N-Schrott-Verarbeitung

  • Hallo,


    im vorigen Jahrhundert (man wie alt sind wir schon!) hatte ich einen Reparaturservice für N-Lokomotiven betrieben. Wie man aus sozialistischen Zeiten gewöhnt war, wurden selbst ausgebaute defekte Teile nicht weg geworfen. Diese Altlasten sichte ich zurzeit, um diese gegebenfalls nun doch mal zu entsorgen (was mir bis jetzt nicht gelang). Unter anderem befand sich auch der Rest eines Fahrwerks der Fleischmann BR 78 in einer der Kisten. Ich dacht, das Ding rollt gut, das geht nicht in die Tonne. Es könnte doch eine Feldbahnlok mit 12 mm Spurweite werden.

    Also erst einmal die Räder von den Achsen abgezogen, Achsdurchmesser gemessen. Der beträgt 1,5mm, also brauche ich längere Achsen dieses Durchmessers. Fündig wurde ich in der Piko-Ersatzteilkiste. Die Achsen der Piko-Dieselloks haben den Durchmesser von 1,5mm und sind wegen der Außenlagerung länger, und zwar genauso lang, wie ich sie für die Spurweite 12 mm brauche :) .

    Jetzt mussten die Räder bearbeitet werden. Sollten ja feldbahnmäßig aussehen. Fleischmann hat den Rädern glücklicher weise eine gerade Anzahl Speichen spendiert, also ideal geeignet, um jede zweite Speich zu entfernen. Also der erste Versuch mit der Laubsäge eine Speichen heraus zu sägen. Das Rad lachte sich kaputt und die Säge staunte. Die Radsterne sind aus Myramid, ein Zeug, was sich kaum mit der Säge und mit Feilen bearbeiten lässt. Aber mit zwei speziell angeschliffenen Uhrmacherschraubenziehern ließen sich dann die Speichen herausschneiden.

    Die Räder eingeachst und aus einem Stück Leiterplatte und Bronzedraht eine Stromabnehmerplatine gebaut. Den großen schlecht anlaufenden Fleischmann-Motor wollte ich nicht verwenden, zum Einbau kam ein kleiner Glockenankermoter Durchmesser 8mm. Solch ein Motor hat sich schon im Tender meiner BR 36 in N bewährt, muss also hier auch gehen, noch dazu, dass die Feldbahnlok nicht so viele Wagen ziehen muss, wie die BR 36 in N.

    Von den Kuppelstangen der BR 78 hatte ich nur noch eine da, also wurde die Zweite aus einer längeren Kuppelstange der BR 17 zusammen gestückelt (natürlich gelötet).


    So, das Ding fährt erst einmal und sieht so aus:



    Der Gesamtachsstand beträgt 27mm (wäre im Original 1215 mm) und hat einen Raddurchmesser von 10 mm (Original dann 450mm). Nun muss ich erst einmal meinen Feldbahn-Kumpel besuchen, um heraus zu finden, was man da für eine Lok auf dieses Fahrwerk bauen könnte.


    Mit freundlichen Grüßen

    Roland

  • Hallo,


    es wird eine Feldbahnlok von Schwarzkopf, habe dazu die Daten in einem meiner Bücher gefunden. Der Achsabstand stimmt zwar nicht 100%ig, dafür hat sie aber eine Heusingersteuerung. Diese Heusingersteuerung konnte ich aus N-Teilen der Fleischmann BR 80, der Mintrix BR 01 mit den Zylindern der Piko BR 55 bauen. Der Rahmen wurde auch schon entsprechend dem gewählten Vorbild angepasst.



    Jetzt kann sie in die Kesselschmiede geschleppt werden.


    Mit freundlichen Grüßen

    Roland

  • Hallo,


    die Polystyrolschlosser haben nun erst einmal den hinteren Teil des Lokrahmens ergänzt. Danach wurde das Fürhrerhaus angefertigt.


