Axel Hartig Bausätze, WEG Nr. 22022 und WEG Nr. 25894

  • Diesen Bericht zu den Axel hartig Bausätzen habe ich bereits im Forum der ArGe Apur0 veröffentlicht. Da in diesem Forum auch Modellbahner lesen und schreiben, die die ArGE Seiten nicht besuchen, möchte ich diesen meinen Bericht nicht vorenthalten.


    AHA Bausätze sind bei den 0m und 0e Schmalspurbahnern seit Jahrzehnten eine bekannte Größe. Daß Axel Hartig auch verschiedene Regelspurwagen-Bausätze in seinem Programm hat ist weniger bekannt. Zwei dieser Regelspur-Bausätze sind auch bei mir als Schmalspurbahner auf der Wunschliste gestanden – die G Wagen, gebaut von der Waggonfabrik V.d. Zypen und Charlier, Köln 1901. Axel Hartig hat diese Vorbilder gewählt, da sie bei der Westfälischen Landes Eisenbahn im Einsatz waren. Meine Aufmerksamkeit haben sie aus zweierlei Gründen auf sich gezogen:


    - Erstens
    sind diese Wagen deutlich kleiner, wie die üblichen G 10, G 20 Wagen von Lenz. Sie haben die Abmessungen der Länderbahnwagen mit 3,5 m Radstand und 7,70 bzw. 8,05 m LüP sowie 3,43 m Höhe. Diese Wagenmodelle sehen sehn auf den Rollböcken oder Rollwagen der Schmalspur wesentlich harmonischer aus. Die moderneren G Wagen wirken teilweise sehr groß.


    - Zweitens
    lieferte die Waggonfabrik nachweislich zwei G Wagen an die Württembergische Eisenbahn Gesellschaft (WEG). Da eine der WEG Nebenbahnstecken in meiner Heimatstadt Vaihingen a.d. Enz über viele Jahrzehnte in Betrieb war und ich diese von klein auf erlebte, waren die Wagen für mich ein „Muß“.


    Leider sind von den WEG Wagen keine Originalfotos überliefert und ich weiß auch nicht, ob sie tatsächlich auf meiner Hausstrecke zum Einsatz kamen oder auf einer andern Strecke eingesetzt wurden. Genau dies lässt dem kreativen Modellbahner die Möglichkeit offen, sich die Geschichte etwas zurecht zu biegen.


    In der Folge möchte ich meine beiden G Wagen der WEG beschreiben; zum einen den G Wagen ohne Bremse und dann den G Wagen mit Bremserhaus. Ich werde keine Bau begleitende Beschreibung liefern, da sie für mich zu zeitaufwändig ist. Ich werde hier die fertigen Modell mit Fotos zeigen und auf die Besonderheiten der AHA Bausätze und meine speziellen Änderungen eingehen. Wer grundsätzlich Gefallen an diesen Bausätzen findet, der sollte sich beeilen. Axel Hartig baut angesichts seiner Lebensjahre seine Bausatz-Bestände ab und will sich langsam aus dem Kleinseriengeschäft zurück zieht.


    Zu den AHA-Bausätzen:
    Sowohl die Schmalspur, wie die Regelspur Bausätze sindMessing-Komplettbausätze. Die Blechteile sind geätzt bzw. gefräst, das Dach ist bereits gebogen. Dazu sind sämtliche Profile für den Unterboden und die Seitenwände in entsprechender Anzahl und fertiger Länge enthalten. Die Winkel und U-Profile für die Wände haben gedrückte Niete. Es gibt die Messinggußteile für die Radlager, Blattfedern mit Böcken und zur Komplettierung der Wände. Den Regelspurwagen liegen Federpuffer, Originalkupplungen und Speichenräder (o-scale) bei. Eine einfache Bauanleitung mit Plan rundet das Angebot ab. Eine Beschriftung wird nicht mitgeliefert. Ebenso ist die komplette Nachbildung des Unterbodens und der Bremsanlage bei AHA nicht vorgesehen.


    Änderungen/Ergänzungen bei meinen Modellen:
    - Ich verwende grundsätzlich zwei Bodenplatten. Die eine wird in die Seitenwände eingelötet und nach der Lackierung mit Furnierstreifen belegt.
    - Auf der zweiten Bodenplatte wird das komplette Fahrgestell mit Pufferbohlen und Bremsanlage aufgebaut und später mit dem Wagenkasten verschraubt. So können die Baugruppen separat lackiert werden. - Ich versuche, soweit möglich, am Unterboden alle Zwischenträger nachzubilden.
    Ebenfalls wird, sofern beim Vorbild vorhanden, die gesamte Bremsanlage mit dem Gestängen nachgebildet

    - AHA sieht bei seiner Konstruktion eine Dreipunktlagerung der Wagen vor. Ich verzichte darauf und löte die Radlagerbleche und Federn direkt an die
    Langträger. Die Federpakete bekommen zuvor eine Bohrung, damit eine kleine Druckfeder eingesetzt werden kann. Die Radlager stützen sich gegen die Feder ab und können sich in den Radlagerblechen bewegen. Zur Sicherung gegen herausfallen der Radlager wird unten quer ein Haltebügel eingesteckt. Somit habe ich gefederte Wagen.

    - Das Dach wird bei mir nur geklemmt. Dazu werden an den Enden Blechsegmente in das Dach eingelötet, die gegen die Stirnwände klemmen. Falls das Dach zu locker sitzt, wird durch die Stirnseiten und die Blechsegmente eine 0,5 mm Bohrung gesetzt und bei der Endmontage ein Microniet eingesetzt.
    - Die Türen werden bei mir nicht aufgelötet, sondern beweglich ausgeführt. Als untere Laufschiene verwende ich 1,5 x1,5 mm U-Profil. An die Türen wird oben ein Ms-Röhrchen 0,9 x 1,3 mm angelötet, durch das der 0,8 mm Draht der oberen Aufhängung geführt wird.
    - Die Wagen bekommen eine komplette Lackierung innen und außen, werden in Epoche II beschriftet und insgesamt mit einem Seidenmattlack endlackiert. Ich verwende für den kompletten Farbaufbau Nitro-Lacke.


    So, nun genug geschrieben, jetzt kommen Fotos:


    Ich beginne mit dem WEG Nr. 22022 und möchte zuerst ein paar Bilder einstellen, die den Wagen vor der Lackierung zeigen.


    Blick von oben in das Wagen Innere. Gut zu erkennen ist der eingelötete Innenboden. Nach der Lackierung wird dieser mit Echtholz belegt. Die bewegliche Türe mit dem unteren U-Profil und dem an der Türe angelöteten Röhrchen ist geöffnet.



