[Spurensuche] - 'Etwas' neben der Spur - die schönen kleinen Nebensächlichkeiten

  • Hallo Sjaak,
    du hast natürlich vollkommen Recht mit deiner Bemerkung hinsichtlich der Platzierung 'klassischer' Pferdefuhrwerke auf Anlagen der Epochen 1 bis 3. Ich halte es aber auch für durchaus realistisch, solche Fuhrwerke auch auf Anlagen der Epochen 4 und 5, ja sogar der Epoche 6 zu platzieren - unter der Voraussetzung, dass z. B. ein Anlagebereich, vorzugsweise in Randlage, entsprechend gestaltet wird: ländlich-dörflicher oder Vorort-Charakter, Bauernhof, Viehweiden und Felder, etc., etc. ... Man sollte nämlich nicht ausser Acht lassen, dass mit den aktuellen Bemühungen zum Schutz der Umwelt auch eine gewisse Rück-Besinnung auf frühere Lebensformen einhergeht. Kurz gesagt - gestalterisch ist so ziemlich alles möglich, wenn man es behutsam angeht!
    Mit den besten Grüssen
    Dieter

  • Liebe Spur 0 Freunde
    und Freunde der Pferdefuhrwerke,
    nachdem Freund Dirk Anfang der Woche hier die Frage nach der Lieferbarkeit der von David Sutton < http://www.forty-third.co.uk > hergestellten Räder aufgeworfen hatte, hatte ich mich mit David in Verbindung gesetzt und die Bestätigung erhalten, dass die Räder weiterhin lieferbar sind, und zwar in drei verschiedenen Grössen bzw. Durchmesser: 20 mm (12 Speichen) à 1.50 £, 25 mm (12 Speichen) à 1.75 £ und 32 mm (14 Speichen) à 2.10 £. Dabei handelt es sich übrigens um die selben Preise, die ich bereits vor knapp zwei Jahren bezahlt hatte! Die Räder bestehen wie das gesamte übrige, sehr reichhaltige Angebot aus David's Werkstatt aus einer Zinnlegierung ohne Zusatz von Blei.
    Es tut mir leid, dass ich die Angelegenheit 'etwas' aus den Augen verloren hatte - sorry!
    Viel Erfolg beim Stöbern auf der 'Forty-Third'-Webseite
    und allen ein schönes Wochenende!
    Beste Grüsse
    Dieter


    P.S. nach dem Öffnen der Webseite bitte oben auf '1/43 Scale' klicken, dann in der linken Spalte auf 'Vehicles (1/43) und -nach dem Öffnen- auf 'Cart/Wagon Wheels' gehen, die Katalognummern 0W 1 - 3; bezahlt werden kann u. a. mit Master Card, Visa oder PayPal

  • Liebe Spur 0 Freunde
    und Freunde der Pferdefuhrwerke,
    nachdem Leiter- und Kastenwagen nun schon seit geraumer Zeit 'ihren Dienst versehen', möchte ich euch jetzt den Dritten im Bunde vorstellen - den Langholzwagen.



    Er ist allerdings entgegen der ursprünglichen Planung nicht mehr als Pferdefuhrwerk gebaut worden: ich hatte mir nämlich kurz zuvor einen Fordson-Traktor zugelegt, und deshalb war der Stellmacher gezwungen, den Langholzwagen mit einer anderen, kürzeren Deichsel zu bauen.
    Die für den Trecker angepasste Deichsel war jedoch bei der Planung nicht das einzige Kriterium, das beachtet werden musste - hinzu kam die Forderung, dass

    a) der vordere Wagenteil für eine platzsparende Unterbringung in der Remise vom Hinterwagen getrennt werden kann und
    b) die Lenkung des Vorderwagens so gebaut wird, dass im beladenen Zustand die vorderen Rungen - unabhängig vom Lenkeinschlag - immer genau so ausgerichtet sind wie die hinteren Rungen.


    Ich zeige daher zunächst einmal das Bauschema der Lenkung, das ich vor fast zwei Jahren entwickelt und gebaut habe (heute würde ich die Lenkung zwar in mancherlei Hinsicht etwas anders, aber wieder nach demselben Prinzip bauen).





