Elloks und Oberleitung

  • Für den Außenstehenden ist es nicht leicht, genaue Maße von Fahrleitungsdrähten herauszufinden: Oft wird nur die Querschnittsfläche angegeben, aber da es sich um Rillendrähte handelt, lassen sich daraus keine unmittelbaren Rückschlüsse auf den Durchmesser ziehen.

    Immerhin habe ich was zu den frühen "Elektrisierungen" gefunden. Die SBB verwendeten für Strecken- und Hauptgleise Drähte mit 12,25 mm Durchmesser (0,272 mm in 0) und für Nebengleise solche mit 11 mm (0,245 mm). Bei der Reichsbahn waren es 12 mm für Strecken- und Hauptgleise (0,267) und 10,6 mm für die anderen (0,236 mm). In Österreich verwendete man asymmetrische Drähte 13,2*10 (0,293*0,222) bzw. 10,2*8,5 (0,227*0,189). Ich glaube aber kaum, daß man den Unterschied sieht :)


    Herbert

  • Hallo zusammen,


    zu diesem Thema möchte ich aufgrund der Erfahrungen in unserer nun knapp 40jährigen Vereinsgeschichte auch etwas beitragen.


    1984 haben wir unsere erste Ausstellungsanlage mit 2 x 6m Oberleitung fertiggestellt und haben nach einer Ausstellung die Oberleitung abgerissen und neu aufgebaut. Warum? Nun, wir haben die Oberleitung so gebaut, dass der Schleifbügel der Stromabnehmer nicht am Draht schleifen konnten und die Stromabnehmer in der Höhe beschränkt waren. Das fiel unseren Zuschauer sehr negativ auf, so dass bei den Mitgliedern der Ehrgeiz geweckt wurde und die Oberleitung neu aufgebaut wurde.


    Die Herausforderungen waren:

    - der Fahrdraht sollte in einem vorbildgerechten/NEM-gerechten Zickzack geführt werden

    - Stromabnehmer mussten am Draht geführt werden

    - wegen des Schleifens am Draht musste dieser mechanisch gespannt werden

    - die Oberleitung musste demontierbar sein, da die Ausstellungsanlage modular ausgestaltet war und transportiert werden musste

    - die Strecken verlängerten sich auf 2 x 12m


    Unter diesen Aspekten wurden vier vorhandene kurze Turmmasten von Sommerfeld für die Endabspannung genutzt und die vorhandenen selbstgebauten Fahrleitungsmasten der Erstausrüstung umgebaut bzw. weitere Masten neu gebaut.


    Die Fahrdrähte mussten demontierbar bleiben, deswegen wurde ein System vom halben Maßstab (H0) kopiert und neue Fahrdrahtstücke aus Messing selber gelötet. Ich meine, mich daran zu erinnern, dass die Regelfahrdrahtlänge 75 cm war, da die einzelnen Anlagen-Module 150 cm lang waren und somit die Position der Masten optimiert werden konnte. Doch unsere zweigleisige Strecke verlief auch in einem S-Bogen mit Gleisüberhöhung, so dass im Bereich der Bögen die Fahrdrahtlänge ermittelt und individualisert wurde.


    Über den Modulübergängen wurden die Fahrdrahtstücke aushängbar gestaltet. An den beiden Anlagenenden haben wir Plexiglas-Platten hinter die Turmmasten befestigt (als Gleisabschluss), die in Höhe der Fahrleitung ein Loch erhielten, in die wir eine Schraube mit Öse setzten. In diese Öse wurde der Fahrdraht eingehängt und von außerhalb kam eine Mutter auf die Schraube, mit der wir die mechanische Spannung auf der Fahrleitung regulieren konnten. Die Länge des Fahrdrahts hat sich im Laufe einer Messe mehrfach verändert, da die Anlage meistens kalt aufgebaut wurde und sich im Ausstellungsbetrieb erwärmte, so dass mit der Mutter ein Längenausgleich vorgenommen werden konnte. Durch das Abspannen konnte der Fahrdraht aus Messing stabil gehalten werden und die Stromabnehmer haben diesen nur wenig hochgedrückt.


    Material: Die Masten wie auch die Ausleger wurden aus Messing gebaut. Interessant ist die Fahrdrahtstärke: In Erinnerung habe ich einen Durchmesser von 0,8 mm für den Fahrdraht und 0,5 mm für das Tragseil darüber. Umgerechnet war beides zu dick, aber der Draht sollte mechanisch funktionieren und den Stromabnehmer führen können. Wir haben damals über Stahldraht nachgedacht, aber wir hatten keine Möglichkeit, die Stahldrahtstücke miteinander zu verschweißen. Deswegen haben wir Messing genommen, das ließ sich löten.


    Apropos Stromabnehmer: Um am Draht zu schleifen, müssen die Stromabnehmer federnd ausgeführt werden. Die heutigen Spur-0-Loks mit motorisch betriebenen Stromabnehmern sind im ausgefahrenen Zustand nicht immer noch federnd, so dass ein Betrieb am Fahrdraht nicht möglich ist! Für uns sind das konstruktive Krüppel, denn da wurde seitens des Konstrukteurs nur Wert auf den Effekt des motorischen Hochfahrens gelegt, nicht jedoch auf Funktionalität. Mann könnte auch sagen: Alles nur Schein! Schade eigentlich...


