Ein Traum wird wahr... V100 Ost aus dem 3D-Drucker

  • Liebe Freunde des gepflegten Eisenbahn-Modellbaus in Spur 0,


    nun geht es primär um meine Erfahrungen mit dem 3D-Drucker, daher setze ich meinen Baubericht zur V100 der DR im Unterforum 3D-Druck fort. Ich verbinde damit die Hoffnung, dass sich hier bald etwas mehr tut und zukünftig mehr Erfahrungsberichte aus unserem Kreis veröffentlicht werden. Im Netz habe ich bisher noch kein Forum zu dem Thema gefunden, dass wirklich brauchbare Informationen liefert, da möchte ich mich mal bei Sebastian Woelk, Arnold, Pierre-Thomas, Jörg, Claus und den Anderen, die mir bzw. uns hier schon manch guten Tip gegeben haben.


    In den letzten Wochen habe ich die beiden Vorbauten der V100 konstruiert, in der Ursprungsausführung zunächst, da mir diese Variante besser gefällt, als die späteren Verschlimmbesserungen wie die scheußlichen Haubendeckel der sog. Serienausführung. Hier wurde es doch mit dem Druck etwas komplizierter... Bisher hatte eigentlich alles, was ich ausprobiert hatte, auf Anhieb geklappt, aber bei den Hauben mußte ich ganz schön fummeln.


    Mit der Software NovaMaker kann man auf verschiedene Arten Stützgerüste erzeugen, damit habe ich meinen ersten Versuch gestartet. Davon war ich erstmal nicht so begeistert



    Bild 1: Die Banane und innenseitige senkrechte Rippen an den Seitenwänden und dem Deckel


    Bei der Banane habe ich auch nur 1,5 mm Wandstärke verwendet, zu dünn, offenbar... Beim zweiten Versuch habe ich innen eine Reihe von umlaufenden Rippen angebracht, allerdings nur an den Seitenwänden, nicht an der Front, die war dann auch wieder krumm, sonst aber schon deutlich besser. Wandstärke ebenfalls 1,5 mm.


    Danach habe ich meine 2 3D-Modelle der Hauben jeweils in 4 Einzelteile zerlegt, um sie einzeln zu drucken. Beide Seitenteile und die Front habe ich dabei mit der Rückseite direkt auf die Druckplattform gelegt, das funktioniert garnicht schlecht und hat ein paar angenehme Vorteile: Es benötigt überhaupt kein Stützgerüst, also Null Abfall. Bei den ebenen Seitenteilen sieht man keine Schichten, denn die Außenflächen liegen ja parallel zu den einzelnen Druckschichten, die kommen ganz glatt aus dem Drucker, und schnell geht’s auch noch, dauert nur etwas in 20 Minuten ein Seitenteil zu drucken.



    Bild 2: Vorbauten aus 4 Einzelteilen zusammengebaut.


    Schließlich habe ich noch versucht, die Vorbauten mit selbstkonstruiertem Stützgerüst zu drucken, dabei habe ich erstmalig die Schichtdicke von 0,050 mm auf 0,025 mm reduziert. Da gehen dann schon 42 ml Harz drauf, davon sind ca. 8 ml für das Stützgerüst. Das slicen, also das Berechnen der Druckschichten, dauert dabei schon fast 30 Minuten, der Druck selbst 10-12 Stunden.



    Bild 3: Vorbauten mit selbstkonstruiertem Stützgerüst.


    Und damit ist es Zeit, sich mal mit den Problemen zu beschäftigen:


