Nothalt mit dem Lenz LG 100

  • Hallo allerseits,


    auf vielfachen Wunsch habe ich einen eigenen Thread für dieses Thema begonnen, nachdem ich einen kurzen Hinweis im Thread "Bischofsheim II" gegeben hatte. Hier nun die Story:


    Das Funktionsprinzip:


    Bei einem Notaus oder Nothalt auf einer Modellbahnanlage kommt es darauf an, alle fahrenden Loks sofort zu stoppen. Dazu wird in der Regel der Fahrstrom abgeschaltet oder die Fahrspannung kurzgeschlossen. Versuche haben aber gezeigt, dass der Anhalteweg der Lokomotiven immer noch viel zu lang ist. Das liegt an den sogenannten „Stay Alive“ Schaltungen mit Pufferkondensatoren. Fahrstrecken von mehreren Metern sind nach Abschalten der Gleisspannung möglich, speziell, wenn noch ein längerer Zug nachschiebt.


    Es gibt aber einen wesentlich eleganteren Weg, den Not-Aus zu realisieren. In der DCC-Norm gibt es den sogenannten „Broadcast“-Befehl, der ohne Adresse gesendet wird und alle Lokdecoder auf der Anlage anspricht. In diesem Befehl kann die Fahrstufe Null gesendet werden, die dann für den Halt aller auf der Anlage befindlichen Los sorgt. Allerdings halten die Loks auch nicht sofort an, der Anhalteweg ist aber wesentlich kürzer als beim Abschalten der Gleisspannung.


    Um diesen Befehl zu erzeugen, hat Lenz Elektronik vor längerer Zeit das Modul LG 100 auf den Markt gebracht. Um den Befehl an alle Loks zu senden, muss der Ausgang des LG 100 statt der Zentrale mit allen Boostern der Anlage verbunden werden. Daraus ergibt sich aber auch die Einschränkung, dass der LG 100 nur verwendet werden kann, wenn mindestens ein Booster im Einsatz ist. Auf Anlagen, die nur von der Zentrale gespeist werden, ist er nicht verwendbar.


    Realisierung und Schaltplan:


    Der LG 100 hat einen Eingang, gekennzeichnet "von LZ 100" mit den Klemmen C, D und E. Diese werden mit den Ausgängen C, D und E der Zentrale verbunden. Das muss nicht unbedingt eine Lenz-Zentrale sein, wir verwenden z.B. eine Z 21. Dabei werden die Signale der Zentrale vom LG 100 ignoriert, sie dienen nur der Stromversorgung des Bausteins. Im gezeigten Schaltplan ist der LG 100 ständig mit den Ausgängen der Zentrale verbunden, erzeugt also auch ständig das Stop-Signal.


    Über die Relaiskontakte K1/O1, K1/O2 und K2/O1 sind normalerweise die Ausgänge C, D und E der Zentrale mit den zugehörigen Eingängen der Booster verbunden. Beim Nothalt schalten die Relais um und legen den Ausgang "zu LV 100" des LG 100 auf die Eingänge der Booster um, worauf alle Loks anhalten.


    Die Relais werden über einen oder mehrere parallelgeschaltete Taster, gezeigt als S2, oder andere geeignete Methoden geschaltet. Laut Schaltplan werden dann die Relais über den Kontakt K2/S2 im geschalteten Zustand gehalten. Der Taster S1 unterbricht diesen Stromkreis, die Relais fallen ab und der Not-Halt ist aufgelöst.


    Die zwei Relais im Schaltplan mit je zwei Kontaktpaaren können auch durch ein Relais mit vier Kontaktpaaren ersetzt werden.


    Die Schaltung funktioniert mit bis zu vier Boostern. Leider hat Lenz einen zu schwachen Ausgangstransistor im LG 100 verbaut, so dass bei mehr als vier Boostern die Sache nicht mehr sicher funktioniert. Da wir acht Booster im Einsatz haben, habe ich den Transistor durch einen stärkeren Typ ersetzt.


