• Quote

    HSS Bohrer brechen ständig weg.

    Moin Bohrers,


    da wäre mal zu klären warum? Werkstück eingespannt? Drehzahl richtig? Geschwindigkeitsbereich der Maschine (hoffentlich kein Handwerkzeug wie z.B. Dremel)? Bohr- bzw. Schneidöl verwendet?


    Ich bohre immer fest eingespannt, mit Drehzahlen bis 20 000 Umdrehungen und minimalem Vorschub und stets mit Schneidöl. An den letzten ruinierten Bohrer kann ich mich nur noch schemenhaft erinnern..... :saint:


    Null-Problemo 8)


    P.S.: Messing-Guss ist nicht gleich Messing-Guss :/

  • guten Morgen


    den Ausführungen von Oliver ist nichts hinzuzufügen, genau so stellt sich der Erfolg ein. Da möchte ich nur noch ein/zwei Erfahrungswerte von mir hinzufügen.


    Bohrerbrüche lassen sich trotz größter Sorgfalt nicht vermeiden, sie lassen sich jedoch reduzieren. Beim derzeitigen Bau meiner KAE Lokomotive Carl (komplettes Messingmodell) habe ich bis jetzt 5 bis 8 micro Bohrer (0,4 bis 0,6 mm ) gekillt. Im wesentlichen kann ich folgende Ursachen lokalisieren


    - Frau ruft "komme mal schnell" und schon ist es passiert, weil ich doch noch schnell das eine Loch bohren möchte. Schnell geht gar nicht, dann ist es schon zu spät.


    - eigentlich brechen bei mir nur die 0,4er, 0,5er und selten die 0,6er Bohrer, bzw. deren Zwischengrößen.


    -beim Bohren von Blechen gibt es praktisch keinen Bohrerbruch, vorausgesetzt das Blech liegt satt auf, ist mit dem "Fingerschraubstock" fixiert und die Ständerbohrmaschine hat mindestens Proxxon-Qualität


    Die häufigsten Bohrerbrüche passieren beim Bohren von Messinggußteilen. Dabei habe ich hauptsächlich folgende Ursachen ausgemacht (immer unter Beachtung der Grundsätze von Oliver).


    - das Gußteil ist meist so klein und unförmig, daß es sich trotz einspannen im Schraubstock beim Bohren leicht verdreht. Das ist oft nur mit der Lupe erkennbar, aber es reicht schon ein kleiner Drehwinkel aus. Messinggußteile sind weich und lassen sich eben im Schraubstock nur begrenzt spannen


    -es ist ein schlechter Guß mit Einschlüssen, dann ist alles zu spät. Der feine Bohrer hat dabei fast keine Chance.


    - mit feinen Bohrern sollte man es mit der gesamten Bohrtiefe nicht übertreiben. Zwei mm bei einem Gußteil ist schon eine anspruchsvolle Bohrtiefe. Das ist keinesfalls auf einmal zu bohren. Dabei muß mehrmals eigetaucht werden, dazu vor jedem Eintauchen mit einem Pinsel den Bohrer von den Spänen befreien und wieder ein Tröpfchen Bohröl aufpinseln. Beim Bohren eines Rundmaterials in der Drebbank können auch ein paar Zehntel Tiefe mehr gemacht werden. Voraussetzung ist, daß exakt zentriert ist, da ein tanzender Bohrer bricht, wenn er in das Werkstück eingetaucht ist.


    - wenn ein Bohrer nicht mehr scharf ist, dann kann es passieren, daß er bei voranschreitender Bohrtiefe, insbesondere bei Gußteilen, im Bohrloch seitlich weg läuft. Dann ist das Bohrerleben auch besiegelt


    - um bei Gußteilen eine Durchgangsbohrung zu bekommen ist äußerste Vorsicht angesagt. Wenn man von beiden Seiten her bohrt, dann besteht die große Gefahr des Bruchs, wenn von der zweiten Seite her der Bohrer in die erste Bohrung einhakt, dann ist es meist zu spät, wie bei schlechten Gußteilen mit Einschlüssen


    - die Material-Qualität des Bohrers ist entscheidend für die Art wie gebohrt werden muß. Grundsätzlich gelten die Ausführungen von Oliver, jeder muß sich aber selbst auf sein optimales Bohverhalten einstellen, abhängig von den vorhandenen Maschinen und der eigenen Motorik,.


