dem neuesten Stand der Dinge informieren; zu Hause gibt es noch drei edle Stücke die begierig auf einen Decodereinbau warten.


    Viele Grüße aus Belgien,


    Jacques Timmermans

  • Hallo allerseits,


    meine Messingmodelle von Fulgurex, Wunder und Hermann laufen alle einwandfrei im Anlagenbetrieb. Natürlich muss man bei einer BR 103 aufgrund der Achsfolge bedanken, dass diese Lok nicht durch einen 800er Radius fährt.


    Ein Grund für den problemlosen Betrieb ist vielleicht auch, dass meine älteste Messinglok die BR 111 von Fulgurex ist, die kaum mehr als 20 Jahre auf dem Buckel hat, und ich auch keine Dampfloks besitze.


    Freundliche Grüße


    Dirk

  • Moin,


    Was haltet ihr davon, die Erfahrungen zu sammeln und dann ins entstehende SNM Wiki zu packen? Dann bleiben die Infos auf Dauer zugreifbar und scrollen im Forum nicht davon. Vielleicht etwas sortiert?

    • Modell:
    • Hersteller:
    • Neupreis (sofern bekannt)
    • Anschaffungspreis /aktueller Preis (optional wer mag, zur Orientierung für Einsteiger)
    • Antrieb:
    • Optik:
    • Fahrverhalten:
    • Eigenarten:
    • Was noch:

    Hier mal ein Beispiel:

    • Modell: BR 195
    • Hersteller: Hübner
    • Neupreis 2400 DM (?)
    • Anschaffungspreis: 900 Euro
    • Optik: Nicht superfein, aber ordentlich detailliert. Robust und solide gebaut. Das Gehäuse hat keinen Boden, die Technik und Fahrwerk sind ins Gehäuse hineingebaut. Gehäuse und Vorbau aus schwerem Druckguss. Ab Werk unschöne große Glühlampen, die über das Lampenghäuse hinausragen. Sollte man tauschen.
    • Antrieb: Ein dicker Motor pro Drehgestell treibt über Zahnräder, die innen am Rad liegen, die beiden innen auf den Drehgestell liegenden Achsen an, die äußeren sind nicht angetrieben
    • Fahrverhalten: Rollt problemlos duch enge 900er Radien. Etwas ruppiger und lauter Motor. Nach Digitalisierung recht gute Fahreigenschaften. Gute bis sehr gute Zugkraft.
    • Eigenarten: Die Räder verschmutzen schnell, scheint weiches Gußmaterial zu sein. Sehr robuste Pantographen, halten auch versehentlichen Kontakt mit Brücken oder Tunnelportalen leicht aus.
    • Was noch: In Sachen Detaillierung ordentlich, aber nicht superfein. Robustes Fahrmodell.


    Ich habe die Seite mal angelegt, hier ist sie:


    http://wiki.spurnull-magazin.d…=BR_194_%28H%C3%BCbner%29


    Admin Hinweis: Die Beiträge, die sich mit einem Wiki befassen, sind in einen eigenen Thread verschoben

  • Hallo zusammen!


    Zwar habe ich keine Dampfloks (und will auch keine), aber mein Material läuft i.d.R. einwandfrei. Die Herausforderung sind nicht die Radien (mind. 235cm), sondern die Zuglängen und -gewichte bei hoher Einsatzdauer bei Vorführungen.

    • Hermann-Loks sind einfach nur TOP.
      Maxon-Motoren, Freilaufgetriebe, von unten betrachtet zählt nicht die Nachbildung aller Details, sondern die betriebliche Nutzbarkeit, ggf. muss etwas Ballast in die Lok (aber "nur" für einen 8 m Messing Zug auf 16 %o in der Wendel mit 2.35 m Radius).
    • Lemaco: sehr gut
      "Problem": sie laufen so leicht, dass ein Zug mit Kugellagern in 16 %o auch ohne Strom nicht anhält!
    • Fulgurex (eine Ee3/3): gut
      Am Getriebe löste sich mal eine M1.8 Madenschraube, die durch eine M2 ersetzt werden musste. Für die Stromaufnahme nutze ich mittels Kabelverbindung noch einen anhängenden 4-Achser.
    • Allmo: gut
      Bei der Em3/3 musste die Schwungmasse raus, weil sie sonst nicht rechtzeitig anhielt.
      Der TmIII ist sehr gut.
    • Lenz V100 (ist kein Messing, aber nur zum Erwähnen, dass ich eher da ein Problemkind habe): sehr bedingt
      DIe Räder verdrecken in kürzester Zeit, die Kardanwellen springen bei grösserer Last heraus, die Eckaufstiege sind eine Zumutung, der Decoder verträgt sich nicht recht mit G&R Steuerung.

