Greenhall Halt

  • Hallo,


    ich unternehme nochmal einen Versuch, meine britische Anlage (oder ist es ein Diorama oder Modul?) vorzustellen. Bisher ist sie nur 122 cm lang, aber rechts und links sollen sich noch fiddle Yards anschließen. Obwohl sie einen Bahnhof der Great Western darstellt, nämlich Whitehall Halt auf der Culm Valley Railway in Devon, habe ich einen Bahnhof der Southern Railway daraus gemacht und ihn Greenhall Halt genannt, wegen der Vorliebe der SR für diese Farbe. Mein einziges Triebfahrzeug ist nämlich ein Stroudley Terrier von Dapol in SR-Beschriftung.



    Wenn es jetzt klappt mit dem Einbinden des Bildes, zeige ich noch mehr.


    Herbert

  • Immerhin, einmal hat es funktioniert.



    Die einzige Weiche des Bahnhofs wird mit einem Freiluftstellwerk bedient (aus einem englischen Bausatz). Die selbstgefertigte Wellblechhütte soll beim Vorbild eine Lampenbude gewesen sein, aber auf dem Bahnsteig fehlt schon lange die Lampe, nur der Mast ist noch da.



    Der zweite Hebel bedient die Entgleisungsweiche (von Peco, die Abzweigweiche entstand aus einem Bausatz von C&L). Das Gestänge ist nicht funktionsfähig und ist mit Weißmetall-Rollern aus England und Messingvierkant gebaut.



    Das Ladegleis war beim Vorbild im Bogen verlegt und schloß eine Mühle an, die aber den Bahnhof optisch geradezu erschlagen hätte. Maßstäblich gebaut, wäre der Bahnhof nur wenige Zentimeter länger, aber auch breiter und damit unhandlich geworden. Wo ich einmal dabei war, verpaßte ich der beim Vorbild offenen Scheune eine Bretterwand und setzte an die andere Seite des Bahnübergangs ein Haus; beim Vorbild ist dort eine überwachsene Ruine.



    Der Prellbock ist wie das Gleis wiederum von Peco, der Wagen von Dapol und das Automobil von Oxford Diecast. Der Rest ist aus Polystyrol selbst gebaut und die Mauer der Scheune in "DAS"-Modelliermasse eingekratzt. Die Dächer bestehen aus Karton.



    Die Schranke ist natürlich beweglich; leider habe ich für die Scharniere zu weichen Messingstreifen verwendet, den ich durch ungeschickte Handhabung schon verbogen habe.


    Alle Fotos entstanden an einem Wintertag und mit zu wenig Beleuchtung, aber ich hoffe, daß sie trotzdem gefallen.


    Herbert


    Alle Bilder

  • Also, wenn das ein Wintertag mit zu wenig Beleuchtung ist, dann möchte ich in Devon meinen Weihnachtsurlaub verbringen.:saint:8)

    Was du da baust ist wieder mal ein Beweis dafür, dass "kein Platz" kein Argument ist, gefällt mir sehr!:thumbup:

    Gruß, Freddy

    Ich mache gern Kompromisse. Aber nicht beim Maßstab.

  • Nun, die Fotos sind im Winter entstanden (Februar), aber das Modell gibt schon irgendwie so etwas wie Sommer wieder. Die Gegend liegt etwa auf dem Breitengrad von Köln, aber der Einfluß des Atlantik macht sich stärker bemerkbar. Ich war übrigens vor ein paar Jahren in der Nähe (Tiverton, wo die Bahn abzweigte), aber es hat so gegossen, daß es nicht möglich war, das Auto zu verlassen!

  • Tolle Sache, HFy,


    "Small layouts" mal live und in Deutschland - so mag ich britische Modellbahn!


    Freundliche Grüße

    EsPe

    Nur weil ich den einen oder anderen Fehler an manch einem Modell zwar bedauere und gelegentlich kritisiere, aber mich dennoch über perfekte Fahreigenschaften usw. und einen gelungenen Gesamteindruck freue, bin ich noch längst kein Spielbahner (was übrigens abwertend klingt).


    Und nicht jeder, der von sich selbst behauptet, ein ernsthafter Modellbahner zu sein, muss es deshalb auch wirklich sein.
    (frei nach Blaukäfer)

  • Hallo Herbert,


    nun ist doch etwas geworden mit den Bildern, sehr schön. Es scheint, bei der neuen Foren-Software das Bilder einstellen ein wenig einfacher geworden zu sein.

    Mir gefallen deine gealterten Gleise und die Alterung der Wellblechbude, die von unten beginnt durchzugammeln.

    Auch hast du das "point rodding" (Gestänge zum Stellen der Wecihen) nicht vergessen. Das sieht man nicht so häufig nachgebildet.