    Verfügbarkeit:


    Der LG 100 wird von Lenz-Elektronik nicht mehr angeboten, ist aber im Netz noch gut verfügbar, die Kosten belaufen sich auf 40,- bis 50,- €.


    Platine:


    Für die Schaltung habe ich eine Platine entwickelt. Bei genügendem Interesse kann ich die unbestückte Platine produzieren lassen und zum Kauf anbieten. Der Preis wäre 10,- € plus Versand. Eine bestückte, betriebsfertige Platine würde 60,- € kosten.


    Fragen: bei Fragen bitte melden


    Gruß


    Christoph


    LG100.jpg

  • Guten Tag zusammen,



    da wir inzwischen auch per Mail auf die hier gestartete Diskussion angesprochen wurden, möchte ich ein paar Informationen zu diesem Thema geben.



    Der "Bremsgenerator" LG100 (ja, so nannten wir das Gerät damals - vor mehr als 20 Jahren) benutzt den von "Werkzeugmacher" genannten DCC-Broadcast Befehl (also ein Befehl, auf den jede Lok gleichermaßen reagiert, unabhängig von der eigentlichen Lokadresse) und sendet dahinter "Fahrstufe 0". Ziel ist, dass die Lok beim Empfang dieses Befehl mit der im Decoder eingestellten Bremsverzögerung zum Stehen kommt.


    Wie lange nun der Anhalteweg ist, hängt von der Einstellung der Bremsverzögerung ab. Pauschal kann man also nicht davon ausgehen, dass dieser Weg kürzer ist als der, den die Lok zurücklegt wenn man die Gleisspannung abschaltet.



    Für den Nothalt gibt es beim Lenz-System zwei Optionen: Entweder die Gleisspannung wird ausgeschaltet (Notaus) oder alle Loks werden per Befehl angehalten, und zwar ohne dass eine Bremsverzögerung wirksam wird (Nothalt). Welche der beiden Optionen statt findet, entscheidet die Einstellung des Systems bzw. des Handreglers (s. Betriebsanleitung).



    Kommen wir nun zu den "„Stay Alive“ Schaltungen mit Pufferkondensatoren", die "Werkzeugmacher" angesprochen hat.


    Hier kommt es darauf an, wie diese Schaltungen funktionieren. Wenn diese Schaltung nicht "bemerkt", dass die Gleisspannung nicht mehr da ist, dann fährt die Lok eben so lange weiter, bis der Puffer leer ist - keine gute Lösung. In einem solchen Fall könnte es tatsächlich sein, dass der Anhalteweg je nach Einstellung der Bremsverzögerung (oder den eingestellten Bremsweg) kürzer ist.


    Für Lenz Fahrzeuge gilt dies nicht, wir verwenden USP, eine Technik, die feststellt, ob die Gleisspannung (und damit die Digitalinformation) vorhanden ist oder nicht. Ist sie nicht vorhanden, wird angehalten.


    Bei Empfang eines Nothalt-Befehls aus der Zentrale wird ohne Bremsverzögerung angehalten, das ist aber eigentlich selbstverständlich, so der Decoder die DCC-Norm einhält.



    Noch ein Hinweis zum LG100: Dieser war damals dafür gedacht, Loks vor Signalen automatisch mit der eingestellten Bremsverzögerung anzuhalten. Der dafür notwndige Schaltungsaufwand war relative hoch, daher haben wir uns für diesen Zweck die ABC-Technik ausgedacht.


    Ich wünsche noch einen schönen Tag

    Peter Rapp

  • Hallo Herr Rapp,


    danke für Ihren Kommentar. Allerdings fahren wir auf unserer Clubanlage nicht nur Loks Ihrer Firma, sondern Loks fast aller Spur Null Hersteller mit unterschiedlichen Decodern. Diese Loks reagieren durchaus unterschiedlich auf das Abschalten der Gleisspannung und haben auch unterschiedliche Pufferspeicher. Das ist nichts, was wir uns wünschen, ist aber wohl dem Wettbewerb geschuldet.