    Gruss, Uli

  • Eher gutbetuchte Modellbahner jener Zeit und damit Stammkunden bei den einschlägigen Händlern (ein Internet gab es ja noch nicht) durften sich häufig mehrere Exemplare eines Modells mit nach Hause nehmen und in Hinblick auf die Fahreigenschaften ausprobieren. Wie ich mitbekommen habe, gab es auch innerhalb einer Modellserie große Abweichungen von 'hervorragendem Lauf' bis 'fahruntüchtig'.


    In diesem Sinne ist auch ein Tipp eines Artikels aus der Spur-0-Lokomotive der Arge0 zu verstehen, dass man gebraucht eher Fahrzeuge kaufen sollte, die wahrnehmbar im Betriebseingang gestanden haben, als solche, die eine unbenutzten Eindruck (Vitrinenmodell) vermitteln.


    Herzliche Grüße


    Kallisto

  • Hallo Freunde der Handarbeitsmodelle,
    Wolfgang Hübner ( ehem.Firma Hübner-Eurotrain) sagte mir mal persönlich,dass viele Kleinserienmodelle für den Betrieb nicht so gut geeignet seien,da die Fertigungstoleranzen zu groß sind. ( z.Bsp, aus Messingteilen gelötete Lokrahmen usw).
    Aus diesem Grund begann Herr Hübner( gelernter Werkzeugmacher) schon zu Spur 0 Zeiten mit der Fertigung auch der Rahmen und der Lokgehäuse in "Großserienrechnik" .Die Werkzeuge dazu konstruierte er selbst.
    Beste Beispiele waren die V188 und die E91; später E10 und E40 . Diese hatten Rahmen und Gehäuse in Zinkspritzguß mit gleichbleibender Genauigkeit.
    Die Konstruktion der E91 von damals war so ,dass Herr Hübner die gleiche Lok auch für Märklin in Spur I mit ähnlicher Technik fertigten konnte.
    Auch die Springsche V60 war von Herrn Hübner in Zinkdruckgußtechnik konstruiert.
    Allerdings alles noch ohne Computerhilfe!
    Sicherlich können Messingmodelle auch absolut anlagentauglich gebaut werden,aber das dauert eben auch entsprechend länger ,was den Preis höher werden lässt.
    Ich kenne viele ältere Handarbeitsmodelle die nachträglich betriebstauglich "umgebaut" worden sind.
    Hat dann auch wieder etliche Stunden und Material gekostet.
    Fazit : Handarbeitsmodelle müssen vor Anschaffung auf Anlagentauglichkeit geprüft werden.
    Da heutzutage aber auch Handarbeitsmdelle am Computer konstruiert werden ist die Genauigkeit und die Fertigungsqualität meist besser als damals.
    Grüße aus Berlin

    Michael Schulz
    Batteriegroßhandel und Modellbahnherstellung
    Müggelseedamm 70
    12587 Berlin
    030 56700837
    http://schulzmodellbahnen.de
    schulzmodellbahnen[at]gmx.de

  • Hallo Leute ,
    ich habe einige Kiss Modelle mit deren Fahrverhalten ich sehr zufrieden bin :!:
    Ganz im Gegensatz zu der BR 42 von Spring deren Fahrverhalten trotz Digitalisierung Katastrophal war :thumbdown:
    Auch die BR 41 von Gebauer fuhr miserabel so dass ich beide Maschinen wieder verkauft habe :wacko:
    Gruß Otto

  • Tach Forum,


    Nettes Thema zu dem es auch Erfahrungen aus Bramloge gibt- gute wie nicht so gute...


