3D-Druck vom Anfänger

  • Es war einmal...


    In einem Fernsehbeitrag wurde 3D-Druck in Formlabs vorgestellt. Menschen haben sich von Kameras aus allen möglichen Richtungen ablichten lassen und eine Apparatur, die entfernt an den Replikator aus Star Trek erinnerte, reproduzierte ein Modell der zuvor eingescannten Personen. Zauberei. Im Kopf sind da schon ein paar Bilder entstanden, was im Modellbau mit so einem Teil möglich wäre. Am Ende der Sendung die Ernüchterung. Der Preis eines solchen Gerätes bewegte sich im Bereich eines Appartements in guter Lage. Aus der Traum.


    Nach Jobwechsel letztes Jahr und dem damit verbundenen neuen Umfeld bin ich wieder mit dem 3D-Druck in Berührung gekommen und siehe da: in den vergangenen Jahren ist auf diesem Gebiet einiges voran gegangen. Mittlerweile auch für Privatpersonen erschwinglich, habe ich mir im Sommer 21 einen Filament-Drucker zugelegt, etwas experimentiert und für mich entschieden, diese Technik für gröbere Drucke wie z.B. Gebäude zu verwenden. Bisher gedruckt habe ich z.B. ein Aborthäuschen, was allerdings noch auf Vollendung wartet. Davon in nächster Zeit mehr, wenn es an die Ausgestaltung meiner Anlage geht.


    Wenn man sich mit dieser Technik beschäftigt, hört man zwangsläufig auch vom Resindruck. Von den Schichtdicken und der damit verbundenen hohen Auflösung war ich sofort beeindruckt. Es blieb nichts anderes übrig, so ein Teil musste her. Nach dem Testdruck war ich vollends überzeugt, wurde beim Druck von selbst konstruierten Modellen aber schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Hier gilt es viel Selbststudium zu betreiben und man bleibt von "Rückschlägen nicht verschont. Nach einem Monat war das erste Display defekt und es dauerte eine Zeit, bis Ersatz geliefert wurde. Leider war das Teil dann aus einer anderen Serie und ist beim Einbauversuch auch noch gerissen. Nach nicht ganz einfacher Recherche im W.W.W. kam dann das richtige Teil und mittlerweile "bin ich wieder im Geschäft".





    Der Mono X hat für diese Preisklasse, damals knapp 700,-€, einen recht großen Bauraum von LxBxH 192x120x200mm. Aktuell ist er bei meinem Händler für 499,-€ zu haben.


    Momentan bin ich beim Anlagenrohbau und drucke für meinen Gleis- und Weichenselbstbau diverse Teile wir Rippenplatten, Schienenlaschen, Radlenker usw.. Die Sachen sollen nur der optischen Wirkung dienen, mechanisch belastbar, vor allem auf Dauer, ist vorerst noch keines dieser Teile. Da ich meine Gleise auf Pertinax-Schwellen löte, ist das aber auch nicht nötig.




    Bei genauerem hinsehen kann man Streifen quer über die Gleitstuhlplatten sehen. Das Objekt wurde um 7° geneigt zur Bauplatte gedruckt. So werden hier die 0,05mm hohen Schichten sichtbar, was aus meiner Sicht aber nicht stört.


    Da ich in CAD-Programmen noch nicht so fit bin, schaue ich mich im Netz nach für mich interessanten Druckdateien um. Selbst hier im Forum gibt es überaus brauchbare Dateien. Erst vor einer Stunde habe ich ein Spannwerk aus dem Drucker geholt und grob gereinigt. Das Druckteil muss noch unter UV-Licht gehärtet werden und dann kommt der Feinschliff. Das ist zwar etwas zeitaufwendig, ich strebe aber auch keine Massenproduktion an. Kanäle für Drahtzugleitungen sind auch gerade in Arbeit, die Zeichnungen sind fast fertig.




    Zuerst drucke ich immer nur ein Teil, um Fehler an der Stützstruktur zu finden. Wenn alles passt, kann man die Bauplatte auch voller packen. Hier gilt wie fast überall: Übung macht den Meister.