    Das Dach von Innen gesehen. Der rings umlaufende Streifen dient dazu, daß die Dachkante dicker ist, wie nur mit dem einen gebogenen Blech. Die beiden Segmente sind die Klemmbleche, die das Dach im Gehäuse halten. Die kleinen Rechteckprofile parallel zu den langen Kante dienen dazu, dass die Wagenwände beim fertig montierten Wagen nicht eingedrückt werden, wenn der Wagen seitlich angefasst wird.



    Die „volle Breitseite“. Das Fenster der geöffneten Tür ist mit einem feinen Gitter hinterlegt. Der Führungsdraht der Türe ist leicht nach oben gebogen, dies habe ich beim Fotografieren nicht gemerkt. Die Türe ist nicht korrekt eingesetzt.



    Die nächsten beiden Bilder zeigen den Wagen in der Schrägansicht. Die Türe und der Führungsdraht sind jetzt gerichtet. Wenn man genau hin sieht ist zu erkennen, dass der Wagen leicht eingefedert ist und die Radlager leicht über den Halteblechen schweben.




    Die Stirnseite mit den Trittstufen und den Handläufen



    Zuletzt noch ein Blick von oben auf das Dach. Dieses ist zwischenzeitlich mit einem in der Dicke halbierten Tempo-Taschentuch (nur das echte!) mittels Weißleim-Dispersionsfarbe-Pril-Wasser-Gemisch bespannt. Die feine Struktur ist auf dem Foto nur leicht zu erkennen.



    Falls Fragen zum einen oder anderen Detail oder zu meiner Bauweise bestehen, wir können sie hier im Forum behandeln. Dies war der erste Bericht. In der nächsten Folge werde ich den fertig lackierten und beschrifteten Wagen zeigen und etwas zur Beschriftung sagen.


    aus Vaihingen/Enz
    Armin.

  • Im zweiten Bericht geht es weiter mit dem lackierten Modell des WEG G-Wagens Nr. 22022. Zunächst zwei Fotos mit der Seitenansicht. Im Vergleich ist gut zu erkennen, daß sich die Türen öffnen lassen. Um für die Fotos die Räder Vorbild gerecht auf Schienen zu stellen, habe ich ein Stück Gleis mit Kesselbauer Schwellen verwendet. Diese kann man zwar längst nicht mehr kaufen, sind als Abwechslung zu den Lenz Schienen aber immer noch gut anzusehen.




    Auf den beiden nächsten Fotos ist der Wagen WEG Nr. 22022 in der Schrägansicht zu sehen. Die für die Länderbahn typischen Tritte als Aufstieg zu den Schlußscheibenhaltern und die über das Dach hinaus ragenden gebogenen Griffstangen geben dem Wagen ein markantes Aussehen. Beiden Fotos von der Seite des Wagens fällt auf, daß an den Langträgern die Niete der Radlagerbleche fehlen. Diese sind bei Axel Hartig nicht vorgegeben. Ichhabe dieses Detail erst richtig gemerkt, als es schon zu spät und das Fahrgestell bereits gelötet war. Beim zweiten Wagen habe ich diese Niete dann nachgebildet




    Dieses Foto habe ich ausgewählt, da man durch die offeneTüre einen schönen Blich auf den Innenboden des Wagens bekommt. Die Böden der G-Wagen werden von mir immer mit Nußbaum Furnierstreifen aus dem Schiffsmodellbau belegt, ebenso die Trittstufen, wenn es beim Vorbild Holztritte sind.



    Nun ein paar Erklärungen zur Beschriftung. Ich bin in der glücklichen Lage und kann mir meine Beschriftungen selbst anfertigen. Dadurch
    kann ich alle meine Modelle in die richtige Epoche versetzen und auch ein wenig auf die Beheimatung der Fahrzeuge Einfluß nehmen. Wie schon im ersten Teil meines Berichte dargestellt, war der Wagen bei der Württembergischen Eisenbahn Gesellschaft auf der Strecke Vaihingen/Enz-Reichsbahnhof (damals) und Enzweihingen im Einsatz. In der damaligen Oberamtsstadt Vaihingen/Enz gab es einige Gewerbebetriebe, unter anderem mehrere Hautleim-Fabriken. Eine dieser Fabriken ist die von Fritz Häcker die Firma (gibt es heute noch). Ich habe die Anschrift des Adressaten auf dem Schriftfeld entsprechend der damals gebräuchlichen Handschrift in Sütterlin erstellt. Zum Vorbild für die Beschriftung des Wagens habe ich einen Plan genommen, der mir in Kopie vorliegt. Auf diesem Plan (datiert Rastatt Juli 1910) sind die "Anschriften an bedeckten Güterwagen der Reihe Gm" exakt mit allen Angaben und Schriftgrößen angegeben. Was ich weg gelassen habe sind die Angaben zum Fassungsvermögen bei Militärtransporten von Männern und Pferden.




    Nicht spektakulär, aber ich möchte es trotzdem zeigen - der Unterboden des Wagens Nr.22022. Da dies ein ungebremster Wagen ist, ist der Unterboden auch ziemlich leer. Im Bausatz sind jetzt die Teile für die Dreipunktlagerung enthalten, die ich nicht verwendet habe. Statt dessen habe ich die Zwischen- und Querträger nachgebildet. Gut zu erkennen sind auch die vier schrauben, mit denen das komplette Fahrgestell mit demWagenkasten verschraubt wird.



    Zum Schluß noch ein Foto, das eigentlich der Grund für denKauf und Bau der beiden Wagen war. Der Regelspur G-Wagen auf einem Rollwagen der Mittelbadischen Eisenbahn Gesellschaft. Wie schon erwähnt, bin ich eigentlich Schmalspurbahner. Da Rollböcke und Rollwagen die Verbindung zur
    Regelspur darstellen, müssen auch Regelspurwagen angeschafft werden. Das Foto läßt schon deutlich das harmonische Verhältnis von Rollwagen und Regelspurwagen erkennen. Ein G10 Wagen wäre ca. 30% größer und würde auf beiden Seiten weit über den Rollwagen hinaus stehen.



    So, das war es für heute. Wem meine Berichte gefallen, der soll bitte dabei bleiben und weiter lesen. Der nächste Teil kommt in Kürze und wird sich mit dem WEG Wagen Nr. 25894 befassen.


    Grüße aus Vaihingen an der Enz
    Armin.