    Ich bin bei meinem Layout auch gerade dabei, das "point rodding" zu bauen. Bei mr geht es aber bis zum Stellwerk. Die Art offene Stellbank, wie du sie nachgebildet hast, ist jedoch auch nicht so selten.


    Southern Railway ist ganz nett, das ist mein Zweit-Thema. Es wäre schön, wenn mal ein Southern Electric 3rd Rail Triebwagen (mit seitlicher Stromschiene) als Fertigmodell heraus kommen würde. Die 2-BIL Class wäre gut geeignet, ist ein tolles Ding und lief von 1935 bis 1971. http://www.semgonline.com/gallery/2bil_01.html


    Für den Great Western Railway / British Railway Western Region-Modellbahner ist zur Zeit das größte Angebot an Fertigmodellen vorhanden. Ich denke aber, nachdem dieses Marktsegment erstmal abgedeckt ist, wird bald etwas für die Southern kommen. Da gäbe es einiges schönes, wie die Dampfloks M7 Class, T9 Class, Merchant Navy/West County/Battle of Britain Class. Die haben sich auch in OO gut verkauft.

    Als kleine zweiachsige Personenwagen sind bei Dapol derzeit die Stroudley Coaches in Entwicklung. Stroudley Coaches

    Die ideale Ergänzung zur Terrier Lok. Wie man es jedoch von Dapol gewöhnt ist, wird das noch ein Weilchen dauern.


    Freue mich auf weitere Bilder von "Greenhall Halt", beste Grüße, Torsten

  • Hallo,

    wo bekommt man eigentlich genauere Info her, wann welche dieser kurzen englischen Wagen wo liefen. Ich denke mal, man kann da nicht alles so wahllos einsetzten. Auf Grund der Abmessungen sind aber wirklich kleinste Layout´s möglich, was für viele interessant sein dürfte.


    Gruß Derek

  • Greenhall Halt ist in den dreißiger Jahren angesiedelt, da hat es mit der Länge der Wagen (maximal etwa 15 cm) seine Richtigkeit. Der Bremswagen ist von damals neuester Bauart und das längste Fahrzeug. Der dunkelgraue Wagen ist ein Great Western Iron Mink, von dem noch etliche 1948 zu British Rail kamen. Die beiden anderen sind Privatgüterwagen, da ist es schwer zu sagen, bis wann sie im Einsatz waren. Auf den websiten britischer Museumsbahnen findet man öfters Angaben zu den erhaltenen Güterwagen, und man wundert sich, wie lange manche ausgehalten haben.


    Herbert

  • Ich kann bei denen keine so richtige Trennung in Epochen erkennen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese schicken bunten Wagen hinter einer Diesellok in den späten 40‘ zigern hingen ..,

  • Sie hingen dahinter, sahen aber überhaupt nicht mehr schick aus. Meines Wissens wurden alle privaten Kohlewagen 1939 beschlagnahmt und seither nicht mehr ordentlich unterhalten; es gab ja wichtigeres zu tun.

  • Das ist richtig, im Prinzip alle Privatgüterwagen wurden bei Kriegsbeginn beschlagnahmt und mehr oder weniger gründlich einheitlich grau lackiert. Wartung und Pflege, wie gesagt, war dann fast Null. Nach einiger Zeit begann die Farbe abzublättern und das vorherige Leben kam wieder zum Vorschein.


    Hier die Epocheneinteilung der britischen Bahn: Era System UK

    Das Era System wurde um 2007 von Bachmann eingeführt, mittlerweile benutzen es auch Hornby, Dapol und andere Hersteller. Heljan hat in seinem Katalog die entsprechenden Vorbildinformationen.

    Im Britischen Bahn Forum gibt es eine Diskussion dazu: Era System nun auf deutsch


    Drei Jahre nach dem 2.WK wurde British Railways gegründet und alles verstaatlicht. Die ehemaligen Privatwagen bekamen dann den Präfix "P" vor der Nummer.


    Genauso wurde mit den Güterwagen der "Großen Vier" (LMS, LNER, SR und GWR) verfahren.

    Präfix "M" für ex-LMS-Wagen, Präfix "E" oder "Sc" für ex-LNER-Wagen, Präfix "S" für ex-Southern-Wagen, und "W" für ex-GWR-Wagen.

    Die neu gebauten Wagen von British Railways erhielten den Präfix "B".


    Die Privatwagen haben dann nicht mehr lange überlebt, bis hinter eine Diesellok ab Mitte der 50er Jahre haben es die wenigsten geschafft. Ein Problem waren die fettgeschmierten Achslager und der hölzeren Aufbau. Vakuumgebremste Wagen (bezeichnet mit "XP") wurden länger verwendet.

