Lok-Tender-Kupplungen bei Schlepptenderloks

  • Hallo in die Runde!


    Ich habe eine Frage, die mir schon länger unter den Nägeln brennt, aber mit immer mehr Wettbewerb und unterschiedlichen Systemen von allgemeinem Interesse sein könnte.

    Rein mechanisch gehe ich beim Lok-Tender-Abstand davon aus, dass er bei allen modernen Systemen akzeptabel ist.


    Aber zum "System":

    Leider gibt es in der Spur 0 keine Plattform, wo Produkt-/Systemvergleiche stattfinden.

    Nach meinem Kenntnisstand über die Systeme gibt es vereinfacht gesagt

    - die "alte" Lenz-Verbindung mit der bekannten Klick-Verbindung mit elektrischen Kontakten

    - die neue "Kinelektrik" von KM1, ebenfalls mit elektrischen Kontakten

    - mehrere(?) Systeme ohne elektrische Kontakte (mit zwei Decodern).


    Lenz kenne ich mittlerweile gut - ist etwas sensibel aber okay, ich hatte bisher keine Probleme.

    Weiß jemand schon von der "Kinelektrik" zu berichten? Ist wohl noch zu neu, oder?

    Dann zu den "kontaktlosen" Systemen:

    Ist das mit zwei Decodern umständlich? Getrennte oder gleiche Adresse. Falls getrennt, wird dann im Betrieb quasi als Doppeltraktion gefahren? Ich persönlich habe mit dem Programmieren, solange es nicht zu sehr in die Tiefe geht, keine Probleme.


    Hier würde ich gern die Meinung der Fachleute hören, besonders eine Empfehlung, falls unterschiedliche System für den gleichen Loktyp auf dem Markt sind.

    Der Unterschied könnte die Kaufentscheidung beeinflussen.

    Da es ggf. hier heikel ist, in Details zu gehen, gern auch als Konversation oder per E-Mail.


    Ich wünsche ein schönes Wochenende

    Günter

  • Hallo Günter,


    die Kinelektrik wird von KM1 schon seit längerer Zeit in Spur 1 genutzt, möglicherweise aber erweitert in Spur 0 umgesetzt. Nach Tests in Spur 1-Magazinen, deren Fehlen Du in Spur 0 angesprochen hast, scheint die Kinelektrik sehr vorbildgerecht eng zu kuppeln auf Geraden Gleisen oder in sanften Kurven, um dann in Modellbahnradien (eng) so weit wie nötig aufzumachen.

    Zu zwei Decodern kann ich folgendes sagen: Die hier nicht genannte Firma stellt Schlepptenderlokomotiven so her, daß Lok und Tender jeweils einen eigenen Decoder haben und keine elektrische Verbindung benötigen. Beide 'hören' auf die gleiche Adresse. Der Tender ist aber auch an anderen Lokomotiven des gleichen Herstellers nutzbar - idealerweise nach Ändern seiner Adresse.



    Viele Grüße


    Hans

  • Hallo Günter Wittwer,


    Leider gibt es in der Spur 0 keine Plattform, wo Produkt-/Systemvergleiche stattfinden.

    Damit hast Du leider sowas von Recht, denn eigentlich gibt es nur noch diese "Plattformen":

    • Firmen-Foren, die einer Firma gehören
    • Foren, bei denen der Besitzer mit einer Firma zusammenarbeitet und Produkte einer anderen Firma ausschließt
    • das ARGE-Spur-0-Forum
    • Foren, in denen die Spur 0 keine Rolle spielt.

    Bei den Blogs sieht es auch nicht besser aus:

    • Blogs, die sich breit aufgestellt haben und über alle Entwicklungen informieren wollen, gibt es nicht mehr.
    • Private Blogs, die nur über eigenen Anlagenbau und eigene Themen berichten, sind auch nicht als "Plattform" geeignet.

    Wir brauchen eine "Stiftung Warentest für Spur 0" - oder vielleicht doch nicht???


