VT 165 der Kleinbahn Ihrhove Westrhauderfehn - T 65 der Kleinbahn Leer Aurich Wittmund

  • Für meinen nahezu maßstäblichen Nachbau des Endbahnhofs Westrhauderfehn der regelspurigen Kleinbahn Ihrhove Westrhauderfehn hatte ich bereits den DWK Triebwagen VT 159 und die Orenstein & Koppel Kleinlok D 221 gebaut.



    Als Reserve für den VT 159 hielt die Kleinbahn den VT 165 vor. Er sollte als Nächstes gebaut werden (das war 2009):


    Hersteller AEG/LHL, Fabriknummer unbekannt / 1925

    • geliefert an Krefelder Eisenbahn als T4
    • 1952 als T65 an Leer Aurich Wittmund, Umbau auf Meterspur
    • 1956 als VT165 an Kleinbahn Ihrhove Westrhauderfehn
      Rückbau auf Regelspur
    • 1963 ++

    Bei der Fahrzeuggeschichte musste natürlich auch die Merterspurversion geplant werden.

    Außer den Angaben in den beiden Büchern aus dem Kenning Verlag über die beiden Kleinbahnen und in dem Buch über die DWK-Triebwagen von Dr. Rolf Löttgers habe ich nur wenige Unterlagen, vor Allem keine Zeichungen gefunden. Aber mit Hilfe der Fotos von Gerd Wolff und Hans Jürgen Sievers konnten aus den vorhanden Grundmaßen maßstäbliche Zeichnungen erstellt werden.




    Die Zeichnungen müssen nicht in allen Maßen stimmen, aber die Grundmaße sind korrekt und der Gesamteindruck stimmt.

    Die Fahrzeuge wurden komplett aus Messing gebaut. Die Teile habe ich mir ätzen lassen. Den Bau habe ich mit den Sitzen begonnen:




    Falls jemandem diese Teile bekannt vorkommen, mein Ätzer hat meine Vorlagen mit meiner Zustimmung weiterbenutzt.


    Weiter ging es mit den Antrieben. Basis ist ein Faulhaber 1512 12V mit einer Untersetzung von 1:39.



    Die Motorschilde werden von Distanzhülsen auf Abstand gehalten, der Motor mit Schrauben in den dafür vorgesehenen Bohrungen hinter dem vorderen Motorschild befestigt.



    Die Bilder zeigen den Antrieb für das Meterspurmodell. Damit die 20 mm Radsatzinnenmaß eingehalten werden können, muss die Motorachse gekürzt werden. Die Bunde der Zahnräder müssen abgedreht werden. Damit können sie nicht mehr mit Madenschrauben auf ihren Achsen festgesetzt werden. Stattdessen werden Bunde und Achsen mit einem 0,5 mm Bohrer durchgebohrt und die Zahnräder mit einem 0,5 mm Drahtstift festgesetzt.


    Fortsetzung folgt


    Gruß Andreas

  • law_popens

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  • Nun zu den Drehgestellen:

    Der Wiegebalken wird zusammengesetzt. Neben der Bohrung für den Drehzapfen sind 4 Bohrungen für Stromabnehmer vorgesehen (Schienen zum Decoder, Decoder zu den Motoren).



    Die Drehgestellrahmen werden zusammengesteckt und verlötet. Vorher werden die Bohrungen für Federaufhängungen, Stromabnehmer etc. auf Maß gebracht. Hier der Rahmen für Meterspur:



    Die Profilierung der Seitenwangen wird mit Ätzteilen vervollständigt:




    Die Federhalter, Sandkästen und Schienenräumer eingesetzt.





    Federblätter und -bunde sind ebenfalls geätzt



    Achsfedern und Bremshänger werden eingesetzt, bei der Meterspurausführung sitzen die Achsfedern innerhalb der Seitenwangen:



    In jedem Drehgestell trug das vordere rechte Achslager einen Tachoantrieb. Deshalb habe ich mir für diese beiden Triebwagen die ersten eigenen Gussteile herstellen lassen. Dazu später mehr.



    Die Wiegenfedern werden an Gabeln aufgehängt:



    Fortsetzung folgt


    Gruß Andreas

  • Hallo Andreas,

    das sind Drehgestelle vom Feinsten.

    Konstruktion und Fertigung super.


