Erfahrungen mit 3D-Lasercutter?

  • Hallo.

    Die Laser- Dioden- Module selbst sind im Prinzip dieselben wie ich sie an meiner Fräse angebaut habe. Der Rahmen besteht aus denselben Alu Profilen wie (m)eine DIY Fräse.


    Diese Stand Alone Lasercutter haben gegenüber einer aufgerüsteten Fräse wie meiner zwei Vorteile, sie sind (deutlich) billiger und haben einen (deutlich) größeren Arbeitsbereich.


    Aber dafür haben sie auch große Nachteile. Neben der Tatsache, das man damit nicht Fräsen kann ist die Mechanik ist bei weitem nicht so stabil. Ich bezweifele auch sehr, das dieselbe Präzision erreicht wird. Die Gummirollen, die per Riemen- Antrieb auf den Alu Profilen herum rollen erreichen niemals dieselbe Präzision wie die Gleitlager der Fräse und der Antrieb über Gewindestangen. Eine Fräse ist nun mal prinzipiell mechanisch viel anspruchsvoller als ein Laser. Eine "wackelige" Fräse ergibt immer noch einen hoch- soliden Lasercutter. Das liegt daran, das eine Fräse das Werkstück mechanisch bearbeitet, also deutliche Kräfte einwirken. Der Laser arbeitet berührungslos, also ohne nennenswerte mechanische Belastung des Werkstücks.


    Ein weiterer Nachteil ist meiner Ansicht nach die Sicherheit. Diese Geräte sind auch nach unten, also in die Richtung in die der Laser arbeitet, völlig Offen. So lange nichts passiert, ist das kein Problem. Aber wenn man mal an einem Kabel hängen bleibt oder ungünstig stolpert, rauscht die doch eher sehr leichte Maschine schneller als einem lieb ist vom Arbeitstisch runter. Dann strahlt der Laser unter Umständen ungebremst im ganzen Raum herum.

    Bei meiner Fräse arbeitet der Laser immer gegen den Frästisch, durch den er so schnell nicht durch kommt. Reiße ich meine Fräse (die obendrein deutlich schwerer ist) mal vom Tisch, passiert gar nichts, da der Laser immer noch nur auf den Frästisch gelangen kann...


    Obendrein wären mir persönlich 3 Watt zu wenig Leistung für den Laser. Karton kann man damit sicher noch gut bearbeiten. Vielleicht auch noch dünnes Balsa oder MDF. Aber spätestens bei Sperrholz ist dann Schluss und/oder du musst unzählige Durchgänge machen, um das Material zu schneiden. Das bedeutet, das du mit hoher Wahrscheinlichkeit das Laser Modul in relativ kurzer Zeit sowieso austauschen wirst. Vermutlich ist es sinnvoller, gleich ein Modul mit passender Stärke zu kaufen...


    Fazit. Auf jeden Fall ist es viel, viel besser so eine Maschine zu haben als gar keinen Lasercutter... Man sollte sich aber über die Schwächen und Gefahren im Klaren sein. Wenn man mit dem kleineren Arbeitsbereich hin kommt, dann würde ich aber jederzeit eine umgerüstete DIY CNC Fräse vorziehen, auch wenn das teurer wird. Man bekommt aber auch mehr für sein Geld und hat ein größeres Einsatzspektrum. Kunststoff würde ich auf Grund der hochgiftigen Dämpfe nicht Lasern, sondern immer fräsen. Auch Platinen kann man mit der Fräse herstellen, was mit dem Laser ebenfalls nicht geht, usw.

  • Hallo Claus,


    ich hab mir Deinen Bericht über CNC-Fräse und Laser durchgelesen ... schön gemacht und sehr Informativ - ich habe jetzt selbst noch keinen Laser / Fräse - aus der Beschäftigung mit dem Thema weiß ich, dass es von Vorteil ist wenn Du mit Druckluft das weggelaserte Material wegbläst. Dann kannst Du in Holz nach dem was ich gehört/gelesen habe mit viel kleinerer Leistung rein gehen ...

    Vielleicht hast Du ja eh einen Airbrush-Kompressor ... ?!


    Viele Grüße, Stefan

  • ... Kunststoff würde ich auf Grund der hochgiftigen Dämpfe nicht Lasern, sondern immer fräsen. Auch Platinen kann man mit der Fräse herstellen, was mit dem Laser ebenfalls nicht geht, us

    ... im Prinzip ist das richtig, aber ...


    Acrylglas beispielsweise lässt sich hervorragend lasern. Durch die Hitze des Laserstrahls bekommt man schöne glatte Kanten. Allerdings gehts das nicht mit einem Diodenlaser, weil der auf durchsichtigem Material nicht funktioniert.