    Freundlicher Gruß

    EsPe

    Nur weil ich den einen oder anderen Fehler an manch einem Modell zwar bedauere und gelegentlich kritisiere, aber mich dennoch über perfekte Fahreigenschaften usw. und einen gelungenen Gesamteindruck freue, bin ich noch längst kein Spielbahner (was übrigens abwertend klingt).


    Und nicht jeder, der von sich selbst behauptet, ein ernsthafter Modellbahner zu sein, muss es deshalb auch wirklich sein.
    (frei nach Blaukäfer)

    Edited once, last by EsPe ().

  • Hallo Günter,


    ich dachte erst, da kann man gar nicht so viel zu sagen, nun ist es doch wieder mehr geworden:


    Analoge Loks oder umgebaute analoge Loks auf digital: Feste mechanische Verbindung (kein „Ritsch-Ratsch“ bzw. kein bajonettähnlicher Verschluß wie bei Lenz) mit Steckersystemen für die elektrische Verbindung zwischen Lok und Schlepptender.

    Vorteil: Schwere und lange Züge sollten kein Problem darstellen.

    Nachteile: Durch das häufigere Lösen der Verbindung sind die Steckerkontakte evtl. anfälliger. Richtige Verpolung ist zu berücksichtigen. Optisch vielleicht nicht besonders elegant, wenn man die Steckerverbindung zwischen Lok und Tender hat, je nach Tarnung. Die Verbindung mit den Steckern und des mechan. Hakens kann fummelig sein und anfälliger durch Knicken der Drähte oder was auch immer.

    Und der Lok-Tender Abstand war häufig bei analogen Loks mit Steckerverbindungen nicht gerade ideal und recht groß.


    Lenz war innovativ und hat den “Ritsch-Ratsch” Verschluß bzw. so einen bajonettähnlichen Verschluß entwickelt, der die elektrischen Kontakte in der Kupplung beherbergt. Der Lok-Tender Abstand und keine störenden Kabel mehr, das sind neben dem Komfort die nennenswerten Vorteile.


    Eine gute Überlegung, um den Komfort des An- und Abkuppelns zu maximieren. Das ist meines Erachtens auch gelungen, mit der BR 50 hatte ich noch nie Probleme deshalb.

    Aber: Wer damit sehr sehr lange Züge - womöglich noch Messing Wagen - ziehen möchte, wird vielleicht auch Nachteile entdecken können - im Vergleich zur starren mechanischen Kupplung (also Haken).

    Wenn ein Zug auffahren sollte oder die Wagen bergab schieben sollten, könnte es ggfs. auch problematisch werden, weil der „Ritsch-Ratsch“ Verschluß sich öffnen könnte. Bei Auffahrunfällen hatte ich das schon. Aber die sollten ja eigentlich nicht vorkommen….

    Hier wären Aussagen von Eckhard mit langen schweren Zügen von Vorteil. Da ich diese Grundvoraussetzungen nicht habe, gilt meine Aussage erstmal für den gewöhnlichen Hausgebrauch auf Zimmeranlagen oder Modulen. Schwerwiegende Entgleisungen sollten aber auch vermieden werden, dabei könnte die Kupplung beschädigt werden.

    Für den „normalen“ Betrieb oder 5-15 Wagen sollte das aber alles bei der Kupplung auch kein Problem sein.


    Die Mühlheimer waren auch innovativ und haben keine elektrische Verbindung in der Kupplung und auch keine Kabelstecker verbaut, sondern 2 Decoder, 1 x Lok, 1 x im Tender.

    Solange man den Dreh nicht raus hat mit dem Draht, der zum Kuppeln und Entkuppeln gebraucht wird, ist es sehr krampfig. Wenn man den Mechanismus dann verstanden hat, geht es, es bleibt aber etwas fummelig und man sollte immer gut ran kommen und hinschauen können. Ansonsten wird das nichts.

    Das es hier schon ganz andere betriebliche Probleme (Elektrik, wegen der 2 Decoder) mit einer BR 41 gegeben hat, will ich hier nicht weiter ausführen und hoffe, dass das mir Widerfahrene bei dieser Lok ein einmaliger Ausrutscher war. Ich werde es hier auch nicht weiter publizieren, Nachfragen zwecklos. Insider wissen, was ich meine.

