Ein Gmms 60 beim Frisör

  • ... kommt ein Gmms 60 zum Frisör... :D


    Moin, moin,
    was hier wie ein Witz beginnt, ist eine recht ernste Angelegenheit, denn:
    Die Gmms 60 von MBW sind an sich recht ansehnliche und lang erwünschte Modelle, aber insbesondere im Fahrwerksbereich vertragen sie doch eine bessere Frisur. Wir bevorzugen hier eine recht einfache Frisur - früher hat man dazu "Pottschnitt" gesagt. Welche Frisur gewünscht ist, sehen wir hier aus der Perspektive des Frisörs auf das Haupt des Probanden.



    Demgegenüber der noch unfrisierte Kunde, sozusagen als upskirt.



    Der Aufwand hält sich in Grenzen und ist nicht teurer, als ein Besuch des Meisters in 1:1. Da sind zunächst die von MBW nachgelieferten Fahrwerksteile für die Wagen der ersten Serie, von denen wir insbesondere die zierlichen Bremsbacken dringend benötigen, der Rest davon ist eigentlich nicht notwendig. Ansonsten die üblichen Verdächtigen, wie Ms-Draht 0,8 für die Steuerwellen des G-P-Wechsels, des Lastbremswechsels und des Bremsabstellers, dazu Ms-Draht 0,5 für den Lösezug und die Halterungen der Kupplungen in Ruhestellung. Originalkupplungen von z.B. Lenz, Bremsschläuche von z.B. Brawa, G-P-Wechsel & Co von z.B. Biemo, Puffer von z.B. Schnellenkamp, Puffer- und Kupplungsplatten von z.B. Moog


    Aber schauen wir doch dem Frisör bei seiner Arbeit zu:
    Zur Vorbereitung der Frisur am Fahrwerk sind die neuen Achshalter aufzubohren, da die vorhandenen Bohrungen jetzt größer als 2 mm sind und es sind POM-Buchsen von z.B. Schnellenkamp einzusetzen. Bei Verwendung der alten Achshalter kann auf POM-Buchsen verzichtet werden. Weiterhin sind die Schakenböcke so abzuflexen, dass sie der Form eines UIC-Schakenbockes gleichen. Das Kippeln der Wagen kann sowohl bei den alten wie den neuen Achshaltern auftreten - Grund dafür ist, dass die in den Rahmen einzusteckenden Nasen etwas zu lang sind, weil der Boden der Aufnahme im Rahmen mit Farbe zu stark aufgefüllt ist. Deshalb werden die Nasen mit dem Messer etwas beschnitten und schon passts und stößt nicht mehr an. Bohrungen für die neu anzubauenden Teile sind zu setzen und die Lösezüge sind zu biegen - und das wars auch schon mit der Vorbereitung.
    Ich trenne darüber hinaus noch die Puffer ab und tausche sie gegen längere aus, damit ich mit Schraubenkupplungen wirklich Puffer an Puffer fahren kann, was mit den vorhandenen Puffern nicht möglich ist und bescheuert aussieht. Wer mit der MBW(Lenz)-Kupplung fährt, kann sich diese Maßnahme ersparen; macht sich ja auch im Preis bemerkbar: Haare waschen und schneiden ist nun mal teurer, als nur schneiden.





    Ihr seht, nicht viel schwieriger, als einen Topf auf den Kopf zu setzen und rundum erstmal alles abzuschneiden. :thumbup:
    Bald geht es weiter mit der Frisur und es folgt danach die Fortsetzung dieses Berichts vom Besuch des Gmms 60 beim Kraanser Friseur.


    Eckhard

  • Hallo Figaro,


    ich freue mich schon sehr über die Weiterführung Deines Berichtes.
    Wollte mir von den Butter und Brot Wagen auch ein paar zulegen, aber die MBW Bodengruppe finde ich auch nicht so toll.
    Um nicht noch eine Baustelle auf zu machen, hatte ich bisher auf den Kauf verzichtet.
    Aber Du machst einem wieder Mut. :D

    Gruß Signum oder auch Thomas
    Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit! :thumbup:

  • Hallo Baumklempner oder auch Thomas,


    wegen Dir hab ich schon Silberdraht gekauft (Motto: was der kann, kann ich bestimmt auch) ;) und nun besorgst Du Dir Brot und Butter für die Frisur :D . Bemühe mich auch, auf dass Du Mut fasst :thumbup:


    Grüße vom Figaro
    Eckhard

  • Moin, moin,


    mit den neuen größenrichtigen Bremsbacken fallen nun die angespritzten massiven "Fangschlaufen" an den Bremsdreiecken besonders negativ auf. Das kann man zwar so lassen, muss man aber nicht. Ich habe mich für eine Rasur derselben entschieden - kostet nix mehr! Also zunächst mit dem Seitenschneider möglichst viel Material abknibbeln, dann mit dem Messer die Feinarbeit. Dabei vorsichtig vorgehen, damit die dünnen Diagonalstreben des Bremsdreiecks nicht durchtrennt werden. Obwohl, das Material ist sehr elastisch und die Rasur erfolgte ohne Verletzungen.



    Die neuen Fangschlaufen werden nun 4 Stück aus Ms-Profil 1 x 0,3 x ca 35 mm gebogen und 4 Stück aus 1 x 0,3 x ca 30 mm - das liegt an den unterschiedlich tiefen Bohrungen im Fahrwerksrahmen. Dabei ist an einem unteren Ende eine Schlaufe zu biegen, damit die Fangschlaufe später stramm in die große Öffnung im Rahmen eingesetzt werden kann.
    Um die neuen Bremsbacken leichter auf die Bremsdreiecke aufschieben zu können, habe ich die in ihnen vorhandene Bohrung auf 1,1 mm aufgebohrt. Alle Punkte sind nun mit Sekundenkleber festzukleben - der hält dank der Verzapfungen aller Teile hinreichend und dauerhaft fest. Das Einfädeln und Festkleben der Fangschlaufen erfolgt zum Abschluß.