    Zum Schluß noch meine ganz eigene Meinung zum Thema "Bohrer", ohne Nachweis oder allgemeiner Gültigkeit.


    - ich kaufe nur geschliffene Bohrer, drall gewalzte Bohrer sind absolut ungeeignet.


    - mit fast 50 Jahren Erfahrung im gehobenen Modellbau kaufe ich heute keine Super Qualitätsbohrer mehr, die 5 bis 10 Euro das Stück kosten. Bei falscher Anwendung brechen sie genau so schnell ab, egal ob unwissend oder aus Mißgeschick. Sie haben bei optimaler Anwendung lediglich eine etwas längere Standzeit bezüglich der Schärfe.


    - meine Bohrer beziehe ich aus der Bucht oder bei Jeddeloh (solche mit dickem Schaft). Das sind geschliffene HSS Bohrer, die im Zehnerpack 5 bis 6 Euro kosten. Ich lasse mich davon leiten, daß ich für denselben Preis statt einem Bohrer 10 bis 20 Bohrer bekomme. Wenn ein Bohrer bricht oder stumpf ist, dann fliegt er sofort raus und ein neuer scharfer Bohrer kommt zum Einsatz. Feine micro Bohrer lassen sich praktisch kaum schärfen. Scharfe Bohrer neigen weniger zum Brechen, da sie weniger verlaufen.


    - in den letzten Jahren habe ich parallel auch VHM Bohrer im Einsatz https://www.ebay.de/itm/394010830568?var=662559123134 . Die sind exterm Bruch gefährdet, vertragen absolut keine Biegung und sind ausschließlich für Maschinenbohrung und eingespannte Werkstücke zu verwenden. Der große Vorteil dieser Bohrer ist, daß keine Körnung benötigt wird. Wird ganz vorsichtig an das Werkstück angefahren, kann ich sogar bei Querbohrungen in ein Rundmaterial ohne Körnung meine Bohrung setzen und der Bohrer verläuft nicht


    Es gibt immer unterschiedliche Erfahrungen. ich habe hier beschrieben, was sich bei mir bewährt hat. Es soll keine absoluten alleinigen Anwendung aufzeigen.


    Sonntagsgrüße aus VAI

    Armin.


    PS bei Messinggußteilen habe ich mir zudem angewöhnt, daß ich soweit möglich die Teilchen noch am Gußast bohre. An diesem kann man auch die kleinsten Teilchen best möglich einspannen.

    Edited once, last by Armin-Hagen Berberich: heute Morgen war es auf die Schnelle und jetzt habe ich einige Tippfehler beseitigt. Dazu gibt es noch ein PS ().

  • Moin,


    all dem über Bohrer ist fast nichts mehr hinzuzufügen ausser: wer billig kauf kauft mindestens 2x und hat viel Ärger. Ich kaufe meine bohrer ausschliesslich im Industriebdarf und habe mit Standzeiten kein Problem, ordentliche Schmierung natürlich vorausgesetzt. Gerade in Messingguss sind oftmals auch Gusslunker vorhanden, darum wie Oliver schon sagt, feinfühlig mit geringem Vorschub und möglichst immer eingespannt, nicht freihand borhen.


    Gruss, Dirk

  • siehste Dirk, genau das meine ich. Jeder macht seine eigene Erfahrungen.


    Ich kaufe eben relativ gute Qualität und ärgere mich nicht, wenn ein 30 oder 50 Ct Bohrer bei der zweiten Bohrung über die Klinge geht. Bei 10 Euro würde mich das schon ärgern. Vor Fehlern beim Bohren ist der erfahrenste Profi bei aller Vorsicht nicht geschützt.


    Ich kaufe einmal pro Jahr und das gleich immer 20 Stück je Größe.


    Grüße aus VAI

    Armin.

  • Hallo Modellbaufreunde

    Welchen Bohrer nehmt Ihr zum Bohren von Messingguss?

    HSS Bohrer brechen ständig weg. Könnt Ihr eine Bezugsquelle empfehlen.

    hallo,


    ich nehme dafür Hartmetallbohrer wie sie z.B. für Platinen verwendet werden. Allerdings geht das nur mit der Ständerbohrmaschine und fest eingespanntem Werkstück. Hartmetallbohrer akzeptieren keinerle Verbiegung.


    Ich habe die Gussteile auch schon geglüht, dadurch werden sie weicher.


    Michael

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