  • Im dritten Teil meines Berichts möchte ich den Axel Hartig Bausatz des gebremsten G Wages zeigen und wie ich ihn zu meinem WEG Nr. 25894 gemacht habe. Der Bausatzentspricht im Wesentlichen dem Bausatz des ungebremsten Wagens. Zusätzlich enthalten ist das Bremserhaus mit Aufstieg sowie die Hängeeisen mit Bremsdreiecken. Genau hier habe ich auch die größten Anpassungen und Abänderungen vorgenommen. Die Fotos sind aus der Bauphase, als der Wagen fix und fertig gelötet und grundiert war. Ich finde, dass mit der hellgrauen, matten Grundierung Wagendetails am Besten fotografiert werden können. Bei einem schwarzen Fahrgestell ist einfach fast nichts mehr zu erkennen, da helfen auch die ganzen Funzeln nicht richtig weiter.

    Beginnen wir mit dem Fahrgestell. Die beiden Fotos mit den etwas unterschiedlichen Perspektiven zeigen die Nachgestaltung des Fahrzeugbodens und der Bremsanlage. Wie im ersten Beitrag beschrieben ist das Fahrgestell auf einer separaten Bodenplatte aufgebaut und wird später unter den Wagenkasten geschraubt. An dem einen Foto ist auch zu erkennen, dass ich in die Langträger im Bereich der Achslagerbleche die Niete eingedrückt habe. Die Nachbildung der Bremsgestänge hat eine beträchtliche Zeit in Anspruch genommen. Ich habe die mit gelieferten Hängeeisen und Bremsdreiecke auseinander gesägt, da die Gußteile seitenverkehrt waren. Dann habe ich nach Vorbildfotos eines
    vergleichbaren Wagens bei einer Museumsbahn die einzelnen Hebel und Stangen angefertigt und in das Modell eingebaut. Ob jetzt alles 150 prozentig richtig ist weiß ich nicht, ist mir eigentlich auch egal – es sieht einfach gut aus.






    Mit den beiden nächsten Fotos möchte ich auf die Änderungen bei den Türen eingehen. AHA macht grundsätzlich bei seinen Bausätzen keine beweglichen Türen – also ist Umbau angesagt. Die Türöffnungen werden entsprechen ausgesägt und gefeilt. Die Beweglichkeit geht dann zu Lasten der Vorbild gerechten Laufschiene. Wie bereits im obigen Beitrag erwähnt baue ich als untere Laufschiene ein U-Profil 1,5 x 1,5 mm ein. An den Türen werden kleine Zapfen angelötet, die in den U-Profilen geführt werden. An den Türen oben wird durchgängig ein Röhrchen 0,9 x 1,3 mm angelötet. Durch dieses wird später der 0,8 mm Draht geführt. Es wäre auch möglich nur zwei kurze Rohrstücke an zu löten, die genaue Justierung wäre aber wesentlich schwieriger. Auf der Rückseite der Türe ist das feine Kupfer-Gitter zu erkennen, das aufgelötet ist.





    Die beiden nächsten Bilder zeigen das Bremserhaus und den Aufstieg. Auch hier habe ich einige Änderungen vorgenommen. Einem nicht so erfahrenen Modellbauer wird in der sehr kurz gefassten Bauanleitung an dieser Stelle sicher etwas fehlen. Man merkt deutlich, dass die Ätzplatinen des Bremserhauses und des Aufstiegs von AHA zugekauft sind, sie sind nicht speziell für diesen Wagen konstruiert. Sie stammen vermutlich von einem wesentlich höheren G 10 Wagenbausatz. Ich ging wieder nach dem bewährten Rezept vor, alle
    Bauteile so zu bauen und zu verlöten, dass ich bei der Lackierung so wenig wie möglich abkleben muß und beim Zusammenbau keinen Sekundenkleber benötige, löten geht sowieso nicht mehr. Also wurde an die Stirnwand ein aus Blech gebogenes U-Profil gelötet, auf das das BrH aufgesteckt wird. Das BrH bekam in die Ecken der Rückwand zwei 1 mm Drähte als Dübel eingelötet. Im Dach wurden entsprechen zwei Bohrungen eingebracht. Nun kann zur Montage das BrH an der Rückwand etwas höher angesetzt werden und wird dann nach unten gedrückt- fertig, keinen Klebstoff, alles Klemmt und hält. Da die geätzten Seitenwangen der Aufstiege viel zu lang waren, wurden aus 1,5 x 1,5 mmWinkelprofil die Joche gebogen und mit den Trittstufen und einem Deckblech verlötet. In dieses Deckblech sind zwei M 1,4 Schrauben eingelötet. Nun kann nach der Lackierung der Aufstieg mit dem BrH verschraubt und als Einheit auf den Wagenkasten aufgesteckt werden. Es hört sich alles komplizierter an, wie es beim bauen ist.






    Die gegenüber liegende Stirnwand ist bekannt, sie ist wie beim ungebremsten Wagen ausgeführt.



    Die beiden letzten Bilder zeigen nochmals die Seitenwand. Hierzu gibt es keine Anmerkungen außer, dass sie ohne Farbe und Beschriftung doch sehr langweilig ist.





    Damit ist der dritte Bericht am Ende. Der Wagen ist zwischenzeitlich fertig lackiert und beschriftet. Ich muß ihn nur noch zusammen bauen und fotografieren. Sobald ich beim Besuch-Stress über die Feuertage weitere Zeit finde, werde ich den vierten und letzten Teil meines Berichts schreiben. Ich hoffe Ihr bleibt dabei und werdet auch diesen noch lesen.

    Grüße aus Vaihingen an der Enz
    Armin.

  • Armin,


    My apologies for writing in English on this forum, but do you know the withdrawal dates of the prototype wagons? I enjoy building kits, but my German modelling is Epoche 111b, about 1960.


    I don't have a problem translating from German; many thanks, Bill

  • Im vierten und letzten Teil meines Berichts möchte ich den fertigen G Wagen WEG Nr. 25894 zeigen und ein kleines Fazit ziehen. Entschuldigt bitte, wenn ich ein paar Bilder mehr einstelle, ich konnte mich bei der Auswahl einfach nicht entscheiden, sie waren einfach alle schön.


    Auf die Eigenheiten und Änderungen des Bausatzes habe ich im dritten Bericht schon hingewiesen. So habe ich von meiner Dachbespannung berichtet, diese aber im Bild noch nicht richtig gezeigt. Das folgende Foto zeigt einen Ausschnitt vom Dach des WEG Nr. 25894. Die Struktur ist wunderbar zu erkennen, sie ist leinenartige und kommt meines Erachtens ziemlich nahe an die Struktur von Stoffbespannungen bei Eisenbahnwagen heran. Die Dachränder wurden beim Lackieren leicht mit schwarz/braun abgenebelt, dies ist auf dem Foto leider nur schwach zu erkennen.



