Schnellzugwagen

  • Gude,


    und vorab: In wie weit man mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis der Lenz Schnellzugwagen einverstanden ist, muss jeder für sich entscheiden.


    Rein sachlich sind hier inzwischen einige Unzulänglichkeiten angeführt worden.

    Äußerlich machen sie vom optischen Finish her den von Lenz gewohnt guten Eindruck. Aber die Tücke liegt bekanntlich im Detail. Das gilt sowohl für die Verarbeitung wie auch die Innenausstattung. Hier zeigt sich ein gewisser Kostendruck, der sich wohl nicht gerade günstig auf die bisherige Lenz-Qualität auswirkt.


    Auch bei der Recherche ist die ein oder andere Nachlässigkeit erkennbar. Gut, Recherche kostet etwas Zeit, aber die hatte man ja ausreichend von der Ankündigung bis zur Produktion.


    Hier also, was mir zu einigen Details noch aufgefallen ist und was Lenz bei den geplanten weiteren Serien vielleicht beachten sollte:


    Warum man bei dem Gepäckwagen keine der bekannten korrekten Nummern eines Pw4üe-28 angeschrieben hat, sondern die Nummer eines Pw4üe-29 (okay, immerhin so gut wie baugleich) und dann auch noch die eines 1932 mit Küche nachgerüsteten Wagens für den Karwendel-Express, bleibt ein Geheimnis. Dazu hatte ich schon etwas im vergangenen September geschrieben:

    RE: Lenz Schnellzugwagen Gruppe 29


    Außerdem wurden beim Vorbild bei den für das Netz der leichten F-Züge (nur 2. Klasse) aufgearbeiteten blauen Wagen die Langträger überblecht.


    Die Wagen wurden von der DB anfangs der 1950er Jahre auch innen aufgearbeitet, insbesondere wurden dabei die ursprünglich mit nur 4 Plätzen ausgestatteten 1.-Klasse-Abteile mit je 6 Polstersitzen wie in der alten zweiten Klasse nachgerüstet. Diese Abteile hatten dann lediglich noch einen etwas größeren Fußraum gegenüber den anderen.

    Damit diese Wagen aber bei Bedarf auch in den gemischtklassigen blauen FD-Zügen (1. - 3. Klasse, z.B. Rheingold) eingesetzt werden konnten hatten sie an der Schräge neben den Einstiegen übereinander liegend die Zeichen für die 1. (oben) und die 2. Klasse. Das 1.-Klasse-Zeichen konnte für die rein zweitklassigen Züge abgedeckt werden. Dies sollte bei den für das Zugset in Epoche 3a vorgesehenen Wagen berücksichtigt werden.

    Das wurde übrigens auch bei den vor der Klassenreform eingesetzten neuen 26,4m-Wagen AB4ümg-54 so gehandhabt.


    Etwas zu dem dazu geplanten Halbspeisewagen hatte ich bereits hier erwähnt und auch, dass es einen AB4üe-28 nach der Klassenreform nicht gegeben hat: RE: Die neuen Lenz Schnellzugwagen, „Einsatzmöglichkeiten“


    In der oben erwähnten und in diesem Thread nochmals angeführten und schon länger nicht erneuerten Liste zu den blauen Wagen sind übrigens einige Fehler:

    Der dort aufgeführte ABR4üe-33/52 mit der Nummer 11 570'' (zweite Besetzung) war ein ABR4üe-29/52, nämlich der ex 14 147 ABC4ü-29.

    AB4ü-30 hat es nicht gegeben, sondern nur reine A oder B Wagen, d.h. alle diese Wagen sind gemäß der genannten Wagenummern 28er Wagen.

    Lediglich ein 30er Wagen wurde für das blaue F-Zug-Netz umgebaut, nämlich der B4üe-30 mit der Nummer 11 567'' ex 15 023, taucht in der Liste aber nicht auf.


    Den jetzt zuerst von Lenz ausgelieferten blauen Wagen betrifft das gemischte Klassenzeichen nicht, denn er stellt einen reinen 1.-Klasse-Wagen um 1960 dar - erkennbar auch am ab 1958 eingeführten 1.-Klasse-Streifen über den Fenstern und er ist daher diesbezüglich und der Wagennummer korrekt.

    Ihm fehlt also nur die Überblechung der Langträger und die bei der Aufarbeitung geänderte Farbe der Polsterung in weinrot.

    Die ursprüngliche Farbgebung der Polster vor Aufarbeitung war resedagrün in der 1. und grau gemustert in der 2. Klasse.


    Nachtrag am 15.2.21.

