Wasserlinienmodell einer Tjalk

  • Hallo Mako und alle,


    vielen Dank für das Lob, die vielen Daumen und Pokale. Es freut mich, wenn Euch die Tjalk gefällt.


    Mako: Du vermutest richtig, Faschinen werden zur Uferbefestigung, zum Küstenschutz und zur Landgewinnung eingesetzt. In allen Fällen werden Reihen von Holzpfählen mit einem gewissen Abstand in den Boden gerammt und abgeschnittene Zweige von Weiden und ähnlich elastischen Büschen und Bäumen dazwischen geflochten. Das Ganze wird als Lahnung bezeichnet.


    Hier lagert ein Stapel der Holzpfähle am Ems-Jade-Kanal an der Schleuse Wiesens, davor ein Arbeitsprahm, von dem aus die Pfähle gesetzt werden.



    Und hier ein Blick über den Dollart mit den Resten einiger Lahnungen, im Hintergrund die Autoverladung von Emden. Es hat sich bereits soviel Schlick abgesetzt, dass von den Lahnungen nur noch die Köpfe zu sehen sind.



    Quer durchs Bild läuft noch ein Steinwall (Buhne).

    Wenn man sich das in natura anschaut, bekommt man Hochachtung vor dem Aufwand, der hier seit Jahrhunderten in den Küstenschutz gesteckt wird.


    Viele Grüße Andreas

  • Moin miteinander.


    Zur sprachlichen Herkunft von "Faschinen":

    von lateinisch fascis = Bündel, Bund

    italienisch fascio

    ...und auch der Begriff "Faschisten" kommt aus diesem Wortstamm.


    Schönes Wochenende,

    Matthias

  • Hallo,


    die größeren Anker sind zwischenzeitlich eingetroffen. Leider passen die beiliegenden gestanzten Schäkel nicht durch die Kettenglieder.



    Also mussten sie in zierlicherer Ausführung selbst hergestellt werden. In Vorversuchen erwies sich 0,8 mm Messingdraht als geeignetes Material.

    Für einen Schäkel von ca. 3 x 5 mm wurde ein 11 mm langes Stück Draht abgeschnitten und die Enden mit einer Flachzange breit gedrückt.



    Die Verformung am rechten Ende kann später abgeschliffen werden.

    Zunächst wurden die 0,5 mm Bohrungen für den Schäkelbolzen vorgenommen.



    Nun erhielt der Schäkel seine U-Form.



    Damit die Schäkelbolzen eingeführt werden können, müssen evtl die flachgepressten Abschnitte nachgerichtet werden (exakt parallel).



    Die Bolzen sind aus 0,5 mm Draht, ein Ende abgeflacht, das andere hat Überlänge, sonst ist die Montage von Anker, Kette und Schäkel arg fummelig.

    Nach der Endmontage werden sie gekürzt.

    Die abgeflachten Teile der Bolzen sind normalerweise durchbohrt, um festsitzende Bolzen mit den Marlspieker lösen zu können. Die habe ich mir geschenkt, es bleibt zu wenig Material stehen. Und so sieht das Ergebnis aus:



    Jetzt gehen die Teile in die Brünierei.


    Schönes Wochenende Andreas

  • Hallo zusammen,


    Und nun die Anker am Modell:




    Die Ketten verschwinden im Kabelgatt unter dem Vordeck. Auf dem Vordeck fehlt noch die Ankerwinsch, die nach der Fertigstellung der fehlenden Details gebaut wird.


    Wie Ihr seht, ist die Tjalk mittlerweile gespritzt. Bei der Farbe habe ich mich an der ostfriesischen Tjalk im Heimatmuseum Leer orientiert. Leider sind die Lichtverhältnisse im Raum mit der zersägten Tjalk sehr schlecht.



    Eine Mischung aus Schmincke AERO COLOR Professional (gleiche Teile Sienna gebrannt und Goldocker) ergab ziemlich genau diesen Farbton. Als Unterwasserfarbe habe ich Teerschwarz von Revell Aqua Color verwendet.