    Das Schwierigste war damals für mich ohne Frage die Zweifach-Lötung von Achshülse, Deichsel und Drehzapfen (für die Aufnahme des 'Rungenträgers'), da sich auf Grund der Nähe der beiden Lötstellen ständig die eine oder andere Verbindung wieder löste ... Aber irgendwann konnte ich dann aufatmen - es war geschafft (ich selbst aber auch!).
    Als nächstes musste die Verbindung zwischen hinterem und vorderem Wagenteil gebaut werden. Dazu habe ich ein 80 mm langes Messingrohr genommen (∅ aussen 2 mm, innen 1mm), das ich ca 10 mm durch eine entsprechende Bohrung im Hinterachsträger geführt und dort verklebt habe. Zur Verstärkung, aber auch um den rechten Winkel zwischen Rohr und Hinterachse dauerhaft zu gewährleisten, habe ich auf beiden Seiten des Rohrs in flachem Winkel Vierkantleisten angeklebt, die am anderen Ende mit dem Achsträger stumpf verleimt sind. In das vordere Rohrende ist ein aus einer Büroklammer gebogener Haken gelötet, der in eine Öse am vorderen Achsträger greift; auf diese Weise können die beiden Wagenteile jederzeit von einander getrennt werden.




    Da ich in dieser Bauphase noch auf die Räder aus England wartete, habe ich das 'Chassis' zunächst auf Klötzchen aufgebockt, die in der Höhe ziemlich genau dem Radius der bestellten Räder entsprachen, um auf diesem 'Prüfstand' das künftige Lenkverhalten (mitsamt der Deichsel) sowie die Verbindung zwischen den beiden Wagenteilen zu testen.






    Nachdem diese Versuche erfolgreich verlaufen waren, musste nur noch überschüssiges Lot abgefeilt werden.



    Die Rungen habe ich aus 'Rührstäbchen' zurecht gefeilt und oben zur Aufnahme der 1 mm starken Ketten durchbohrt. Diese Ketten dienen zum einen der Ladungssicherung und sorgen zum anderen dafür, dass die Tonnen schweren Baumstämme die Rungen nicht nach aussen drücken können.



    deutlich zu sehen: die vorderen Rungen bleiben auch bei ausgeprägter Kurvenfahrt in der 'richtigen' Position




    Nachdem schliesslich die Räder montiert worden waren (Prinzip s. Leiterwagen), konnten endlich auch die im Wald geschlagenen Stämme zur Sägemühle gefahren werden ...



    So, liebe Freunde, das war's für heute!


    In der Hoffnung, dass euch dieser Bericht über die 'schönen kleinen Nebensächlichkeiten' nicht gelangweilt hat, verbleibe ich
    mit den besten Grüssen
    Dieter



  • Hallo Dieter .


    Deine Wagen sind sehr schön geworden und entsprechen wie immer dem Vorbild :thumbsup: .


    Zum Löten gebe ich die mal einen kleinen Tipp. Einfach auf die fertige Lötstelle einen kleinen nassen Wattebausch legen , dann wird das dort nicht mehr Heiß und die Lötstelle bleibt wie sie ist. 8o


    Gruß Hein

  • Hallo Hein,
    vielen Dank für deinen tollen Tipp mit dem nassen Wattebausch bei nah beieinander liegenden Lötstellen! Diesen Trick kannte ich bisher nicht! Ich bin mir aber nicht sicher, ob das auch in diesem Fall funktioniert hätte: schau dir nur an, wie eng hier die beiden Lötstellen neben einander liegen ... Aber genau dieser Umstand war es dann, der mich schliesslich auf die Idee brachte, beide Lötstellen wie eine einzige zu betrachten - Vor-Verzinnen von Deichsel, Achshülse und Drehzapfen, danach alle drei Teile in einer Art Lehre zusammengefügt, 3, 4 mm Lötdraht gebogen, den Draht-Winzling mit der Pinzette vorsichtig um das untere Ende des Drehzapfens gelegt und anschliessend mit dem Lötkolben erhitzt ... und das 'Problem' hatte sich erledigt.
    Mit den besten Grüssen
    Dieter

