0m-Bahndienstwagen: Leiterwagen für Oberleitungswartung

  • Die große Bahn hat dafür natürlich hochprofessionelle, selbstfahrende Turmwagen.


    Bei Straßenbahnen, Klein- und Werksbahnen geht es da schon etwas bescheidener zu. Da in Hohenplettberg demnächst auf allen Linien der E-Betrieb aufgenommen wird, besteht da natürlch Bedarf an einem Gefährt für Arbeiten an der Oberleitung.
    Die Bahndirektion der H. St.B. konnte sich nur für die einfachste Variante eines solchen Gefährts entscheiden. Vorbild ist das „Oferdinger Leiterle“ aus Reutlingen.
    So sieht der erste Prototyp aus, einige Optimierungen im Details müssen noch erfolgen:





    Die Arbeitsplattform wird auch noch eine Handbremse bekommen ... wir wollen ja nicht, dass der Leiterwagen wegrollt, wenn gerade jemand oben auf der Leiter steht.


    Und nun die Frage: Besteht Interesse daran, das „Oferdinger Leiterle“ als kleine Serie aufzulegen und in den Shop aufzunehmen?


    Gruß --- Jürgen

  • Moin Jürgen,


    in Ermangelung eines Turmwagens für Straßenbahnen würde ich da so einen Leiterwagen nehmen. Es müsste nur noch geklärt werden wie das mit der Kupplung funktioniert. Ich habe keine Ahnung mit welchen Kupplungen die Fahrzeuge im Original ausgestattet waren. Nötigenfalls ein Teil aus dem 3D-Druck, da habe ich das ein oder andere da oder kann es drucken lassen.


    Bräuchte halt nur einen Befestigungspunkt am Fahrzeug. Ist es vielleicht möglich dort eine Schraubbesfestigung vorzusehen (kleine Metallbauschraube) welche dann durch die Holzbohlennachbildung der Arbeits- und Leiteraufstandsfläche abgedeckt wird? Die Kupplung soll zumindest ein paar Grad seitlich schwenkbar sein.


    Viele Grüße
    Sebastian Woelk

    "Straßenbahnen" von Dipl.-Ing. August Boshart (1920)

    -----

    § 13

    Vorfahrt

    [...]

    (6) Straßenbahnen ist in jedem Falle die Vorfahrt zu gewähren. Die Vorfahrt der Straßenbahnen untereinander regelt sich nach den Absätzen 1 bis 5.


    (DDR-)Verordnung über das Verhalten im Straßenverkehr (Straßenverkehrs-Ordnung – StVO –)
    vom 26. Mai 1977

  • Hallo Sebastian,
    beim Vorbildfoto, an dem ich mich orientiert habe, sieht man auf einer Stirnseite (die Seite, wo sich die Werkzeugkiste befindet) gar keine Kupplung. Auf der anderen Seite sieht man die Trichterkupplung des Straßenbahntriebwagens, von dem der Leiterwagen gezogen wurde, aber kein Pendant auf der Leiterwagenseite. Man kann da nur spekulieren, dass in die Trichterkupplung ein Kuppeleisen eingehängt wurde; dafür müsste es dann auf der Wagenseite einfache Beschläge geben, wo das Auge des Kuppeleisen mit einem Bolzen fixiert werden kann.


    Bei einem Turmwagen eine Nummer größer, die bei Roell abgebildet ist (dort Abb. 223), gibt es eine Art Deichsel, 30 cm lang, die am Ende ein Auge hat und so mit einem Haken oder auch einer Trichterkupplung verbunden werden kann.
    Mehr Informationen dazu habe ich im Moment nicht.
    Gruß --- Jürgen

  • 1. Ich finde das eine blendende Idee. Super Gedankengang für die funktionelle Kleinbahn mit Oberleitung. Bahndienstfahrzeuge werden immer sehr vernachlässigt obwohl sie für die Betriebsabwicklung unbedingt erforderlich sind. Auch nur wenige Modellbahnkollegen haben ein Gespür dafür.