    Vielleicht ist dem Einen oder Andern aufgefallen, dass meine Fahrzeuge nicht gealtert oder wie man heute sagt patiniert sind. Ich habe mich für meine Fahrzeugsammlung festgelegt und altere grundsätzlich nicht. Dies ist keine Weltanschauung, sondern Prinzip.


    Als nächstes zeige ich die Stirnseite mit dem Bremserhaus und den Aufstiegen. Damit ist der wesentliche Unterschied am Wagenkasten im Vergleich zum ungebremsten Wagen auch schon dargestellt. Im dritten Bericht hatte ich darüber geschrieben, dass diese Teile des Bausatzes vermutlich von einem G 10 o.ä. Wagen stammen. Wenn man die Fenstereinteilung und die Dachform betrachtet, kommt schnell auch die Assoziation zu einem bayrischen Länderbahnwagen auf. Nun gut, man soll im Leben nicht zu viel nachdenken und sich nicht mit Kleinigkeiten aufhalten. Der Gesamteindruck stimmt.



    Wie angedroht mache ich jetzt einen fotographischen Rundgang um den Wagen. Ich habe alles soweit schon beschrieben, dass Ihr die Fotos einfach auf Euch wirken lassen könnt.











    Am Ende der Wagendokumentation möchte ich nochmal auf die Beschriftung eingehen. Die gewählten Wagennummern der beiden Wagen entsprechen
    den Nummern, die im Verzeichnis der WEG den Privatwagen der Station Vaihingen zugeordnet waren. Wie schon beschrienen, erfolgte die Systematik und Anordnung der Beschriftung nach einem Originalplan der WEG. Einzig die Anschriften auf den Anschriftfeldern sind frei erfunden. Für den Wagen Nr. 25894 habe ich einen Rückgriff auf meine Postkartensammlung von Vaihingen/Enz gemacht. Ich besitze eine Karte der Landprodukten-Handlung August Glück. Sie stammt aus den 20. Jahren des letzten Jahrhunderts. Da dies auch zur gewählten Epoche meines Wagens passt und damals die Bahn den Transport durch das Land beherrschte, liegt es nahe, dass auch August Glück mit seinem Salzlager und seinen Sämereien per Bahn bedient wurde.




    Fazit
    Ich bereue es nicht die beiden Regelspurwagen Bausätze von Axel Hartig gekauft zu haben. Wie die Schmalspurwagen von AHA sind auch die Bausätze der Regelspurwagen „fast“ Komplettbausätze für Jedermann mit einem stimmigen Preis / Leistungsverhältnis – es fehlen nur die Beschriftung. Der fortgeschrittene Modellbauer wird immer Ecken und Kanten finden, die er nach seiner Fasson ändern und anpassen wird. Dies macht dann den Charme eines individuell gestalteten Kleinserienmodells aus. Zum Schluß ein Foto meines doppelten Lottchens der WEG.



    Was noch bleibt, ist der Dank an alle, die bis zum Schluß durchgehalten haben. Ich hoffe, dass die Berichte interessant waren und keine Langeweile auf kam.


    Grüße aus Vaihingen an der Enz
    Armin-Hagen Berberich.

  • Hallo Armin,
    vielen Dank für die tollen Bauberichte. Mir hat das wieder eine Idee gebracht, wie ich meiner privaten Privatbahn zu einem gedeckten Stückgutkurswagen verhelfen kann!
    Vielen Dank und mit Neugier deinen nächsten Baubericht erwartend,
    viele Grüsse aus dem Schwarzwald,
    Dieter

  • Hallo Armin,
    danke für den tollen Baubericht!
    Ich kenne AHA-Bausätze, welche sich dank einfacher und passender Konstruktion gut montieren lassen.
    Ein Nomalspurwagen "harrt" noch dem Bau, dein Bericht ist gleichermaßen Motivation und Anleitung anzufangen...
    Grüße,
    Joachim

  • Hallo Armin,


    Ich hoffe, dass die Berichte interessant waren und keine Langeweile auf kam.


    Ganz im Gegenteil, ein besonderen Dank für den tollen aussagefähigen Baubericht!


    Ich kannte AHA-Bausätze bisher nur vom Papier. Wie ich sehe, können hier mit etwas einfacherer Ausstatung und mit weniger Einzelteilen, bei sauberer Verarbeitung mit gutem Lack und Beschriftungs Finish glaubhafte Fahrzeuge entstehen!
    Für den Fahrzeugbau eine gute Einstigsbasis und wenn die Bauanleitung auch Unterstützung bietet, zu der Du vielleicht noch etwas sagen könntest, ist so ein AHA-Bausatz noch eine wirkliche Alternative für meine Kleinbahn. Besonders kurze Fahrzeuge sind hier immer gesucht. Das diese dann in einer anderen Zeit als die heutige zu finden ist, bringt diese Epoche eben mit sich und macht die Spur Null damit für mich, bei wenig Platz überhaupt erst möglich...


    Eine weitere Frage habe ich zu Deinem Gleis auf dem der Wagen abgelichtet ist. Dieses Schwellenrost habe ich noch nicht gesehen, hier fallen besonders die feinen Sicherungsbänder an den Holzschwellen auf. Welcher Hersteller ist dies, mit welcher Gleisprofilhöhe und wo vielleicht noch zu beziehen?


    Mit Gruß, Thorsten

  • Thorsten, gerne gebe ich die gewünschten Informationen.


    Die Bauanleitungen bei Axel Hartig sind sehr dünn und relativ standardisiert. Er beschreibt kuz die einzelnen Schritte, geht dabei aber nicht auf spezielle Eigenheiten ein. Tipps und Anregungen zum Löten, allgemeinen allgemeine Modellbauhinweise, Variationsmöglichkeiten des Modells oder Informationen zum Vorbild gibt es nicht. Jeder Bauanleitung sind Zeichnungen des Modell beigefügt. Ich benötige die Bauanleitung nicht, da ich mit Verlaub die Routine habe und so viele Bausätze schon gelötet habe, daß ich keine benötige.
    Ich baue meine Bausätze grundsätzlich erst dann zusammen, wenn ich weitere Informationen zum Vorbild aus Büchern, vergleichbare Vorbilder gesehen oder Fotos vom Original gemacht habe.
    Wenn Du mit "Einstigsbasis" meinst, daß Du zum ersten mal einen Messingbausatz löten willst, dann wird es etwas eng. Anpassungsarbeiten an den Bausatzteilen und Ergänzungen sind ggf. erforderlich und man sollte schon Grundkenntnisse von der Löttechnik haben. Axel Hartig liefert keine gefrästen Schablonen und Hilfsteile wie z.B. Paul Petau. Messing-Bausätze sind etwas ganz anderes, wie Plastikmodelle zusammen bauen. Dies soll aber nicht abschrecken - Modelle löten macht einfach irre Spaß.