    Gerade eben fiel mir beim Schmökern noch auf, dass Lenz leider auch beim flaschengrünen Wagen 16 521 (Art.-Nr. 41251-01) mit der Nummer daneben gegriffen hat. In der ersten Besetzung war das ein C4ü-32 Sonderbauart Karwendel und in zweiter Besetzung nach Aufarbeitung ab Juni 1955 der ehemalige geschweißte Versuchswagen 16 543 C4ü-32a (EK-Verlag, Deppmeyer Band 2, Seiten 44/50 und https://www.reisezug-wagen.de/…306444&i=0&bestandsuche=0 und https://www.reisezug-wagen.de/…121934&i=0&bestandsuche=0 . Wer dies vorbildlich haben möchte, sollte also umnummern (Nummernreihen der C4ü-28 sind 16 192-361 und 16 369-518).

    Mit Gruß vom Nick

    Edited 2 times, last by Nick ().

  • Hallo Nick,


    ich bewundere Menschen, die über ein derartiges Detailwissen verfügen, wobei das natürlich auch belasten kann. Mir dagegen ist das alles völlig egal, bitte nimm mir das nicht übel. Ich freue mich einfach, dass es nun diese Schnellzugwagen zu einem relativ erschwinglichen Preis gibt.

    Die anderen Fehler, die hier aufgeführt werden sehe ich, sobald ich meine vier Wagen ausgepackt habe und werde sie dann für mich bewerten. Sind die Fenster sichtbar verschmiert, gehen die Wagen solange zurück an den Händler, bis sie es nicht mehr sind.

    Ansonsten habe ich endlich einen schönen Zug für meine 38 und 78.


    Noch ein kleiner Hinweis zum Preis-Leistungsverhältnis: Die sehr schönen RHB Stahlwagen von LGB mit 66 cm Länge, Innenbeleuchtung und Inneneinrichtung kosten UVP 350,- €, Straßenpreis ca. 330,- €. Nun können wir spekulieren, wer mehr verkauft, Lenz oder LGB. Der Materialverbrauch und die Formkosten sind in 1:22 sicher höher als in 1:45.


    Grüße aus dem Tal der Ahnungslosen


    Christoph

  • Einen wunderschönen guten Tag


    Was ich nicht verstehe , viele sind grad in die Spur 0 gewechselt wegen der Details . Welche in dieser Spur anders darstellbar sind , viel feiner und auch genauer .Auch sagen viele ich warte lieber länger aber dafür wird das Modell perfekt. Keiner sagt dass die Wagen nur schlecht sind aber warum hat man nicht die Zeit genutzt richtig zu recherchieren. Klar sieht diese Fehler nicht jeder , aber es gibt Modellbahner welche sich auch als Hobby mit dem Vorbild auseinandersetzen. Da ist es doch verständlich dass die sich zu Wort melden und dies wurde bereits bei der Vorstellung der Muster gemacht. Nur dass zu dem Zeitpunkt der Drops eigentlich schon gelutscht war.

    Diese Schnellzugwagen sind keine unwichtigen und schon eine Bereicherung für den Spur Null Markt und wahrscheinlich wird diese kein andere mehr bringen.

    Km 1 hat sich daher auch für den D36 entschieden.

    Außerdem wer sich nicht mit allen Details beim Vorbild auskennt hat trotzdem ein stimmiges Modell verdient.


    Mit freundlichen Grüßen


    Lothar




  • Hallo Nick, deine Kenntnisse zu den Details der Wagen ist schon beeindruckend:!::!::!: Vielleicht sollten die Hersteller dein Wissen nutzen, dann könnten wir uns die ganzen Diskussionen sparen. Ich finde meinen 1.Kl. Wagen von außen schon Spitze . Da ich nie mit Licht fahre ist der Fußboden nicht so wichtig. Ich wäre ja schon froh, wenn man für die Inneneinrichtung der 2. Kl. Wagen das gleiche oder ähnliches , Granulat verwenden würde, denn dieses Gelb geht gar nicht. Da fällt dann auch sofort der fehlende Fußboden auf.