    2. Gefederte Achsen sind bei so einem Fahrzeug mM nach ein no go. Das würde nämlich Stützen für das Ausfahren der Leitern bedeuten. Unsere Vorfahren waren sparsam und praktisch-intelligent. Und auch große Räder dürften einfach zu teuer gewesen sein, ich glaube da waren eher kleine, billige Feldbahnachsen (mit Gleitlagern und Fettbuchse) drunter weil auch die Fahrgeschwindigkeit auf Grund des ungünstigen Schwerpunktes wahrscheinlich nur sehr gering war. Außerdem besteht sogar die Möglichkeit, das sie vielleicht im Fall eines Gebrechens an der Fahrleitung händisch verschoben wurden. Für Wartungsarbeiten eher nicht.


    Den 2. Punkt bitte nicht als Kritik sehen aber Kleinbahnen hatten vermutlich keinen Schrott-Fuhrpark aus dem sie Achsen und anderes Verwertbares entnehmen konnten wie die großen Bahngesellschaften.


    lg Franz

  • Hallo Jürgen,


    von einem anderen Spurnull-Kollegen welcher meinen Beitrag gelesen hat habe ich per whatsapp einen Link bekommen (Danke Franz!).


    https://www.google.com/search?…oQDg#imgrc=0f0nhVl8LzOBNM
    Eine solche Kuppelmöglichkeit reicht ja grundsätzlich mal aus, ließe sich durchaus auch aus Kraftplex herstellen.


    In meinem Themengebiet kann die ohne weiteres mit einer Alberkupplung verbunden werden, Auch Trompeten- oder Trichterkupplungen können mit Kuppeleisen verbunden werden.


    Selbst eine ESW-Kupplung (Schaku) mit einer Übergangskupplung wäre in der Lage so eine Kupplung zu bedienen. Wenn Du magst kannst Du ja solch eine einfache Kupplung vorsehen.


    Viele Grüße
    Sebasian Woelk

    "Straßenbahnen" von Dipl.-Ing. August Boshart (1920)

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    § 13

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    (6) Straßenbahnen ist in jedem Falle die Vorfahrt zu gewähren. Die Vorfahrt der Straßenbahnen untereinander regelt sich nach den Absätzen 1 bis 5.


    (DDR-)Verordnung über das Verhalten im Straßenverkehr (Straßenverkehrs-Ordnung – StVO –)
    vom 26. Mai 1977

  • Ich habe nicht behauptet, das es keine gefederten Fahrgestelle für solche Fahrzeuge gab oder gibt. Ich schrieb, das eine Federung zwangsweise eine Fixierung (die zusätzliches Geld kostet) beim Arbeiten erfordert. Und jeder der an dieser Aussage zweifelt steige mal auf eine Leiter, die auf einem schwankenden Untergrund (z.B. weiche Erde) steht. Nach der 4. Sprosse spielen die Nerven nicht mehr mit.
    Und genau die angeführten, "wiederverwendbaren Restfahrwerke" zweifle ich bei einer Kleinbahn stark an. Die hatten solche Fahrzeugrestln einfach nicht. Woher denn, wenn die Bahn vielleicht 2 Gw besaß und die hatten nur 2achs Fahrwerke und keine Drehgesgtelle? Und gekauft haben sie sicher das preiswerteste Material. Und das sind nun mal ungefederte, gleitgelagerte und feststoffgeschmierte Feldbahnachsen gewesen.
    Verlassen sie mal den deutschen Blick und schauen nach Ybbs an der Donau, da führ die welt-kleinste Straßenbahn die genau 2 Tw besaß. Und auch ganze 2 Weichen. Oder die Stainzer Bahn. Die hatte einen (!) normalspurigen Güterwagen (G) und 14 Rollböcke. Der Rest waren Feldbahnloren zur Erhaltung.


    Beispiel der LBHP - (Lokakbahn Hirschwang Payerbach). Die hatten z.B. den größten auf Schmalspurbahnen verwendeten Wagenkasten (TW1). Beim link weiter runterscrollen bis zum T1! Da ist so ein Kleinbahniger, billiger Turmwagen :D
    https://www.lokalbahnen.at/hoellentalbahn/fahrzeuge/
    Und wie dann weiter beim T2 zu sehen ist, wenn von anderen Bahnen ein Güterwagenahrwerk geerbt wurde dann haben Jünger, denen Arbeiten eine Mühsal bereitet, was Rationelleres gebaut. Solche Denkmuster gab es vor dem WK2 nicht,.


    lg Franz

  • Wäre es möglich, die Vorstellung des Oberleitungswagens in einen separaten Thread zu kopieren und die Diskussion darüber dorthin zu verschieben?