    Nachdem alle Klebeflächen geglättet wurden, insbesondere die auf dem dick mit Farbe besprühten Rahmen, können die Achshalter mit ihren Schakenböcken am Fahrwerksrahmen festgeklebt werden. Vorher ist unbedingt zu kontrollieren, ob sie plan aufliegen. Tun sie das, sind deren 3 Zapfen in den 3 Löchern des Rahmens einzukleben, dabei auf richtigen Sitz achten und kräftig andrücken, damit der Wagen später nicht kippelt.



    Nach Austrocknen des Klebers sind die Radsätze probeweise einzusetzen. Egal welche Radsätze man nimmt, die Achslänge ist nun zu groß und es muss Abhilfe geschaffen werden, da durch die eingesetzten Buchsen und die jetzt recht unflexiblen Achshalter nur eine Achslänge von 42 bis 43 mm ohne Bruch der Klebungen realisierbar ist. Ich trenne mit der Flex die Achsstummel ab und glätte die Kanten anschließend mit Schmirgelpapier. Eine durchaus brutale Methode, die sich aber im Betrieb bewährt hat, da solcherart gestutzte Achswellen bei mir auf der Anlage schon mehr als 1000 km ohne Verschleißerscheinungen in den POM-Buchsen im Einsatz sind. Wenn beim Einsetzen der Radsätze die mittlere Klebung "knacken" sollte, ist das kein Drama, weil der Achshalter trotzdem seine Position hält und die Klebungen an den Schakenböcken absolut ausreichen.
    Als Radsätze verwende ich die von Schnellenkamp mit der Bestellnummer 1623 (ex OSM), die eine Kunststoffradscheibe haben und dadurch der harte Lauf der ungefederten schweren Wagen etwas angenehmer anzuhören ist. Bei diesen Radsätzen ist aber immer das Spurkranzinnenmaß zu kontrollieren, da es häufig zu große toleranzen gibt - eine Korrektur ist leicht möglich, da der Sitz der Scheibe auf der Achse nicht zu stramm ist. Nun ist zu testen, ob der Wagen tatsächlich ohne Kippeln auf den Schienen steht. ggf. ist eine Achshalterverklebung noch einmal zu lösen und zu bearbeiten.




    In der Seitenansicht muss allerdings bemerkt werden, dass der Service der Firma MBW in Bezug auf die Nachlieferung von optimierten Teile zwar hervorragend und nicht selbstverständlich ist, das Ergebnis bei den Bremsbacken jedoch noch immer nicht so richtig glücklich macht - sie sitzen leider etwas zu hoch. Ich kann das aber gerade noch akzeptieren.



    Abhilfe schafft hier nur ein Ersatz durch Ms-Gussteile, was aber den Preis für die Frisur doch in die Höhe treibt. Beim demnächst anstehenden Besuch eines baugleichen Gmms 60 beim Frisör schauen wir uns diesen aufwändigeren Haircut trotzdem etwas genauer an. Spätestens hier stellt sich dann aber auch die Frage, ob nicht auch die Achshalter durch gefederte ersetzt werden sollten - oder gleich das ganze Fahrwerk aus Ms neu aufbauen? Da ich doch eine größere Anzahl von Wagen auf meiner Anlage einsetze, verzichte ich auf diese Maßnahme. Der Aufwand ist mir einach zu hoch und man sieht es im Anlagenbetrieb kaum.


    Grüße vom Figaro :D

  • Moin, moin,


    die Worte von Thomas oder auch Signum (oder auch andersrum?) haben mich darüber nachdenken lassen, wie das früher mal war. Kreiensen war (und ist) ja wie Bebra und Konsorten ein altes Eisenbahnerdorf und wenn man sich die Haare schneiden lassen wollte, ging man ins Dorf zum "Putzer". Ob der jemals sein Handwerk richtig gelernt hatte, sei dahingestellt - aber man kam mit frisch geschnittenen Haaren aus dem Geschäft. Der Gmms 60, der beim Putzer war, sieht recht ordentlich aus, der Schnitt der Bremsbacken ist aber recht grob geraten und zu groß, auch sitzen die Befestigungen zu hoch - wie das eben früher beim Putzer so war.




    Wenn man einen besonderen Haarschnitt wollte, ging (die Arbeiter) oder fuhr (die Beamten) man mit der Bahn in die nächste größere Stadt, z.B. nach Bad Gandersheim, das heute allerdings auch nicht mehr der Nabel der Welt ist. Dort gab es einen richtigen Frisör und man bekam schon einen besseren Haarschnitt verpasst. Der Gmms 60 wurde im Dorfe zwar anerkennend bewundert, aber so was richtig dolles war das nun auch noch nicht, denn seine Koteletten (äh Bremsbacken) saßen nun viiieeel zu hoch.




    Im Dorfe hatte man aber schon mal gehört, dass es in Hannover so einen richtig guten Putzer geben sollte, von dem man hinter vorgehaltener Hand sprach, es sei ein wirklicher Figaro. Als der DVst des Bahnhofs (unser Gmms 60) mal wieder zur hohen Direktion nach Hannover einbestellt wurde, dachte er sich, dass es doch mal ausprobiert werden sollte und solch ein edler Haarschnitt seiner Stellung doch angemessen sei. Gesagt, getan, und so kam er zurück nach Kreiensen ... wo niemand von seinen neuen Bremsbacken Notiz nahm, weil sie ja jetzt so waren, wie sie eigentlich immer sein sollten, denn nur wenn die Mitten der Bremsbacken mittig gegenüber der Achsmitte sitzen, können beim Bremsen die Kräfte so übertragen werden, dass es nicht zu einem Unfall führen kann (bei zu hohen Bremsbacken würden die sich vereinfacht dargestellt auf dem Rad abstützen und es nach unten drücken bzw im Extremfall den Wagenkasten nach oben aus den Federn heben).