    Martins oben geschilderte Erfahrungen zur Gebauerschen 94 kann ich vollunterstützen, sie war meine "erste". Ergänzend: 91 cm Radius befährt sie ohne Sorge (alle die ich kenne), die fehlenden Pilzkontakte lassen sich an zwei Achsen ohne Sorge nachrüsten, dauert pro Paar etwa ne Stunde mit zerlegen und wieder zusammenfügen.


    Wunderbar ist die Fulgurex 82- wenn sie immer geschmiert wurde. Meine war jungfräulich kenne aber auch zweie mit "zahnigem" Getriebelauf. Wenn ok, dann absolut toller Lauf, aber 1,60m Mindestradius....


    Lemacos V 100 ist ein Fahr- Traum, schleicht Gleichmäßig und Lautlos- Super und das mit 7 Poler und Zimo. Hat übrigens 700 mm Mindestradius- da geht was....


    Spring V 60 hat keinen guten Ruf als Laufwunder, die meisten Exemplare (ich kenne so etwa zehn) neigen zum Längsrucken, abhängig von Last und Fahrtrichtung. Hier liegt ein Denkfehler im Antriebsstrang vor. Zwei M 2 Gewinde und etwas Flachprofil später ist damit Schluss, kein (längs-) rucken mehr (sechs mal gemacht....). Dann evt noch den Scheibenwischer- Dreipoler gegen nen Glockenanker(bei mir von Valvo) tauschen eh voila: läuft. Arbeitsaufwand: keine zwei Stunden.


    Bauers P8: unerreicht in der Detaillierung- wie das zu dem Preis möglich war frag ich mich immer noch. Gravierender Schönheitsfehler: in der Kegelradwelle waren die Pressmaße falsch gewählt, Resultat war eine (herstellerseitig) krumme Welle. Die Lok hat regelrechte Bocksprünge im niedrigen Geschwindigkeitsbereich gemacht (durch den wechselnden Eingriff der Kegelräder) Lok hat mal einem "begnadetem Filigranbastler" gehört- da hörte das technische Verständnis wohl auch schnell auf.... Vorteil: sie war recht günstig- lief ja nicht das Ding.... Mittlerweile ist sie voll Anlagentauglich (mit 3 cm neuem Rundstahl...)- ich nehm sie gerne.... Das der gesamte Ausgleich falsch eingestellt war und die Lok Schief stand - nur so am Rande erwähnt. Zur Behebung warens etwa fünf Stunden Arbeit (und etliche Flüche...) erforderlich. Soll aber nicht Bauer- Typisch sein....


    Messing in 1: 45 die Gerard Kö: nach Antriebstausch auf Munz- Block ein sagenhaftes Fahrzeug. Wenn man die bekommen kann- ZUSCHLAGEN...


    Fehlkäufe? ja, eine 91: Mit dem Hersteller gesprochen: ja die ist 1:45. Super. ein gebrauchtes Exemplar gefunden und gekauft. Katastrophaler Lauf (inzwischen korrigiert) und dann mal nachgemessen.... Das hätte ich besser gelassen. Länge in 1:45, Breite in 1:43,5. den Hersteller angesprochen: Ja, das haben wir so gemacht- sie war sonst so schmal (...........). Ausserdem hatten wir keine Zeichnung von Vorne- da haben wir etwas improvisiert. kein weiterer Kommentar


    Zusammenfassend: Die meisten Messinge sind Anlagentauglich, manchmal mit etwas Arbeit, aber das ist dann eben so. Das Ergebnis lohnts alle mal....


    Gruß


    Thomas

    Bramloger Modellbau...

    ....weniger ist mehr

  • Hallo zusammen,


    dann will ich auch mal meine Meinung zum Besten geben. Wie einige von euch wissen, baue ich mir meine Messingdampfer selber zusammen, da kann man natürlich solange daran feilen, bis sie einwandfrei laufen :thumbup: . Und wenn man schon lange an einem Modell baut, dann müssen sie bei mir auch sauber laufen, selbst wenn der Antrieb ausgetauscht werden muß.


    Fange mal mit der Kiss 64 und 86 an. Einwandfreies Laufverhalten beider Loks, wobei die 86 noch eine Stufe besser läuft, die schleicht wirklich geräuschlos über das Gleis.