  • 3 - Der Schäferkarren



    Liebe Spur 0 Freunde,

    als ich Anfang vergangenen Jahres auf der Suche nach einem Schäferkarren für die künftige Spur 0 Anlage der 'Moritzbahn AG' war, stiess ich prompt auf das entsprechende Angebot eines renommierten norddeutschen Zubehör-Lieferanten für die Spur 0. Aber welche Enttäuschung! Denn was ich da sah, war nichts anderes als die auf 1:45 miniaturisierte Version von Pseudo-Schäferkarren, wie sie seit einiger Zeit von verschiedenen Herstellern und Baumärkten als 'Schäferkarre', 'Jagdwagen', (fahrbares) 'Gästehaus', etc. vermarktet werden ...
    Übrigens - ich schätze diesen norddeutschen Zubehör-Spezialisten auf Grund der Qualität seiner Produkte so sehr, dass ich ihm erst kürzlich wieder einen grösseren Auftrag erteilt habe. Aber dieser Schäferkarren - nein!
    Das war nicht der Typ Schäferkarren, wie ich ihn aus der Zeit meiner Kindheit von den Wiesen an der Wolbecker Angel oder auch von den Ruhrwiesen im Hochsauerland in Erinnerung hatte.



    Also - ran an die Arbeit, und her mit dem Skizzenblock! Aber schon nach den ersten zwei, drei Entwürfen, die sich übrigens alle ähnelten wie ein Ei dem anderen, stand fest, was ich wie bauen würde: da die Schäfer ihre Karren früher selbst von einem Weideplatz zum anderen ziehen mussten, sollte er entsprechend leicht sein, aber auch relativ grosse Räder haben, da auch schon mal ein Wassergraben zwischen den Wiesen gequert werden musste; im Übrigen sollte er nur eine bescheidene Schlafstätte haben und dem Schäfer bei Schlechtwetter trockenen Unterstand bieten. Ach ja, und eine Art Pack-Abteil unter dem Wagenboden: hierin führte der Schäfer bei seinen Wanderungen etliche Zaunpfosten, Draht und sonstige Utensilien für den Pferch mit, damit die Schafe in der Nacht nicht das Weite suchen konnten.



    Als Baumaterial habe ich wieder die berühmt-berüchtigten 'Rührstäbchen' sowie 2 x 2 und 2 x 3 mm Kiefernleisten verwendet, geklebt ausschliesslich mit UHU Hart. Für den Bau der vier Wände habe ich nur die bogenförmigen Enden der Rührstäbchen genommen, da sie mit ihren Rundungen den unteren Abschluss gegen das Pack-Abteil im 'Kellergeschoss' etwas auflockern sollten, während die geraden Schnitte an den Seitenwänden direkt unter das leicht gewölbte Dach stossen. Innen habe ich die Wände zusätzlich mit 2 x 2 mm Leisten versteift.





    Auch das Dach ist aus Rührstäbchen hergestellt, wobei ich allerdings die langen oberen Klebekanten nachträglich mit Schmirgel bearbeitet habe, bis das Dach die gewünschte glatte Wölbung hatte. Anschliessend erhielt das Dach vorbildgerecht noch eine wetterfeste 'Deckung' aus 600er Sandpapier. Die Achse, die ich wieder aus einer Büroklammer geschnitten habe, läuft frei in einem Messingröhrchen mit einem Innendurchmesser von 1 mm. Die Räder aus einer bleifreien Hartzinn-Legierung stammen aus David Sutton's Werkstatt (es sind die schmalen Räder der Handwerkerkarren) < www.forty-third.co.uk > und sind auf den Achsenden verklebt. Für ausreichendes seitliches Spiel sorgen dabei zwei je 2 mm lange Kunststoffisolierungen von Blumendrähten, die lose auf der Achse zwischen den Radnaben und dem Messingröhrchen laufen.



    Die Deichsel hat an ihrem (vorderen) Ende einen kleinen Doppelhandgriff, den ich stumpf gegen das Deichsel-Ende geklebt und anschliessend, nach dem Abbinden des Klebers, mit einem schmalen Streifen Kupferblech (0,2 mm) zusätzlich gesichert habe. Vorne und hinten unter dem Boden angeklebte Holzstützen halten den Schäferkarren auf dem Weideplatz einigermassen in der Waage, so dass der Schäfer nicht 'in Steillage' schlafen muss ...


    Experten unter sich ...





    Ach ja, und zum Schluss habe ich noch das 'Preiser'schen Einheits-Grau' an Hut und Umhang des Schäfers mit dem traditionellen 'Loden-Grün' übermalt.