    Wenn ich die 3 Varianten nun miteinander vergleiche, dann hatte ich bisher die Putzer-Variante bei mir auf der Anlage, war nicht zufrieden damit, hatte es aber toleriert, weil der Wagen ein schönes Vorbild hat, im Modell ansonsten eine gute Figur abgibt und auch recht preiswert ist. In die Frisör-Variante (für Epoche IV- und V-Fahrer: Friseur) hatte ich große Hoffnungen gesetzt, sie kann letztendlich aber doch nicht so recht überzeugen mit ihren zu hoch angesetzten Bremsbacken. Die Figaro-Variante ist für mich nun die Wahl und ich werde nach und nach alle meine Gmms 60 so umrüsten.
    Das Umrüsten selbst ist ähnlich wie schon beschrieben mit folgenden Abweichungen: Ich habe die Achshalter aus der ersten Serie genommen, die die richtige Bohrung von 2 mm für die Achsen haben. Daher ist es nicht nötig, die Achsstummel zu kürzen, da sowohl die MBW-Achsen wie auch die OSM-Achsen eine Achslänge von 46,5 mm haben. Zuerst sind die Achshalter einzukleben und danach die Achsen einzusetzen. Als nächstes werden die Bremsbacken mit Haltern eingeklebt und danach das Bremsdreieck. Die Ms-Bremsbacken, die ich verwende, liegen seit gefühlten 30 Jahren in meinem Frisiersalon, es eignen sich aber viele Sorten, wie man sie z.B. auf der NuSSA, in Buseck oder einer ARGE-JHV erwerben kann. Auch die aus alten OSM-Bausätzen kann man entsprechend anpassen. Und wenn es sein muss, kann man auch die neuen MBW-Bremsbacken mit neuen längeren Halterungen versehen - auch das führt zu einem guten Ergebnis. Die Fangschlaufen müssen nun aber mit etwa 35 und 40 mm jeweils 5 mm länger sein, als zuvor beschrieben, da die Bremsdreiecke jetzt tiefer hängen.




    Grüße vom Kraanser Putzer
    Eckhard

  • Hallo Eckhard,


    deine Frisör - Figaro Geschichte ist einfach eine ganz geniale Geschichte zum Umbau des Gmms 60 und zeigt die hohe Kunst der Diplomatie... Chapeau !!
    Was wäre das Forum ohne deine Beiträge?
    Viele Grüsse


    Michael

  • Hallo Eckhard,


    früher hätte ich gedacht: ein bisschen übertrieben! Aber je mehr man sich mit diesen Dingen auseinander setzt desto besser wird der Blick für solche Sachen...
    Danke, dass Du uns diese Einblicke in das Eisenbahn(er)leben gibst!

    Schlauschwätzer- Modus an

    Quote

    In die Frisör-Variante (für Epoche IV- und V-Fahrer: Friseur) ...


    Eigentlich ist es genau anders herum: früher hieß es „Friseur“, seit einiger Zeit ist auch „Frisör“ zulässig. Empfohlen wird von Herrn Duden nach wie vor „Friseur“. ;)


    Schlauschwätzer-Modus aus

    Gruß
    Thomas

  • Hallo Eckhard,


    ich sehe, in Deinem Friseursalon bekommt der Gmms 60 einen richtig guten Haarschnitt verpasst.
    Sicherlich wäre es schöner, wenn so ein Wagen schon bei seiner Geburt einen richtigen Schnitt hätte, aber im fernen Osten sieht man das mit einer guten Frisur wohl nicht ganz so eng. ?(


    Vielen Dank für diesen sehr guten Beitrag. :thumbup:

    Gruß Signum oder auch Thomas
    Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit! :thumbup:

  • @ Thomas oder auch Signum,
    danke für die Worte. Ja, schau Dir doch mal die Frisuren im fernen Osten genauer an, kann ein Gmms 60 denn so rumlaufen??? :D


    @ Thomas alias Moba-Tom, den Schlauschwätzer,
    ebenfalls danke für die Worte. Da komme ich ja ganz durcheinander, was alt und was neu ist ;( , hast wohl recht. Aber Fakt ist, der Gmms 60 wird nach dem Friseurbesuch (ups Figarobesuch :rolleyes: ) noch ganz schön alt aussehen.


    @ Michael, den Blechkistenkutscher,
    auch an Dich Dank für die Worte, aber es gibt noch eine ganze Reihe von anderen excellenten Beiträgen hier im Forum. Und was die Diplomatie anbetrifft: es ist nun mal so, dass dieser Wagen als Erstlingswerk eines neuen Herstellers seine Würdigung verdient. Ein Verriss ist schnell gemacht aber nicht angebracht. Die Macken im Haarschnitt kann man nachschneiden und ich hoffe und gehe auch davon aus, dass der nächste Wagen von MBW schon mit einer klassischen und allseits bewunderten Frisur daherkommen wird. 8)


    Der Putzer oder auch Eckhard

  • Moin, moin an alle, die eines neuen Haarschnitts bedürfen,


    der Figaro ist nun in seinem Element und es geht Schnitt auf Schnitt. Zunächst werden die Pufferbohlen wieder mit den Beschlägen für die Puffer und Kupplungen beklebt, dabei werden auch gleich die jeweils 2 viereckigen Löcher in den Pufferbohlen mit Sekundenkleber gefüllt und verspachtelt. Auch werden die Rangiererhandgriffe unter den Puffern eingeklebt. Schon jetzt wird einer der beiden Träger mit dem Bremsart-Umsteller (G-P-Wechsel), dem Umstellhebel der Lastabbremsung (leer/beladen) und dem Steuerventil-Absperrhahn (Bremse ausschalten) eingeklebt, damit der Klebstoff gut durchgetrocknet ist, wenn wir später die Verbindungswellen einsetzen.



    Danach erfolgt das Einkleben der Puffer und der Bremsschläuche. Die beiden Rangierertritte werden wieder eingesteckt - das hält mehr als genug. Alternativ könnte man auch Messinggusstritte einbauen, aber die Originaltritte von MBW sind ganz ok für dieses Modell. Die Hebel der Bremsabsperrhähne sollten früher immer außen (zu den Puffern hin) sitzen, damit die evtl. frei herumschwingende, nicht benötigte und nicht eingehängte Hakenkupplung nicht den Absperrhahn auf "zu" stellen kann. Deshalb gab es zumindest in der Brevo von 1934 folgende Passage: "Je nachdem der Griff vom Wagen aus gesehen rechts oder links liegt, wird der Hahn als Rechts- oder Linksmuster bezeichnet". Wenn man allerdings Vorbildfotos betrachtet, ist das zumindest in späteren Jahren nicht immer ernst genommen worden. Weil die Hauptluftleitung (Bremsleitung) möglichst wenig Krümmungen haben sollte, ziehen wir sie später gerade durch und bauen deshalb jetzt als Bremsschläuche je ein "Linksmuster" und ein "Rechtsmuster" ein.
    Im Steuerventil und in den Langträgern sind 0,5 mm Bohrungen für die Halterungen des Lösezuges zu setzen und die Halterungen aus 0,5 mm Draht einzusetzen. Die Hauptluftleitung wird dicht am Steuerventil vorbeigeführt, so spart man sich die Darstellung des Abzweigs. ;)