    Für den Kessel wurde 14mm Rohr benötigt, was ich natürlich nicht da hatte. Ich hatte aber neulich einen chinesischen Lackstift entsorgen müssen, weil dieser undicht war! (wie kann das passieren, dass da in diesem aus Aluminium bestehenden Stift ein Loch entsteht? Sind die Farben darin so aggressiv, dass sie die Aluhülle anfressen?) Also den wieder aus der Tonne geholt, gemessen und für passend befunden. Nun erst einmal leer machen, daß habe ich in einem Glas mit Nitoverdünnung gemacht. Jetzt habe ich farbige Verdünnung. :)

    Auf der Drehbank wurde der Kessel dann in passender Länge zugeschnitten. Vorn wurde aus 0,5mm Polystyrol die Rauchlammer verstärkt und aus 0,3mm Polystyrolstreifen wurden die beiden Kesselringe hergestellt und aufgeklebt.

    Nun mal provisorisch zusammen gesteckt, sieht schon mal aus, wie eine Feldbahnlok.


    Mit freundlichen Grüßen

    Roland

  • Hallo Roland,


    sieht ja schon mal vielversprechend aus. Aber die Lok wirkt auf mich ganz schön hecklastig mit dem großen Überhang.


    Gibt das nicht auch Probleme wenn du feldbahnmäßige Radien befährst. Ich habe keine Erfahrung mit Feldbahnen, aber das Heck dürfte schon ganz gut ausschwenken, machen das die Kupplungen mit?

    Meinen Nutzernamen habe ich von jk_wk geändert auf 0topia, weil ich zeigen möchte, dass mein Traum von meiner Spur 0 Anlage keine reine Utopie ist, sondern Stück für Stück in Erfüllung geht.


    Gruß aus dem Bergischen Land

    Jürgen (K)


    Nicht grübeln - mach es einfach, aber mach es einfach


    In meinem Vorstellungs-Thread habe ich Verweise auf meine bisher im Forum veröffentlichten Projekte hinterlegt.

  • Hallo Jürgen,


    wegen der Kupplung habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, dass muss dann gelöst werden, wenn es Probleme gibt. Der große hintere Überhang war aber bei der Lok so. Muß also beim Vorbild funktioniert haben.


    Mit freundlichen Grüßen

    Roland

  • Hallo Paul,


    auf dem Bild sieht es eher wie eine Trichterkupplung aus. Aber, ich muß die Kupplung ohnehin meinen vorhandenen Fahrzeugen anpassen, also wird sich schon eine Lösung finden.


    Mit freundlichen Grüßen

    Roland

  • Hallo,


    gestern abend war drehen und drechseln angesagt. Aus einer 8mm Alustange mit einem Stück aufgeklebtem Polysterolrohr entstand der Schlot. Alu lässt sich bescheiden auf der Drehbank bearbeiten, und Polystyrol eigentlich nur drechseln. Also hieß es nach dem groben abdrehen, schleifen,spachteln, schleifen, spachteln, usw, bis alles schön glatt war. Man kann den Schlot natürlich auch aus einem passenden Stück Rundmessing drehen, was sich schneller gegangen wäre. Aber dazu hätte man es auch da haben müssen. :) Einfacher ging es mit dem Dampfdom. Dafür wurde Polystyrolrohr genommen, welches oben mit einem Stück Polystyrol verschlossen wurde, dann ins Dreibackenfutter und mit der Feile die Rundung oben angeschliffen. Nun noch die Rauchkammertür, welche ebenfalls aus 3 Lagen Polystyrol gedrechselt wurde. Es wurden 3 runde Scheiben mit dem Kreisschneider aus geschnitten, eine Durchmesser 15mm und 1mm dick, eine Durchmesser 12mm und 0,5mm dick und eine Durchmesser 10mm und 1mm dick. In der Mitte wurde ein 1,9mm Loch durch alle 3 Scheiben gebohrt. Dann wurde ein M-2-Schraube durch die 3 Scheiben gesteckt und unter Zugabe von Polystyrolkleber die Scheiben auf der Schraube zusammen geklebt. Auf der Rückseite wurde alles noch mit einer Mutter und Unterlegscheibe richtig fest angezogen. Nach abbinden des Klebers konnte dann der Rohling an der Schraube ins Dreibackenfutter gespannt werden. In den Support wurde ein Virkantstahl als Auflage für die "Drechseleisen" eingespannt. Zum Drechseln wurde ein Uhrmacherschraubendreher angeschliffen. Damit lässt sich Polystyrol sehr gut bearbeite.