    Zu den Schwellen: Sie sind mindestens 30 Jahre alt und stammen von Karlheinz Kesselbauer. Er hatte damals eine Kleinserienproduktion von Messing Spur 0 Modellen und eben die Schwellenroste. Später hat er Kunststoffmodelle für die Spur 1 produziert. Sein Sohn macht heute auf Modellautos und hat so ein Pater Noster System für Modellzüge. Meines Wissens werden die Schwellenroste schon lange nicht mehr produziert, man bekommt sie auch nirgends angeboten, ich habe sie in der Bucht noch nie gesehen.
    Ein Element besteht aus 3 Schwellen. Die Schienenprofile sind 3,5 mm hoch, der Schienenfuß ist 3 mm breit.


    Sonntagsgrüße aus VAI
    Armin.

  • Unser Forumskollege Koefschrauber hat nachgefragt, ob die Fotos der Bauberichte von 2013 noch vorhanden sind. Ich habe mir die Zeit genommen in die vier einzelnen Berichte die Fotos neu einzufügen.


    Erster Teil


    AHA Bausätze sind bei den 0m und 0e Schmalspurbahnern seit Jahrzehnten eine bekannte Größe. Daß Axel Hartig auch verschiedene Regelspurwagen-Bausätze in seinem Programm hat ist weniger bekannt. Zwei dieser Regelspur-Bausätze sind auch bei mir als Schmalspurbahner auf der Wunschliste gestanden – die G Wagen, gebaut von der Waggonfabrik V.d. Zypen und Charlier, Köln 1901. Axel Hartig hat diese Vorbilder gewählt, da sie bei der Westfälischen Landes Eisenbahn im Einsatz waren. Meine Aufmerksamkeit haben sie aus zweierlei Gründen auf sich gezogen:


    - Erstens sind diese Wagen deutlich kleiner, wie die üblichen G 10, G 20 Wagen von Lenz. Sie haben die Abmessungen der Länderbahnwagen mit 3,5 m Radstand und 7,70 bzw. 8,05 m LüP sowie 3,43 m Höhe. Diese Wagenmodelle sehen sehn auf den Rollböcken oder Rollwagen der Schmalspur wesentlich harmonischer aus. Die moderneren G Wagen wirken teilweise sehr groß.


    - Zweitens lieferte die Waggonfabrik nachweislich zwei G Wagen an die Württembergische Eisenbahn Gesellschaft (WEG). Da eine der WEG Nebenbahnstecken in meiner Heimatstadt Vaihingen a.d. Enz über viele Jahrzehnte in Betrieb war und ich diese von klein auf erlebte, waren die Wagen für mich ein „Muß“.


    Leider sind von den WEG Wagen keine Originalfotos überliefert und ich weiß auch nicht, ob sie tatsächlich auf meiner Hausstrecke zum Einsatz kamen oder auf einer andern Strecke eingesetzt wurden. Genau dies lässt dem kreativen Modellbahner die Möglichkeit offen, sich die Geschichte etwas zurecht zu biegen.


    In der Folge möchte ich meine beiden G Wagen der WEG beschreiben; zum einen den G Wagen ohne Bremse und dann den G Wagen mit Bremserhaus. Ich werde keine Bau begleitende Beschreibung liefern, da sie für mich zu zeitaufwändig ist. Ich werde hier die fertigen Modell mit Fotos zeigen und auf die Besonderheiten der AHA Bausätze und meine speziellen Änderungen eingehen. Wer grundsätzlich Gefallen an diesen Bausätzen findet, der sollte sich beeilen. Axel Hartig baut angesichts seiner Lebensjahre seine Bausatz-Bestände ab und will sich langsam aus dem Kleinseriengeschäft zurück zieht.


    Zu den AHA-Bausätzen:


    Sowohl die Schmalspur, wie die Regelspur Bausätze sind Messing-Komplettbausätze. Die Blechteile sind geätzt bzw. gefräst, das Dach ist bereits gebogen. Dazu sind sämtliche Profile für den Unterboden und die Seitenwände in entsprechender Anzahl und fertiger Länge enthalten. Die Winkel und U-Profile für die Wände haben gedrückte Niete. Es gibt die Messinggußteile für die Radlager, Blattfedern mit Böcken und zur Komplettierung der Wände. Den Regelspurwagen liegen Federpuffer, Originalkupplungen und Speichenräder (o-scale) bei. Eine einfache Bauanleitung mit Plan rundet das Angebot ab. Eine Beschriftung wird nicht mitgeliefert. Ebenso ist die komplette Nachbildung des Unterbodens und der Bremsanlage bei AHA nicht vorgesehen.


    Änderungen/Ergänzungen bei meinen Modellen:

    - Ich verwende grundsätzlich zwei Bodenplatten. Die eine wird in die Seitenwände eingelötet und nach der Lackierung mit Furnierstreifen belegt.

    - Auf der zweiten Bodenplatte wird das komplette Fahrgestell mit Pufferbohlen und Bremsanlage aufgebaut und später mit dem Wagenkasten verschraubt. So können die Baugruppen separat lackiert werden.

    - Ich versuche, soweit möglich, am Unterboden alle Zwischenträger nachzubilden. Ebenfalls wird, sofern beim Vorbild vorhanden, die gesamte Bremsanlage mit dem Gestängen nachgebildet

    - AHA sieht bei seiner Konstruktion eine Dreipunktlagerung der Wagen vor. Ich verzichte darauf und löte die Radlagerbleche und Federn direkt an die Langträger. Die Federpakete bekommen zuvor eine Bohrung, damit eine kleine Druckfeder eingesetzt werden kann. Die Radlager stützen sich gegen die Feder ab und können sich in den Radlagerblechen bewegen. Zur Sicherung gegen herausfallen der Radlager wird unten quer ein Haltebügel eingesteckt. Somit habe ich gefederte Wagen.

    - Das Dach wird bei mir nur geklemmt. Dazu werden an den Enden Blechsegmente in das Dach eingelötet, die gegen die Stirnwände klemmen. Falls Das Dach zu locker sitzt, wird durch die Stirnseiten und die Blechsegmente eine 0,5 mm Bohrung gesetzt und bei der Endmontage ein Microniet eingesetzt.