    Gruß Micha :)

  • Einbau von Schraubenkupplungen


    Der Einbau von Schraubenkupplungen an Stelle der Lenz-Hakenkupplungen war nicht so einfach wie gedacht und in der Anleitung beschrieben. Die schon optisch klein wirkende vorgesehene Öffnung in der Pufferbohle an den Gruppe 29 Personenwagen war bei meinem Gepäckwagen zu klein und mußte nicht unerheblich aufgefeilt werden, und zwar nicht nur um die Dicke des aufgetragenen Lackes. Ebenso mußte die Aufnahme der Schraubenkupplung Lenz ArtNr. 49015 mit der Feile merklich reduziert werden. Das hatte ich bei Lenz -Wagen beim Kupplungstausch bislang noch nicht erlebt. Ist das ein Einzelfall oder ist das serienmäßig an den Modellen festzustellen - wer hat schon Erfahrungen gesammelt? Unnötig an dem sonst recht schönen Modell ohne zu öffnende Seiten-Schiebetüren sind auch die wieder einmal allzu dünnen Pufferstößel.


    Viele Grüße von Rainer

  • Moderation: Dieser Beitrag, etwas gekürzt, wurde von "Lenz Schnellzugwagen öffnen und Fußboden" hierher kopiert, damit die anschließenden Beiträge zu Fragen des Vorbildes zusammengeführt werden.


    P1060040.jpg


    Frage an die Experten: Lenz hat hier offensichtlich Holz-Sitze nachgebildet, die in den ursprünglich 3. Klasse Wagen wohl vorhanden waren. Hat die Bahn das so gelassen, als aus den Wagen im Zuge der Klassenreform Wagen 2. Klasse wurden?


    Gruß Christoph

  • Moin.


    was Lenz da nachgebildet hat, habe ich auch noch nicht verstanden.


    Laut Angabe bei Lenz ist der 2 Kl Wagen ein 28er und der 1 Kl Wagen ein 28/52.

    Dh der 1 Kl Wagen ist bereits modernisiert und hätte auch bereits Leuchtstofflampen haben müssen.

    Es gab nur wenige Wagen die hier nicht direkt mit umgerüstet wurden.

    Dafür fehlt aber auch die Kiste mit dem Umformer unter dem Wagen.


    Der 2 Kl Wagen hat anscheinend tatsächlich Holzbänke. Dafür spricht auch der Farbton der Beleuchtung.

    Jedoch sind dort die falschen Gepäcknetze verbaut.

    Original wären das rotbraune Stahlstützen mit aus Seilen geknüpften Netzen.


    Erst in der Modernisierung wurden die allseits bekannten Stahlrohrgepäckablagen in Goldbronze verbaut die auch Lenz ganz gut nachgebildet hat.


    Auch merkwürdig:

    Der Fußboden im Gang hat eine andere Farbe hat als im Abteil.

    Das gab es so nicht.

    Dieser war vor der Modernisierung graugrün und danach mittelgrau, bei grünen Polstern, und rotbraun, bei braunen Polstern (Also wie bei den Umbauwagen)


    Bei der 1 Kl gab es in den Abteilen dann natürlich Einlegeteppiche.


    Auch wenn in 3,2,1 der Shitstorm wieder beginnt:

    Lenz hat hier in vielen Bereichen Fantasiewagen auf die Schiene gestellt.



    Dabei wäre es so einfach gewesen bei den Kollegen im Kranichstein, an noch original eingerichteten Wagen wie zB den 16503, sich das anzusehen.


    Vllt macht das ja KM1....

  • Die Kopfstützen sind perfekt in der Höhe.

    Selber schon ausgiebig getestet.


    Das Mittelteil ist im übrigen höhenverstellbar.

  • Gude,


    V36412 liegt da richtig und außerdem ist das meiste doch schon in den Diversen anderen Threads (leider etwas zerstreut) zu diesen Wagen angesprochen worden.


    Lenz hat in diesen ersten Serien von der DB aufgearbeitete Wagen mit Untersuchungsdaten von 1960 dargestellt.

    Äußerlich sind sie stimmig bis auf das fehlende "w" im Datenspiegel der 2. Klasse Wagen, weil es zu dem Zeitpunkt keine Holzbänke mehr gab, sondern nur noch viersitzige grüne Kunstledersitzbänke.

    Die Wagen 1. Klasse (ex AB) hatten nur noch Sechserabteile mit weinroten Polstersitzen.

  • Wenn es denn so einfach wäre.

    1Kl gab es auch in grau gesteift und die 2Kl auch mit braunen Kunstlederbänken.

  • Gude,


    ... grau gestreift nur vor der Aufarbeitung und braunes Kunstleder bei diesen Wagen frühestens nach einer zweiten Aufarbeitung - falls überhaupt. Da fehlt mir aber ein belastbarer Nachweis.

  • Gude,


    ... grau gestreift nur vor der Aufarbeitung und braunes Kunstleder bei diesen Wagen frühestens nach einer zweiten Aufarbeitung - falls überhaupt. Da fehlt mir aber ein belastbarer Nachweis.

