Vorhang auf für den MAN

  • Liebe Freunde der Spur 0,


    nach vielen Monaten habe ich nun endlich den Prototyp des MAN in 1:45 fast fertig gestellt.


    Das Vorbild

    MAN hat diesen technisch sehr innovativen Triebwagen leider nicht an die Staatsbahn verkaufen können, deren Fahrgäste mussten rustikaler Reisen, im „roten Brummer“.

    Fahrgäste diverser Privatbahnen waren da wesentlich komfortabler unterwegs, denn MAN hat diesem Triebwagen ein sehr aufwändiges Fahrwerk spendiert. Primärfederung mit Schraubenfedern inkl. Schwingungsdämpfern, spielfreie Radsatzführung durch Längslenker, 1-Achs-Drehgestelle. Durch die Fliehkraft bei Kurvenfahrt drängt der Wagen aus der Kurve hinaus, durch diese Kraft drehen sich die Einachsdrehgestelle so, dass die Radachsen wieder senkrecht zur Gleisachse stehen. Der Drehpunkt des Einachsdrehgestells liegt daher der Fahrzeugmitte zugewandt, und der Wagenkasten stützt sich über die berühmten Krukenberg'schen Gummikugeln darauf ab. Die Gummikugeln liegen in radial um den Drehzapfen angeordneten Rinnen, funktioniert also wie ein Kugellage. Ab 1960 wurde die Sekundärfederung auch als Luftfederung angeboten. 1960!

    Sehr schöne Konstruktion. Ausserdem gab es verschiedene Getriebe, auch eines von Voith, und wahlweise eine einmotorige oder eine zweimotorige Variante, und Bei- und Steuerwagen gab es auch.


    Welche Beziehung habe ich zum Vorbild?

    Als die Triebwagen im Plandienst waren, bin ich niemals einem begegnet. Aber vor 10 Jahren, am 27. September 2013 konnte ich im VT der Osning-Bahn mitfahren. An diesem Tag war bei Netinera in Neustrelitz „Tag der offenen Tür“. Zufällig hatte ich vorher auf DS Online gesehen, dass die freundlichen Menschen der Osning-Bahn an diesem Wochenende nach Waren an der Müritz fahren wollten. Also habe ich die per e-mail über die Veranstaltung in Neustreltz informiert, und so nahm die Osning-Bahn die Gelegenheit wahr, dort die Fahrzeugausstellung zu bereichern. Höhepunkt war dann die Fahrt über die Hafenbahn bis zum Hafenbahnhof, der im Straßenplanum liegt. Die Berliner Eisenbahnfreunde waren mit „Else“ ebenfalls dabei. Also Hinfahrt im klassischen D-Zug-Wagen hinter Else, Rückfahrt im MAN.

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    Mein Modell

    Bei der Gestaltung der Frontpartie habe ich lange geknobelt, ansonsten ist der Wagenkasten keine große Herausforderung. Die Seitenwände sind im Bereich der Fenster etwas nach innen geneigt, das war's dann auch schon. Türen und Türgriffe sind praktisch baugleich mit dem ETA 150. Der Antrieb ist eine Abwandlung meines Antriebsbaukastens, denn der Raddurchmesser des VT beträgt nur 900mm. Daher liegen im Achsgetriebe beide Wellen in der Achsebene, und das Kronenrad musste ein paar Zähne opfern. Der Antrieb des Modells entspricht also vom Aufbau her weitgehend dem Original.

    Die Primärfederung des Modells funktioniert exakt wie beim Vorbild. Die Schwingungsdämpfer sind allerdings nicht funktionsfähig.

    Die Seitenfensterrahmen fehlen noch, ebenso wie die Sitzbänke, die werden aus Neusilber geätzt. Jedes Seitenfenster erhält die Ätzteile zweimal: Einmal innen, einmal außen. Die Fensterrahmen sind also auch im Wageninneren nachgebildet. Die Fronttür habe ich ebenfalls nachgebildet, als Einzelteil, das man bei entsprechendem Vorbild aufkleben kann. Man kann auch die Tür durchsägen und nur den oberen Teil ankleben, wenn man den VT der Osning-Bahn nachbilden will.