    Abschließend werden die 3 Wellen mit dem zweiten Träger und auch der zweiteilige Lösezug eingeklebt. Fertisch. Der Vorschlag des Figaro, doch auch noch die Hebel von den Wellen der Lastabbremsung und des Absperrhahns zum Steuerventil und vom G-P-Wechsel zum nicht vorhandenen G-P-Wechselventil (in der nicht vorhandenen Leitung zwischen Steuerventil und Bremszylinder) nachzuschneiden, wird nicht angenommen, da das bei diesem Fahrwerk und dieser Bremsanlage wohl etwas oversized wirken würde. :whistling:



    Aus der Sicht vom Rande der Anlage kann sich das Fahrwerk nun durchaus sehen lassen. Der Besuch beim Figaro hat sich also gelohnt. Kupplungen und Aufnahmen für die ruhende Kupplung werden erst nach dem Lackieren und Altern eingebaut. Damit entspricht das Fahrwerk den Anforderungen und passt zum sehr schönen Wagenkasten, der nur weniger kleiner Korrekturen bedarf. :thumbup:



    Im nächsten Teil zeige ich mit dem anderen Fahrwerk, wie man geschickt seinen Namenskürzel am Wagen anbringen kann, in meinem Fall "eh" und wie der Figaro bei diesem Wagen die Haare verlängert. Wer neugierig ist, der schaue schon mal im "Carstens" auf Seite 54 die Zeichnung an... :D


    Grüße vom Figaro
    Eckhard

  • unter diesem Begriff wirbt der Figaro um Kunden, die ihre Haare verlängern wollen. Nach dem ersten Gmms 60 will jetzt auch der zweite Gmms 60 seine missratener Friseur-Frisur vom Figaro pimpen lassen. Und da kommt eine Haarverlängerung wie gerufen. Unser Gmms 60 entscheidet sich für einen 500 mm langen Einheits-Handbremsstand, den es als Ms-Bausatz oder auch als Fertigteil bei Moog zu kaufen gibt. Der Figaro hatte alle Zutaten für die Hairextension in seinen Schubladen, einen vor langer Zeit zusammengebauten Moog-Bausatz.




    Der Figaro schafft es auch noch, dem Gmms 60 einige Extras in der Frisur aufzuschwatzen. Das ist die Signatur "eh" des Figaros und lässt den Kunden zum Gmmehs 60 werden. Ist natürlich etwas teurer, beschert der Frisur aber eine für die kommende Winterzeit praktische Dampf- und Elektroheizung. Das passende Outfit zu dieser Frisur ist auch schon bei Andreas Nothaft bestellt (Beschriftung als Schiebebilder).


    Also geht es wieder ans Werk. Bremsbacken, Bremsdreiecke und Fangschlaufen kommen wie gehabt zuerst dran. By the way: beim Entfernen der unglücklichen Friseur-Version habe ich gemerkt, wie gut verzapfte Klebungen halten: Das Messingblech der Fangschlaufen ist beim Aushebeln abgerissen, der Kleber hat gehalten.... Dann ist der Handbremsstand an die vorhandene Pufferbohle anzugleichen - und zwar die Pufferbohle, wo die Handbremsspindel auf der Wagenseite des Bremszylinders sich befindet. Zum Anpassen ist das Gehäuse aufzusetzen, sind noch die überstehenden Kastenstützen der Frontseite abzufeilen und die Halterungen für die Schlußscheiben zu entfernen. Der Handbremsstand ist anzukleben, dabei darauf achten, dass er bündig mit der Gehäuseunterkante abschließt und gleichzeitig mit den Langträgern fluchtet. Durch die vorhandenen Bohrungen am Moog-Teil und die Pufferbohle sind Verzapfungen zu empfehlen, damit es den Wagen später im Betrieb nicht zerreißt.





    Nun (oder vorher bei mir) wird zunächst der Halter für das unbenutzte Kabel der Elektroheizung am Geländer festgelötet - kleben hält hier auf Dauer nicht. Geklebt hingegen werden die beiden anderen Bauteile der Elektroheizung, nämlich das Endstück unter der Bühne (unterhalb des Halters), an dem später das Kabel sitzt und auf der anderen Seite unter der Bühne die Steckdose, in die im Original das Kabel eines anderen Wagens gesteckt wird. Auf der gegenüberliegenden Seite des Gmmehs 60 ist ebenso zu verfahren, der Halter wird allerdings erst später am Gehäuse montiert. Auf die Verlegung der dünnen Elektrokabel verzichten wir großzügig. Alle Teile von Schnellenkamp.


    Rangierergriffstangen sind spätestens jetzt zu montieren. Die Handbremsstange deuten wir mit einem 1,0 mm Draht an und führen sie durch einen Blechwinkel, der den Hebelarm von der Bremsspindel darstellen soll. Mehr darzustellen lohnt sich nicht, da man es eh nicht sieht und der Unterboden des Wagens an dieser Stelle sowieso suboptimal aussieht. Das andere Ende der Handbremsstange kommt in den Zylinderhebel direkt neben der Kolbenstange des Bremszylinders, die dort auf den Zylinderhebel wirkt. Die Handbremsstange läuft dicht am Spurkranz des Rades vorbei, darauf achten, dass sie keinen Kontakt dazu bekommt.




    Grüße vom Figaro, der erstmal wieder eine seiner vielen Pausen machen muss... a) wegen der Bandscheibe und b) wegen Feierabend der Sekretärin

  • Moin, moin,


    das richtige Haarstyling gibt Ihrem Look den Extra-Kick und macht Ihren Tag zu etwas Besonderem.... ups, falscher Text. Encore une fois: Die richtige Leitungsverlegung am Unterboden gibt Ihrem Modell den letzten Schliff und macht Ihren Gmmehs 60 zu etwas Besonderem. Also legen wir mal los.