    Aber mal der Reihe nach:


    Arge 55. Sehr guter Antrieb, allerdings habe ich den Tender damals mit Blei aufgefüllt, dadurch hört sie sich etwas rauh an, aber der Lauf ist in allen Geschwindigkeitsbereichen erstklassig. Ich hatte sie damals auf einen Radius von ca. 1,6 m eingestellt, sie durchläuft aber auch den Lenz R 1.


    Gebauer 41 Öl. Ich weiß nicht mehr was mich damals am Antrieb gestört hat, aber ich habe ihr einen Vieg Antrieb spendiert. Kann nur sagen traumhaftes Fahrverhalten.


    Kieler Mak 1700, davon habe ich 2 Stück. Beide laufen sehr sauber und sind feinfühlig zu regeln, allerdings ist eine etwas lauter, ohne allerdings störend zu wirken.


    Gebauer 18.6, das ist die sogenannte "Jubiläumsausführung". Da hat Gebauer den Antrieb gegenüber der ursprünglichen Ausführung geändert, voll okay.


    Gebauer 98.8. Da hat ein Schelm den Bausatz leicht abgeändert. Es lag ein AMZ Einachsantrieb bei, der aber nicht in den Kessel passte. Also auch hier einen Vieg Antrieb rein. Und wie soll es anders sein, Vieg ist schon etwas besonderes. Sie schleicht nur so ... :rolleyes: .


    Gebauer 70. Wider Erwarten läuft die einwandfrei, auch wenn ich von anderen gehört habe, dass der Antrieb nix sei. Meine läuft wunderbar.


    Hübner 96. Der Antrieb ist einfach undiskutabel. Nach soviel Mühe beim Bau, habe ich mich auch da zu zwei Vieg Antrieben entschieden, allerdings habe ich die noch nicht.


    Bauer 56. Auch das ist nach einem ersten Probelauf ein erstklassiger Antrieb. Allerdings bin ich da noch am Bauen.


    Übrigens habe ich die diversen Bauberichte im Arge Forum eingestellt.


    Meine Devise lautet, die Modelle sollen nicht nur gut aussehen, sondern auch sauber laufen.


    Gruß


    clausO

  • Hallo,


    wenn es um die Betriebsmöglichkeiten von Messingmodellen geht, werden bei einer Grundsatzdiskusion immer wieder pauschal in einen Satz zwei unterschiedliche Problemfälle, wie auch von heiner genannt .

    Der Glaskasten von Micro Metakit ist ein wunderschönes Teil, aber er hat ein lautes Getriebe und macht mit seinen 2 angetriebenen Achsen mehr Geräusch als die 5-achsige 94er von Kiss.
    Auch er zeigt an Weichen häufiger eine gewisse Eigensinnigkeit was die Wahl des Fahrweges angeht.


    Andere haben da schon größere Probleme:
    Die Eurotrain 92er hat 4 von 4 Achsen so weich gefedert, dass sie unter Last (4 Zweiachser) wackelt wie der Hundehintern beim Schwanzwedeln. Ausserdem nimmt sie an Weichen und DKWs gerne schon mal die Richtung, die ihr gefällt und nicht die, die vorgesehen ist.


    Weil das eine nichts mit dem anderen direkt zu tun hat, kann es helfen in zwei getrennte Bereiche zu unterschieden.
    1. Antriebstechnik
    2. Rad - Schiene System


    Werden die Punkte 1. und 2. dagegen einzeln betrachtet und das so wichtige Rad-Schiene System mit einbezogen, ergibt sich besonders beim Punkt 2. eine weitere Fehlerquelle die nicht nur beim MS-Modell alleine liegen muß. Das Modell kann völlig in Ordnung sein und trotzdem kommt es zu Betriebsstörungen wenn die Weiche fehlerhaft ist.
    Hierfür sind die MS-Modelle nicht alleine verantwortlich, sondern das fehlen eines über die Jahre hinweg überall verfügbaren Gleis bzw. Weichensytems und zwar nicht als Bausatz von Schullern, sondern als Fertigweichen die auf diese Fahrzeugtypen passend abgestimmt sind.