    So, liebe Freunde, das war's für heute - bis zum nächsten Mal an dieser Stelle!
    Herzlichen Dank für eure bisherige treue Begleitung, eure Kommentare und Bewertungen
    und beste Grüsse


    Dieter

  • Lieber Dieter,


    mich hat in der Tat - und das kannst Du wörtlich nehmen - der Schlag beim Anblick Deiner Modelle getroffen. Richtige Kunstwerke. Alle Achtung! Habe Deine Bauberichte erst jetzt entdeckt. Ich hatte wirklich einen Schlaganfall. Bin aber jetzt aus dem Krankenhaus zurück und verfolge Deine Beiträge mit Interesse. Gruß, Josef

  • Liebe Spur 0 Freunde
    und Freunde des Schäferkarrens,
    besten Dank euch allen für eure aufmunternden Kommentare und die Resonanz, die nach den Pferdefuhrwerken nun auch mein Schäferkarren gefunden hat. Wer eventuell noch an weiteren Details, auch zu den Pferdefuhrwerken, interessiert ist, den lade ich herzlich ein, mir einfach eine PN zu schicken.
    @ Josef - dir wünsche ich recht baldige und vollständige Genesung und die Kraft, recht bald wieder an deiner grossartigen Wehrkirche weiter arbeiten zu können - ich bin überzeugt, dass sie nach dem, was du bisher dazu geschrieben und gezeigt hast, ein Blickfang deiner Anlage werden wird!
    Mit den besten Grüssen
    Dieter

  • Der Schleifstein

    Liebe Spur 0 Freunde
    und Freunde der schönen kleinen Nebensächlichkeiten,

    ich denke mal, dass wohl die meisten Modellbahner von dem Gedanken beseelt sind, mit der eigenen Anlage etwas Einzigartiges und Individuelles zu schaffen. Dieses durchaus lobenswerte Bemühen führt dann aber manchmal auch dazu, dass man über all dem Planen und Bauen hin und wieder vergisst, die einzelnen Phasen in Wort und Bild zu dokumentieren - man baut ja, um endlich 'fertig' zu werden ...


    Genau so ging es mir vor gut zwei Jahren, als ich mich nach Fertigstellung der Schmiede des Grossvaters im schlesischen Adelsbach daran machte, die Werkstatt mit dem typischen 'Zubehör' auszustatten - Esse, Blasebalg, Amboss, Werkbank und Schleifstein. Es ist damals zwar alles 'fertig' geworden, was ich mir vorgenommen hatte, aber dokumentiert habe ich so gut wie nichts, zumindest nichts von den 'schönen kleinen Nebensächlichkeiten' wie z. B. dem Schleifstein.


    der Schleifstein vor der Schmiede des Grossvaters in Adelsbach




    Schleifsteine gehörten früher bei fast allen Handwerksbetrieben praktisch zur Grundausstattung, und selbst in Gärtnereien und auf Bauernhöfen wurden sie gebraucht, um stumpf gewordene Geräte und Werkzeuge wieder herzurichten. Erst ab Ende der 1950er Jahre wurden diese nützlichen Helfer sukzessive 'ausser Dienst' gestellt, als die ersten elektrisch betriebenen und zudem Platz sparenden Schleifmaschinen die Werkstätten eroberten.


    Da ich vor gut zwei Jahren (wie oben erwähnt) vergessen hatte, den Bau des Schleifsteins mit der Kamera festzuhalten, habe ich mich gestern entschlossen, noch einmal eine solche mit purer Muskelkraft betriebene 'Maschine' zu bauen - allerdings etwas kleiner als den Erstling. Vor einem Nachbau braucht übrigens niemand zurückzuschrecken: die reine Bauzeit beträgt kaum mehr als eine Stunde, und das zum Bauen erforderliche Material ist wahrscheinlich auch überall vorhanden - eine Kieferholzleiste 2 x 3 mm, ein 1½ mm starkes Balsabrettchen und eine kleine Büroklammer, dazu Acrylfarben hell- und dunkelbraun und schwarz, etwas Grundierung, eine kleine, spitz zulaufende Zange, ein Skalpell, ein Bohrer (½ mm), 400er Sandpapier und etwas UHU Hart ...