    Da kann ich mit dienen.

    Der Wagen mit den brauen Polstern ist der 16503.

    Der ist seit Umbau so und hatte bis zum Schluss keine Leuchtstofflampenbeleuchtung und auch noch das Tonnendach im Gang.

    Somit auch keine zweite Modernisierung. Ggf. ist der einfach nur spöter umgebaut worden, was aber gegen die noch vorhandene Glühlampenbeleuchtung spricht.


    Der andere Wagen ist der 16372 und wurde vollständig umgebaut.

    Der ist quasi so, wie sich der "Designer" der DB sich das ursprünglich gedacht hatte.

  • Gude,


    danke für die Fotos. Gibt es ein Datum der Aufnahmen? Sieht nicht so aus, dass die aus den 1950/60er Jahren stammen. Die braunen Sitze könnten auch später die grünen ersetzt haben. Das wird sich aber kaum noch klären lassen.


    Nachtrag: Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass auch braun bezogene Sitze eingebaut wurden, denn bei den ab 1951 gebauten 26,4m-Eilzugwagen wurden sowohl grüne wie braune eingebaut. Und laut der einschlägigen Literatur dauerte die Aufarbeitung der älteren Wagen bis in die zweite Hälfte der 1950er Jahre.

    Mit Gruß vom Nick

    Edited once, last by Nick ().

  • Die Bilder sind zw 10 und 20 Jahre alt


    Wenn du genau schaust wirst du sehen das es nicht nur mit einem Polstertausch getan ist


    Auch Fussboden und Wandverkleidung haben bei der braunen Ausstattung andere Farben.


    Mir ging es aber auch eher darum zu zeigen, wie die Wagen innen an sich ausgesehen haben.

  • Ich habe gelernt, dass es bei der Bahn, gleich welcher Epoche, nichts gibt, was es nicht gibt (oder gegeben hat). Ganz sicher aber glaube ich, dass man bei Lenz nicht Art, Farbe und Ausstattung ausgewürfelt hat, sondern auch hier recherchiert hat. Meine eigenen Recherchen zu vielen Dingen im Internet haben gezeigt, dass es dort zugeht we bei Höfers Frühschoppen: 5 Journalisten aus 7 Ländern mit 9 Meinungen...


    Ob und was hier bei diesen Wagen falsch oder richtig ist, kann ich nicht beurteilen, mir gefallen sie und ich handele stets nach der Devise, ich kaufe (nur) das, was mir gefällt, ob die Sowieso-Schraube fehlt oder der Dingsbumskasten ist mir völlig gleichgültig. Deshalb kann ich mich auch über falsch oder richtig gar nicht ereifern und über irgendwelche irrelevante Teile ohnehin nicht.

  • In meinem nächsten Leben mache ich bei jedem Zug, in den ich einsteige, ein Foto vom Innenraum. So lange wir nicht Aufzeichnungen der Ausbesserungswerke über die ausgeführten Arbeiten auftreiben können, sehe ich schwarz und jede beliebige andere Farbe, was die Inneneinrichtung der Schnellzugwagen angeht. Ich gebe auch noch den alten Eisenbahnfreundespruch aus der Epoche IV zu bedenken, es gebe zwar mehr als fünfhundert 110, aber keine zwei gleiche.

    So. jetzt lege ich "ich denke oft an Piroschka" ein; da sitzt nämlich jemand 1955 in der ersten Klasse. Vermutlich Im Filmstudio, denn die damaligen Filmkameras hätten wohl kaum in ein Eisenbahnabteil gepaßt.


    Herbert

  • Gude,


    erfreulicherweise zeigt die Skizze des geplanten Schnellzugwagens mit Speiseabteil ABR4üe-29/52 (nach der Klassenreform AR4üe-29/52) korrekterweise die Fensterteilung eines ABC4ü-29, aus welchen die insgesamt drei Wagen umgebaut wurden.

    Das lässt darauf hoffen, dass es dann auch gemischtklassige 1./2. Kl. Wagen für die Epoche IIIb sowohl in flaschengrün wie auch in chromoxidgrün geben wird.


    Was sich mir allerdings nicht ganz erschließt ist, warum Lenz die beiden Wagen 2.Klasse in RAL 6007 als B4üe-28 bezeichnet, die gleichen Wagen 2.Klasse in RAL 6020 aber als C4üe-28 ? Vielleicht nur ein Versehen.


    Und bestimmt warten auch die Epoche IV Freunde auf entsprechende Varianten dieser Schnellzugwagen.

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