    Ich beobachte hier immer wieder, dass interessante Themen durch nicht minder interessante Diskussionen, die teilweise OT gehen, zerredet werden. Das muss doch nicht sein!


    Im übrigen kann ich aus eigener Erfahrung berichten, dass die Montage einer Leiter auf einem Fahrwerk mit einer für deutlich größere Lasten ausgelegten Federung unkritisch ist.


    Grüße


    Jörn

  • Letzter Eintrag von Rollo zu diesem Thema am 20.5. (von mir hierher kopiert):


    Hallo Franz,


    das Fahrgestell mit den gefederten Achsen ist schon richtig. Es gab beides, meist wurden aber für solche Umbauten ausgediente Fahrgestelle benutzt, und die hatten nun mal Federung. Dazu gab es ein sehr interessantes Buch, vielleicht noch im Antiquariat zu bekommen. Der Band 7 des "Straßenbahn Archiv" von Transpress behandelt Arbeits- und Güterstraßenbahnfahrzeuge.



    Mit freundlichen Grüßen
    Roland

  • Ich werde den Leiterwagen in Kürze in den Shop aufnehmen.


    Die Frage, ob gefedert oder ungefedert, habe ich salomonisch entschieden bzw. gar nicht entschieden: Sie obliegt dem Erbauer ... wenn er die Blattfeder beim Montieren weglässt und nur die Achsgehäuse mit dem Schraubdeckel und der Schmieröffnung montiert, dann hat er sich für die „harte Lösung“ entschieden.


    Bei den Achsen/Rädern sehe ich keine Alternative ,,, es sei denn, jemand nennt mir eine Quelle für gute 12-mm-Räder auf 31-mm-Achsen mit Spitzen.
    Da wird es bei den Schnellenkamp-Achsen bleiben.



    Gruß --- Jürgen

  • Die Frage nach den Achsen und den Rädern ließe sich lösen, in den man - wie ich es gemacht habe - aus Schnellenkamp 0m-Radätzen und z.B. MT 0e-Radsätzen 0m-Radsätze mit MT-Rädern und Schnellenkamp-Achsen macht und als "Abfallprodukt" 0e-Radsätze mit MT-,Achsen und Schnellenkamp-Rädern fabriziert. Wenn man einen Abnehmer für letztere findet wäre das eine Win-Win-Situation.



    Links mit Schnellis Radsätzen, rechts mit Schnellis Achsen und MT-Rädern


    Grüße


    Jörn

  • Hallo,


    zumindest für einen Radsatz mit 13mm Durchmesser gibt es eine ganz einfache Lösung. Benötigt werden MT-Radsätze, ein Stück Plastrohr von evergreen Nr. 224 und schon kann es los gehen. Die Achse des MT Radsatzes in der Mitte mit der Flex durch schneiden. Vom evergreen-Rohr ein Stück passender Länge abschneiden und mit dem Bohrklöbchen auf Achsdurchmesser aufbohren(sind nur wenige zehntel Millimeter). Die beiden Achshälften in das Rohr stecken, genaue Spurweite und Spitzenabstand herstellen, das ganze mit Sekundenkleber fixieren, fertig ist der 0m-Radsatz. Alle meine 0m-Wagen sind so ausgerüstet.


    Es ist also nicht erforderlich Radsätze von Schnelli zu schlachten.


    Mit freundlichen Grüßen
    Roland

  • Hallo Jürgen
    Also ich finde die Idee und Umsetzung einfach gei.!
    Aber sach ma:


    Bekommt der Wagen noch Aufstiege?
    Zitat von Franz:
    Bahndienstfahrzeuge werden immer sehr vernachlässigt obwohl sie für die
    Betriebsabwicklung unbedingt erforderlich sind. Auch nur wenige
    Modellbahnkollegen haben ein Gespür dafür.
    Na, na, dat kann ich so nicht stehen lassen!
    Hab ich doch kürzlich ein solches entworfen und sogar hier angeboten, allein das Interesse ist eher mau.
    Grüße aus dem Bärliner RAW,
    Dirk

  • So, das „Oferdinger Leiterle“ ist fertig. Beim zweiten Prototypen habe ich die verschiedenen Anregungen aus den Reaktionen auf die Vorstellung des Projektes aufgegriffen: Der Bausatz ist so, dass man wahlweise mit oder ohne Federung montieren kann. Der hier gezeigte Prototyp ist ohne Federung montiert.