    der Materialbedarf ... die kleine Büroklammer wird zur Handkurbel, die Unterlagscheibe ist Vorlage für die Grösse des Schleifsteins




    der neue kleine Schleifstein (oben)


    Grössenvergleich zwischen 'altem' und neuem Schleifstein - zur Orientierung bei den Abmessungen (in Meter / 1:45) dient das 2-Skalen-Lineal (unten)



    Hilfreich für alle, die erst keine Rechenoperationen starten wollen, um in 1:45 Längen, Breiten und Höhen zu ermitteln, ist das von H. Eßlinger < www.0-scale-hobbyshop.de > für kleines Geld angebotene 2-Skalen-Lineal, das schon lange einen festen Platz auf meinem Basteltisch hat.


    So, nun wünsche ich euch viel Erfolg bei der Ergänzung eures 'Maschinenparks'!


    Bis demnächst und beste Grüsse
    Dieter

  • Liebe Spur 0 Freunde,


    zunächst herzlichen Dank für eure treue Begleitung und eure freundlichen Bewertungen! Mir ist übrigens heute aufgefallen, dass ich in meinem gestrigen Bericht noch etwas vergessen hatte zu erwähnen, was vielleicht den einen oder anderen Stellmacher oder Zimmermann unter euch interessieren könnte: der Schleifstein kann natürlich mit der Handkurbel gedreht werden.


    Dazu muss man nach dem Aufziehen des Schleifsteins auf die Achse (und vor dem Ankleben der anderen Tischhälfte!) nur einen Tropfen (etwas dickere) Farbe auf die Achse direkt neben dem Schleifstein auftragen; nachdem die Farbe getrocknet ist, sitzt der Schleifstein fest auf der Achse und lässt sich mit der Kurbel drehen. Von der Verwendung von Klebstoffen rate ich dringend ab, da wegen der engen Zwischenräume nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Achse mit den Tischholmen verklebt. Damit ist auch schon der zweite Punkt angesprochen, der beachtet werden sollte: der Abstand des Schleifsteins zu den Tischholmen beträgt nur ungefähr ⅓ - ½ mm, der zu den Zwischenstücken (links und rechts) ca ½ - ⅔ mm. Um diese geringen Abstände etwas besser hervorheben zu können, füge ich noch ein paar Macro-Aufnahmen an; dazu habe ich den Schleifstein auf weisses Papier gestellt, um einen möglichst grossen Kontrast zu erzielen.


    Mit den besten Grüssen


    Dieter









  • 5 - Das Münsterländer Backhaus

    Liebe Spur 0 Freunde,


    als ich Anfang dieses Jahres noch mit dem Nachbau der Seilerei meines Urgrossvaters in Beelen bei Warendorf beschäftigt war, wurde mir irgendwann klar, dass dieses Projekt mit der Fertigstellung von Wohnhaus und Werkstatt noch nicht ganz abgeschlossen sein würde: ich hatte mich nämlich eines Tages erinnert, dass die Nachbarin vom Hof gegenüber, die mir im Herbst 2008 das winzig kleine Foto vom Wohnhaus des Urgrossvaters überlassen hatte, damals ganz beiläufig auch ein Backhaus auf dem Grundstück der Seilerei erwähnt hatte.
    Auf dem Foto war davon allerdings nichts zu sehen gewesen, und so rief ich erstmal die Bäuerin vom Hof gegenüber an, ob sie eventuell ... "Ja, natürlich erinnere ich mich!" antwortete sie "das war das typische Backhaus, wie wir früher auch eins auf unserem Hof hatten - die haben doch alle gleich ausgesehen mit der grossen Backstube und dem Lehmofen, der hinten angebaut war!" Nun bin ich zwar ein begeisterter Anhänger der Devise von Albert Einstein "Phantasie ist wichtiger als Wissen", aber für den Bau des Backhauses wollte ich doch ein Mindestmass an Planungselementen haben!


    Ein längeres Telefonat mit einer überaus verständnisvollen Expertin im Freilichtmuseum Detmold des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe brachte dann wenige Tage später die Antwort auf meine Fragen: eine E-mail mit -zig Fotos sowie Auf- und Grundrisszeichnungen Münsterländer Backhäuser, die dort im Museum eine neue Heimat gefunden haben - Zeugen einer Zeit, in der die Selbstversorgung der ländlichen Bevölkerung eine heute kaum vorstellbare Bedeutung hatte ...