    Auf das Verlegen der Elektrokabel wollten wir zwar verzichten, die müssten am Fußboden befestigt werden und man sieht davon nix (habe auch keine ausreichenden Unterlagen dazu); aber die Anschlüsse an den beiden Endstücken jeder Seite kann man sehen und die sollten nachgebildet werden. Ich nehme dafür 1,0 mm Draht, passend zu den außenliegenden Elektrokabeln. Vor dem Einkleben der Endstücke darf man deshalb das Setzen von Bohrungen nicht vergessen. Auch die Stutzen für die Aufnahme des Schlauches, der das Elektrokabel vom Endstück zum Halter nachbildet, müssen dünner gefeilt werden, da der Schlauch sonst kaum draufzukriegen ist. Einige Bilder zeigen den zu Demozwecken aufgeschobenen Schauch.




    Die Hauptluftleitung ist bei einem Wagen mit Dampfheizkupplung gegabelt und das muss nachgebildet werden, wobei der Mittelteil wieder der des Gmms 60 gleicht. Anders als beim Gmms 60 empfiehlt es sich, aus Stabilitätsgründen den Stutzen am Bremsschlauch und die Leitung mit einer kleinen Muffe zu verbinden. Das folgende Bild zeigt die durchgezogene und mit den Bremsschläuchen verbundene Hauptluftleitung, der Abzweig liegt noch lose daneben und eine Muffe ist auf den Stutzen des Bremsschlauches aufgeschoben.



    Auch die Dampfheizleitung (Rohr 1,1/1,5 mm) wird gebogen und auf die Dampfheizkupplungen aufgeschoben. Sie hat keinen weiteren Anschluss, da der Gmmehs 60 ja nicht beheizt ist und die Dampfheizleitung nur gebraucht wird, wenn der Wagen in der kalten Jahreszeit zwischen Lok und dampfbeheizten Reisezugwagen eingereiht ist.




    Der Rest der Zurüstung erfolgt nach dem gleichen Schema, wie beim Gmms 60, da es hierbei keinen Unterschied gibt.





    Der im Fahrgestellbereich fertige Gmmehs 60 - fast fertig, denn ich sehe jetzt, es fehlen noch die Aufhängungen der Dampfheizkupplungen an den Rangiererhandgriffen und die Schlußsignalhalter an der Bremserbühne. Kommt bald. Und zum Abschluss dieses Kapitels noch die beiden halbfrisierten Kunden des Figaro gemeinsam.





    Ach ja, und schöne Grüße vom Figaro soll ich ausrichten :D
    Eckhard

  • Hallo Eckhard,


    danke für diesen Bericht. Das ist Modellbau der Extraklasse mit Lerneffekt. Ich bin einfach nur baff.


    Bitte noch viele derartige Berichte.


    Viele Gruesse


    Frank

    "Teppichbahn in Augenhöhe",


    gesteuert per PC mit TrainController, SmartHand, iPad, Intellibox I und Daisy Funk

  • Moin, moin,


    das erste Drittel ist geschafft; Zeit für eine kleine Betrachtung der Werkzeuge, die wir bisher gebraucht haben.


    Ziel meiner Berichte ist es ja auch, etwas Wissen über das Vorbild zu vermitteln. Hintergedanke (ziemlich im Vordergrund) ist es aber besonders, den neuen Nullern und all denen, die sich noch nicht an Umbauten oder gar den Selbstbau herangetraut haben, aufzuzeigen, was auch für sie möglich ist, wenn sie sich nur trauen und einfach mal anfangen. Auch wir "alten" Nuller haben ja vor vielen Jahren unsere ersten Versuche unternommen - und die waren bei weitem nicht immer erfolgreich. Nicht nur für einen Figaro gilt: "noch ist kein Meister vom Himmel gefallen". Damals wie heute ist dabei der Kontakt innerhalb der ARGE Spur 0 äußerst hilfreich, man lernt nicht nur die Techniken besser kennen, sondern durch den persönlichen Kontakt auf regionalen Treffen und der Jahreshauptversammlung entstanden und entstehen viele dauerhafte Freundschaften, die mir bei Problemen oft geholfen haben. Dieses Forum, das der ARGE und die Hefte SNM und Spur 0 Lokomotive sind eine tolle Ergänzung dazu, ersetzen können sie die ARGE allerdings nicht.


    Um die Angst zu nehmen und mal zu zeigen, dass keine komplett eingerichtete Werkstatt für solch einen Güterwagen-Umbau erforderlich ist, hier mal das vom Putzer, Friseur oder Figaro bisher benutzte Werkzeug. Da ist zunächst das übliche "Haushaltsgerät", dass keiner weiteren Erläuterung bedarf. ;)



    Schraubendreher, Sticheleisen, Reibahlen und Feilen hat wohl jeder in seinem Werkzeugschrank oder auf seinem -tisch. Insbesondere die Feilen sollten von bester Qualität sein. Bohrer in großer Auswahl sind ein Muss - In den Größen von 1,0 bis 4,0 mm in 0,5 mm-Schritten steigend habe ich Bohrer von allerbester Qualität. Bohrer von weniger guter Qualität kaufe ich in einer Box, z.B. bei Ebay, die dann sortiert von 0,3 oder 0,4 mm in 0,1 mm-Schritten steigend bis 2,5 oder 3,0 mm mehrfach vorhanden sind - zum Aufbohren vorhandener Bohrungen oder in Kunststoff tuen auch die ihre Dienste. Gebohrt wird mit der Hand, dafür sind die Stiftenklöbchen da. Ein Kloben zum Halten kleiner Teile beim Feilen oder Bohren schont die Finger und der Zahnstocher ... der ist für das Aufbringen kleinster Mengen des Cyanacrylatklebers oder auch Sekundenkleber genannt. Und der Kleine Fräser bei den Bohrern war die ganze Zeit arbeitslos, ist jetzt auf Harz IV. ;(



    Kommen wir zum Maschinenpark, den "Elektrischen". Die Dremel kennt bei der Gmms 60 - Aktion nur die Trennscheibe. Der Lötkolben kam ein paar mal zum Einsatz, Lötzinn hierbei 1,0 mm Durchmesser - das mit 0,23 mm Durchmesser hab ich diesmal nicht gebraucht. Der Schraubstock dient zum Einspannen der zu verlötenden Messingstücke, die Hölzer dienen als Unterlage oder zum Festhalten - man siehts ihnen an. Das wars? Das wars! :thumbup:



    Habe inzwischen die Signalstützen an der Bühne nachgerüstet - musste kleben, da der Rest schon lackiert war (Thema im letzten Drittel), hält aber trotzdem gut, weil unter der Bühne eine hinreichend große ebene Klebefläche vorhanden ist. Ms-Flachprofil 0,4 x 2,0 mm, abgewinkelt, darauf Ms-U-Profil 1,0 x 2,0 mm gelötet und anschließend mit den kleinen Reibahlen die Öffnungen für die Schlussscheiben wieder freigelegt. Auch die Aufhängung der Dampfheizkupplung wurde mit 0,35 mm Draht nachgebildet. Deshalb die folgen Bilder als Nachtrag. :thumbup:




    Gruß an alle, die sich jetzt vorgenommen haben, so etwas auch einmal zu beginnen. An alle Zögerlichen natürlich auch. Und besonders an Dich Frank(digi), der Du bestimmt nicht nur baff bist... und Gruß an Oliver und die, die das genau so oder besser können sowieso :D
    Eckhard

  • Moin,
    Ich finde, das ist einer der besten Threads zum Thema "Wagen pimpen" in diesem Forum. Und zwar in jeglicher Hinsicht: Inhalt, Stil, Fotos, Wissensvermittlung. Unterhaltsam, ein wenig diplomatisch, mit sehr aussagefähigen Bildern. Schön Schritt für Schritt, so dass jeder selber entscheiden kann, wie weit er mitgehen möchte. Ich habe mächtig Lust bekommen, auch mal an ein Modell Hand anzulegen und hoffe, anderen geht es ähnlich. So ein individueller Haarschnitt macht schon mächtig was her.

  • Moin, moin,


    freue mich über die positiven Reaktionen, sage artig danke und mache auch weiter ;)


    Heute beginnen wir mit dem zweiten Teil der Trilogie, dem Wagenkasten.


    Der MBW Wagenkasten scheint maßstäblich zu sein und sieht auch recht gut aus. Scheint? Nun ja, bei dieser Wagenbauart gab es so viele unterschiedliche Varianten, dass es mir nicht möglich ist, aus einzelnen Zeichnungen oder Fotos dies oder jenes auszuschließen. Siehe dazu auch die Ausführungen im "Carstens / Ossig" Band 1 auf den Seiten 54/55.


    Wenn wir den Wagenkasten beurteilen, müssen wir berücksichtigen, dass es sich um eine preisgünstige Großserie handelt. Und dafür erhält man einen sehr guten Gegenwert. Natürlich könnte vieles noch viel schöner und feiner ausgeführt sein, was den Preis aber in die Höhe treiben würde. Wer ein Spitzenmodell für die Vitrine sucht, ist mit einem Bausatz oder Fertigmodell von z.B. Petau oder Null-Problemo sowieso besser bedient (siehe Bild vom Pwghs 54) oder sollte den kompletten Selbstbau angehen. Wer aber wie ich Betrieb auf der Anlage macht, legt andere Maßstäbe an. Natürlich möchte auch ich keine "Gurken" spazieren fahren, aber wenn ich 5 bis 10 Stück dieser Wagen einsetzen möchte, ist das Kosten- und Zeitthema schon sehr relevant. Die Frage ist ja, sehe ich im Betrieb auf der Anlage wirklich einen großen Unterschied oder nicht - und was kann ich tun, den eventuell zu sehenden Unterschied zu minimieren oder gar zu beseitigen?


    Ich konzentriere mich bei diesen beiden Umbauten auf die wesentlichen Dinge des betrieblichen Lebens, die Qualität eines Kleinseriensupermodells zu erreichen, ist nicht mein Ziel. Dennoch möchte ich beim Gmmehs 60 (der ja schließlich mein Namenskürzel zusätzlich erhalten hat) ausnahmsweise etwas weiter gehen, als beim Gmms 60. Dies aber nur unter dem Aspekt, die weiteren Möglichkeiten aufzuzeigen, die aber für ein gutes Ergebnis der Frisur nicht unbedingt nötig sind.


    Also Figaro, auf gehts - heute mit dem Waschen


    Beim Gmms 60 ist das Waschen eigentlich nicht nötig. Eigentlich, denn wenn man 100% will, dann ist die Anschrift am Wagenkasten rechts unten "Dachdecke KLW-PVC" falsch, denn die trifft nur für Wagen aus dem Umbauprogramm ab 1960 (Umbau von G 10, G 19 und Gr 20 zu Gmms 60) zu, die eine PVC-Dachdecke auf Holzverschalung erhielten. Unser Wagen hingegen stammt aus dem Neubauprogramm ab 1961 und hatte ein selbsttragendes Stahlblechdach mit Spritzkorkisolierung. Deshalb müsste dort die Gewährleistung für das Stahldach stehen. Ich habe leider keine Informationen gefunden, wie diese Anschrift Anfang der 60er tatsächlich aussah - vielleicht kennt sich hier im Forum jemand besser aus. Nach Ablauf der Gewährleistung etwa Mitte der 60er stand dort "Stahldach 1,5 mm StCu" oder "Dach 1,5 mm StCu" - bin mir aber nicht sicher, ob ich die 1,5 mm richtig unter der Lupe erkannt habe. Vielleicht weiß auch das hier im Forum jemand genauer. Im Anlagenbetrieb ist das jedoch so nebensächlich, dass ich das beim Gmms 60 nicht korrigiere.


    Anders sieht es natürlich bei dem Gmmehs 60 aus. Der muss sowieso eine komplett neue Beschriftung erhalten. Das ist insofern auch interessant, weil nur diese Wagen mit Elektro- und Dampfheizung nicht zum Europ-Park gehörten und deshalb gegenüber den "normalen" Gmms 60 eine andere Optik bekommen. Meine Beschriftung ist bei Andreas Nothaft in Arbeit - mehr dazu im dritten Teil dieser Baubeschreibung.