    Die wesentlichen Teile der Antriebsanlage sind ebenfalls nachgebildet, also MAN-6-Zylinder-Diesel mit Getriebe, Kühler, Schalldämpfer der Abgasanlage, den diese Bauteile sieht man, wenn man der Dame seitlich unter den Rock schaut. Ich habe allerdings nur 1 Motor+Hauptgetriebe eingebaut, das beide Achsen antreibt, daher liegen die Antriebswellen beide auf der gleichen Fahrzeugseite.

    Beiwagen habe ich jetzt nicht extra konstruiert, da kann man ja ohne viel Aufwand den Wagenkasten des Triebwagens modifizieren, dazu sind die Gitter vor den Kühlern als Einzelteile konstruiert, außerdem gibt es ein passendes Füllstück, falls nur 1 Kühler vorhanden ist oder keiner beim Beiwagen.

    Die ursprünglichen Aluminium-Zierleisten und das schöne MAN-Herz in der Mitte der Front sind nachgebildet. Kann man ja abschleifen, wenn man ein Vorbild ohne dieses Zierrat nachbilden will, und wenn dann nur 1 Maschinenanlage vorhanden ist, sägt man eine der Auspuff-Attrappen ebenfalls ab.

    Rückgrat des Modells ist wieder eine zugeschnittene und gebohrte Metallplatte. Im Prototyp ist allerdings eine selbst gefräste PVC-Platte von 3mm eingebaut. Das wird später ein Teil aus Messing, ebenfalls auf meiner eigenen CNC-Fräse gefertigt.

    In Prototyp ist ein Faulhaber 1724T012SR eingebaut, könnte aber auch ein Maxxon-Motor oder ein billiger chinesischer Glockenankermotor sein. Da Faulhaber kein Interesse am Endkundengeschäft mit geringen Stückzahlen mehr hat, will ich die in Zukunft nicht mehr verwenden.

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    3D-Druck

    Die meisten Kleinteile, die nur Deko sind, und alle Zahnräder, habe ich mit meinem guten alten NOVA-3D-elfin gedruckt. Seitdem es monochrome Bildschirme dafür gibt, ist der extrem zuverlässig.

    Das Gehäuse musste ich mit der Möhre, meinem anycubic photon mono X drucken. Ist mal wieder erbärmlich geworden. Das liegt aber eher an der Software bzw. dem Stützgerüst, das alle Bereiche des Modells, die senkrecht zur Druckebene liegen, ignoriert. Diagonal sind die automatisch erzeugten Stützen auch nicht ausreichen stabil. Egal... Prototyp!

    Achsträger, Achsführung und Getriebegehäuse sind auf meinem Formlabs Form 2 entstanden. Der druckt nahezu perfekt, ist aber im Betrieb recht teuer und soll noch gaaaaanz lange halten.


    MAN in 1:45 als Bausatz

    Steffen Reinhold würde das Modell gerne wieder als Bausatz in PU-Guß anbieten, sofern es genügend Abnehmer gibt.

    Daher bitte ich um Benachrichtigung über PN an mich oder Mario, falls das Modell in Euer Beuteschema passt.

    Preis wird kalkuliert, wenn ausreichend Interesse absehbar ist. Bitte angeben, wieviel Trieb-, Bei- bzw. Steuerwagen gekauft werden könnten, und ob eine fernsteuerbare Norm-Kupplung gewünscht wird.


    Falls es dazu Fragen gibt, bitte fragen.


    Schönes Wochenende!


    Gruß

    Torsten F

  • Sehr schön . . .


    Im Auftrage der DB fuhren die Hornburger Verkehrsbetriebe im Vorharz!


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    Ich denke, ich werde schwach…


    Gruß

    Hans
    der
    Altenauer


    - unterwegs im schönsten Mittelgebirge Deutschlands - auf Regelspur und Meterspur... ;) - Siehe auch die entsprechenden Gebäude…: Gebäudemodelle der Oberharzbahn


    Alle nicht eigenen Bilder verwende ich mit Genehmigung der Autoren Ulrich Herz und Werner Martsch aus deren Büchern des Verlag Goslarsche Zeitung, Bücher: Mit der Eisenbahn in den Oberharz, Die Deutsche Bundesbahn im Harz und Harzvorland 1969-1994, Bw Goslar - Alle Rechte vorbehalten: http://www.bw-goslar.de

  • Servus Torsten,


    RESPEKT!

    Da entsteht ein bemerkenswert schönes Modell. Ich bedaure sehr, dass es der MAN-Schienenbus nie auf österreichische Gleise geschafft hat, sonst hättest Du schon eine weitere Bestellung für dieses Prachtstück.