    1. Welches Harz?
    1.1 Zuerst habe ich ein klares Harz von NOVA3D (NovaStan Clear) ausprobiert, das gesamte Fahrwerk besteht daraus. Fazit: Ungeeignet, sehr, sehr spröde und bruchempfindlich.
    1.2 Schwarzes Harz von anycubic (basic). Fazit: Noch ungeeigneter, weil noch spröder..
    1.3 Translucent Harz von Elegoo ((ABS-Like Photopolymer Resin) Fazit: Na bitte, geht doch. Wesentlich elastischer als die anderen 2 Harze, gibt es in vielen Farben, das ist das beste, was ich bisher ausprobiert habe, empfehlenswert.
    1.4 In einem deutschen Forum fand ich den Hinweis auf die australische Firma MONOCURE und den Tip, das Harz 3D RAPID und FLEX 100 zu mischen und sich so die gewünschte Elastizität einzustellen. Nun stehen hier 5 l 3D-RAPID und 1 l FLEX 100 rum, damit geht es weiter, wenn...
    2. … der Drucker repariert ist.
    Erstmal wurde vor kurzem die FEP-Folie undicht, nur ein winziges Loch, also ist der Drucker nicht abgesoffen. Diese Folie ist in den Boden der Harzwanne eingesetzt, durchsichtig und liegt beim Drucken direkt auf der Scheibe des Displays. Ist ein Verschleißteil, und eine Ersatzfolie mit Rahmen war mitgeliefert.
    Bei NOVA3D wird die Folie in einen zweiteiligen Kunststoffrahmen eingeklebt, muß man komplett tauschen. Und auch erstmal bekommen, wird aber offenbar nur bei aliexpress.com angeboten, und da steht dann, für 8,-$. Hmmmm...
    Der Folienwechsel ist beim Anycubic photon z.B. besser gelöst, der hat einen zweiteiligen Edelstahlrahmen für die Folie, da kann man sich irgendwo in der Bucht z.B. 5 Blätter 140x200 für ab 10,- Euro bestellen und selbst einbauen. Wie das geht lernt man auf YouTube.
    Ich werde mir also für meinen NOVA3D ELFIN einen solchen zweiteiligen Rahmen selbst bauen müssen (bzw. aus Alu Fräsen bei meinem Arbeitgeber oder aus Edelstahl lasern bei ABP).


    Und nun das größte Ärgerniss: Das Display ist schon hin!!!
    Die LCD-Displays sind offenbar die Achillesferse dieser Drucker, ich habe gerade mal rund 1 l Harz verdruckt, da bekomme ich plötzlich Teile mit Löchern.



    Bild 4: Hier nochmal die 2 zuletzt gedruckten Vorbauten mit den Löchern.


    Über den Display-Test informiert die Bedienungsanleitung, und dass man den regelmäßig machen soll. Das hatte mich schon gewundert, als ich es erstmals gelesen habe. Und nun zeigt sich folgendes Bild:



    Bild 5: Display-Test – Defekt nach 2 Monaten.


    Einen neuen Display soll ich am Dienstag bekommen. Der Display-Wechsel (wie auch der Folienwechsel) wird in einem Video auf der Homepage von NOVA3D erklärt. Scheint ganz einfach zu sein.


    Also den NOVA3D Elfin würde ich wohl nicht nochmal kaufen.


    Soviel für Heute. Danke für's lesen und schönen Restsonntag!


    Gruß
    Torsten Frieboese

  • Hi!


    Also der Preis der günstigen Resin-Drucker kommt ja daher, dass diese eben günstige Technik, sprich Smartphone Displays nutzen können.


    Diese sind aber auch als Verschleißteil zu sehen. Also mit der "Qualität" der Drucker hat das nichts zu tun sondern das ist ganz normal, dass man da alle paar Wochen um die 70€ in die Hand nehmen muß für einen Austausch.
    Bedenkt man die wirklich imense Dauernutzungsdauer/Belastung der Displays, ist das auch völlig nachvollziehbar.


    Also bei den Druckern dieser Art sollte man bei den Druckkosten nicht nur Anschaffung und Resin sehen sondern eben auch die Display Kosten.
    Nutzungsdauer wird bei vielen mit etwa 400h angegeben und die erreicht man eben auch relativ zügig.


    Dafür kann man aber immerhin überhaupt selbst daheim drucken, ohne direkt einen großes Geldbündel in die Hand nehmen zu müssen. Hat aber dann seinen Grund, warum andere Geräte für den 24/7 Einsatz auch etwas mehr kosten.

  • Hallo Christian,


    danke für die Erläuterungen zum Display. Auffällig ist ja, dass es genau in der Mitte Schaden nimmt. Wenn ich Teile Vollflächig drucke wie die einzelnen Seitenteile der Vorbauten, sind wahrscheinlich die Abhebekräfte sehr groß, und wenn die FEP-Folie sich gerade richtig schön auf der Scheibe festgesaugt hat, sind die Abhebekräfte beim Hochfahren der Bauplattform wohl sehr groß, beim Runterfahren wahrscheinlich auch, denn da muß ja das Harz bis auf einen ganz dünnen Film verdrängt werden. Und alleine die letzten Drucke hatten 2500 Schichten. Dauerbiegeversuch sozusagen.