    - Die Türen werden bei mir nicht aufgelötet, sondern beweglich ausgeführt. Als untere Laufschiene verwende ich 1,5 x1,5 mm U-Profil. An die Türen wird oben ein Ms-Röhrchen 0,9 x 1,3 mm angelötet, durch das der 0,8 mm Draht der oberen Aufhängung geführt wird.

    - Die Wagen bekommen eine komplette Lackierung innen und außen, werden in Epoche II beschriftet und insgesamt mit einem Seidenmattlack endlackiert. Ich verwende für den kompletten Farbaufbau Nitro-Lacke.


    So, nun genug geschrieben, jetzt kommen Fotos:


    Ich beginne mit dem WEG Nr. 22022 und möchte zuerst ein paar Bilder einstellen, die den Wagen vor der Lackierung zeigen.


    Blick von oben in das Wagen Innere. Gut zu erkennen ist der eingelötete Innenboden. Nach der Lackierung wird dieser mit Echtholz belegt. Die bewegliche Türe mit dem unteren U-Profil und dem an der Türe angelöteten Röhrchen ist geöffnet.


    WEG%2022022-1.jpg

    Das Dach von Innen gesehen. Der rings umlaufende Streifen dient dazu, daß die Dachkante dicker ist, wie nur mit dem einen gebogenen Blech. Die beiden Segmente sind die Klemmbleche, die das Dach im Gehäuse halten. Die kleinen Rechteckprofile parallel zu den langen Kante dienen dazu, dass die Wagenwände beim fertig montierten Wagen nicht eingedrückt werden, wenn der Wagen seitlich angefasst wird.


    WEG%2022022-2.jpg



    Die „volle Breitseite“. Das Fenster der geöffneten Tür ist mit einem feinen Gitter hinterlegt. Der Führungsdraht der Türe ist leicht nach oben gebogen, dies habe ich beim Fotografieren nicht gemerkt. Die Türe ist nicht korrekt eingesetzt.


    WEG%2022022-3.jpg


    Die nächsten beiden Bilder zeigen den Wagen in der Schrägansicht. Die Türe und der Führungsdraht sind jetzt gerichtet. Wenn man genau hinsieht ist zu erkennen, dass der Wagen leicht eingefedert ist und die Radlager leicht über den Halteblechen schweben.


    WEG%2022022-6.jpg


    WEG%2022022-4.jpg


    Die Stirnseite mit den Trittstufen und den Handläufen


    WEG%2022022-5.jpg


    Zuletzt noch ein Blick von oben auf das Dach. Dieses ist zwischenzeitlich mit einem in der Dicke halbierten Tempo-Taschentuch (nur das echte!) mittels Weißleim-Dispersionsfarbe-Pril-Wasser-Gemisch bespannt. Die feine Struktur ist auf dem Foto nur leicht zu erkennen.


    WEG%2022022-7.jpg


    Falls Fragen zum einen oder anderen Detail oder zu meiner Bauweise bestehen, wir können sie hier im Forum behandeln. Dies war der erste Bericht. In der nächsten Folge werde ich den fertig lackierten und beschrifteten Wagen zeigen und etwas zur Beschriftung sagen.



    Grüße aus VAI

    Armin.

  • Zweiter Teil



    Im zweiten Bericht geht es weiter mit dem lackierten Modell des WEG G-Wagens Nr. 22022. Zunächst zwei Fotos mit der Seitenansicht. Im Vergleich ist gut zu erkennen, daß sich die Türen öffnen lassen. Um für die Fotos die Räder Vorbild gerecht auf Schienen zu stellen, habe ich ein Stück Gleis mit Kesselbauer Schwellen verwendet. Diese kann man zwar längst nicht mehr kaufen, sind als Abwechslung zu den Lenz Schienen aber immer noch gut anzusehen.


    WEG%2022022-8.jpg


    WEG%2022022-9.jpg



    Auf den beiden nächsten Fotos ist der Wagen WEG Nr. 22022 in der Schrägansicht zu sehen. Die für die Länderbahn typischen Tritte als Aufstieg zu den Schlußscheibenhaltern und die über das Dach hinaus ragenden gebogenen Griffstangen geben dem Wagen ein markantes Aussehen. Beiden Fotos von der Seite des Wagens fällt auf, daß an den Langträgern die Niete der Radlagerbleche fehlen. Diese sind bei Axel Hartig nicht vorgegeben. Ich habe dieses Detail erst richtig gemerkt, als es schon zu spät und das Fahrgestell bereits gelötet war. Beim zweiten Wagen habe ich diese Niete dann nachgebildet



    WEG%2022022-10.jpg



    WEG%2022022-15.jpg



    Dieses Foto habe ich ausgewählt, da man durch die offene Türe einen schönen Blich auf den Innenboden des Wagens bekommt. Die Böden der G-Wagen werden von mir immer mit Nußbaum Furnierstreifen aus dem Schiffsmodellbau belegt, ebenso die Trittstufen, wenn es beim Vorbild Holztritte sind.



    WEG%2022022-16.jpg



    Nun ein paar Erklärungen zur Beschriftung. Ich bin in der glücklichen Lage und kann mir meine Beschriftungen selbst anfertigen. Dadurch kann ich alle meine Modelle in die richtige Epoche versetzen und auch ein wenig auf die Beheimatung der Fahrzeuge Einfluß nehmen. Wie schon im ersten Teil meines Berichte dargestellt, war der Wagen bei der Württembergischen Eisenbahn Gesellschaft auf der Strecke Vaihingen/Enz-Reichsbahnhof (damals) und Enzweihingen im Einsatz. In der damaligen Oberamtsstadt Vaihingen/Enz gab es einige Gewerbebetriebe, unter anderem mehrere Hautleim-Fabriken. Eine dieser Fabriken ist die von Fritz Häcker die Firma (gibt es heute noch). Ich habe die Anschrift des Adressaten auf dem Schriftfeld entsprechend der damals gebräuchlichen Handschrift in Sütterlin erstellt. Zum Vorbild für die Beschriftung des Wagens habe ich einen Plan genommen, der mir in Kopie vorliegt. Auf diesem Plan (datiert Rastatt Juli 1910) sind die "Anschriften an bedeckten Güterwagen der Reihe Gm" exakt mit allen Angaben und Schriftgrößen angegeben. Was ich weg gelassen habe sind die Angaben zum Fassungsvermögen bei Militärtransporten von Männern und Pferden.



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    Nicht spektakulär, aber ich möchte es trotzdem zeigen - der Unterboden des Wagens Nr.22022. Da dies ein ungebremster Wagen ist, ist der Unterboden auch ziemlich leer. Im Bausatz sind jetzt die Teile für die Dreipunktlagerung enthalten, die ich nicht verwendet habe. Statt dessen habe ich die Zwischen- und Querträger nachgebildet. Gut zu erkennen sind auch die vier schrauben, mit denen das komplette Fahrgestell mit dem Wagenkasten verschraubt wird.