    Viel Erfolg für die weitere Arbeit an diesem Projekt!

    Grüße aus Wien

    Martin

  • Moin,


    um meinen ANB / AKN Fetish zu befriedigen wäre ich auch mit einer kompletten Einheit VT-VB-VS dabei .. *sabber*


    Jörn.

    EFKR - Eisenbahnfreunde Kölln-Reisiek - für die kleine Große ...

    DEV - Deutscher Eisenbahn Verein - für die große Kleine ...

  • Hallo,

    als ich am 25.05.2021 auf Entdeckungsreise in Benndorf hier um die Ecke war, ist mir dieses Exemplar mit veränderter (?) Fensterfront vor die Linse gekommen. Es ist das einzige Bild welches da entstanden ist, denn die Triebwagen standen zum Fotografieren sehr ungünstig.


    Auf jeden Fall ist der Triebwagen im Modell ein sehr schönes Projekt von Torsten, als DDR-Kind habe ich zu diesem Fahrzeug allerdings überhaupt keine Beziehung.



    Gruß Jörg

    Ich kenne keine andere Firma, bei der alles so durchdacht ist wie bei der Staatsbahn.

    Alles verläuft pünktlich auf die Minute, alles ist genau geplant, alles ist vorbereitet, ein wahres Vergnügen.

    (Egon Olsen in "Die Olsenbande stellt die Weichen")

  • Wow, super Arbeit!

    Ich hab auch meine Mühe mit krummen Andrucken in Resin wie sie hier am Gehäusestoß zu sehen sind, am besten fahre ich mit einer Verlängerung der Wandung in Form einer etwas dünneren Schürze, die ich dann entferne. Is zwar Arbeit, aber dafür ist das eigentliche Bauteil dann gerader und sauberer...

    Viele Grüße

    Yann

  • Hallo Torsten,


    diesen Einwurf von Stefan möchte ich unbedingt unterstützen. Sound ist heute eigentlich ein "Muss" bei einem Tfz Modell. Ich würde es daher sehr begrüßen, wenn man nicht nur den Platz, sondern direkt eine passende Aufnahme für einen Lautsprecher vorsehen würde. Das erleichtert dem Bastler das Leben. Mittlerweile haben sich in diesem Segment gewisse Standardgrößen etabliert. Vorzugsweise wählt man die größtmögliche. ;)

    In diesem aktuellen Beitragsstrang haben sich dazu viele hilfreiche Informationen angesammelt.


    Viel Erfolg

    Klaus

  • Liebe Freunde des MAN,

    zuerst mal ganz herzlichen Dank für die Pokale und :thumbup: !


    Geplant ist ein Teilesatz Kunststoff, Ätzteile, inkl. Räder/Radsätze, Federpuffer und Grundplatte MS 3mm. Wahrscheinlich werde ich das Hauptgetriebe so ändern, dass ein Glockenankermotor aus China passt. Im Dach sollte gut eine Platine Platz finden, falls ein Mitleser da Bock hat, die zu konstruieren bzw. zu liefern, gerne.

    Rangierkupplung will ich noch machen, Federn werde ich wohl für alle selbst vertreiben, Motoren evtl. auch. Die Toilette kann als Installationsschacht dienen.


    @Klaus: Da ist nicht viel Platz für 1 oder 2 Lautsprecher, aber ich habe einen bei Piko H0 gefunden, den man einfach zwischen Kühler- und Motorattrappe anschrauben könnte. Die Befestigungsbohrungen könnte ich beim Fräsen der Grundplatte bohren.


    Schönen Restsonntag!

    Gruß

    Torsten F

  • MAN in Meterspur . . .


    ist wohl nicht so einfach, zumindest für die SHE (Südharzeisenbahn)


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    Sind doch die Türen völlig anders angeordnet, als in der Regelspurversion… (Bild aus eigener Sammlung)


    meint

    Hans
    der
    Altenauer


    - unterwegs im schönsten Mittelgebirge Deutschlands - auf Regelspur und Meterspur... ;) - Siehe auch die entsprechenden Gebäude…: Gebäudemodelle der Oberharzbahn


    Alle nicht eigenen Bilder verwende ich mit Genehmigung der Autoren Ulrich Herz und Werner Martsch aus deren Büchern des Verlag Goslarsche Zeitung, Bücher: Mit der Eisenbahn in den Oberharz, Die Deutsche Bundesbahn im Harz und Harzvorland 1969-1994, Bw Goslar - Alle Rechte vorbehalten: http://www.bw-goslar.de

  • ...Dazu wäre zu bedenken, dass alle Varianten des Meterspurwagens ein und dasselbe Fahrzeug abbilden.