    Wieder was gelernt. Und Teile lieber an den Rand legen, wenn möglich!


    Neues Display kostet 39,90 Euro, Lieferzeit 2 Tage.


    Gruß


    Torsten Frieboese

  • Mahlzeit,

    nun geht es primär um meine Erfahrungen mit dem 3D-Drucker, daher setze ich meinen Baubericht zur V100 der DR im Unterforum 3D-Druck fort. Ich verbinde damit die Hoffnung, dass sich hier bald etwas mehr tut und zukünftig mehr Erfahrungsberichte aus unserem Kreis veröffentlicht werden. Im Netz habe ich bisher noch kein Forum zu dem Thema gefunden, dass wirklich brauchbare Informationen liefert, da möchte ich mich mal bei Sebastian Woelk, Arnold, Pierre-Thomas, Jörg, Claus und den Anderen, die mir bzw. uns hier schon manch guten Tip gegeben haben.


    na ups, wie kommt mein Name da rein? Ich bin jetzt überrascht, ich habe doch nichts getan, oder doch?


    Nebenbei - tolles Projekt der 110/112/114:-) Da werde ich mal dranbleiben.


    Viele Grüße
    Sebastian Woelk

  • Nebenbei - tolles Projekt der 110/112/114:-) Da werde ich mal dranbleiben.


    Moin


    Die 108, 111, 115 und 199.8 nicht zu vergessen. Auch wenn es jetzt erstmal das Gehäuse der 110 ist... Wäre trotzdem ein heißer Kandidat für eine "Großserienfertigung".


    Gruß Ralph

    Wenn die Klügeren immer nachgeben, regieren irgendwann die Dummen die Welt...

  • Moin


    Die 108, 111, 115 und 199.8 nicht zu vergessen. Auch wenn es jetzt erstmal das Gehäuse der 110 ist... Wäre trotzdem ein heißer Kandidat für eine "Großserienfertigung".


    Gruß Ralph

    Moin Ralph,




    :S :S :S ich habe die Liste bewusst unvollständig gelassen... bring mich bitte nicht auf dumme Gedanken... :-)


    Aber der Vollständigkeit halber gehören die Baureihen selbstverständlich dazu.



    Viele Grüße
    Sebastian Woelk

  • Moin,


    wenn da mal ein Anfang gemacht ist, dann kann man mit den unglaublich vielen Varianten der Lok anfangen. Von den 110, 112, 114 zur 108, 111, Grabenräumeinheiten, 199.8, die nach der Bahnreform aufgetauchten Privaten Loks, dazu die Museums 110 001 in ihrer Ursprungslackierung... ich glaube, das sind dann weit mehr als 100 Lackierversionen seit 1994. Und wenn man sich dann noch die Alsthom Remo V100 vornimmt... autsch. Da hat der Drucker aber gut zu tun.

  • … , dazu die Museums 110 001 in ihrer Ursprungslackierung... ich glaube, das sind dann weit mehr als 100 Lackierversionen seit 1994. Und wenn man sich dann noch die Alsthom Remo V100 vornimmt...


    Moin Michael


    Du meinst sicher die 110 003. Die echten "001*" und "002*" gibt's ja im Original nicht mehr, denn die sind ja in Cottbus verbrannt. Die 110 001 und 002 bei der DR in Epoche IV waren Neubesetzungen aus der Serie. Naja, Varianten sind schon einige möglich. 2 verschiedene Rahmen, Abgasanlage, Lüfteranordnung, Führerhausseitenwände, Abdeckungen der Vorbauten etc. Von den Remo-Loks ganz zu schweigen. * Die beiden Baumusterloks wurden offiziell von der DR nicht übernommen. (Quelle https://de.wikipedia.org/wiki/DR-Baureihe_V_100 )


    Gruß Ralph

    Wenn die Klügeren immer nachgeben, regieren irgendwann die Dummen die Welt...

  • Liebe Freunde des gepflegten Eisenbahn-Modellbaus in Spur 0,


    vielen Dank zunächst für Euer Interesse und die Rückmeldungen zu meinem Thread.