    Ich möchte hier und jetzt noch einmal ein grosses "Dankeschön" an die Leitung des LWL-Museums Detmold senden für die Genehmigung, einige der mir überlassenen, ©-geschützten Fotos und Zeichnungen in diesen Bericht einzustellen - für den Fall, dass der eine oder andere mit dieser 'schönen kleinen Nebensächlichkeit' aus längst vergangenen Zeiten seiner Anlage eine ganz individuelle Prägung geben möchte. Eine kommerzielle Nutzung ist verständlicherweise nicht gestattet!


    Wie auch schon bei den hier unter [Spurensuche] vorgestellten früheren Gebäuden aus meiner Familiengeschichte besteht das Baumaterial weitgehend aus gut abgelagertem 4 mm starken Pappelsperrholz. Die Umrechnung der Gebäudemasse auf den Massstab 1:45 war wegen der geringen Grösse des Bauwerks schnell erledigt. Daraufhin habe ich mit Bleistift die Konturen der Bodenplatte und der Wände auf das Sperrholz übertragen, wobei ich die Giebeldreiecke der Stirnwände separat gezeichnet habe, da sie später auf die Platte des Dachbodens gesetzt werden.





    Bei dieser Gelegenheit habe ich auch gleich das Fachwerk aufgezeichnet, bevor ich dann die einzelnen Bauteile mit der Laubsäge ausgeschnitten habe. Anschliessend habe ich die senkrechten Enden mit Raspel und Feile auf eine 45º-Gehrung gebracht und die Schnittkanten mit 120er Sandpapier versäubert, um später beim Zusammenbau möglichst ebene Klebflächen zu haben.


    So, liebe Freunde, so weit für heute.
    Euch einen schönen, erholsamen Sonntag und bis demnächst!


    Mit den besten Grüssen
    Dieter

  • Hallo Dieter,


    unser Hausmeister hat mal meine Anlage sehen wollen (er hat auf anderem Gebiet selbst eine künstlerische, kreative Ader) und hat bei der Betrachtung im breitesten Sächsisch u. a. gesagt: "... naja, Sie sind aber schon sehr detailverliebt...". Ich finde den Begriff als solchen, für mich jedenfalls, als Auszeichnung
    wenn das jemand der selbst kleine Kunstwerke herstellt (der HM malt und
    schnitzt Skulpturen) zu mir sagt. Er meinte das als ehrliches Kompliment und so gebe ich Dir das jetzt auch mal weiter. Du baust wirklich nicht nur schön und gekonnt, sondern m. E. eben auch detailverliebt.

  • Hallo Dieter,
    wenn Micha recht haben sollte mit dem Ofen, ich muß demnächst einen Baum an unserer Einfahrt fällen, da könnte ich dir einige Scheite zum Backen abgeben. (Natürlich nur im Tausch gegen ein Holzofenbrot von dir.
    Gruß Heiko

  • Liebe Spur 0 Freunde,
    zunächst vielen Dank für eure freundlichen Kommentare!
    @ Robert - ich danke dir für dieses Kompliment - gebe es aber auch gern an dich zurück, da ich deine Arbeiten genau so bewundere! Diese 'Detailverliebtheit' kommt und wächst ja in aller Regel mit dem Baufortschritt, und zwar meistens so, dass man es selbst gar nicht bewusst wahrnimmt ...
    @ Micha - der Backofen wurde ja immer nur einmal in der Woche angeheizt, und zwar traditionell an Samstagen oder vor hohen Feiertagen. Insofern kann ich dir heute, Sonntag, leider kein entsprechendes Foto zeigen - sorry! Was den Anlagenbau betrifft, bin ich momentan etwas ausgebremst, da das Team einer befreundeten Werbeagentur mich gebeten hat, die Anlage wegen einiger Aufnahmen für ein, zwei Wochen noch so zu lassen, wie du sie von Fotos kennst - im Übrigen heisst es hier im Südwesten "nur ned hudle" ...
    @ Heiko - vielen Dank, dass du mir Holzscheite für das Backhaus anbietest, aber wenn, dann nur gut abgelagertes Buchenholz in der Grösse 1:45! Und da sehe ich ein ziemliches Problem, da du das wahrscheinlich selbst gern in deinem Holzgasgenerator-Mercedes 170 verfeuerst ...
    Mit den besten Grüssen
    Dieter