    Zur Vorbereitung muss die alte Beschriftung abgewaschen werden. Das mache ich mit Nitro-Verdünnung und trage die mit einem Pinsel auf, der die in der Verdünnung gelöste weiße Farbe aufnimmt und in einem Haushaltspapiertuch abgewischt wird. Die Unterschiede im Glanzgrad und der Intensität der braunen Farbe werden später mit Klarlack beseitigt. Da ich diese Wagen ja altere, spielen etwaige Farbabweichungen zu diesem Zeitpunkt sowieso keine Rolle.






    So, nach dem Trocknen der Haare geht es dann bald mit dem Schneiden weiter ...


    Eckhard

  • Moin, moin,


    wie zuvor schon erwähnt, macht der Wagenkasten des Gmms 60 einen sehr ansprechenden Eindruck für ein Großserienmodell. Ich möchte hier nicht erneut die Diskussion über das Für und Wider bestimmter Details der Lüfterklappen, usw. aufleben lassen, die MBW letztendlich zu Änderungen und Nachlieferungen veranlasst hatten, die dieses Modell sehr wohl aufwerten. Für mich stimmen Vorbild und Modell im Gesamteindruck überein. Das heißt nicht, dass es nix zu verbessern gäbe - wäre doch gelacht.


    Also machen wir uns mal an die Problemzonen des Wagenkastens ran:


    Da sind zunächst die Seilanker, die etwas üppig dimensioniert sind. Im Vergleich auf dem Foto sind der schwarze Biemo- und der gelbe Brawa-Seilanker aufgelegt, Ms-Teile sind natürlich auch erlaubt.


    Dicht daneben sieht man den etwas eindimensionalen Zettel"kasten", der gegen ein dreidimensionales Teil ausgetauscht werden sollte.


    Im Türbereich fällt der dicke Fingerhaken auf, der nach meiner Ansicht das störendste Teil am Wagenkasten ist.


    Der Türstopper entspricht meiner Kenntnis nach nicht den in den Wagen des Neubauprogramms verarbeiteten Typen, ich kann das aber noch hinnehmen, weil er im Anlagenbetrieb nicht störend auffällt.


    Ganz anders sieht es mit vielen (nicht allen) Griffstangen aus, die nicht eingeklebt, sondern nur eingesteckt sind. Um ein Herausfallen zu verhindern wurden sie mit etwas Übermaß in der Länge hergestellt, was dazu führt, dass einige wie ein Flitzebogen aussehen - das geht gar nicht. Betroffen hiervon sind vor allem die längeren Griffstangen.





    Schicken wir unseren Gmms 60 also zum Friseur, der auch gleich mit dem Schneiden beginnt:


    Zunächst werden von ihm die Lüfterklappen abgeklipst, da diese sowieso später separat gealtert werden sollen. Teilweise fallen ihm dann auch schon die Lüftergitter entgegen, die aber bis zum Alterungsprozess wieder eingeklebt werden müssen - also später.


    Er entfernt mit seinem Messer die Seilanker, die gegen solche von z.B. Brawa oder Biemo ausgetauscht werden sollten. Er bevorzugt aus Stabilitätsgründen hier diese Kunststoffteile, die sich an dieser griffgünstigen Stelle sehr gut durch Nitro-Verdünnung mit dem Wagenkasten verschweißen lassen. Deshalb ist im Bereich der Ecksäulen dafür die Farbe abzuschleifen. Bei Verwendung der Brawa-Teile ist noch eine Bohrung zu setzen. Unser Friseur bevorzugt bei dieser Frisur die Biemo-Teile, die den ihm bekannten Vorbildfotos am nächsten kommen.


    Der Zettel"kasten" leistet keinerlei Widerstand, wenn der Friseur mit der Messerspitze darunterfasst. Das gute Stück ist aus Metall und der Friseur kann es woanders auch weiterverwenden - also kein Fall für den Mülleimer. Welchen neuen Zettelkasten man verwendet (z.B. Petau, Moog, Schnellenkamp oder Biemo) ist Geschmackssache, der Friseur nimmt meistens das, was ihm gerade im Wege liegt. In diesem Fall ein paar von Biemo, die auf der Rückseite 2 Stifte zum Einstecken in den Wagenkasten haben. Da es dem Friseur meistens aber nicht gelingt, händisch die beiden Löcher so genau zu bohren, das der Kasten dann gerade sitzt, wird von ihm der obere Stift abgeschnitten und nur für den unteren ein 1,0 mm Loch in den Wagenkasten gebohrt.


    Der Fingerhaken mit seinem Sicherungsstift leistet dem Friseur da schon etwas mehr Widerstand, verliert letztendlich aber doch. Zur Strafe schleift der Friseur das Lager des Fingerhakens am Wagenkasten etwas flacher, damit der Haken später besser anliegt und durchbohrt das Lager komplett mit 1,1 mm. Oh Gott, was macht er denn jetzt? Er rückt dem Fingerhaken mit Messer und Feile zu Leibe, zieht ihm das Fell über die Ohren - und nach 2 Minuten Abziehen und Abfeilen ist der Fingerhaken schlank wie ein Aal (und wird dem ahnungslosen Kunden als Neuteil angedreht). Seine Funktionsfähigkeit (nicht die des Kunden) wird dadurch nicht beeinträchtigt.


    Bei den Flitzebogen-Griffstangen hilft nur ein Entfernen, sind ja nur eingehakt. Die langen Griffstangen an der Tür entfernt der Friseur gnadenlos, da sie die falsche Form haben, müssen etwa im Winkel von 45 Grad abstehen. Celsius oder Fahrenheit? Das weiß nur der Friseur, zeigt es uns aber später noch. Für die neuen Griffstangen an der Tür sind die angebohrten Löcher komplett mit 0,5 mm zu durchbohren, weil sonst nicht einmal die Originalkonstruktion darin dauerhaft hält.


    Damit ist der Friseur fertig mit dem Schneiden.







    Nun schicken wir unseren Gmmehs 60 zum Figaro, der nach dem Waschen auch gleich mit dem Schneiden beginnt. Mal sehen, was der noch besser kann, als der Friseur:


    Zunächst macht der Figaro nichts anders, als der Friseur. Als es schon beginnt langweilig zu werden, werden wir plötzlich hellwach und sehen, wie der Figaro sich an dem Türstopper zu schaffen macht und ihn ratzfatz entfernt. Zunächst mit Dremel und Trennscheibe, dann mit den Sticheleisen und abschließend mit Feilen.