    Zu Punkt 1.
    Die Antriebstechnik ist je nach Hersteller und selbst hier von Modell zu Modell so unterschiedlich, dass eine spezielle Aussage zu einem Modell, nicht für den gesamten Kleinserien Messigmarkt zutreffend sein muß.
    Zusätzlich kommen die vielen Eigenbauten hinzu, die von Modellbauern sehr individuell entstanden sind. Oft wurden diese ja in Kleinstmengen gefertigt und kommen auch auf den Markt. Bausätze wurden von den verschiedensten Herstellern gerade auch bei Lokomotiven ermöglicht und damit gibt der Erbauer die Quallitätsumsetzung beim Fertigmodell vor...
    Erschwerend kommt hinzu, über die Jahre sind viele, gerade ältere MS-Modelle, schon durch viele Hände gegangen. Eine Aussage zu genau dem Baureihen Modell ist schon dadurch nicht immer vergleichbar. Wer kann schon sagen, was der oder sogar die Vorbesitzer daran schon verschlimmbessert haben, wenn es bei der ersten Weichenfahrt nicht sauber durchkommt oder der Antieb klemmt ....



    2. Rad - Schiene System:
    Dies ist aus meiner Sicht der Punkt, an dem die größten Schwachstellen und Unterschiede auszumachen sind.
    Jeder Hersteller hat bis heute sein eigenes Radprofiel mit einem eigenen Radsatzinnenmaß, das doch durchgängig sehr unterschiedlich ist. Wer seine Modelle hierauf als erstes untersucht, wird schnell feststellen müssen, hier wurde innerhalb einer Lok (Wagen) oft nicht sauber genug gefertigt. Selbst wenn hier ein einheitliche Maß festgestellt werden kann, welches ist das Richtige bzw. welches das Universielle für die so unterschiedlichsten Spur Null Weichen. Soll etwa nach NEM, Fein-Scale oder irgendwo darzwischen eingestellt werden, damit ein entgleisungssicheres Fahren auf allen Weichen die es am Markt gab und gibt möglich ist:
    Roco, Kesselbauer, HEGOB Kunstoff, Hegob Matall, Eurorail Metall, Ertmer Metall, Peco mit seinen zwei unterschiedlichen Sytemen, Lenz (ich klammer hier sogar mal die vielen Selbstbauweichen von Schullern, Hasler und komplette Eigenbauten aus) und heute noch gibt. Beim Betrachten von Herzstücklücke und Rillenweite des Radlenkers, um nur die zwei wichtigsten zu nennen, stellen wir schnell fest - jeder der oben genannten Weichenhersteller- verwendet hier andere Maße. Weiterhin ist jede Weichenzuge anders in ihrer Geometrischen Form. Dies soll nun alles mit unterschiedlichen Radbreiten, Radsatzinnenmaßen und Spurkranzhöhen sowie Radien hinunter bis zum Lenz Weichenradius, mit allen Modellen entgleisungsicher über alle diese Weichen laufen?
    Wird dann sogar noch versucht mit den feinsten Micro Rädern über alle diese Weichen zu kommen, wird das System einfach überfordert und der alleinige Übeltäter schnell bei den MS-Fahrzeugen allgemein gesucht, oder sogar an dem eigenen ganz speziellen MS Fahrzeug festgemacht.


    Ein Mischen im HO Bereich (RP25 zu NEM) und den verschiedensten Weichen hat auch dort zu Problemen geführt und ist auf 32mm Gleis nicht anders.
    Wer hingegen seine MS-Modelle (Loks und Wagen) konsequent durchgängig im Radsatzinnenmaß zu einer passenden Weichennorm einjustiert, wird absolut keine Entgleisungen mehr befürchten müssen. Dies bedeutet umgekert aber auch, neuere Großserienfahrzeuge sind hieraufhin ebenfals zu überprüfen und gegebenenfals nachzujustieren und Mindestanforderungen an Radien sind ebenfals "Fahrzeugbedingt je nach Hersteller" einzuhalten, oder müssen durch Umbauten angepaßt werden.