    @Sebastian, Ralph, Michael: Ja, die V100 ist sehr Reich an Varianten, und die könnte man bei dieser Bauweise sehr gut umsetzen. Der erste Prototyp hatte z.B. andere Drehgestelle (mit Blattfedern als Sekundärfederung), hübsche Luftansaug-Gitter (aus Aluminium?), und die blaue Farbgebung finde ich auch trés chique. Diese Luftansauggitter hatten auch weitere Maschinen der ersten Serie vorübergehend. Die V100 003 in Wittenberg hat eckige Griffmulden an den Vorbauklappen und verkürzte Schutzdächer über den Seitenfenstern des Führerstands, und dann gibt es die späteren Serien mit den überstehenden Haubendeckeln, und die könnte man auch auf einer zeitgenössischen Anlage einsetzen, und, und, und...


    In meinem letzten Bericht war ja auf den Bildern der Gehäuseteile nicht soviel zu erkennen, und so ist das auch, wenn man sie in natura vor sich hat. Daher habe ich alles mal lackiert, um zu schauen, ob die Details eventuell zugekleistert werden. Tatsächlich habe ich festgestellt, dass dünne Vertiefungen beim Drucken zuwachsen, wenn man länger belichtet. Daher verschwindet z.B. die Kontur der Vorbautür in der Frontpartie. Bei Drucken mit relativ moderater Belichtungszeit von 8 Sekunden gut zu erkennen, bei 15 Sekunden kaum noch zu sehen...
    Bei den Gehäuseteilen habe ich nur das schwarze Raisin von anycubic verwendet, daher ist da schon so einiges abgebrochen von den Teilen, aber noch bin ich ja im Versuchsstadium. Außerdem habe ich alle Gehäuseteile flach gedruckt und danach zusammengeklebt. Mit 0,1 mm Schichtdicke sind das nur 20 Schichten bei 2 mm Wandstärke. Die 2 Aufbaudeckel und das Führerhausdach sind mit 0,025mm gedruckt (auf dem neuen Display).


    Aber seht selbst:



    Bild 6: Prototyp aus zusammengeklebten flachen Einzelteilen. Lampenringe und die Gartentore vor dem Wasserkühler sind einzeln gedruckt.




    Bild 7: Noch ohne Pufferbohle, Auspuff und Türklinke...



    Bild 8: … der Führerstand ist aber schon eingerichtet, frei von irgendwelcher MoBa-Antriebstechnik.



    Bild 9: Den einteilig gedruckten Vorbau mit den Löchern habe ich auch mal lackiert. Dafür bräuchte es eine Formlab Form 3-Drucker, der würde das sauber hinbekommen. Das „Gartentor“ ist nicht freistehend gedruckt.



    Bild 10: Zum Vergleich dazu nochmal das freistehende „Gartentor“. Bitte auch die Augenschrauben auf dem Haubendeckel beachten.


    Nun steht die große konstruktive Überarbeitung des Prototypen an. Ich plane, für das Modell eine neue Grundplatte aus 5mm-Material als unsichtbaren Hauptrahmen zu konstruieren. Wenn meine CNC-Fräse dann läuft, kann ich den aus Messing fräsen und alles daran befestigen. Der Modellrahmen inkl. Pufferbohlen und sonstigem Gedöns muß darauf angepasst werden. Außerdem sollen fernsteuerbare Lenz-Kupplungen eingebaut werden, muß mal sehen, was da in mein Modell reinpasst, die Kupplung der V36 von Lenz habe ich ja schon bei der V15 verwendet, daher habe ich davon auch schon ein selbstgemachtes CAD-Modell.


    Soweit für Heute. Ich bedanke mich für das Interesse und wünsche Euch ein schönes Restwochenende!


    Torsten Frieboese

  • Hallo Tosten,


    die Qualität und die Oberfläche der gedruckten Vorbauten ist schon beeindruckend. Leider fehlt mir noch jeder Zugang und Verständnis zum 3D Druck. Von der zeit zum lernen mal ganz abgesehen...

    Darum schua ich dir noch ein bischen auf die Finger.:)


    Gruss, Dirk

  • Hallo Uwe,

    nettes Kompliment, danke vielmals.


    Fast alles gedruckt. Evtl. kennst Du den ersten Teil von meinem Thread noch nicht, den hatte ich mit gleichem Titel im Unterforum Fahrzeugbau veröffentlicht. Da kannst Du den Rest von Anfang an nachlesen.


    Gruß

    Torsten Frieboese

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