    Einschub: ostfriesische Tjalken waren kleiner als die niederländischen und hatten im Allgemeinen statt einer Kajüte auf dem Achterdeck eine Schlupfkajüte unter dem Deck.



    Die lichte Höhe beträgt weniger als 1 m. Unvorstellbar, dass hier 1 Person längs und 1 hinten quer geschlafen haben.


    Zurück zum Modell:

    Als nächstes wurde das Ruder aufgehängt.

    Das Ruder war aus Planken zusammengesetzt, die von Metallbändern zusammengehalten wurden. Diese trugen auch die Lager der Ruderblattachse.

    Diese Teile habe ich aus Messing gefräst:



    Die Form wurde in der endgültigen Ausführung noch leicht verändert.



    Hier ins Modell eingesetzt:



    Die See-BG wird wohl ein Versetzen der Poller fordern, damit sich der Rudergänger bei vollem Ausschlag des Ruders nicht die Finger klemmt:



    Es fehlen jetzt nur noch die Fensterläden und einige weitere Ausstattungsteile, die Filzlage zum Schutz der Wasseroberfläche und die Ankerwinsch.


    Viele Grüße Andreas

  • Hallo zusammen,


    zunächst sind hier noch die Fensterläden am Deckshaus nach zu tragen:



    Nun geht es an die Schilder mit Schiffsnamen und Heimathafen. Hier gibt es unterschiedliche Formen von Schildern:


    gemalt wie bei der Gretje von Großefehn:



    oder geschnitzt wie bei der Dulcibella oder der Anna, die ich in Ditzum bei der Bültjer Werft fotografiert habe:



    Für gemalte Schilder würde ich auf Aufreibebeschriftungen von Frau Simrock zurückgreifen. Das hätte den Vorteil einer großen Auswahl an Farben und Schriften. "Geschnitzte" Schilder könnte ich selbst fräsen, dann allerdings nur mit einer kleinen Auswahl an Schriften.

    Um die Größe fest zu legen, habe ich schon mal einen Versuch mit gefrästen Schildern unternommen, zunächst in 1 mm - Sperrholz:



    Das erwies sich als ungeeignet, die erhabenen Flächen im "a", "e" und "p" verschwanden schon beim Fräsen in der Spanabsaugung. Also habe ich Polystyrol getestet. (Ich weiß nicht, ob überhaupt eine Tjalk Riepe als Heimathafen trug, Talea ist aber ein typischer ostfriesischer Frauenname.)


    Die gefräste Schrift wurde schwarz ausgelegt, die Oberfläche von überschüssiger Farbe befreit, dasselbe auch noch für eine Version mit farblich abgesetztem Rahmen:



    Die Schilder wurden mit Tesa Fototape zusammen mit 2 Auflagen in gleicher Materialstärke wie die Schilder auf einer ebenen Unterlage befestigt und die Oberfläche mit einem Roller für den Linoldruck vorsichtig eingefärbt.



    Das Ergebnis überzeugt nicht. Zum einen war die Unterlage offensichtlich doch nicht eben, zum anderen entsteht bei mehrmaligem vorsichtigem Farbauftrag eine pickelige ungleichmäßige Farboberfläche. Aber immerhin konnte schon mal die Größe am Modell überprüft werden:



    Ich habe dann schwarzes Polystyrol mit Revell Aqua Color grundiert, grün gespritzt und Rahmen und Schrift gefräst.



    Eingefärbte Frässpäne setzen sich hartnäckig in der Schrift fest und lassen sich nur mühsam mit einem feinen Borstenpinsel entfernen. Allerdings habe ich der Farbe aus Ungeduld nur eine Stunde Zeit zum Trocknen gegeben. Ich gehe davon aus, dass sich das Problem nach eine 24-stündigen nicht stellt und sich auf diese Weise befriedigende Ergebnisse erzielen lassen.


