Großserienmodelle als Bausätze?

  • Für Großserie m.E. nicht geeignet aber vielleicht als Bausätze?

    Die Frage nach Bausätzen von Grossseriemodellen kann relativ einfach beantwortet werden:

    • Ist der Kunde bereit, für Bausätze einen vergleichbaren Betrag aufzuwerfen wie für ein Fertigmodell, dann ja.
    • Erwartet der Kunde einen relevanten Preisabschlag gegenüber dem Fertigmodell, dann nein.

    Warum ist das so? Gucken wir die Sache etwas genauer an:

    • Material ist identisch für Bausatz und Fertigmodell (im Idealfall). Werden nur Fertigmodelle gefertigt, muss nach der Teilefertigung nicht abgezählt und sortiert werden. Kleinmaterial wie Schrauben und Litzen kommen direkt aus der Schachtel bzw. ab der Rolle. Für Bausätze muss das Kleinmaterial nun speziell abgezählt, gerüstet und verpackt werden.
    • Für die Fertigmodelle braucht es eine einmalige Instruktion, dann läuft die Produktion über xx Stück. Für den Bausatz muss eine selbsterklärende Bauanleitung erstellt werden. Die Bauanleitung muss seriös erstellt werden, sonst resultiert ein mehrfaches an Aufwand im Kundendienst.
    • Für die Bausätze muss eine spezielle Beschriftung erstellt werden. Bei den Fertigmodellen läuft ja viel über Tampondruck, das ist für den Endkunden eher unpraktisch. Also, Beschriftung erstellen, am besten in viel mehr Varianten als Fertigmodelle angeboten werden. Bedeutet zusätzliche Vorbildrecherce, etc.
    • Bei den Bausätzen werdend die Teile in speziellen Verpackungen verpackt. Das können nicht die gleichen sein wie bei den Fertigmodellen, denn da passen die Teile in der Regel nicht rein (ausser sie werden bereits ein Stück weit zusammengesetzt). Also, spezielle Verpackung für Bausätze.
    • Nach der Produktion überzälige Teile als Ersatzteile verpackt und mit den Fertigmodellen und Bausätzen verschickt.

    Unter dem Strich resultiert in Entwicklung ein Mehraufwand und in der Produktion ein unwesentlich kleinerer Aufwand für Bausätze. Und damit komme ich zurück zu meiner Eingangsfrage: Wie viel Preisabschlag gegenüber dem Fertigmodell wird denn erwartet? Je weniger, desto eher haben die Bausätze eine Chance.


    Und ein weiterer Gedanke: bestelle ich als Importeur zu viele Bausätze, kann ich daraus nicht einfach Fertigmodelle erstellen. Denn die Produktion ist ja nicht bei mir, also muss das Material wieder in den fernen Osten. Oder ich produziere hier mit entsprechenden Kostenfolgen.


    Ich persönlich verstehe jeden Hersteller, der nur Fertigmodelle anbietet.

  • Von Biemo gibt es seit Jahren Güterwagenmodelle, die es als Fertigmodelle nicht zu kaufen gibt.

    Schlimmer noch! Erinnern wir uns mal ruhig zurück ins Jahr bevor Brawa seinen Kurzauftritt hatte. Erst wurde in diesem Forum (oder war es noch das "alte"?) bei Wunschmodellen ein Omm52 gefordert. Auf den Hinweis, daß es den doch schon Jahre geben würde, kamen dann viele Stimmen "wir wollen aber nicht bauen".

    Dann erschien der Omm52 von Brawa zum vergleichbaren Preis. Da wollte erst recht keiner mehr einen Bausatz montieren.


    Der Markt für Güterwagen ist durch die China-Importe während des Zeitraums des schamlosen Tiefstlohndumpings nachhaltig geschädigt worden.

    Leider.


    Gruß,

    Ralf

  • ....


    Unter dem Strich resultiert in Entwicklung ein Mehraufwand und in der Produktion ein unwesentlich kleinerer Aufwand für Bausätze. Und damit komme ich zurück zu meiner Eingangsfrage: Wie viel Preisabschlag gegenüber dem Fertigmodell wird denn erwartet? Je weniger, desto eher haben die Bausätze eine Chance.


    ....

    Hallo Andreas,


    anbei eine Anmerkung zu deinem Beitrag. In der Spur 1 gab es vor vielen Jahren einen deutschen Hersteller, der auf Wunsch jedes seiner eigentlich ausschließlich als Fertigmodell (aus Kunststoff) produzierten Fahrzeuge auf Wunsch auch als Teilesatz verkauft hat. Randbedingung, vor Produktionsstart musste bestellt werden, während der Fertigung wurden die Teile der Produktion entnommen, in einen Karton gelegt (Kleinteile in Tüten eingeschweißt) und ohne Bauanleitung einem für 50% des Fertigmodellpreises verkauft !! Ich habe damals auf diesem Weg einige Lokomotiven beschafft und gebaut. Die Beschriftung musste man sich selber beschaffen, aber das sollte kein Grund sein, da haben wir ja mehrere Möglichkeiten. Ich denke, dass das auch die Erwartungshaltung darstellt, ein Bausatz sollte die Hälfte kosten!?