    Darüberhinaus gibt es spezielle Kunststoffe, die auf Laser abgestimmt sind und sich sehr gut lasern lassen. Darunter sind auch 2-Schichtmaterialien, mit denen z.B. Türschilder, Aufkleber u.Ä. gemacht werden. Eine Anwendung für Lokschilder hatte ich unlängst in einem anderen Thread gezeigt.


    Gruß --- Jürgen

  • Hallo.

    Manches gefärbte (z.b. schwarz) Acrylglas lässt sich auch gut mit einem Diodenlaser schneiden. Klares Acryl aber wirklich gar nicht. Dazu gibt es auch jede Menge YouTube Videos, wo das ausprobiert wird. Aber die Dämpfe stinken trotzdem enorm, sind aber nicht so giftig wie z.b. bei Polystyrol. Farbiges z.B. schwarzes Polystyrol ließe sich prinzipiell nämlich auch per Diode lasern, wären da nicht die Dämpfe. Dabei kann Cyanid entstehen, Blausäure, Flußsäure oder auch Chlor oder Fluor Gas. Alles Sachen, mit denen man besser nicht in Berührung kommt, auch nicht mal ein klein bisschen.


    Das sowohl Acryl als auch PS gefärbt sein müssen, um es mit einem Dioden- Laser zu schneiden, liegt an der Art und Farbe des Laserstrahls. Bei klarem bzw weißem Material geht die Energie einfach durch, ohne das Material zu erhitzen und somit zu schneiden.


    Da ich ja die Möglichkeit habe, beides zu machen, nutze ich halt die Fräse, wenn ich Kunststoff (z.B. Polystyrol) bearbeiten muss. Das gibt dann zwar viele feine weiße Späne und dauert deutlich länger, stinkt dafür aber nicht. Auch anderes Klarsicht- Material wie z.B. für Fenster schneide ich mit der Fräse aus, nicht mit dem Laser...


    Um was für ein Material handelt es sich denn bei deinen Lokschildern? Sieht sehr interessant aus. Der Thread ist irgendwie an mir vorbeigegangen...

  • Das Material, aus dem diese Schildchen sind heißt „TroLase Thins“ und stammt von der Firma Trotec, die liefert allerdings nur an gewerbliche Kunden.

    Wenn man aber googelt nach >>> Graviermaterial Laser <<< , dann findet man diverse Anbieter, die vergleichbare Materialien vertreiben.

    Mein Material hat eine Stärke von 0,5 mm und ist rückseitig selbstklebend beschichtet. Ich habe auch ein Material mit 0,2 mm Stärke getestet, aber da ist der Kontrast bei weitem nicht so gut wie bei dem obene benannten 0,5 mm Material.


    Gruß --- Jürgen

  • Da ich heute sowieso schon schlechte Laune habe, werde ich dazu auch noch meinen Senf abgeben.


    In meiner Firma werden Laser montiert und auch im Betrieb justiert. Im Jahr einige Tausend davon. Obwohl deren Leistung kleiner 1W ist, zwinge ich die Produktionsmitarbeiter, bei der Arbeit eine PASSENDE Justierschutzbrille zu tragen. Die werden im Umlauf alle 6 Monate zum Hersteller zur Überprüfung der Schutzwirkung geschickt. Wer keine Brille trägt, bekommt beim ersten Vorfall eine Abmahnung.


    Eine Schutzbrillen kostet übrigens mehr als die meisten dieser do it yourself Dinger.


    Aber wer schon lange mit Lasern gearbeitet hat, kennt ja den Spruch: Kein Problem, man hat ja zwei Augen.


    Mahlzeit,

    Michael

  • Apropos Mahlzeit.

    Als ich während des Studiums in den Ferien in einer Feinkostfabrik gejobbt habe (damals lebten die Dinosaurier noch), hatte ich auch immer einen Kettenhandschuh an, wenn wir Fleischsalat gemacht haben.

    Schneide ich mir zuhause eine Scheibe Wurst oder ein Stück Fleisch ab, bin ich aber noch nie auf die Idee gekommen, mir dafür einen Kettenhandschuh anzuziehen. Du vermutlich auch nicht. Und ich kann dir versichern, dass das Messer, mit dem ich zu Hause Fleisch oder Gemüse schneide, um ein vielfaches schärfer ist, als das Messer, mit dem wir damals die Pelle vom Fleischbrät entfernt haben.


    Ich habe übrigens nicht mal einen Kettenhandschuh, eine Schutzbrille habe ich aber sehr wohl.


    Industrieller Einsatz unter Zeitdruck und im Stress ist dann doch etwas ganz anderes.

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