    Aber wie überall, wo eine Regel, da auch die Ausnahme. Einige Privatwagen wurden nicht beschlagnahmt, besonders Spezialbauarten. Und manche liefen auch bis Ende der1960er hinter Dieselloks. Auf Anhieb fallen mir die Kesselwagen von Berry Wiggins oder die ex-Salt-Wagon von "Leith General Warehousing" ein (bis 1971!). siehe Leith General Warehousing


    Wenn man sich etwas mehr thematisch in die Materie einarbeiten möchte, dafür gibt es eine Webseite: Goods and not so goods

    Das Design stammt aus den Anfangszeiten des Internets, die Texte sind jedoch leicht zu lesen und voll mit nützlichen Informationen.


    Möchte man kurze Wagen hinter Dieselloks einsetzen, da gibt es einiges aus den frühen British-Railways-Zeiten. Alles, was in der Nummer mit "B" beginnt, wie zum Beispiel die zu zehntausenden gebauten 16 ton Mineral wagons.

    Ab 1973 haben die Güterwagen einen dreistelligen Code (TOPS-System), wie zum Beispiel ZFV, OAA, VAA, IGA, HUO) bekommen.

    Dieser gilt im allgemeinen bis heute.


    Ganz grob kann man sagen:

    - Bunt, Nummern ohne auf Anhieb erkennbares System, Firmen- und Händlernamen auf dem Wagen, Bezeichnungen wie LMS, GW, SR, NE von ca. 1890 bis 1939 bzw. 1948

    - grau oder rotbraun, Präfix als Buchstaben (P,W,M,S oder E vor der Nummer) 1948 bis 1972

    - dreistelliger Code wie BAA, HKA, VGA ab 1973 bis heute. Mittlerweile infolge der Privatisierung nun wieder sehr bunt.


    Aber das ist nur stark vereinfacht, im genauen Detail ist es natürlich nicht so simpel in drei Sätze zu fassen. Sonderfälle, Ausnahmen, Altbestände, Nicht-befolgen der Norm, es ist in UK nicht anders als in Deutschland. Bücher über britische Güterwagen können ebenfalls etliche Regalmeter füllen.


    Danke für die Aufmerksamkeit, beste Grüße, Torsten

  • Also der Ammanford Colliery Waggon ist soweit ich weiß ein Privatwaggon der Ammanford Kohlebergwerke in Wales und ist von 1943. Von den Waggons gibt es Hunderte und die fuhren überall rum.

    Grüsse aus Wales


    Sandra

  • Ist das Jahr sicher? Damals müßten die Wagen der Kohlengruben unter Regierungskontrolle gewesen sein, und hat ein Bergwerk um diese Zeit tatsächlich Wagen mit so aufwendiger Beschriftung angeschafft?


    Herbert

  • Ich vermute auch, dass es entweder ein Zahlendreher (1934) oder ein Fehler in der Quelle ist. Der Ammanford Wagen hat ein hölzernes Untergestell mit angeschraubten Achslagern. Jedoch schon 1923 hat das Raolway Clearing House (RCH) Standards für Wagen mit stählernen Unterbau veröffentlicht. Railway Clearing House Zeichnungen

    Auch passt die Beschriftung des Ammanford Wagens nicht in 1940er Jahre. Damals hatte man mehr eine am Stil der neuen Sachlichkeit orientierte Beschriftung, wie zum Beispiel der Kesselwagen auf dieser Webseite rechts in der Mitte.


    Beste Grüße, Torsten

  • Hi ihr Brit-Modeller,

    Eure Geschichtsstunde über das britische Eisenbahnwesen ist richtig spannend und interessant zu lesen.

    Ich freue mich auf weitere Themen und Anlagenfotos... ;)

    Grüße. Jay, the K.

    The Keithville & Lake Erie RR - Serves the Steel Centers

  • Hallo Herbert,


    als Anregung für Dein englisches Bauvorhaben ein paar schöne Videos von Chris Nevard.


    Brewhouse Quay

    Model Railway Diary


    Viel Spaß beim Anschauen - that applies to everyone!


    Nachtrag 7. Juni 2020: Die in Model Railway Diary gezeigte Anlage „Neath Riverside" entspricht der in Small Layouts 2 vorgestellten Anlage „DEBENHAM - MSLR.“ (Paul Clarke) auf Seite 12, nur mit einer DKW und Weiche mehr. Ansonsten wurde anscheinend vieles dem Heft entnommen. In einem anderen Video fiel mir auf, dass Chris Nevard auch einige Gebäude von Bob Barlows „Ynys Gwyntog” 1:1 nachgebaut hat. Schönes nachzubauen ist legitim!

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