    Unten sind die Stützen grob entfernt und nach dem Härtevorgang unter einer UV-Lampe kommt die Feinarbeit, man kann aber schon recht gut die Details erkennen.



    Ich werde hier in loser Folge weiter über Erfolge und Fehlschläge berichten, arbeite aber aktuell vorrangig am Unterbau meiner Anlage. Wenn der Selbstbau der Gleise richtig beginnt, wird mein Drucker im Akkord Kleineisen ausspucken müssen. Spätestens dann die nächsten Erfahrungsberichte.

  • Hallo Heiko,


    besten Dank für die Einblicke, dein Beitrag kommt für mich genau zur perfekten Zeit. Da ja hier im Forum regelmäßig tolle Ergebnisse vorgestellt werden und auch etliche interessante Projekte in den Downloads verfügbar sind, ist mein Interesse mittlerweile so groß, dass ich in den kommenden Monaten einen Einstieg wagen werde.


    Von daher bin ich sehr gespannt auf deine weiteren Berichte!



    Viele Grüße

    Oliver

  • Guten Morgen!


    Ja, so ein Resindrucker isst eine feine Sache!

    Hier eine kleine Auswahl meiner feinsten Drucke.


    Das Feinste was ich bisher gedruckt habe.


    Der bereits rot lackierte Druck ist von Shapeways! Diese miese Qualität war der Grund für mich, selbst einen Resindrucker zuzulegen.



    Ein funktionsfähiges Hilfsachsgestell. Es besteht aus mehrere Teile ist ist entweder im "zusammengebauten Zustand" wie hier auf dem Bild zu nutzen oder im "auseinandergebauten Zustand" als Ladegut zusammenbaubar. Die Teile sind momentan nur gesteckt!


    Auch Figuren kann man mit sehr hoher Auflösung drucken. Hier mein Streckenläufer mit Rucksack (mit zusammengerollter Fahne), vorne mit Hängetasche, Tröte und Knallkapseltasche. Leider gab mein Smartphone nicht mehr an Makrofunktion her, sodass das Bild leider etwas unscharf ist.


    Eine Tandemvibrationswalze. Man beachte die kleinen Hebel am Handgriff sowie die Handkurbelstange.

    Bild von einem Freund Michael. Hersteller der Farbe ist mir entfallen aber gealtert (Ölspuren) sind von Vallejo - Farbton sepia.


    Gedruckt wurde alles auf einem Anycubic Photon, den ich jetzt gegen einen Photon S mit doppelter linearer Führungsschiene eingetauscht habe.

    Ich habe ihn in einer Weihnachtsaktion von Anycubic auf ebay für unglaubliche 199.- Euro incl. grauem Resin erstehen können.

    Normalerweise liegt einem Resindrucker bei Anycubic immer dieses transzulente grüne Resin bei. Dieses ist "Idiotensicher", damit klappt wirklich jeder Druck außer man macht wirklich große Fehler, wie z.B. einen schiefen Druckstempel oder dergleichen.


    Resin original von Anycubic. Das "normale" Resin. Das auf pflanzlicher Basis entstandene Resin ist bei mir durchgefallen!

    Das "normale" Resin stinkt bzw. riecht übrigens seit 2-3 Jahren schon nicht mehr!


    Schichtstärke ist jeweils 0,02 mm. Druckdauer für den Streckenläufer: etwas über 4 Stunden.


    Alle Designs sind von mir.



    Viele Grüße und ein friedvolles Wochenende

    Arnold

  • Momentan bin ich beim Anlagenrohbau und drucke für meinen Gleis- und Weichenselbstbau diverse Teile wir Rippenplatten, Schienenlaschen, Radlenker usw..

    Guten Abend Heiko,


    deine Ergebnisse gelingen dir schon richtig prima! Aber bei den Rippenplatten solltest du unbedingt nacharbeiten. Wenn du dir etwas mehr Mühe machst, kann es wie folgt aussehen. Glaub mir, das lohnt sich!





    Gruß

    Djordje

  • Hallo Arnold,


    tolle Drucke zeigst du uns da, wobei mir auf den Gabelschlüsseln die Schlüsselweite abgeht 8o .