    Gruß,

    Schlußscheibe

  • ...Dazu wäre zu bedenken, dass alle Varianten des Meterspurwagens ein und dasselbe Fahrzeug abbilden.


    Gruß,

    Schlußscheibe

    Das liegt daran, dass es nur einen in Meterspur gegeben hat, nämlich auf der SHE. Dieser befindet sich heute bei der Härtsfeldbahn.


    Wie in dem von mir verlinkten Artikel beschrieben wurden die Türen jeweils um zwei Fenster zur Mitte verschoben, um Platz für die Drehgestelle zu schaffen.


    Da der Wagenkasten ja in CAD konstruiert ist dürfte diese Änderungen relativ einfach machbar sein, was anderes ist dann die Ausführung des Teilesatzes. Wird das Gehäuse im gesamten gegossen geht das natürlich nicht, wird der Wagenkasten aber in Teilen gefertigt (Kopfstücke, Seitenwände, Dach) zur eigenen Montage wäre diese Änderung einfacher zu realisieren.

  • ... Wird das Gehäuse im gesamten gegossen geht das natürlich nicht, wird der Wagenkasten aber in Teilen gefertigt (Kopfstücke, Seitenwände, Dach) zur eigenen Montage wäre diese Änderung einfacher zu realisieren.

    Hallo!


    In der Regel werden die Gehäuse am Stück gegossen. Wenn wir zwei unterschiedliche Seitenwände haben, dann brauchen wir auch hier eine ausreichende Menge, damit sich der Guss rechnet. Für zwei, drei Bausätze würde sich der Preis sonst vervielfachen. Zudem müsste die Bodenplatte anders ausfallen, der Antriebssatz angepasst werden, zweiachsige Drehgestelle... Das ist schon mehr als nur die Türen im CAD ein bisschen zu verschieben.


    Viele Grüße

    Mario

    Edited once, last by MarioBellino ().

  • Liebe Freunde des MAN.

    vielen Dank für das große Interesse, die freundlichen PN und die vielen Pokale. Freut mich sehr.


    Bisher habe ich Interessenbekundungen für 30 Wagen bekommen, davon sind 19 VT. Ich werde Steffen in den nächsten Tagen besuchen und ihm den Prototyp zeigen, um technische und kommerzielle Fragen zu klären.


    @Hubert: "Da der Wagenkasten ja in CAD konstruiert ist dürfte diese Änderungen relativ einfach machbar sein..." - Genau so ist das. Das Gehäuse für den Schmalsputriebwagen zu machen, ist kein Problem, wenn tatsächlich nur die Türen anders angeordnet werden müssen. Und wenn daran kein so großes Interesse besteht, dann kaufst Du einfach einen originalen 3D-Druck von mir. Ein Fahrwerk dafür zu konstruieren, reizt mich nicht so sehr, aber das geht vielleicht auch mit modifizierten Fahrwerken einer H0-Lok. Vielleicht könntest Du Dich mal umhören, wer noch Interesse nur an dem Gehäuse hat.


    Ich melde mich wieder...

    Gruß

    Torsten F

  • Goose  Torsten F  @MarioBellino


    Ist doch logisch, dass der Altenauer in 0m im Harz beim T14 dabei ist! :saint: :thumbup: ;)


    Gruß

    Hans
    der
    Altenauer


    - unterwegs im schönsten Mittelgebirge Deutschlands - auf Regelspur und Meterspur... ;) - Siehe auch die entsprechenden Gebäude…: Gebäudemodelle der Oberharzbahn


    Alle nicht eigenen Bilder verwende ich mit Genehmigung der Autoren Ulrich Herz und Werner Martsch aus deren Büchern des Verlag Goslarsche Zeitung, Bücher: Mit der Eisenbahn in den Oberharz, Die Deutsche Bundesbahn im Harz und Harzvorland 1969-1994, Bw Goslar - Alle Rechte vorbehalten: http://www.bw-goslar.de

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