Erfahrungen mit ANYCUBIC Photon S 3-D Drucker?

  • Hallo,


    hat jemand Erfahrungen mit dem 3-D Drucker ANYCUBIC Photon S?
    bzw. diesen in "Arbeit stehend"?


    Da ich keinerlei Erfahrungen mit ihm habe, würde ich mir gern
    mal einen (gegen Bezahlung) Probedruck machen lassen, um das
    Ergebnis beurteilen zu können. Damit würde die Kaufentscheidung "leichter"
    fallen, als über "Testberichte".


    Vielen Dank!


    Herzliche Grüße
    Andreas

  • Hi,


    kann ich dir machen. Oder du leihst dir den Drucker mal aus - das Gesamtpaket mit dem Geruch und Isopropanol sollte man mal selbst erfahren ;)


    H3x

    Im Bau: Papierfabrik Koslar an der Jülicher Kreisbahn und Module nach Fremo-Norm.


    Mein Spur 0 Blog: 1durch45.de

  • Hallo Andreas
    Nun will mich auch als Nutzer des Anycubic Photon S outen. Seit Anfang Jahr steht so ein Gerät bei mir in der Werkstatt. Nach anfänglicher Skepsis kam die Euphorie und dann die Ernüchterung. Inzwischen habe ich mehr als ein Liter Harz verdruckt, gefühlt mehr als die Hälfte für Stützkonstruktionen. Nun aber alles der Reihe nach.


    Das Thema 3D-Druck beschäftigt mich seit wohl bald 20 Jahren, keine Ahnung. Die erste Anwendung waren Urmodelle für Gussteile. Der Versuch, direkt Bauteile für den Eisenbahnmodellbau scheiterte damals an der Auflösung und der Festigkeit. Habe noch lebhafte Erinnerungen an die wabbligen Musterteile eines Bremsbühnengeländers für ein Spur 0m – Wagen. Wurde dann doch in Messing gegossen und verlötet.


    Muss so um das Jahr 2008 gewesen sein, da habe ich das erste Mal Metallteile drucken lassen. Eine Bronce-Legierung, verschiedene Teile. Fazit damals: schweineteuer und qualitativ nicht das, was mir vorschwebte. Zwischendurch mal ein Drehgestell bei einem einschlägigen Dienstleister als SLA-Druck drucken lassen. Sieht (immer noch) sehr gut aus, war perfekt passgenau und schlappe CHF 1000.- nur für den Druck. Das war es dann auch wieder mit dem 3D-Druck. Abgesehen von Urmodellen für den Messingguss, da wird inzwischen der direkte Wachsdruck angewendet.



    Mit dem Projekt der Spur modernen N – Modelle kommt auch der Bedarf an aktuellem 3D-Druck wieder auf. Zwei neue Anläufe für das Metalldruckverfahren später: ja, das könnte was werden, aber nur für Spur N. Und auch die ersten Versuche mit farbigem 3D-Druck sind spannend, Inneneinrichtungen in Spur N aus dem Drucker direkt in den Wagen. Nicht ganz günstig, dafür ohne einen Pinsel anzufassen.


    Die Frage nach einem eigenen 3D-Drucker scheiterte immer an den Kosten. Ein Filamentdrucker kommt mir nicht ins Haus, auch wenn der Kollege einen erstaunlich gut aussehenden Stall damit zaubert. SLS- und SLA-Drucker waren jedoch lange Zeit zu teuer. Das war die Skepsis, dann kam der Photon S. Seit Anfang Jahr habe ich damit viele Teile gedruckt. Die ersten zwei, drei Versuche kam gar nix, irgendein Fehler in der Nivellierung und den Druckzeiten. Gut, habe mich nie mit den Mustermodellen aufgehalten, sondern wollte direkt selber gezeichnete Modelle gedruckt sehen. Experimentiermasse gab es aus 20 Jahren 3D-zeichnen genug.


    Erkenntnis Nr. 1: egal für welche Fertigungsmethode die Teile gezeichnet sind, für den 3D-Druck passt es meist nicht. Also Datenmodelle anpassen.

    Ein grosses Übungsfeld waren die Y25-Drehgestelle in Spur 0. In einem ersten Schritt aus drei Teilen miteinander verschraubt, konnten sie mit Messingbüchsen und NEM-Radsätzen auf die Anlage. Bis zu dem Moment, als der erste Längsträger brach. Ok, das hart aushärtende Anycubic-Harz wird zu spröde. Mit einem weicher aushärtenden Harz konnte dann die Erfahrung gewonnen werden, dass sich die Teile immer (wirklich immer) beim Aushärten verziehen. Dank des weichen Aushärtens konnten die Achsen jedoch auch im zusammengebauten Zustand eingebaut werden. Also Drehgestelle am Stück konstruieren.

    Das erste vollständig am Stück konstruierte Drehgestell war das „JMR 1960“, ein aus dem „Minden-Dorstfeld“ abgeleiteten Blattfederdrehgestell. Kam sauber aus dem Drucker, flugs Messingbüchsen und Achsen eingesetzt: läuft. Zwei, drei weitere ausgedruckt und dann sieht man: keines ist gleich, jedes hat einen leicht anderen Verzug. So viel zur Euphorie.