    Trotzdem werde ich noch einen Versuch mit einer Aufreibebeschriftung von Frau Simrock machen.


    Gruß Andreas

  • Hallo Andreas, ich habe es an anderer Stelle irgendwo schon einmal gezeigt: Gelaserte Schilder! Die haben zum einen auch eine Dreidimensionalität und es lassen sich feinere Strukturen Erzeugen als beim Fräsen. Schrift bis ca. 1 mm Versalhöhe bleibt konturenscharf lesbar (im Beispiel Typenschild die Nr.) – kleiner als 1 mm gibt es dann Ungenauigkeiten (im Beispiel die Buchstaben GMBH). Das Verfahrenist qualitativ durchaus vergleichbar mit geätzten Schilder. Mit 2-Schichtmaterial – wie hier gezeigt – bekommt man ohne Nacharbeit 2-farbige Schilder.



    Gruß --- Jürgen

  • Hallo Jürgen,


    vielen Dank für den Tip, eine interessante Lösung. Laserst Du auch in Messing?


    Ich habe noch einen Versuch mit 24 h Trocknungszeit zwischen Spritzen und Fräsen unternommen. Zusätzlich habe ich in 3 Schritten gefräst, Rahmen, Schriften, Umrisse, und nach jedem Schritt den Fräser von Polystyrolresten befreit. Die Späne lassen sich so wesentlich besser entfernen.



    Die auf diesem Bild noch vorhandenen sind nicht klebrig und mit einem weichen Pinsel leicht zu entfernen. Auffällig sind die grünen Streifen in "R" und "p" von Riepe, während in Talea solche Streifen nicht vorhanden sind. In einem Fräsgang wurde immer zunächst "Talea" und dann "Riepe" gefräst. Ich vermute, dass dann die Fräserspitze schon so warm ist, dass er beim Eintauchen grüne Acrylfarbe anschmilzt und einen Teil davon auf dem Boden des Buchstabens verteilt.


    Ich werde mir jetzt erstmal zum Vergleich Aufreibebeschriftungen herstellen lassen.


    Gruß Andreas

  • Hallo Zusammen,


    weiter geht es mit der Ankerwinsch. Zunächst habe ich nach fertigen Modellen oder Bausätzen gesucht. Die von der Größe her passenden hatten durchweg motorgetriebene Vorbilder. Für meine Tjalk kommt aber nur eine handgetriebene Winsch in Frage. Hier fand ich Anregungen für den Selbstbau und hier das Vorbild, das ich ins Auge gefasst habe.


    Für meine Tjalk in FreeCAD umgesetzt sieht das dann so aus:



    Die Antriebswelle ist verschiebbar, sodass immer nur eine Seite angetrieben wird.



    Über die kleinen Handräder können die Bremsbänder gestrafft werden, die auf die Zahnräder wirken. So soll die nicht angetriebene Seite festgesetzt werden können.


    Damit die Winsch die Ankerketten sicher mitnimmt, soll sie 2 Kettennüsse erhalten, die in die Kettenglieder eingreifen:





    Das scheint alles mit meinen Mittel umsetzbar, allerdings sind die Teile schon recht klein, die Kettennuss darf nur 3 mm Durchmesser haben, damit die Kettenglieder nicht mit den Antriebsritzeln kollidieren.


    Die ersten Teile sind gefräst:



    Natürlich habe ich sofort ausprobiert, ob die Kettennuss funktioniert:



    Man kann deutlich die Zähne erkennen, die mittig in die liegenden Kettenglieder greifen sowie die Nasen, die in der Mitte der stehenden Glieder zwischen die liegenden Glieder greifen. Die 2 Ms-Drähte richten die 3 Scheiben der Nuss aus und werden noch abgelängt.


    Legt man die Kette über die Nuss und dreht die Achse, rutscht die Kette in die korrekte Position und wird mitgenommen.