    Dazu kommt, dass wir keine Lenz Handregler, sondern WLAN-Mäuse von Roco mit einer Z21 verwenden. Bei unserer ca. 300 qm großen Anlage hat das ständige Umstecken der XPressnet-Stecker irgendwann keinen Spaß mehr gemacht. Wir haben aber acht Lenz-Booster im Einsatz, wenn Sie das tröstet :)


    Aufgrund dieser heterogenen Umgebung haben wir umfangreiche Tests gemacht und herausgefunden, dass die von mir beschriebene Lösung das beste Resultat erzielt.


    Der Hintergrund des Ganzen ist, dass wir eine Schwenkbrücke haben, um in den Innenraum der Anlage zu gelangen, die auch bei Veranstaltungen von den Besuchern genutzt wird. Damit Züge nicht abstürzen, wenn die Brücke geöffnet ist, gibt es in ausreichendem Abstand eine Lichtschranke, die von einem sich nähernden Zug ausgelöst wird und dann automatisch den Nothalt generiert. Ist die Brücke bei Annäherung eines Zuges geschlossen, wird durch die Lichtschranke ein Elektromagnet aktiviert, der die Brücke gegen öffnen verriegelt.


    Wir sind also darauf angewiesen, möglichst gleich lange und kurze Bremswege zu erreichen, wobei uns Ihr leider antiquarisches Produkt hilft, vielen Dank.


    Guß


    Christoph

  • Hallo Zusammen,


    auch wenn ich mich damit jetzt weit aus dem Fenster lehne, einem Arduino sollte es eigentlich beizubringen sein, in Nothaltfalle anstelle der Zentrale den passenden Broadcast auszusenden ... bzw. die geeignete(n) Bitfolge(n) .... das ist eigentlich kein Hexenwerk.


    Viele Grüße,

    Stefan

  • Hallo Stefan,


    ja mit einem Arduino würde das wohl auch gehen. In der Xpressnet Spezifikation V3.6 auf Seite 34 findest Du auch den zugehörigen Befehl für einen Nothalt aller Loks ohne Bremsverzögerung (3.2.3 Alle Loks anhalten (Nothalt)).


    Noch ein Vorteil: Mann kann den Booster in der Zentrale ebenfalls benutzen und alle Hersteller sollten diesen Befehl identisch umsetzen.


    Ein (eventueller Nachteil): Nach einem Nothalt müssen alle Loks manuell auf ihre letzte Fahrstufe gestellt werden (nehme ich an, da es keinen Befehl für die Aufhebung gibt). Man könnte aber im Arduino die Fahrstufen für alle Loks speichern und dann erneut aussenden.


    Gruß

    Stefan

  • Moin,

    wer eine Steuerungssoftware hat, sollte den Notaus (und auch "wieder an") darüber realisieren können.

    Ich benutze z.B. TrainController zum Weichen-(strassen) stellen.

    Mit Klick auf den roten Knopf bleiben schlagartig alle Loks stehen, Mit Klick auf den grünen Pfeil geht es weiter, als wenn nichts passiert wäre.



    Ohne das nun ausprobiert zu haben, bin ich mir ziemlich sicher, dass man diese Funktonen auch mit echten Tastern (verteilt über die Anlage) verknüpfen kann.

    Nur mal so als Idee.

    Johann

  • Hallo Johann,


    das kann ich bestätigen.

    Zu meinen H0-Zeiten hatte ich oft mehrere Züge - in Spitzen bis zu 8 (mehr schaffte der alte PC nicht) - fahrplanmäßig unterwegs, da hat mich der rote Button schon gelegentlich gerettet.

    Ganz glücklich war ich in so einem Fall nicht immer mit dem grünen Button, wenn dann alle Züge wieder gleichzeitig starteten bzw. "losrasten". Da half dann nur eine Notlösung über die Zentrale und IRIS. Dies jedoch weiter auszuführen würde ins OT laufen.


    LG

    Günter

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