    Beim Resin bin ich noch am Testen. Hab es anfangs mit water washable und dann mit aqua blau von Phrozen versucht, bin aber noch nicht so ganz zufrieden, was natürlich auch oder eher wahrscheinlich an meinen Druckereinstellungen liegen kann.

    Naja, man sucht die Fehler immer erst bei anderen :saint:.

  • Hallo Djodje,


    deine Kleineisen, gezeichnet wie gedruckt, sehen phantastisch aus. Gibst du die in Auftrag oder druckst du selbst.

    Für diese Art Kleineisen braucht man wohl einen gefrästen oder gelaserten Schwellenrost, für dessen Herstellung ich nicht das nötige Werkzeug besitze.


    Mir ist aufgefallen, daß viele der hochwertigen Drucke mit einem mehr oder weniger transparenten Resin hergestellt wurden. Was für Material nimmst du für deine Modelle?

  • Hallo zusammen,


    da so ein Drucker nach dem Erstellen der Datei und Aufbereitung im Slicer seine Dienste stundenlang stoisch ausführt, kann man nebenher weiter basteln. So lief auch mein Drucker heute beim Testlauf meiner Gleiswendel.


    Bei mir taucht oft das Problem mit unscharfen Kanten an der beim drucken obenliegenden Fläche auf. Hab es schon mit Schrägstellen der Modelle versucht, die Kanten wirken auch dabei wie verwaschen, wie man an der Sperrgutkiste unten recht gut erkennen kann.



    Weiß hier jemand Rat?


    Bei kleinen Details bin ich immer aufs Neue begeistert von der Leistung der Drucker.

    Siehe den Beitrag von Arnold mit seinem Handwerkszeug oder auch die Schubladengriffe an der Werkbank unten.

    Auch die Ofentürchen kommen gut raus, wobei mir hier beim Abtrennen der Supports 2 Füßchen "abhanden" gekommen sind. Daher die Unterstützung durch die Trennscheiben für den Dremel. Mit nur einem seiner Beinchen neigt er doch zum Umkippen.



  • Hallo Heiko.


    Ich kann dir natürlich nur schreiben, was ich benutze und wie ich es mache. Ob es jetzt das beste Resin und die beste Methode ist, das kann ich dir nicht sagen.


    Wie ich bereits schrieb, habe ich einen Anycubic Photon und benutze auch nur das original Anycubic Resin.

    Vor zwei Jahren hatte ich einmal anderes Resin ausprobiert, konnte dort aber keine wirklichen Verbesserungen feststellen.


    Ich nutze nur noch das Resin in der Hautfarbe, sprich skin und das selbst zusammen gemischte transzulente grün mit grau sowie das Resin in klar für fensterscheiben ähnliche Gegenstände.


    Wenn ich jetzt mein selbst zusammen gemischtes Resin aufgebraucht habe, werde ich nur noch das Skin benutzen.

    Mit diesem Resin habe ich sehr gute Ergebnisse erzielt.


    Wenn dir einmal ein Teil abbricht, ist das nicht so schlimm. Gerade in der Beginnerphase wirst du noch einiges dazu lernen müssen und auch nach fünf Jahren des 3D Druckens, lerne auch ich immer noch dazu.


    Auch darfst du nicht außer Acht lassen, dass dein Drucker, genau wie meiner um die 200 € gekostet hat.

    Das ist nichts, zu den Geräten, die wirkliche Profis benutzen.


    Sei also nicht frustriert, wenn der eine oder andere Druck nicht gleich gelingt. Auch Profis mit 5000 € teuren Geräten fabrizieren ab und zu Fehldrucke.


    Und wenn etwas tatsächlich abbricht, sei es eine Ecke oder ein Fuß, es gibt immer noch von Revell das Plasto oder profile und Platten aus Polystyrol.


    Und denke daran, der Mensch lernt nie aus, außer er ist Politiker. Dann ist jede Hoffnung vergebens.


    Dir noch viel Spaß beim Ausprobieren und gleichzeitigen lernen und friedvolle Grüße an alle Foristen


    Arnold


    PS: Dieser Text wurde im Google Browser mit speechnotes diktiert und dann hier in das Forum kopiert. Ich bin immer wieder positiv erstaunt, was heute alles möglich ist. :*

  • deine Kleineisen, gezeichnet wie gedruckt, sehen phantastisch aus. Gibst du die in Auftrag oder druckst du selbst.