    Viel Grüße

    Olaf

  • Servus Olaf,

    danke für diesen interessanten Ausflug in die Vergangenheit!

    Ich denke, dass das auch die Erwartungshaltung darstellt, ein Bausatz sollte die Hälfte kosten!?

    Meine Erwartungshaltung ist das nicht! Mir geht es da ganz allgemein um Spaß am bauen und insbesondere um Arbeitsersparnis ;)

    Da mein Sammlungsthema ÖBB, bzw. BBÖ ist, baue ich gekaufte Fahrzeuge entsprechend um - und das bedeutet bei Fertigmodellen als ersten Schritt eine Komplettzerlegung. Eine Komplettzerlegung, die tw. zeitaufwändig, mit Beschädigungsgefahr (eingeklebte Fenster, ...) verbunden ist und die ich mir bei einem Teilesatz ersparen würde.

    Aus Gesprächen mit Hobbykollegen die ebenfalls "exotische" Sammlungsgebiete haben (ČSD, DR, DRG, GKB, NS, SNCF, ...), oder einfach Fahrzeuge für ihre "private Privatbahn" umbauen, weiß ich, dass mein Interesse an Teilesätzen auch aus diesem Grund geteilt wird.


    Grüße aus Wien
    Martin


    PS zum Thema "Spaß am bauen": Meine ersten Bauerfahrungen machte ich als 8-jähriger mit einem einfachen Waggonbausatz von Märklin. Bis heute ist mir in Erinnerung, wie groß meine Freude über diesen "selbstgebauten" Waggon war und mit welchem Stolz ich diesen Waggon Freunden präsentierte. Ich erlebte erstmals, dass es für mich einen Unterschied macht, ob ich sage, "den hab ich mir (von meinem Taschengeld) gekauft" oder "den hab ich selbst gebaut".
    Dieses damalige Erfolgserlebnis ist wohl ein wesentlicher Grund, warum der (Um-)Bau von Fahzeugen bis heute eines der zentralen Themen in meinem Modellbauleben ist.

  • . Ich denke, dass das auch die Erwartungshaltung darstellt, ein Bausatz sollte die Hälfte kosten!?

    Moin,

    defintiv nicht. Da gehe ich mit Martin konform, ich scheue es immer fertige Modelle zu demontieren und zu entschriften, um sie in spezielles Vorbildmodell zu verwandeln oder einfach nur nach meinen Vorstellungen zu "pimpen". Zu H0 Zeiten habe ich etliche Weinert Bausätze montiert, die bisweilen preislich (nach oben) jenseits verfügbarer Serienmodelle etablierter Hersteller lag. Jetzt sind die Weinert Produkte nichts was man irgendwie in Spur 0 konvertieren könnte, da brauchen wir nicht drüber zu diskutieren. Die Biemo-Bausätze fand und finde ich gut, habe ich einige von gebaut und noch in der Schublade liegen, super Ausgangsbasis für "tuning", gleich so aufbauen, wie ich mir das vorstelle.

    Worauf ich in meinem Beitrag auch hin wollte, es wurde von einem Hersteller mehrfach die V65 als Großserienmodell angekündigt. Die V65 ist ein Ableger aus dem MaK Baukastensystem der 1950'er Jahre. Jetzt will ich aber keine in Privatbahn umlackierte V65 haben, denn der Kompromiss wäre für mich viel zu groß. Hieße für mich ein 899€ +X Modell völlig zerlegen, den Rahmen samt Radstand ändern und sämtlichen Änderungen am Aufbau durchführen, alles lackieren, beschriften und wieder montieren, um eine "richtige" MaK 650 D zu bekommen, wie sie bei etlichen Privatbahnen gelaufen ist. Kann jetzt vielleicht an dem Beispiel nachvollziehen warum ich lieber einen Bausatz kaufen würde, auch wenn der Preisunterschied marginal ist?

    In dem Zusammenhang ein :thumbup: für die unlackierte V100 von Lenz, die es im Werksverkauf gibt, super Basis für tuning und Umbauten!

    Wenn ich die Ankündigung der G1206 von LKM sehe, dann schlägt mein eigentliches Epoche 3 Herz trotzdem höher. ABER? Über 320 mal gebaut und ich wage zu behaupten in mindestens 150 unterschiedlichen Farbvarianten und entsprechenden Details im Kleinen. Preis steht noch nicht fest aber ich vermute das Modell wird es wert sein. Nur wenn da jetzt nicht zufällig die von mir gewünschte Ausführung dabei ist, dann heißt das dieses Modell zu zerlegen und umzugestalten. Auch hier würde ich dann lieber einen Bau- oder Teilesatz kaufen und gleich zu "meiner Lok" zusammenbauen.

    Soweit mein abschließendes Wort zum Sonntag und zu dem Thema, welches ja anscheinend schon aus dem Fragekatalog entfernt wurde, da ja alle die Antwort schon kennen wollen.

    Gruß aus der Reha
    Chris


    Viele Grüße

    Chris

    Der Pessimist sieht das Schwarze im Tunnel
    Der Optimist sieht ein Licht am Ende des Tunnels
    Der Realist sieht den Zug kommen
    Der Lokführer sieht drei Deppen im Gleis sitzen :D

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