    Der Betrieb mit schleifendem Stromabnehmer hat in den ganzen Jahren ohne oberleitungsbedingten Ausfällen funktioniert - allerdings konnten damals nur zwei Mitglieder die Oberleitung auf- und abbauen, das war ein sehr spezielles Thema.


    Probleme gab es regelmäßig nur mit Fotografen, die ihr Auge am Okular der Kamera hatten und sich dann im Rahmen der Motivsuche in der Oberleitung verhedderten und diese beschädigten. Das gab es auf jeder Ausstellung, dann wurde der Lötkolben flott gemacht und die Bruchstellen wurden repariert. Dabei ist auch mal ein Stromabnehmer der selbstgebauten 103 eines Mitglieds austauschwürdig geworden...


    Als wir diese Ausstellungsanlage Ende der 80er Jahre ausgemustert haben, waren die Erfahrungen zum Bau und Betrieb einer funktionsfähigen Oberleitung im Verein vorhanden, aber die beiden "Fachleute" waren bedient und haben einstimmig gesagt, dass sie nie mehr eine Oberleitung im Club bauen werden. Das wirkt bis heute nach, so dass wir auf unserer Clubanlage meistens nur mit Dampf und Diesel unterwegs sind und selten mal eine abgebügelte E-Lok zu sehen ist. Und da der eine der beiden Oberleitungsbauer unser 1. Vorsitzender ist, werden wir so schnell keine Oberleitung nachrüsten.


    Zum Abschluss unseres Erfahrungsberichts noch drei schnell digitalisierte Bilder von damals (Sorry für die Fussel im Bild):


    Die obere zweigleisige Strecke war mit Oberleitung versehen und ist hier nur Nebenmotiv für den Triebwagen der Moerser Kreisbahn.




    Hier ein Längsblick über die obere Strecke - die 103 legt sich gerade von einem Bogen in den nächsten, auf der Brücke war eine Scherenrampe von einer Überhöhung in die nächste. Auf den beiden oberen Gleisen pendelten immer zwei Lokomotiven automaitisch hin und her und sorgten für Betrieb.




    Dieses Bild zeigt die Pendelstrecke in ihrem letzten Betriebsjahr. Der Oberbau hatte vom Transport und den vielen Auf- und Abbau-Aktionen genauso gelitten wie die Fahrdrähte, aber beide funktionierten noch gut. Der "Schatten" auf der Lok entstand, weil der Fotograf mit 200 mm Brennweite "durch" einen direkt vor dem Objektiv stehenden Mast fotografiert hat.


    Soweit die bildlichen Erinnerungen an unsere Oberleitung, die in den 80er Jahren aber guten Anklang bei den Zuschauern fand. Damals gab es nur Sommerfeld mit einem Minimal-Sortiment. Als dann die Oberleitung von Herrn Koelbl auf den Markt kam, kam dieses Sortiment schon paradiesisch vor und wurde in den 90ern von einigen Spur 0ern zu tollen Oberleitungsanlagen aufgebaut. Damit haben wir aber keine Erfahrungen.


    Aus unserer Sicht muss ein Stromabnehmer an der Oberleitung anliegen und schleifen. Auch wenn das in Hinblick auf vorbildgerechte Fahrdrahtstärke eine Herausforderung wird. Wenn das nicht gegeben ist, sollte aus unserer Sicht eigentlich auch auf den Fahrdraht verzichtet werden. Deswegen können wir den Kompromiss, nur Masten mit Auslegern aufzustellen, gut verstehen.


    Soweit unsere Erfahrungen.



    Freundliche Grüße und habt viel Spaß mit der Spur 0

    Im Namen des Vereins mit freundlichsten Grüßen!
    Rainer B.
    2. Vorsitzender des Spur-0-MEC Niederrhein e.V.


    Fahrtag an jedem ersten Freitag im Monat ab 15:00 - Gäste sind herzlich wilkommen, Fahrzeuge auch!


    Spur-0-MEC Niederrhein e.V.

  • Hallo Rainer,


    vielen Dank für Deinen Beitrag und eure Erfahrungen.


    Das mit den Stromabnehmern bin Ich auch mal gespannt, wie die Hersteller das lösen werden für zukünftige Modelle.


    Das hat ein bekannter Hersteller schon in den 60er Jahren hinbekommen im H0 Sektor und das war zwar nicht das non plus ultra, aber wenigstens hat es funktioniert.


    Viele Grüße Oliver

  • Hallo Freunde im Forum,


    wie im Original, dominiert die Oberleitung das Bild der Strecke. Auf der Anlage rückt die restliche Ausgestaltung der Anlage durch die Oberleitung etwas in den Hintergrund, was schade ist.


    Eine Anlage ganz ohne Oberleitung zu betreiben, nur mir passend ausgefahrenen Pantographen, ist aus meiner Sicht auch ein gangbarer Weg.


    LG vom Ciccio

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