    Der Figaro behauptet dann noch, dass zumindest bei den Wagen des Neubauprogramms der Träger unter der Tür ganz anders konstruiert sei. Alle Fotos würden belegen, dass dieses Teil fast bündig mit der Tür abschließen würde. Wir können das nicht nachprüfen, vertrauen aber in sein Können. Die Tritte unter der Tür müssen dazu entfernt werden, stecken jedoch in gut verklebten Zapfen. Die kriegt der Figaro nicht ohne Abbruch aus ihrem Loch. Aber was solls? Wer das "Pech" hat, einen Wagen der ersten Serie zu erwischen, hat dank der Nachlieferung von MBW nun das Glück, die Türtritte als Ersatzteil mitbekommen zu haben. Thank you Frank. Unter der Tür wird vom Figaro abschließend alles glatt geschliffen.


    Und dann ist auch der Figaro fertig mit dem Schneiden. Nietenzähler werden jetzt die 3 oder 4 dummerweise mit abrasierten Nieten bemäkeln - das fällt später aber überhaupt nicht auf... und ist mir sch...egal. :D




    Munter bleiben!
    Eckhard

  • Moin, moin,


    trotz Sonne überm Leinetal auch noch ein klein wenig gewerkelt und den mittleren Teil der Trilogie zum Abschluss gebracht. :thumbup:


    Fangen wir heute mal mit den Extrahaaren an, die der Figaro zusätzlich auf den Gmmehs 60 legt.


    Für den Gmmehs 60 sollen ja neue Türpuffer eingebaut werden, die der Form der Neubauwagen entsprechen. Die gibt es z.B. bei Schnellenkamp (Art.Nr. 1701). Üblicherweise lötet der Figaro diese an den Wagenkasten - ja, wenn der auch aus Messing besteht. :huh: Dieses exponierte Teil einfach anzukleben, verspricht keine haltbare Lösung zu sein. Deshalb bohrt der Figaro auf der Rückseite der Türpuffer ein 0,5 mm Loch, steckt einen 0,5 mm Ms-Draht hinein und lötet ihn fest. Im Wagenkasten wird ebenfalls ein 0,5 mm Loch gebohrt und die Klebung hält.






    Unter die Tür klebt der Figaro auf ganzer Länge ein Polystyrolteil von 2,0 mm Dicke und 4,0 mm Höhe. Beim Festkleben ist darauf zu achten, dass die Tür soweit geöffnet ist, dass der Führungsstift der Tür direkt neben der Klebung verhindert, dass die Öffnung für ihn zu schmal werden könnte.




    Der Tritt unter der Tür soll seiner Meinung nach auch dem Vorbild eines Neubauwagens entsprechen und ohne den Zwischensteg auskommen. Dazu wird der Türtritt aus der Nachlieferung beschnitten. Nach dem Setzen der Bohrungen für dieses Teil legt er ihn auf - und dreht den Spiegel schnell so, dass der Kunde das nicht sieht. ;) Warum? Nun, jetzt fällt auf, dass dies doch ein ziemlich massives Teil ist und nun viel zu weit absteht. Normalerweise würde der Figaro jetzt schnell ein Ms-Teil zusammenschustern, aber das ist so mit dem Kunden nicht abgesprochen und der Figaro möchte auch mal testen, wie weit man diesen Tritt runterfeilen kann - der Fingerhaken hat ja Mut gemacht, dass das Material das abkann. Und so ist es auch, es lässt sich wunderbar befeilen, bricht dabei nicht und behält seine Stabilität. :thumbup: Im Ergebnis fluchtet es jetzt vorbildgerecht mit der Tür. Lackiert kann man das später noch besser sehen.




    Nun kommen wir noch zu den Dingen, die Figaro am Gmmehs 60 und Friseur am Gmms 60 beide gleich machen. Da sind zunächst die 4 Seilanker, die am Ende der Kastenecksäule mittels Nitro-Verdünnung mit ihr verschweißt werden. Dann noch der Zettelhalter, der als Kunststoffteil von der Dimensionierung zur danebenliegenden Kastenstütze passt. Ein noch feineres Teil würde diese Kastenstütze im Gesamtbild als zu massig erscheinen lassen. Jetzt noch den Fingerhaken und die Griffstangen nur probeweise einlegen, da sie ja vor dem endgültigen Einbau noch lackiert werden müssen - im folgenden letzten Teil der Trilogie. Auf den Bildern ist gut zu erkennen, dass die Griffstangen nicht im rechten Winkel abgebogen werden, sondern diagonal abstehen - siehe Vorbild in 1:1 (oh: die Löcher der ausgebauten Schlußsignalhalter am Bühnenende des Gmmehs 60 müssen noch verspachtelt werden).





    Noch ein Wort und auch ein Dankeschön zu den vielen zustimmenden Kommentaren und Bewertungen, wo häufig geschrieben wird, dass man richtig Lust bekäme, so etwas auch anzufangen. 8o
    Die Lust dazu ist ja schon mal erfreulich, reicht aber nicht aus. Anfangen muss man! Und es muss ja nicht der komplette Umbau begonnen werden. Gerade der Wagenkasten bietet sich an, in kleinsten Schritten mit dem Frisieren zu beginnen. So ist es doch ein Anfang, einfach mal die Flitzebögen von Griffstangen an den Ecksäulen abzunehmen und zu versuchen, sie durch Ms-Draht zu ersetzen. Geht das schief, werden die Originale einfach wieder eingeklipst... aber es geht bestimmt nicht schief, vielleicht noch die erste, aber die zweite Griffstange dann nicht mehr. Dann vielleicht den Zettelhalter oder den Fingerhaken.... Appetit kommt bekanntlich beim Essen. :thumbup:


    Guten Appetit
    Eckhard

  • Hallo Eckhard,
    ich weiss nicht , was ich mehr bewundern soll , deine beispielhaft beeindruckend flotte Vorgehensweise beim Frisieren, oder dein sprachliches Vermögen selbst die gröbsten "Unschönheiten" der Ursprungsfrisur während des Schneidens scheinbar nur nebenbei zu erwähnen ?


    Grüße
    Bernd

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!