    Wenn Du das fertige Drehgestell mal in Funktion/Bewegung in einem Video vorführen würdest; das wäre noch „superer“ 😉.


    Gruß Otto

  • Hallo,

    Kellergeist: worauf kommt es Dir dabei an? Möchtest Du den fahrenden Triebwagen im Bogen sehen oder vor allem die Federn in Aktion?

    Für das Video benötige ich etwas Zeit.


    Die Beweglichkeit des Drehgestells wird durch Sprengwerk und die Trittstufen beschränkt. Bei mir werden nur Kurvenradien >= 1.800 mm verwendet, bei Modultreffen vor allem in der Meterspur bin ich auch auf Radien bis herunter auf 1.200 mm gestoßen. Bereits in der Konstruktionsphase habe ich deshalb die Beweglichkeit der Drehgestelle im 3D-CAD kontrolliert.


    Hier steht das Regelspurmodell in einem Radius von 1.200 mm mit ausreichend Freiraum zu Sprengwerk und Trittstufen. Das hat sich auch mit den fertigen Modellen in der Praxis bestätigt.


    Zu den Gussteilen:


    Für die charakteristischen Achslager und das zierliche Horn habe ich mir erstmalig eigene Gussteile herstellen lassen. Damals noch auf Windows habe ich mich mit dem frei verfügbaren PTC Creo elements in 3D-Cad eingearbeitet und die STL-Dateien erstellt. Mittlerweile bin ich Linux-Nutzer und verwende Freecad oder Openscad.


    Die STL-Dateien wurden an einen Dienstleister geschickt, der die Formen und Abgüsse erstellt hat.




    zum Gehäuse:


    Die Türen werden hinter die Führerhausseitenwände gelötet, die Seitenwände gebogen und Bodenplatte, Zwischenwände, Seitenwände und Führerhausseitenwände zusammengelötet. Die Teile sind soweit wie möglich miteinander verzapft. Hier für das Regelspurgehäuse:



    Die Motorhauben und Fahrpulte werden gefaltet und eingesetzt:




    anschließend können die Fronten vorgesetzt werden:



    links Regel-, rechts Meterspur, Unterschiede s. vorderes Führerstandsseitenfenster und Scheinwerferhalterungen in der Front


    Der Büssinggrill erhält eine Aufdoppelung:



    es war ganz schön herausfordernd, die feinen Teile fast unbeschädigt aus der 0,3 mm Ätzplatte heraus zu trennen.

    Der Grill wird vorsichtig etwas gewölbt und ins Modell eingesetzt:


    Jetzt ist der Rahmen dran:


    Die geätzten Profile werden gefaltet:



    und zu einem Rahmen zusammengesetzt:



    hinten Meterspur noch ohne Konsolbleche

    vorn Regelspur, Konsolbleche eingesetzt.


    Die Drehzapfen werden eingesetzt:



    und mit einem gefalteten Ätzteil stabilisiert:



    Demnächst geht es mit der übrigen Ausstattung des Rahmens weiter.


    Gruß Andreas

  • Hallo Andreas,

    ich bin von Deinem Messingbau begeistert.


    Ich bin auch 43,5er Messingbahner. Auch ich habe mir die Grenze von Minimum 1.800mm Radien gesetzt.


    Deshalb wäre ein Fahr-Video interessant. Mich würde aber vielmehr ein Video interessieren, in welchem man sehen kann, wo überall sich Federn bewegen. Das kann ruhig durch die Hand/Finger des Erbauers erfolgen. Ich möchte keinen zu großen Aufwand verursachen.


    Aber bitte keine Hektik wegen des Videos.


    Gruß Otto

  • Hallo,

    Ohne das ideologisch zu sehen baue ich seit > 40 Jahren ausgehend von der Vorbildspurweite von 1.435 mm im Maßstab 1:45.


    Nun zum Video:


    In beiden Modellen werden die Wiegenfedern durch die Trittstufen verdeckt.