    Der Wagen hat auf beiden Seiten einfache Rangierkupplung erhalten, in denen man das Auge eines Kupplungseisens mit einem Splint fixieren kann, eine Handbremse ist ergänzt und ein Aufstiegstritt ergänzt.


    0m-Turmwagen2-1k.jpg

    0m-Turmwagen2-3k.jpg

    0m-Turmwagen2-5k.jpg


    Optional kann man zu dem Wagenbausatz verschiedene Radsätze mitbestellen. Das sind entweder die Schnellenkampachsen mit 15,5 mm Durchmesser oder 0e-Achsen mit 10,5 oder 12 mm Durchmesser. Diese 0e-Achsen müssen nach der Methode von Rollo (wurde vor 10 Tagen in Post #11 beschrieben) in der Mitte durchgetrennt werden und dann mit einem Kunststoffrohr, das auf 19 mm abgelängt wird auf die korrekte 0m-Spurweite gebracht werden. Zusätzlich zu den 0e-Achsen wird jeweils das passende Kunststoffrohr mitgeliefert. Beim nachfolgenden Bild sieht man vorne den allerersten Prototypen mit 10,5-mm-Rädern im Vergleich zu den Schnellenkampachsen. Von den 12 mm Rädern habe ich noch kein Vergleichsfoto.

    0m-Turmwagen2-4k.jpg


    Der Bausatz wird in der kommenden Woche bereits zur Bestellung freigegeben.


    Gruß --- Jürgen




  • Hallo Jürgen,



    bezüglich der Kupplung hast Du Dir genau das Richtige einfallen lassen! So in der Richtung habe ich das gemeint. Danke Dir ganz herzlich! Den Bildern entnehme ich das Du zwei Kraftplexplatten für den Rahmen geändert hast, sozusagen die Kupplung daran angefügt hast.


    Ich verdiene zwar ganz gut, aber leider bin ich nicht mit Rockefeller verwandt... Daher muss ich Dich mit meiner Bestellung noch ein paar Tage (1 bis 2 Wochen etwa) vertrösten. Aber die Bestellung kommt, versprochen! Eine bescheidene Frage - besteht auch die Möglichkeit diesen Lorenanhänger ohne Leiteraufbau und Kistenaufbau zu bekommen? Besteht die Möglichkeit die Kiste auch einzeln zu bekommen?


    Viele Grüße und angenehmen Pfingstmontag!

    Sebastian Woelk

    "Straßenbahnen" von Dipl.-Ing. August Boshart (1920)

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    § 13

    Vorfahrt

    [...]

    (6) Straßenbahnen ist in jedem Falle die Vorfahrt zu gewähren. Die Vorfahrt der Straßenbahnen untereinander regelt sich nach den Absätzen 1 bis 5.


    (DDR-)Verordnung über das Verhalten im Straßenverkehr (Straßenverkehrs-Ordnung – StVO –)
    vom 26. Mai 1977

  • Guten Morgen Sebastian,


    mit den Kupplungslaschen, das siehst du richtig: Es war die naheliegendste Lösung, sie gleich als „Auswuchs“ den äußeren Platten des Rahmens anzuhängen.


    Die Kiste werde ich nicht gesondert anbieten. Für einen Plattenwagen ohne Aufbau gab es sowieso schon eine „private“ Bestellung. Dann werde ich ihn in dieser Aufführung auch in den Shop aufnehmen.


    Gruß --- Jürgen

  • Habe fertig!


    Die Montageanleitung ist geschrieben und steht auch bereits vorab beim Produkt als Download-PDF zur Verfügung. Neben den Schnellenkamp-Achsen (die für dieses Fahrzeug eigentlich etwas oversized sind) habe ich in geringen Stückzahlen auch 0e-Speichenrad-Achsen mit den Durchmessern 10,5 mm, 12 mm und 13,5 mm auf Lager. Die zum Umspuren notwendigen Kunststoffhülsen werden mitgeliefert, die Anleitung zum Umspuren enthält die Montageanleitung.

    Das Oferdinger Leiterle wie auch der »nackte« Plattformwagen sind zur Bestellung freigegeben. Die Auslieferung beginnt in der kommenden Woche.


    Gruß --- Jürgen

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