    Grüß dich Heiko,


    ja, ich drucke alles selbst, mit einem Elegoo Mars 2 Pro.


    Für diese Art Kleineisen braucht man wohl einen gefrästen oder gelaserten Schwellenrost, für dessen Herstellung ich nicht das nötige Werkzeug besitze.

    Da ich einen Hobby-Laser habe, bietet es sich natürlich an mauch die Schwellen selbst herzustellen. Ich nutze Eichenholz in 3mm für Spur 0 und 4mm für Spur 1. Aber das muss man so nicht machen. Es gibt viele Wege um Gleise zu bauen.


    Quote

    Mir ist aufgefallen, daß viele der hochwertigen Drucke mit einem mehr oder weniger transparenten Resin hergestellt wurden. Was für Material nimmst du für deine Modelle?

    Ich bin bei den Kleineisen auf Weistek ABS-like Resin umgestiegen. War eine Empfehlung von Marco Bergs (https://www.bergswerk.de/). Echt geiles Zeug, wenn man sich an die Regeln hält. Leider im Moment ausverkauft.



    Grundsätzlich sei so viel gesagt. Erfolgreich 3D Drucken ist mit Erfahrung verbunden. Schau dir mal den Werkelburger an. Der hat es richtig drauf und versteht sein Werkzeug und Material zu benutzen. Das hat er aber nicht von heute auf morgen gelernt.


    Mein aktuelles Projekt sieht so aus:



    Es hat viel Zeit gebraucht, bis ich da hin gekommen bin. Deswegen lautet mein Rat an dich, nimm dir die Zeit und geb dich nicht mit Ergebnissen zufrieden, die dich nicht überzeugen. Ich weiß selbst, es kann nicht schnell genug gehen. Aber am Ende des Tages ärgerst du dich über deinen Aktionismus.


    Gruß

    Djordje

  • Moinsen!

    Bei mir taucht oft das Problem mit unscharfen Kanten an der beim drucken obenliegenden Fläche auf. Hab es schon mit Schrägstellen der Modelle versucht, die Kanten wirken auch dabei wie verwaschen ...

    Auf den ersten Blick würde ich denken, dass da der Support nicht optimal gesetzt war ... hast du mal ein Bild vom Slicer, auf dem der Support erkennbar ist?

    Den Support "richtig" zu setzen ist eines der schwierigsten Unterfangen beim 3D-Druck mit Resin, nicht nur dass das Objekt optimal gehalten werden soll, sondern auch, dass sich später die gesamte Stützstruktur auch möglichst einfach wieder entfernen lässt sind da die Vorgaben. Das ist manchmal nicht leicht, beides unter einen Hut zu bringen ... ;)


    Gruß


    Thomas


    Betriebsleitung der Werkelburger-Industriebahn



    _____________________________________________________________________________________________________________________________________________


    Die Kritik an anderen hat noch keinem die eigene Leistung erspart. (Noël Coward)

  • Hallo Heiko


    Zwei Tipps:


    - damit das Resin besser abfleißen kann und keine Beulen zwischen Boden und Druckplatte entstehen, vergrößere den Abstand auf mindestens 4mm.


    - wenn du einen Druck, wie hier zum Beispiel die Kiste hast, wo alle Wände kerzengerade sind, dann brauchst du gar keine Supports!

    Stelle einfach die Kiste auf den Boden des Slicerprogrammes und slice es ohne Boden und Stützen!



    Viele Grüße

    Arnold

  • Stelle einfach die Kiste auf den Boden des Slicerprogrammes und slice es ohne Boden und Stützen!

    Ich drucke auch wann immer möglich direkt auf der Druckplatte ohne Supports. Aber bitte den Elefantenfuß in der Zeichnung mit einplanen! Ich fase die Kanten, die auf der Druckplatte direkt aufliegen, mit 0,3 bis 0,5mm an. Dann ist der Effekt vom Elefantenfuß nahezu verschwunden.


    Gruß

    Djordje

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