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    Zum Schluß noch ein Foto, das eigentlich der Grund für den Kauf und Bau der beiden Wagen war. Der Regelspur G-Wagen auf einem Rollwagen der Mittelbadischen Eisenbahn Gesellschaft. Wie schon erwähnt, bin ich eigentlich Schmalspurbahner. Da Rollböcke und Rollwagen die Verbindung zur Regelspur darstellen, müssen auch Regelspurwagen angeschafft werden. Das Foto läßt schon deutlich das harmonische Verhältnis von Rollwagen und Regelspurwagen erkennen. Ein G10 Wagen wäre ca. 30% größer und würde auf beiden Seiten weit über den Rollwagen hinaus stehen.



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    So, das war es für heute. Wem meine Berichte gefallen, der soll bitte dabei bleiben und weiter lesen. Der nächste Teil kommt in Kürze und wird sich mit dem WEG Wagen Nr. 25894 befassen.

  • Dritter Teil


    Im dritten Teil meines Berichts möchte ich den Axel Hartig Bausatz des gebremsten G Wages zeigen und wie ich ihn zu meinem WEG Nr. 25894 gemacht habe. Der Bausatz entspricht im Wesentlichen dem Bausatz des ungebremsten Wagens. Zusätzlich enthalten ist das Bremserhaus mit Aufstieg sowie die Hängeeisen mit Bremsdreiecken. Genau hier habe ich auch die größten Anpassungen und Abänderungen vorgenommen. Die Fotos sind aus der Bauphase, als der Wagen fix und fertig gelötet und grundiert war. Ich finde, dass mit der hellgrauen, matten Grundierung Wagendetails am Besten fotografiert werden können. Bei einem schwarzen Fahrgestell ist einfach fast nichts mehr zu erkennen, da helfen auch die ganzen Funzeln nicht richtig weiter.


    Beginnen wir mit dem Fahrgestell. Die beiden Fotos mit den etwas unterschiedlichen Perspektiven zeigen die Nachgestaltung des Fahrzeugbodens und der Bremsanlage. Wie im ersten Beitrag beschrieben ist das Fahrgestell auf einer separaten Bodenplatte aufgebaut und wird später unter den Wagenkasten geschraubt.


    An dem einen Foto ist auch zu erkennen, dass ich in die Langträger im Bereich der Achslagerbleche die Niete eingedrückt habe. Die Nachbildung der Bremsgestänge hat eine beträchtliche Zeit in Anspruch genommen. Ich habe die mit gelieferten Hängeeisen und Bremsdreiecke auseinander gesägt, da die Gußteile seitenverkehrt waren. Dann habe ich nach Vorbildfotos eines vergleichbaren Wagens bei einer Museumsbahn die einzelnen Hebel und Stangen angefertigt und in das Modell eingebaut. Ob jetzt alles 150 prozentig richtig ist weiß ich nicht, ist mir eigentlich auch egal – es sieht einfach gut aus.


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    Mit den beiden nächsten Fotos möchte ich auf die Änderungen bei den Türen eingehen. AHA macht grundsätzlich bei seinen Bausätzen keine beweglichen Türen – also ist Umbau angesagt. Die Türöffnungen werden entsprechen ausgesägt und gefeilt. Die Beweglichkeit geht dann zu Lasten der Vorbild gerechten Laufschiene. Wie bereits im obigen Beitrag erwähnt baue ich als untere Laufschiene ein U-Profil 1,5 x 1,5 mm ein. An den Türen werden kleine Zapfen angelötet, die in den U-Profilen geführt werden. An den Türen oben wird durchgängig ein Röhrchen 0,9 x 1,3 mm angelötet. Durch dieses wird später der 0,8 mm Draht geführt. Es wäre auch möglich nur zwei kurze Rohrstücke an zu löten, die genaue Justierung wäre aber wesentlich schwieriger. Auf der Rückseite der Türe ist das feine Kupfer-Gitter zu erkennen, das aufgelötet ist.



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    Die beiden nächsten Bilder zeigen das Bremserhaus und den Aufstieg. Auch hier habe ich einige Änderungen vorgenommen. Einem nicht so erfahrenen Modellbauer wird in der sehr kurz gefassten Bauanleitung an dieser Stelle sicher etwas fehlen. Man merkt deutlich, dass die Ätzplatinen des Bremserhauses und des Aufstiegs von AHA zugekauft sind, sie sind nicht speziell für diesen Wagen konstruiert. Sie stammen vermutlich von einem wesentlich höheren G 10 Wagenbausatz. Ich ging wieder nach dem bewährten Rezept vor, alle Bauteile so zu bauen und zu verlöten, dass ich bei der Lackierung so wenig wie möglich abkleben muß und beim Zusammenbau keinen Sekundenkleber benötige, löten geht sowieso nicht mehr. Also wurde an die Stirnwand ein aus Blech gebogenes U-Profil gelötet, auf das das BrH aufgesteckt wird. Das BrH bekam in die Ecken der Rückwand zwei 1 mm Drähte als Dübel eingelötet. Im Dach wurden entsprechen zwei Bohrungen eingebracht. Nun kann zur Montage das BrH an der Rückwand etwas höher angesetzt werden und wird dann nach unten gedrückt- fertig, keinen Klebstoff, alles Klemmt und hält. Da die geätzten Seitenwangen der Aufstiege viel zu lang waren, wurden aus 1,5 x 1,5 mm Winkelprofil die Joche gebogen und mit den Trittstufen und einem Deckblech verlötet. In dieses Deckblech sind zwei M 1,4 Schrauben eingelötet. Nun kann nach der Lackierung der Aufstieg mit dem BrH verschraubt und als Einheit auf den Wagenkasten aufgesteckt werden. Es hört sich alles komplizierter an, wie es beim bauen ist.



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    Die gegenüber liegende Stirnwand ist bekannt, sie ist wie beim ungebremsten Wagen ausgeführt.


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    Die beiden letzten Bilder zeigen nochmals die Seitenwand. Hierzu gibt es keine Anmerkungen außer, dass sie ohne Farbe und Beschriftung doch sehr langweilig ist.


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    Damit ist der dritte Bericht am Ende. Der Wagen ist zwischenzeitlich fertig lackiert und beschriftet. Ich muß ihn nur noch zusammen bauen und fotografieren. Sobald ich beim Besuch-Stress über die Feuertage weitere Zeit finde, werde ich den vierten und letzten Teil meines Berichts schreiben. Ich hoffe Ihr bleibt dabei und werdet auch diesen noch lesen.