    Jetzt geht es mit dem Kleinkram los. Viel ist an der Lok ja nicht dran, nur eben so viel, dass sie auch fährt.


    Mit freundlichen Grüßen

    Roland

  • Hallo Jay,


    mal sehen, welche Namen sie bekommt, EMMA klingt schon mal nicht schlecht.


    Gestern und heute hat sie paar Messingteile bekommen. Die kleinen seitlichen Ventile musste ich selbst bauen, ging aber ganz gut aus geäzten Handrädern (alter N-Bestand), Messingrohr und Draht. Die anderen Teile fanden sich in der Teilekiste.


    Obwohl noch nicht ganz fertig, hat sich der Osterhase die Lok mal ausgeliehen.


    Ich wünsche euch ein frohes Osterfest.


    Mit freundlichen Grüßen

    Roland

  • Hallo Roland,

    Du hast den Eindruck einer dreiachsigen Feldbahn - Dampflok prima getroffen! Dein Recycling-Projekt ist genau nach meinem Geschmack. Obwohl ich mir nicht zutrauen würde, ein N-Fahrwerk auf 12 mm umzuspuren. Dazu fehlt mir die Nervenstärke :) Ich bin gespannt, wie die Lok nach dem Lackieren aussieht und wenn Du die Kupplung montiert hast, mache bitte mal ein Detailfoto. Das ist immer wieder interessant.

    Viele Grüße aun schöne Osterfeiertage

    Manfred

    Dieser Beitrag besteht aus zu 100 % recycelten Elektronen!

  • Hallo,


    so, die Kupplungsfrage hat sich erledigt. Ich war gezwungen, die gleiche Kupplung wie an den Loren zu verwenden und es funktioniert.


    Die Lok hat nur einfache Aufnahmen für den Kupplungshaken der Lore.


    Bei der Lore ist ein beweglicher Kupplungshaken eingebaut.


    Mit dieser Kupplungsart ist auch ein Schieben der Wagen unproblematisch. Zum Kuppeln ist natürlich eine Pinsette erforderlich.


    Die Lok hat nun auch Griffstangen, Aufstiegsbügel und ihr Dach erhalten. Das Dach ist noch nicht befestigt, denn der Stehkessel muß noch eingebaut werden.



    Jetzt wird sie zerlegt und erhält noch einige 3D-Nieten.


    Mit freundlichen Grüßen

    Roland

  • Hallo,


    nach der "schweißtreibenden" Vernietung der einzelnen Teile mir 3D-Nietdecals konnte die Lok lackiert werden. Auf dem vorliegenden Roto sind noch feine Zierlinien zu sehen, welche ich erst einmal weggelassen habe (könnten aber noch gemacht werden). Nach dem Lackieren wurde noch der Stehkessel und das Dach angebracht. Die Verglasung der Fenster erfolgte mit Micro Kristal Klear, was bei der Größe der Fenster noch ganz gut ging.





    Die Firmen- und Namensschilder fehlen noch, muß ich mir noch anfertigen lassen.


    Mit freundlichen Grüßen

    Roland

  • Hallo Roland,


    das nenn ich doch mal einen gelungenen Schrotthaufen.

    Meinen Nutzernamen habe ich von jk_wk geändert auf 0topia, weil ich zeigen möchte, dass mein Traum von meiner Spur 0 Anlage keine reine Utopie ist, sondern Stück für Stück in Erfüllung geht.


    Gruß aus dem Bergischen Land

    Jürgen (K)


    Nicht grübeln - mach es einfach, aber mach es einfach


    In meinem Vorstellungs-Thread habe ich Verweise auf meine bisher im Forum veröffentlichten Projekte hinterlegt.

  • Hallo Roland,


    die Lok sieht toll aus! Magst du einmal verraten, woher du die Nieten hast, ich bin selbst gerade auf der Suche nach solchen


    Viele Grüße,

    Julian

  • Moin Roland,


    die Lok ist dir prima gelungen ! Ich bin begeistert.

    Bleib(t) gesund !


    Viele Grüße aus der Hildesheimer Börde


    Martin


    Feld- und Waldbahnmodelle 1:45, 0e, 16,5 mm

    DelTang R/C-Funkloks

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