    Hier noch ein Blick auf die geöffnete Kettennuss ohne und mit Kette:




    Jetzt bin ich zuversichtlich, dass die Winsch im Modell funktionieren wird.


    Demnächst werde ich berichten, wie ich die Kettennuss berechnet habe.


    Gruß Andreas

  • Lieber Andreas,

    ganz große Klasse und sehr meisterlich gebaut und anschaulich erläutert- eine wahre modellbahnerische Freude!!


    Wunsch, Wisch und Ankerwinsch im Einklang! :)


    Beste Grüße

    von Ubbo in die Nachbargemeinde

  • Hallo zusammen,


    heute wurde die Winsch das erste Mal zusammengesetzt, die Ketten eingefädelt und eine Stellprobe auf dem Vordeck der Tjalk vorgenommen:



    Das Einfädeln wurde dadurch erleichtert, dass die Ketten mit Hilfe der Handkurbel eingezogen werden konnten.


    Durch Verschieben der Handkurbel samt Welle in Querrichtung kann das gewünschte Ritzel-Zahnrad-Paar in Eingriff gebracht werden (hier die Backbordseite).



    Auf der Rückseite laufen die Ketten durch Klüsen in das darunterliegende Kabelgatt.



    Die hier verwendeten Klüsen sind unsicher, da durch sie überkommendes Wasser ins Schiff gelangen kann. Sie werden schnellstmöglich gegen solche mit Rand ausgetauscht. Außerdem erhält die Winsch noch ein Dach und einen stabilen Sockel.


    Bis dahin Andreas

  • Jetzt sind die Bremsen dran, die die beiden Kettennüsse bremsen. Dazu wurde ein Bremsband, das über eine Trommel läuft, gespannt. Hier die Einzelteile:



    und hier die Ansicht der gebremsten Winsch vom Bug her.



    Hier sind beide Seiten gebremst, die Zahnräder der Steuerbordseite sind im Eingriff, Ansicht vom Laderaum her:



    und hier ist die Backbordseite gelöst (vergleicht die Lage des linken Bremsbandes und die Höhenlage des zugehörigen Handrades) und im Eingriff:



    Es funktioniert tatsächlich :D


    Gruß Andreas

  • Moin Law_Popens,


    mit großem Interesse und Bewunderung habe ich den Bau Deiner Talk verfolgt - ein tolles Modell. Wie groß ist das gute Stück? Ich habe gerade im Netz eine interessante Vorlage gefunden (handelt sich um ein Schiff, welches verkauft werden soll). Das Schiff ist etwa 20m lang, macht also in "0" etwa 44 cm...

    Dort gibt es auch eine Winde, ähnlich zu Deiner Konstruktion (die ich großartig finde!). Die Winde dort ist nicht mit der Ankerkette verbunden, sondern in der Nähe eines Pollers angebracht und kann universell eingesetzt werden. Wenn Dein Modell nahe am Vorbild sein soll, würde ich nur einen Anker nehmen (ich war oft in Holland und habe auch etliche dieser Schiffe gesehen) meiner Erinnerung nach gab es immer nur einen Anker, der auch etwas kleiner sein sollte; Siehe auch das Übersichtstbild. Auch einen Überbau würde ich für das Spill nicht vorsehen - es muß schlank bleiben.


    Anbei habe ich einige Bilder eingefügt; hier auch der Link https://www.scheepsmakelaardij…ten/200438/tjalk-skutsje/




    Weiterhin viel Erfolg beim Bau, ich werde es weiter verfolgen,


    beste Grüße Diedrich

  • Moin Law_Popens,

    heuet habe ich noch ein sehr passendes Bild in einer Zeitung aus/über Ostfriesland gefunden...genau dein Arrangement, auch mit einseitigem kleinerem Anker....


    Hier ist die Seilwinde teilweise etwas abgedeckt, dann sieht man aber den spannenden Teil nicht mehr...

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