Brücke mit Lenz-Radius R1

  • Huhu zusammen! Ich beabsichtige meine (geplante, die Platte steht schon) U-förmige Kleinanlage mit einer einsteckbaren Brückenlösung im Bereich der Öffnung des "U" zu schließen. Dazu benötige ich eine "Kurvenbrücke" mit Lenzradius R1. Gedacht hatte ich an einen Eigenbau aus Styrodur in Steinoptik. Ich habe jetzt beim Schmökern im Netz wirklich schöne Stahlbrücken gefunden, leider alle für Geraden...

    Hat jemand eine Idee oder einen alternativen Vorschlag? Gleise umplanen gilt nicht 8o


    Ich bin gespannt.... :)

    LG Frank

  • Hallo Frank!


    Auch eine Steinbogenbrücke im Radius (in der Kurve) besteht aus statischen Gründen aus mehreren geraden Brückensegmenten. Durch die Aneinanderreihung mehrerer kurzer Geraden wirkt es wie eine Brücke im Radius.


    Hast du mal eine Skizze, wie der Verlauf aussieht und wo die Brückenlager hinkommen sollen?
    Soll es ein Modulteil sein, auf welchem die Brücke aufsteht?
    Oder soll die Brücke nur auf den Brückenlagern aufliegen und abgenommen werden. Letzteres ist bei der Radius von R 1 kaum statisch hinzubekommen.


    Viele Grüße!

    Moritz

    Weniger ist (nicht) mehr ;) - schwer müssen sie sein - Stahlbahn Ep. V und drumherum...

  • Meines Wissens (aber ich bin kein Bauingenieur) gab es keine gebogenen Stahlbrücken, sie bestanden höchstens aus mehreren Geraden. Heutezutage kann man übrigens gebogene Betonbrücken mit entsprechenden Computerprogrammen berechnen; früher war das mit dem Rechenschieber wohl nicht oder nicht in angemessener Zeit möglich. Es gab gebogene Steinbrücken, aber ich kenne nur welche mit verhältnismäßig großen Radien, solche mit engen Kurven wie etwa das Landwasserviadukt haben erkennbar gerade Gewölbe und eben mehrere hintereinander. Ich vermute mal, dass bei den anderen nur eine gebogene Verkleidung davor gebaut ist. Näheres dazu können vielleicht Fachleute beitragen, aber ich würde bei so einem engen Radius (umgerechnet 40 Meter!) eher keine Steinbogenbrücke bauen wollen.

    Es ist übrigens durchaus möglich, ein gebogenes Gleis auf einer geraden Brücke zu verlegen, wenn sie nur breit genug ist; auf der Murtalbahn gab es so etwas zwischen Madling und Tamsweg, aber ich habe im Netz auf die Schnelle kein Foto gefunden.


    Herbert

  • Hallo Leute!


    Warum das mit den Brücken in Kurvenlage so schwierig, hängt mit den auftretenden Kräften zusammen.

    Wenn ein Zug über eine gerade Brücke fährt, dann wirkt seine Masse als Kraft nach unten. Solch eine Krafteinwirkung können gerade Brücken ohne weiteres bewältigen, da sie für diese Kräfte berechnet/ ausgelegt sind.

    Wenn man jetzt eine Brücke in Kurvenlage errichtet, dann kommt aber noch eine weitere Kraft hinzu, nämlich die Fliehkraft.

    Das ist die Kraft, die uns beim Auto fahren in der Kurve nach außen drückt. und genau diese Kraft würde bei einer Brücke in Kurvenlage auch wirken, nur um ein vielfaches höher, da ja Schienenfahrzeuge weit schwerer als normale Autos sind.

    Genau aus diesem Grund wird es nach Möglichkeit vermieden Brücken in Kurvenlagen zu errichten. bei den neuen modernen Projektierungs- und Fertigungsmethoden sieht das in der Zwischenzeit natürlich anders aus.


    Aber wie schon weiter oben geschrieben steht, wenn man mit Stahlbrücken unbedingt um die Kurve muss, dann muss eben der Trog breiter ausgeführt werden.

    Hier mal eine Seite mit interessanten Brücken.


    stahlbrücke eisenbahn erzgebirge - Bing images


    Dann eine ruhige Nacht, Andrej.

  • Das Heft ist tatsächlich ziemlich hilfreich, um offensichtliche Konstruktionsfehler zu vermeiden. Einiges, was die Modellbahnindustrie für kleinere Maßstäbe anbietet, dürfte beim Vorbild einsturzgefährdet sein! Eine Steinbogenbrücke mit einer scharfen Kurve dürfte kaum halten, denn ein "Gewölbe steht, weil seiner Blöcke jeder stürzen will" (Kleist) und kurvenaußen die Steine am Scheitel des Gewölbes sich nicht auf ein Widerlager abstützen können. Hinzu kommt ("erschwerend hinzu" kann man sagen) daß das Gleis sich hier auf der kurvenäußeren Seite des Gewölbes befindet. Auch gebogenen Beton- oder Stahlbrücken dürften hier Grenzen gesetzt sein, weil sie von den Widerlagern kippen dürften, wenn die Stützweite zu groß ist. Insofern müßte die Brücke unter dem R1 gerade sein oder aus mehreren kurzen geraden Teilen bestehen.