  • Hallo Dieter,


    wieder hast du dir ein Gebäude ausgesucht, was wie die Faust aufs Auge zu deinen bisherigen Bauwerken passt - diesmal eher unscheinbar, aber wie du schon schriebst, immens wichtig für die Menschen auf dem Lande in der damaligen Zeit...
    Schmied, Seiler oder Schäfer - alle miteinander werden werden sich an den Erzeugnissen aus dem kleinen Häuschen gütlich tun, so es denn mal fertig ist! :)
    Ich für meinen Teil würde mich eher an den frischen Blechkuchen halten, den ich schon einige Male in noch intakten Backhäusern unserer Umgebung genießen durfte...
    Wenn deine Anlage mit all den Gebäuden mal fertig ist hast du ein prima 1:45 Freilichtmuseum im Keller in dem du mit all den Geschichten um die Bauwerke herum Besucher bestimmt tageweise Unterhalten könntest - genau das Richtige für einen Tagesausflug mit unseren Kindern! ;)


    Gruß, Dirk.

  • Hallo Dirk,
    vielen Dank für deine freundlichen Zeilen!
    Und was den Tagesausflug zum 'Freilichtmuseum im Keller' betrifft, so bist du jederzeit herzlich eingeladen - wir haben ein 'offenes Haus'!
    Allerdings denke ich, dass die gegenwärtigen Reisetemperaturen und der geballte Ferienverkehr inklusive Staus auf den BAB die Nerven zumindest deiner Kinder erheblich strapazieren dürften ... Vielleicht schaltet Petrus ja demnächst mal wieder auf verträglichere Grade zurück.
    Mit den besten Grüssen
    Dieter

  • Liebe Spur 0 Freunde,


    beim Start des Projekts 'Münsterländer Backhaus' hatte ich voller Begeisterung geplant, den Lehmofen tatsächlich aus Lehm zu bauen, diesem Jahrtausende alten natürlichen Roh- und Baustoff. Aber - woher nehmen? Denn hier, im Oberrheingraben, gibt es zwar zahllose Kies- und Sandgruben, jedoch keine Lehmgruben. Auf Experimente z. B. mit Gips oder Knetmasse wollte ich mich aus bestimmten Gründen nicht einlassen, aber da war doch noch die gut 4 cm dicke Bohle aus Balsaholz, Überbleibsel einer früheren Bastelei für die Enkel. Zunächst habe ich mit Laubsäge und Skalpell grob die äussere Form und dann mit einem Hohlkehlen-Stechbeitel den eigentlichen Backraum herausgearbeitet. Anschliessend habe ich mit 120er und 400er Sandpapier die Oberfläche geglättet, während ich die Unebenheiten an Wänden und Decke des Backraums mit der Fräse bearbeitet habe.





    Kleinere Löcher und Riefen, die bei der Arbeit mit dem Stechbeitel entstanden waren, habe ich mit Holzpaste von Clou geschlossen. Danach habe ich den Ofen aussen mit matter Acrylfarbe 'Sand' von Marabu gestrichen und zum Schluss mit mattem Lack (Marabu) übersprüht. Der Backraum selbst hat einen Anstrich aus einer unregelmässigen Mischung schwarz - dunkelbraun - mittelgrau, die 'steinerne' Feuer- und Backplatte eine schwarz-graue Färbung erhalten. Noch etwas - den 'Unterbau' des Ofens musste ich etwas höher setzen: die erste Stellprobe hatte nämlich gezeigt, dass die Landfrauen sonst auf Knien hätten backen müssen ... Dadurch wurde natürlich eine weitere Änderung erforderlich - die Höhenanpassung des Feuerlochs bzw. der Backofenöffnung in der Rückwand des Backhauses, aber - das ist schon wieder Vergangenheit.




    Nun sieht der 'Lehmofen' wirklich wie ein traditionell aus Lehm gebauter Backofen aus, und nachdem auch die zweite 'trockene' Stellprobe erfolgreich verlaufen ist, kann ich mich wieder dem eigentlichen Backhaus widmen ...


    Bis demnächst und beste Grüsse
    Dieter

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