    Die Achsfederung des Meterspurmodells liegt zusätzlich innerhalt der Rahmenwangen. Deshalb habe ich für das Video ein demontiertes Regelspurdrehgestell verwendet. Meinen Finger habe ich durch meine alte analoge Proxxon-Fräse ersetzt. Hier der Link zum Video


    wünsche allseits ein schönes Modellbahn-Wochende

    Andreas

  • Hallo,


    Jetzt wird der Rahmen vervollständigt:


    die Trittstufen wurden am VT 165 gegenüber der ursprünglichen Ausführung modifiziert:




    das Sprengwerk




    der T 65 bekommt noch Kupplungsträger aus gefalteten Ätzteilen



    beide Fahrzeuge erhalten eine Westinghouse Bremse von Herrn Petau:



    und auch der Aufbau erhält noch einige Details:


    Die Scheinwerfer für den T 65 werden aus Messing gedreht



    Für den Vt 165 habe ich eigene Gussteile anfertigen lassen



    und Rückspiegel aus einem Ätzteil und einem Stück Messingdraht.

    Der VT 165 hatte separate Schlusslichter, die Rohrstummel unterhalb der Scheinwerfer.

    Das Dach wurde bei einem Dienstleister gefräst, darauf komme ich später noch zurück.

    Die vierachsigen Triebwagen der Kleinbahn Ihrhove Westrhauderfehn hatten klappbare Zuglaufschilder, die aus Ätzteilen und 2 schmalen Messingblechstreifen beweglich nachgebildet wurden:




    und hier nach der Lackierung und Beschriftung am Fahrzeug, zunächst bei der Ankunft in Westrhauderfehn, dann vor der Abfahrt in die große weite Welt:



    Demnächst geht es hier weiter


    Gruß Andreas

  • Hallo,


    nun zum Dach:

    Die Dächer habe ich bei einem Dienstleister fräsen lassen, in der ersten Version einteilig.



    Die Ausschnitte für die Lautsprecher (Visaton K50FL 8Ω) habe ich mit meiner alten analogen Proxon-Fräse angebracht und die Teile für die Abdeckung aus Polystyrol 0,5 mm ausgeschnitten.




    Die Abdeckungen wurden mit Stabilit express eingesetzt und nach dem Aushärten verschliffen.

    Das Dach wurde mit Japanpapier überzogen, das sich nach dem Einpinseln mit Spannlack glatt um die Dachform legte.



    Beide Dächer wurden mit den Gussteilen, s. #4, ausgestattet, der T 65 erhielt noch ein Regenrinne:



    Der T65 hatte noch 4 zusätzliche Lüfterhutzen, die aus Messingrohrstückchen und kurzen Streifen aus Messingblech nachgebildet wurden:




    Damit die Lautsprecher richtig passen, mussten noch Anpassungen an den Ausschnitten vorgenommen werden. Zusätzlich wurde ein Kabelkanal für die Kabelverbindung zwischen den beiden Lautsprechern gebohrt:



    hier die eingebauten Lautsprecher:



    Die Verbindung zum Decoder wird über 2 Kontaktflächen unter dem Dach und 2 Kontaktfedern am Gehäuse hergestellt:



    In der zweiten Version wurde das Dach horizontal geteilt und Kabelkanal und Lautsprecherausschnitte mitgefräst:



    Fortsetzung folgt


    Gruß Andreas

  • Hallo,


    Jetzt konnten die Triebwagen endlich lackiert werden. Wegen der teilweise nur 0,25 mm starken Bleche, am Grill sogar nur 0,15, mußte entsprechend vorsichtig sandgestrahlt werden. Alle Teile haben das unbeschädigt überstanden:



    grundiert:



    Ich verwende Schmincke Aero Color Professionell Farben. Hieraus lassen sich nach Mischtabelle von Schmincke alle erforderlichen RAL Farbtöne herstellen.

    Nach meiner Erfahrung wird dabei der korrekte Farbton der RAL-Farbkarte gut getroffen, wie dieses Bild meiner G 1700 der Mittelweserbahn belegt:



    kein Unterschied in dem von mir gemischten Gelb der Zierstreifen und dem der Beschriftung von Simrock.


    Weiter mit den Triebwagen:

    Innenwände und Sitze in RAL 1011



    Fensterband in RAL 1014



    restliche Außenwände in RAL 3004



    Fahrgestell in RAL 9005



    Anschließend waren noch einige Nacharbeiten mit dem Pinsel nötig

    Scheinwerfer, Griffstangen, Türgriffe (Gußteile von Herrn Krapp)

    Die Bohrungen für die Griffstangen und Rückspiegel sind bereits mit geätzt worden. Die Griffstangen haben geätzte Halteplatten.


    Die Beschriftungen hat mir Frau Simrock angefertigt:



    Die Beschriftung für den T 65 war wesentlich einfacher gehalten



    Jetzt wird es Zeit, den Decoder ein zu bauen, demnächst in diesem Theater.