    Nachteil ist eben mal das schnelle Umprogrammieren in PoM, der Lautstärke zum Beispiel oder weil man mal schnell was mit CV probieren möchte, wie es mir auch schon passiert ist. Dann geht erst mal wieder gar nichts. Wer also mal vergessen haben sollte, dass 2 Decoder am Start sind, hat hierbei dann das Nachsehen. Also Augen auf im Schienenverkehr…..

    Die Lok muss dafür immer getrennt werden - Fummel Fummel - und auf ein separates Gleis zum Programmieren genommen / gefahren werden, bzw. der Tender muss halt runter genommen werden.


    KM-1 hat noch keine Lok mit Schlepptender in Spur 0 geliefert. Also abwarten.


    Wie so vieles, ist auch die herstellerseitige Lösung der Schlepptenderkupplung reine Geschmacksache. Dem einen gefällt die eine besser, dem anderen die andere…

    Das beste wird sein, Du kaufst Dir Schlepptenderloks jedes Systems, dann kannst Du ganz trefflich für Dich entscheiden, was Dir am besten zusagt.

    Wer im Grunde so gut wie nie abkuppelt, für den wird sich die Frage kaum stellen. Derjenige, der Loks transportiert oder wechseln will oder oder oder, für den spielt vielleicht auch ein komfortables Kupplungssystem eine Rolle. Und darüberhinaus spielt dann auch noch die Optik des Abstandes und die Verwendung eine Rolle, überwiegend nur (Show) Lok-Leerfahrten, normale Zuglängen, extrem lange Zuglängen und Gefälle, Radien, etc. etc.,


    Ich hoffe, Du kannst damit was anfangen.

    Gruß
    bahnboss :thumbup:^^ :thumbup:

    Edited 4 times, last by bahnboss ().

  • Hallo bahnboss,


    vielen Dank - das war eine sehr ausführliche Stellungnahme mit Ausführungen zu vielen relavanten Punkten - klasse!

    Nun, nur zum Testen werde/möchte ich mir die verschiedenen Systeme nicht zulegen - ein etwas kostspieliges Vergnügen ;).

    Deine Anmerkung zu Lenz bezüglich "zu viel Druck von hinten" kann ich bestätigen. Ich habe die BR 38 als Vorspann eingesetzt und die Zuglok war zu Beginn "schneller" bzw. startete früher, es kam zur Lok-Tender-Trennung. Kein unlösbares Problem, aber irgendwo im Untergrund hätte ich es trotzdem nicht gern erlebt.


    Nochmals danke und viele Grüße

    Günter

  • Moin,

    da unser oberster Bahnboss mich ja namentlich genannt hat, hier mein kurzes Statement:


    Alle 3 von ihm genannten Systeme sind auch im harten Anlagenbetrieb absolut brauchbar, egal ob old fashioned (ältere analoge Loks), System Lenz oder System Voldemort. Im Detail gibt es die schon genannten Vor- und Nachteile, die spielen im Anlagenbetrieb aber auch nur eine zu vernachlässigende Rolle.


    Übrigens hatte ich bisher auch nur bei heftigen Auffahrunfällen ein unbeabsichtigtes Entkuppel der Lenz Loks. Und im Gegensatz zur Lenz-Kupplung an Wagen, die bei sehr langen und schweren Güterzügen (ab etwa 7-8 Metern Zuglänge / ab etwa 20-30 Wagen, je nach Gewicht) in der Steigung und Kurve bei Richtungswechsel (250 cm Radius) die ersten Wagen zum Krebsgang zwingt (was zur Entgleisung führt), trat dieser Effekt an den Lokomotiven auch bei noch höheren Lasten bei mir bisher nicht auf, auch nicht mit Vorspann und Nachschub (3x Lenz 50er) Gleiches gilt für die Kupplungen der Loks nach Mühlheimer System, auch da keinerlei negativen Effekte, auch nicht bei Auffahrunfällen.


    Eckhard

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