    Fahre ich hingegen nur in einem, als Beispiel weil zur Zeit gerne von Neueinsteigern verwendet, dem Lenzsystem= Fahrzeuge und Weichen, werde ich wiederum keine Probleme des entgleisens haben, denn dieses System ist aufeinander bereits abgestimmt!
    Kommen Fremdfahrzeuge hinzu, wird dieses durch mischen aufgebrochen und Probleme sind eben durch nicht einhalten der Rad-Schienen Regeln nicht mehr auszuschließen...

    Wer ist bereit dies alles für einen sicherren Betrieb zu berücksichtigen und mit finanziellen Mitteln zu hinterlegen um dann mit den passenden Komponeten auszuwechseln?
    Wer ist in der Lage dies mit eigenen Mittel herzurichten (Radsatzinnenmße), oder wenn nicht, wer übernimmt solche Aufgaben zu Preisen die auch bezahlt werden können?
    Wer erkennt die Zusammenhänge im Rad Schiene System?

    Davon zu sprechen Fahrzeuge vom Hersteller XYZ entgleisen und sind somit generell nicht Betriebssicher, helfen hier nicht weiter und berücksichtigen das jeweilige Gleissystem beim Anlageneinsatz nicht genügend, welches aber für eine Aussage mit herrangezogen werden sollte.
    Bei einem passenden Rad-Schiene System fahren MS Farzeuge, auch mit schlechten Antrieben tadellos und absolut entgleisungssicher über jede Weichenstraße. Seit dem ich diese Regeln einhalte, kenne ich in diesem Problembereich nicht mehr. Dazu müssen Weichen auch schon mal ausgewechselt werden, gerade wenn der Zungenbereich nicht so sauber wie hier verarbeitet ist.



    Meine größte Baustelle: Ein Eurotrain ETA 177 mit original Antrieb, der mit den gleichen Rädern ausgestattet ist, wie StefanS E195. Absolut nicht betriebstauglich, da die Verschmutzung der Räder nach gut 50Metern Betriebsstrecke so stark ist, das selbst eine Lenz USP Speichertechnik mit Power 3 keine Wirkung mehr erzielt.


    Daraus meine persönliche Lehre. Es werden Informationen zu dem Wunschmodell eingeholt, bevor das Geld verbrannt wird. MS Modelle werden nur noch nach ausgiebiger Probefaht auf eigenen Weichen gekauft. Ein Messen der Radsatzinnenmaße ist Plicht. Stimmen diese nicht, ist eine Preisreduzierung unumgänglich. Kommt es hier beim Kauf zu keiner Einigung wird eben verzichtet und weiter gesucht, bis ein passendes Modell erworben werden kann. Umbauten von bekannten Modellbauern werden hier klar bevorzugt auch wenn der Preis damit deutlich steigt. Dies bedeutet aber, es wird nicht mehr alles gekauft auch wenn es auf einer Wunschliste steht.


    Mit Gruß, Thorsten

    Edited 4 times, last by DRG: Bilderdienst gewechselt ().

  • Hallo Thorsten,


    Du rufst es gerade herbei:
    sehr schnell verschmutzte Räder,
    für das verwendete Gleissystem normierte Räder und
    eine konsequente (Norm) Maßführung der Herzstücke und Weichenzungen.
    Das ist doch die global geforderte Grundlage für ein betriebssicheres Fahrbetrieb, egal in welcher Spurgröße.


    Radsätze dubiöser Qualität werden niemals optimal rentieren, insbesondere im Digitalbetrieb, denn jede Lücke in der Stromzufuhr bürgt unwiderstehlich für ein ungewolltes Aufenthalt eines Fahrzeugs. Dann möchte ich die sehr oft mangelhafte Einstellung vom Radsatzinnenmaß noch nicht erwähnen. Dies in Zusammenspiel mit einem schlecht verlegten und oder mangelhaft bemessen Gleisanlage wird niemals Fahrspaß geben!


    Welchen Schluss muss man hieraus ziehen? Es liegt in der ersten Ansicht nicht an die ältere Messing Modelle, jedoch an die Qualität des Modells, wofür an erster Stelle der Hersteller gerade steht (Qualität hat nun einmal seinen Preis), aber ebenfalls an der Betriebstauglichkeit der verlegte Gleise und Weichen, wofür der Modellbahner in Casu einsteht.


    Gruß,


    Jacques Timmermans

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