    Gruß Andreas

  • Hallo,


    Nun ging es an die Elektrik.

    Die Drehgestelle wurden verkabelt, die Verbindungen zwischen Radstromabnehmern – Decoder – Motor übernehmen Stromabnehmer von AMZ auf den Wiegebalken:



    Als Gegenstück dienen Leiterplatten, die um den Drehzapfen sitzen.



    Die Lötflächen neben der Motorhöhle dienen dem Anschluss der Spitzen- und Schlusslichter. Die Leiterplatten hat mir law_grossefehn gefräst.



    Als Decoder habe ich den damals gerade neu erschienenen Zimo MX 645 P22 verwendet. Die zugehörige Adapterplatine „ADAPLU22“ war noch nicht lieferbar. law_grossefehn hat mir als Ersatz Leiterplatten im 1,27 mm Raster gefräst, die zur Aufnahme des Decoders mit einer 22er Buchsenleiste ausgestattet wurden.



    Der Decoder sollte unauffällig in einem Führerstand stehen:



    in einer späteren Version habe ich unter einer Doppelsitzbank eine Öffung im Fahrzeugboden gelassen, in der der Decoder untergebracht wurde:




    Spitzen- und Schlusslichter wurden über bedrahtete SMD-LED’s der Bauformen 0603 und 805 beleuchtet, die Versorgung stellt ein IC 78L05 sicher. Die LED’s sind direkt in den Scheinwerfern des VT 165 oder im Führerstand hinter Lichtleitern untergebracht.:






    Im T 65 sitzen 2 LED’s hintereinander vor dem Lichtleiter in dem Messingrohr:



    Hier die beleuchteten Fahrzeuge im Bahnhof Westrhauderfehn, in dem das Meterspurgleis provisorisch über die Ladestraße bis zum Bahnsteig geführt wurde:



    viele Grüße Andreas

  • Hallo Andreas,


    vielen Dank für Deinen doch recht ausführlichen Baubericht. das eine oder andere werde ich mir für eigene Bauprojekte merken. Dir sind zwei sehr markante Triebwagen gelungen. Again what learned.


    Gruß

    Klaus

    Der frühe Vogel kriegt den Wurm, aber die zweite Maus erhält den Käse

  • Hallo Andreas,


    das war ein tolles Fahrzeug und, was Du nicht erwähnt hast - es war auch ein toller Bausatz den Du in wenigen Exemplaren aufgelegt hast ! Ich weiss nicht mehr wieviele Exemplare es waren, ich glaube es war nur eine kleine, einstellige Zahl von Bau- bzw. Teilesätzen. Der Bausatz hat jedenfalls unglaublich viel Spass gemacht - es hat alles gut gepasst, die Dokumentation die Du zur Verfügung gestellt hast war beeindruckend (alle Zeichnungen als 2D bzw. 3D Grafik), viel und gut erklärender Text und bei Bedarf hast Du auch schnell für Ersatz gesorgt (Kühlergitter...).


    Ich erlaube mir ein paar Bilder von meinem VT165 zu zeigen, vor allem wo ich die Bauanleitung etwas 'frei' interpretiert habe !


    Die tollen Drehgestelle, jedes bestehend aus weit über 100 Teilen (hier noch ohne die Blattfedern) :



    Ich habe eine trennbare Kabelverbindung zwischen Drehgestell und Fahrzeugkasten gebaut, da ich der Lösung mittels der Kugelkontakte nicht so recht vertraut habe (ich habe immer Probleme mit dem Löten dieser Kontakte) :



    Die Elektrik/Elektronik habe ich unter einem Zwischenboden versteckt und die beiden Führerstände mittels eines Rohres verbunden :





    Und so fährt der Triebwagen jetzt in Bayern als Museumsfahrzeug :








    Danke, dass Du das Fahrzeug damals angeboten hast !


    Grüße,

    (auch) Andreas

  • Hallo Andreas,


    vielen Dank für die Blumen. Schön wieder von Dir zu hören. Schon damals habe ich mich gefreut, wie gut Dir Dein Triebwagen gelungen ist und wie sauber Du ihn gebaut hast. Und jetzt fühlt er sich in seiner neuen Heimat sichtlich wohl.


    Viele Grüße das andreAs

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