    Erkenntnis Nr. 2: Der Photon S bzw. die damit produzierten Teile haben Verzug.


    Inzwischen laufen die Abklärungen, die Drehgestelle bei einem Dienstleister auf der SLS-Anlage zu produzieren. Das hat (für mich) mehrere Vorteile: der SLS-Druck ist immer noch dauerhafter als SLA, die Drehgestelle kommen auch schon lackiert zu mir. Fehlen nur noch die Messingbüchsen und Achsen. Das Ganze hat natürlich wieder seinen Preis, rund CHF 150.- für ein Paar Drehgestelle werden es im Bauteil-Shop dann sein. Dafür mit vollständiger Bremsausrüstung. Und der 3D-Druck ermöglich kleine Serien mit individuellen Anpassungen, so dass auf Kundenreaktionen und Unterschiede in den verschieden Bauserien eingegangen werden kann. Doch das gehört nun wirklich nicht mehr hierher.
    Was mache ich nun mit meinem Photon S? Prototypen, Muster und kleine Bauteile, bei denen der Verzug nicht gross stört. Allerdings zeigte sich auch, dass die Photon-Drucke nicht nur Verzug haben, sondern wohl auch leicht schrumpfen. Zumindest hat es bei einem der Musterdrehgestelle mit eingebauten Messingbüchsen drei von vier Achslager gespalten.


    Erkenntnis Nr. 3: Die mit dem Photon S produzierten Teile haben offenbar leichten Schwund.


    Fazit: der Photon S wird für mich ein Werkzeug für den Prototypenbau bzw. Musterbau bleiben. Der Traum von günstigen Teilen im 3D-Druck ist vorläufig (wieder) ausgeträumt. Andererseits: die Entwicklung in den verschiedenen 3D-Drucktechnologien läuft immer noch rasant vorwärts. Möglicherweise steht in ein paar Jahren irgendein Nachfolgesystem des Photon S bei mir in der Werkstatt und produziert Serien.


    Viel Erfolg und Spass bei den eigenen Experimenten.


    Gruss Andreas

  • Hallo.
    Auch wenn ich keinen Anycubic sondern einen Elegoo Mars habe, sollten sich die Ergebnisse und Probleme nicht sonderlich unterscheiden, da dasselbe Druck- Prinzip verwendet wird und dasselbe Harz.
    Das, was Andreas geschrieben hat, mag ich aber nicht unkommentiert stehen lassen...


    Erkenntnis Nr. 1:


    Das ist eine viel zu pauschale Aussage, die so schlicht falsch ist. Ich habe schon viele Dateien erhalten, die sich problemlos drucken ließen. Bei anderen bin ich schier verzweifelt. Aber irgendwie habe ich es immer hin bekommen, selbst bei Teilen, die Shapeways als nicht druckbar abgelehnt hat.


    Erkenntnis Nr. 2:


    Verzug entsteht dann, wenn die Teile entweder zu dünn und somit statisch fragwürdig sind, man das Stützmaterial nicht richtig eingesetzt hat oder, was am häufigsten passiert, wenn man die Teile zu lange oder/und zu ungleichmäßig härtet. Das musste ich selbt auch erst mal lernen, und zwar auf die harte Tour:

    Diese Datei war problematisch, da sie eigentlich für 1:22,5 gedacht war und ich die Teile entsprechend verkleinert Drucken muss, um ein 1:45 Modell zu bekommen. Dabei werden Wände dann schon mal extrem dünn... Inzwischen habe ich aber einen brauchbaren Vorbau gedruckt und weiß jetzt, was ich machen muss. Also kann ich jetzt theoretsich eine Serien- Produktion aufnehmen, was ich aber nicht vorhabe. Die Lok habe ich nur für mich gedruckt.


    Erkenntnis Nr. 3:


    Jeder 3D Druck, auch der vom Dienstleister hat Schwund. Das ist völlig normal und unvermeidlich. Gibt man die Sachen weg, so kompensiert der Dienstleister die Schrumpfung normalerweise, da diese von Gerät zu Gerät, von Material zu Material unterschiedlich ist. Auf dem heimischen Drucker muss man das, zumindest wenn es wirklich auch das Zehntel ankommt, eben eintesten und entweder bei der Konstruktion oder beim Slicen korrigieren.
    Aber man kann ein Loch für eine Lagerbuchse auch leicht aufreiben, damit die Buchse rein passt und sie nicht mit Gewalt so reinwürgen, das man das Drehgestell dabei zerstört. Sowas dem Drucker in die Schuhe schieben zu wollen, geht gar nicht. Das ist schlicht eigene Unachtsamkeit...