  • Vierter Teil


    Im vierten und letzten Teil meines Berichts möchte ich den fertigen G Wagen WEG Nr. 25894 zeigen und ein kleines Fazit ziehen. Entschuldigt bitte, wenn ich ein paar Bilder mehr einstelle, ich konnte mich bei der Auswahl einfach nicht entscheiden, sie waren einfach alle schön.


    Auf die Eigenheiten und Änderungen des Bausatzes habe ich im dritten Bericht schon hingewiesen. So habe ich von meiner Dachbespannung berichtet, diese aber im Bild noch nicht richtig gezeigt. Das folgende Foto zeigt einen Ausschnitt vom Dach des WEG Nr. 25894. Die Struktur ist wunderbar zu erkennen, sie ist leinenartige und kommt meines Erachtens ziemlich nahe an die Struktur von Stoffbespannungen bei Eisenbahnwagen heran. Die Dachränder wurden beim Lackieren leicht mit schwarz/braun abgenebelt, dies ist auf dem Foto leider nur schwach zu erkennen.


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    Vielleicht ist dem Einen oder Andern aufgefallen, dass meine Fahrzeuge nicht gealtert oder wie man heute sagt patiniert sind. Ich habe mich für meine Fahrzeugsammlung festgelegt und altere grundsätzlich nicht. Dies ist keine Weltanschauung, sondern Prinzip.


    Als nächstes zeige ich die Stirnseite mit dem Bremserhaus und den Aufstiegen. Damit ist der wesentliche Unterschied am Wagenkasten im Vergleich zum ungebremsten Wagen auch schon dargestellt. Im dritten Bericht hatte ich darüber geschrieben, dass diese Teile des Bausatzes vermutlich von einem G 10 o.ä. Wagen stammen. Wenn man die Fenstereinteilung und die Dachform betrachtet, kommt schnell auch die Assoziation zu einem bayrischen Länderbahnwagen auf. Nun gut, man soll im Leben nicht zu viel nachdenken und sich nicht mit Kleinigkeiten aufhalten. Der Gesamteindruck stimmt.


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    Wie angedroht mache ich jetzt einen fotographischen Rundgang um den Wagen. Ich habe alles soweit schon beschrieben, dass Ihr die Fotos einfach auf Euch wirken lassen könnt.


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    Am Ende der Wagendokumentation möchte ich nochmal auf die Beschriftung eingehen. Die gewählten Wagennummern der beiden Wagen entsprechen den Nummern, die im Verzeichnis der WEG den Privatwagen der Station Vaihingen zugeordnet waren. Wie schon beschrienen, erfolgte die Systematik und Anordnung der Beschriftung nach einem Originalplan der WEG. Einzig die Anschriften auf den Anschriftfeldern sind frei erfunden. Für den Wagen Nr. 25894 habe ich einen Rückgriff auf meine Postkartensammlung von Vaihingen/Enz gemacht. Ich besitze eine Karte der Landprodukten-Handlung August Glück. Sie stammt aus den 20. Jahren des letzten Jahrhunderts. Da dies auch zur gewählten Epoche meines Wagens passt und damals die Bahn den Transport durch das Land beherrschte, liegt es nahe, dass auch August Glück mit seinem Salzlager und seinen Sämereien per Bahn bedient wurde.



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    Fazit


    Ich bereue es nicht die beiden Regelspurwagen Bausätze von Axel Hartig gekauft zu haben. Wie die Schmalspurwagen von AHA sind auch die Bausätze der Regelspurwagen „fast“ Komplettbausätze für Jedermann mit einem stimmigen Preis / Leistungsverhältnis – es fehlen nur die Beschriftung. Der fortgeschrittene Modellbauer wird immer Ecken und Kanten finden, die er nach seiner Fasson ändern und anpassen wird. Dies macht dann den Charme eines individuell gestalteten Kleinserienmodells aus. Zum Schluß ein Foto meines doppelten Lottchens der WEG.


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    Was noch bleibt, ist der Dank an alle, die bis zum Schluß durchgehalten haben. Ich hoffe, dass die Berichte interessant waren und keine Langeweile aufkam.


    Grüße aus VAI

    Armin.

  • Guten Morgen Armin,


    auch ich bin schwer begeistert. Bei dir klingt das alles so leicht und selbstverständlich mit dem Selberbauen.

    Ich bekomme schon feuchte Hände, wenn ich nur an das Löten denke.

    Aber vielleicht ändert sich das ja in den nächsten Jahren, denn Übung macht den Meister und Bangemachen gilt nicht.

    Bis auf Weiteres bleibt es aber beim Ist-Bestand - und der ist umfangreich genug ;)

    Vielen Dank für die tollen Berichte und Bilder :thumbup: :thumbup: :thumbup:


    Schönen Sonntag und viele Grüße

    Jürgen

  • Hallo Armin,


    ganz herzlichen Dank für das Erneuern der Beiträge dieser Modellbaukunst!


    Nun habe ich mir die Sache direkt mal abgespeichert, damit ich im Fall der Fälle mal loslegen kann.

    Die "Bauteilesätze" sind ja zumindest was die Platinen angeht, wohl wieder am Markt und die Gußteile für die Achlager kann man ja dazu beschaffen.

    Leider habe ich bei der zweiten Runde durch die Halle wieder nur eine lange Schlange vor der Modellbauwerkstatt Halle gehabt und konnte meine Fragen nicht anbringen.


    Beste Grüße aus dem Bergischen


    Michael

    Preiswerte Dienstleistungen im Bereich spurgebundener Flurfördermittel aller Art und feinster Güte.


    www.vauhundert.de - Bergische Eisenbahngeschichte und mehr, wie die Marscheider Industriebahn in Spur 0, einer Stütze des wirtschaftlichen Erfolges in diesem idyllischen Bachtal.

  • Ich habe gerne den Bericht gelesen, denn ich habe noch einen nicht begonnenen AHA Om Bausatz des 4-Achsigen G Wagens , deshalb fand ich schade das ich keine Bilder zum Startthema öffnen konnte!


    Ich selbst habe noch 5 Eurorail Weichen als ungebaute Bausätze Om und 1 lackierfertig gebauten 4- Weinert Personenwagen !

    Dafür suche ich Käufer !

    Sollte sich jemand in Ihrem Umfeld dafür interessieren , so würde mich eine Vermittlung sehr freuen!

  • Hallo Michael,


    dann frag mich doch direkt per Mail oder ruf mal an!

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