    Herbert

  • Hallo Frank,


    vor einigen Jahren stand ich auch schonmal vor dem selben Problem. Die beiden Schenkel meiner U-förmigen Anlage mussten mit einem R1-Bogen verbunden werden. Direkt dahinter befand sich das einzige Fenster des Moba-Raumes und sollte noch möglichst viel Licht in den Raum hinein lassen. Daher wollte ich ein Viadukt in Steinbauweise erstellen. Auch wenn die Brücke im Bogen liegt, sind solche Bauwerke immer als aneinandergereihte Polygone konstruiert. Leider sind die Fotos in meinem alten Thread teilweise von meinem damaligen Bilderhoster gelöscht worden und stehen nun nicht mehr zur Verfügung so dass der Bau und die Konstruktion nicht mehr sichtbar sind. Aber in meinem Thread zum Bau der Diggetaltahn ist ab Posting #59 die Integration in das herausnehmbare Brückenmodul gezeigt. Vielleicht hilft Dir das etwas weiter...


    Viel Erfolg

    Tom

  • Es gibt aber auch "gebogene" Spannbetonbrücken. Mit einer besonderen Versteifung zur Aufnahme der Querkräfte. Die Fahrbahnverbreiterung links hat mit dem Übergangsbogen zu tun ..


    Beste Grüße aus dem Odenwald - seit 2004 UNESCO Naturpark

    norma

  • Hallo Brückenbauer,


    also die von 'norma' gezeigte schweizer Brücke ist ja ein echtes Highlight der Baukunst!


    Wg. den Kräften:

    - die Querkräfte bei der Bogenbrücke sind natürlich vorhanden, wobei ich aber nicht weiß, ob das bei dynamischer Fahrt soo viel ausmacht. Allein schon der Schienenverbund sollte hier Einiges abfangen.

    - ich meine eher, daß die auftretenden Torsionskräfte, sprich eine 'Verdrehung' des Brückenelements, hier ins Spiel kommt, was konstruktiv kaum zu beherrschen sein sollte.


    Die Schweizer haben das richtig lecker gelöst! Allergrößter Respekt!


    Grüße


    von der Moldau

  • Hallo,


    meine kleine Trägerbrücke habe ich ähnlich als Segmentbogen zusammengesetzt. Mit kurzen Segmenten sollte auch R1 machbar sein - wäre einen Test wert, wenn das Vitrinen-Diorama irgendwann mal fertig ist:


    brueckenpark-2022-10-29.jpg


    Inzwischen ist die Brücke sogar lackiert, nur Bilder gibt´s noch keine ... ;-). Und das funktioniert natürlich nicht freitragend sondern nur als Einsetz-Modul.


    Viele Grüße, Bodo

  • Hi Frank, hi Leute,


    als vom Fach nicht ganz unbeleckt möchte ich auch noch meinen Senf loswerden!


    Eine im Grundriss gebogene Brücke, gar eine Stahlbrücke, und dann noch im Radius von 914mm, das sind umgerechnet 41m, ist eine ganz schlechte Idee und ich habe in der tollen Bing-Fotosammlung von Andrej (vielen Dank!) keine einzige Brücke entdeckt, die ein im Grundriss gekrümmtes Tragwerk aufweist! Der Grund ist auch nicht primär die Fliehkraft eines fahrenden Zuges - er könnte ja auch ganz langsam fahren, sondern die Torsion, die entsteht, wenn die Lasten außerhalb der Lagerverbindungslinien liegen. Deshalb sind fast alle Brücken, ob aus Stahl, Steinen oder Beton gebaut, in aller Regel als Polygonzug, d. h., aus einer Anreihung von zwischen den Stützen geraden Brückenteilen gebaut.


    Doch halt, es gibt Ausnahmen! Moderne Beton- und Stahlbrücken mit einem Hohlkastenquerschnitt können zu einem gewissen Grad Torsionskräfte aufnehmen und sind auch gekrümmt hinreichend tragfähig, wenn die Gleisradien beachtet werden! Eine ganz bekannte Stahlbrücke nach dem Hohlkastenprinzip führt im Bhf. Hamburg-Altona das östliche Ausfahrtgleis über den ehemaligen Güterbahnhof Harkortstraße (man kann sie gut auf der Satelitenaufnahme bei Google-Maps erkennen, sie begrenzt das neue Wohngebiet nach Nordwesten). Sie ist aber als Sonderkonstruktion eine Ausnahme geblieben; der Gleisradius wird so bei 500m liegen, das sind umgerechnet 11m im Maßstab 1:45! Auch bei den etwas nördlich liegenden S-Bahn-Brücken über die Stresemannstraße handelt es sich um gekrümmte Stahlbrücken mit Hohlkastenquerschnitt; man beachte hier ebenfalls den Gleisradius!


    Als Modell kann man natürlich alles mögliche bauen, z. B. eine torsionssteife Hohlkastenkonstruktion aus Sperrholz, vorbildgerecht mit R1 wird das aber nicht sein!

  • Die Brücke in Klosters wurde 1930 gebaut, um die dortige Spitzkehre beseitigen zu können, konstruiert hat sie Robert Maillart. Der Radius ist allerdings 125 m, 278 cm in 0.


    Herbert

    Edited once, last by HFy ().

  • Gebogene Brücken gibt es schon; sie sind allerdings nicht häufig.
    Eine steht in Nürnberg kurz vorm Bahnhof Doos (den es nicht mehr gibt:

    Die ist in den 30iger Jahren gebaut worden.


    Und hier der Anblick als Autofahrer:


    Beides aus Google-Earth (wir sind hier ja nicht kommerziell unterwegs).


    Gruß Reiner

  • Das klappt aber nur bei Stahl und Beton und großen Radien. Einiges von dem, was in N und H0 angeboten wird, dürfte wohl beim Vorbild umkippen. Einige Steinbrücken des Vorbilds machen den Eindruck, gebogen zu sein, aber da hat man vermutlich den Knick an den Pfeilern beim Mauern der Außenverkleidung ausgeglichen.


    Herbert

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