Zugfahrt mit schiebender Lok

  • Hallo zusammen,


    Ich hab mal ne Frage zum Thema "Wenn die Lok am Zugschluss schiebt"....


    Wer beobachtet dann die Strecke?

    Bei einer Rangierfahrt einer der Rangierer, der dann ggf Handzeichen gibt?


    Bei einer Zugfahrt der Zugführer?

    Aber der steht ja dann nicht draußen auf dem Rangiertritt oder der Handbremsbühne?

    Gab es da spezielle Wagons (ich meine keine Steuerwagons) ggf mit einem Bremsventil um auch Einfluss nehmen zu können?


    Hintergrund der Frage:

    Nehmen wir eine Spitzkehre an und die Lok läuft aus Sicherheitsgründen am Talseitigen Ende. Bei Bergfahrt hat der Lokführer dann ggf keine Streckensicht....


    Gruß

    Matthias

  • Wer beobachtet dann die Strecke?

    Bei einer Zugfahrt der Zugführer?

    Aber der steht ja dann nicht draußen auf dem Rangiertritt oder der Handbremsbühne?

    Gab es da spezielle Wagons (ich meine keine Steuerwagons) ggf mit einem Bremsventil um auch Einfluss nehmen zu können?

    In Österreich war man da durchaus "rustikal" unterwegs. So waren geschobene Personenzugsgarnituren im Osten Österreichs jahrzehntelang planmäßig unterwegs. Und zwar entweder in dieser Form ...


    ... oder mit "eingewickelter" Lok, d.h. mit Waggons vor und hinter der Lok. Mit solchen Kurzgarnituren sparte man in den Endbahnhöfen das Umsetzen der Lok.
    Im Regelfall waren geringfügig adaptierte Waggons (mit Bahnräumern und tw. auch mit Notbremsventil und Laternenhaltern auf der Bühne) im Einsatz. Fotos belegen aber auch die Verwendung von normalen Personenwagen der Bauart N28, die so eingereiht wurden, dass die Plattform mit der Handbremse an der Zugspitze lief.


    Der Zugführer war zur Streckenbeobachtung und Bedienung der Handbremse des Waggons verpflichtet, Signalpfeife oder Signalhorn dienten der Kommunikation mit der Lok. Das Lokpersonal war zu "besonderer Aufmerksamkeit" verpflichtet;waren Diesel oder E-Loks im Einsatz, so mussten diese zweimännig besetzt sein.


    Grüße aus Wien
    Martin

  • Hallo,


    in Hamburg-Altona (Kopfbahnhof) war in den 70ziger- Jahren dieses zu beobachten:

    Die schiebende Lok fuhr als Rangierfahrt mit den Reisezugwagen in das Bahnsteiggleis ein. Am ersten Wagen, (bei der Ausfahrt

    dann der letzte Wagen), stand am Wagenende ein Rangierer mit einem Seil in der Hand. Beim Ziehen am Seil öffnete sich dosiert

    die Hauptluftleitung worauf der Zug vor dem Prellbock zum stehen kam.


    Viele Grüße

    Fritz

  • Hallo!


    ich erlaube mir noch folgende Ergänzungen hinzuzufügen:


    Steilstrecke Boppard-Buchholz:


    Güterverkehr in Epoche III mit BR 94.5 mit Riggenbach-Gegendruckbremse und PWG 14 Umbau als Bremswagen/Steuerwagen/Streckenbeobachtungswagen, wie immer man das nennen möchte, natürlich auch mit Frontfenster.


    Es gab also mindestens drei Waggontypen, die für solche Zwecke angepasst wurden: Pwg14, Pwg 41, Pwg 54.


    Fotos waren z.B. in "Miba Anlagen-Vorbilder für Kenner und Genießer, Autor M. Meinhold" S. 14 PWG 14 Detailfotos mit Fensterposition und 3-Licht Spitzensignal , sowie einem Holzzug mit Pwg 54 und BR 213 (Talwärts, daher Pwg an der Lok)


    "Sandwich-Züge" mit V100 und V200.0, die eigentlich Wendezüge waren (Silberlinge "Hasenkasten" oder Mitteleinstiegswagen als Steuerwagen, denen bei schiebender Lok Güterwagen am hinteren Ende angehängt wurden. Auf den meisten Bildern, die mir bekannt sind, Raum Hamburg, Ende Epoche III, Anfang Epoche IV und oft Kühlwagen.


    Von der Strecke Linz-Kalenborn (Kasbachtalbahn) ist mir eine "Sonderlösung" eines Wochenendes vor ca. 15 Jahren bei einer Sonderfahrt bekannt. BR 213 und BR 94.5 (Rennsteigbahn, beide von Lenz erhältlich) befuhren die Strecke mit einer DR-Doppelstockgarnitur. Da die Steilstrecke schiebend befahren wurde, war am vorderen Fenster der Wagengarnitur ein Streckenbeobachter mit Funkgerät, der als "Augen des Lokführers" fungierte.


    Grüße


    vom "Zweispurer"

  • Hallo.


    das Verfahren wurde mit einem sog. Luftbremskopf durchgeführt und waren dann später sogar reguläre geschobene Zugfahrten.

    Anbei eine gute Beschreibung.


    http://www.bahndienste-weco.de/luftbremskopf.php



    Die PZB wurde auf der Lok dann abgeschaltet.


    So wurde bis weit in die 2000er gefahren und ist m. W. immer noch zulässig , wird aber im Zeitalter der Steuer- und Triebwagen(Züge) nicht mehr benötigt.


    Besonders war, das die Gleise in Altona zum Anschluss hin ansteigen.

    Das erforderte schon einiges Können der Rangierer…


    Gruß Patrick.

  • Hallo allerseits,


    berühmt sind auch die Sägezahnfahrten in den alten Miltenberger Hbf. durchgehende Züge von Aschaffenburg Richtung Wertheim fuhren vorwärts in HBf ein. Fuhren rückwärts in das Ausziehgleis zurück und setzen ihre Fahrt dann über Miltenberg Nord fort. Ebenso umgekehrt, dann wurde vom Ausziehgleis rückwärts in den Hbf gefahren und wieder vorwärts nach Aschebersch. Es gibt darüber viele Berichte im DSO.

    Grüße aus dem Odenwald


    Andreas :)

  • Moin,


    auf Steilstrecken gab es grundsätzlich aus Sicherheitsgründen Schiebebetrieb. Es ware immer speziell umgebaute Wagen an der Zugspitze eingestellt zur Streckenbeobachtung, die schiebende Lok lief immer talseitig. Viel interessanter waren die verschiedenen Verständigungsvarianten zwischen Zugspitze und Lok, entweder durch Pfeiffsignale oder aber per Funkt oder auch durch ein Läutesignal.


    Es hab da sehr schöne Garnituren.


    Gruss, Dirk

  • Hallo,


    hier noch ein schöner Film einer schiebenden 94 Strecke Linz -Kalenborn.


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    Gruß

    Hannes

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