    Alles in allem denke ich, für dich ist es vielleicht wirklich besser, 150 Schweizer Franken für ein paar Drehgestelle auszugeben und darauf zu warten. Die sind dann bestimmt super stabil, super maßhaltig und super detailliert und du bekommst genau das, was du willst. Für den Heim- 3D Druck braucht man Experimentierfreude und die Bereitschaft zu Lernen und die Fähigkeit auch mal Rückschläge zu akzeptieren... Ich gebe dann doch lieber 0,40€ für ein paar Drehgestelle (Achsen und sofern nötig Lagerbuchsen sind in dem Preis nicht inbegriffen) aus und warte nur 75 Minuten, bis mein Drucker sie ausspuckt. Zufälligerweise habe ich heute Vormittag grade 2 Paar Diamond Drehgestelle für 0e bzw 0n30 ausgedruckt. Deswegen habe ich die Druckkosten, die der Slicer berechnet hat, noch genau im Kopf: 0,79€ für vier Drehgestelle. In den 0,40€ für ein Paar Drehgestelle ist schon der Harz- Verbrauch für das Stützmaterial und der Verschleiß des Displays mit einkalkuliert (hab ich bei den Harz- Kosten eingeplant. 1 KG Harz kostet 45€, ich habe aber 50€ als Berechnungsgrundlage gewählt. Somit habe alle 6 KG Harz ein neues Display für 30€ "übrig"... Ob das zu viel oder zu wenig ist, muss die Zeit zeigen. Bisher habe ich das Display noch nicht tauschen müssen. Der Genuss, etwas zu Hause mit vorhandenen Mitteln selbst aus dem Nichts erschaffen zu haben, ist sowieso unbezahlbar.


    Dafür muss ich halt gelegentlich mal was wegwerfen, wenn ich einen Fehler gemacht habe. Neulich habe ich ein 0e Modell der Jagsttalbahn Lok gedruckt. Derselbe Druck, der für ca 6€ Harz sowie etwa 15 Stunden Druckzeit verschlungen hat, hätte mich bei Shapeways über 100€ gekostet, und das auch nur, wenn ich das billigst- mögliche Material auswählen würde. Ich könnte aber auch locker 600€ und mehr für den Druck ausgeben, wenn ich will. Da kann ich aber jede Menge misslungener Drucke entsorgen, bevor sich der Dienstleister rechnen würde. So wie das skurrile Beispiel auf dem Foto oben...


  • Zitat von »Andreas«
    Erkenntnis Nr. 1:



    Das ist eine viel zu pauschale Aussage, die so schlicht falsch ist. Ich habe schon viele Dateien erhalten, die sich problemlos drucken ließen. Bei anderen bin ich schier verzweifelt. Aber irgendwie habe ich es immer hin bekommen, selbst bei Teilen, die Shapeways als nicht druckbar abgelehnt hat.


    Ok, ich präzisiere: die von mir in den letzten 20 Jahren gezeichneten Daten für die unterschiedlichen Produktionsmethoden können meist nicht 1:1 einfach gedruckt werden.


    Aber man kann ein Loch für eine Lagerbuchse auch leicht aufreiben, damit die Buchse rein passt und sie nicht mit Gewalt so reinwürgen, das man das Drehgestell dabei zerstört. Sowas dem Drucker in die Schuhe schieben zu wollen, geht gar nicht. Das ist schlicht eigene Unachtsamkeit...


    Ähm, die Buchsen waren mehrere Tage eingesetzt, bevor es das Achslager gesprengt hat. Notabene, nachdem das Teil gehärtet wurde. Also wird es wohl nachträglich noch etwas geschwunden sein. Aber lassen wir das, die gesprengten Achslager waren sowieso nur als Illustration gedacht für die Herausforderungen mit dem Home-SLA-Druck.


    Alles in allem denke ich, für dich ist es vielleicht wirklich besser, 150 Schweizer Franken für ein paar Drehgestelle auszugeben und darauf zu warten. Die sind dann bestimmt super stabil, super maßhaltig und super detailliert und du bekommst genau das, was du willst. Für den Heim- 3D Druck braucht man Experimentierfreude und die Bereitschaft zu Lernen und die Fähigkeit auch mal Rückschläge zu akzeptieren...


    Danke für den Hinweis. Vielleicht ist Dir entgangen, dass ich in den vergangenen 4,5 Monaten einiges experimentiert und ausprobiert habe. Mein Ziel ist nicht ein Paar Drehgestelle für mich, das hätte ich längst erreicht. Ich habe dahingehend experimentiert, dass ich ein verkaufsfertiges Produkt hinkriege. Kriege ich mit dem Photon S mit Blick auf meine Qualitätsansprüche nicht hin. Also geht der Weg mit einem Dienstleister weiter, der das 3D-Drucken als Kernkompetenz betreibt. Und ich kann mich auf meine Kernkompetenzen konzentrieren, z. B. die Kalkulation. Da fällt dann halt auch das weggeworfene Material und die eingesetzte Zeit auf, ist ein zuweilen ärgerlicher Blick in den Spiegel der eigenen Tätigkeit. Und der Photon S wird mir gute (und günstige) Dienste in der Produktentwicklung leisten. Denn eine der Erkenntnisse der letzten Monate ist auch, dass ein gedruckter Zwischenstand wertvolle Inputs in die weitere Konstruktionsarbeit gibt.

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