Eine "richtige" 0m-Lok auf dem STAINZ-Fahrwerk von Magic Train

  • Nicht nur Papier ist geduldig, STAINZ-Fahrwerke ebenso. Was ist nicht schon alles auf diesen netten kleinen B-Fahrwerken von Fleischmann aufgebaut worden, meist in 0e und zum Teil auch in 0m. Und fast alles free lance Produkte.



    Jetzt, wo dank der mächtigen Initiative von Michael Schnellenkamp 0m aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst worden ist, kam bei mir eine alte Idee wieder hoch: Kann man nicht eine "richtige" 0m-Lok auf einem - natürlich umgespurten - STAINZ-Fahrwerk bauen? Also eine, die es wirklich gegeben hat, die vom Achsstand und Raddurchmesser so einigermaßen passt? Ich wälzte also alle meine alten MITTELPUFFER-Ausgben zum x-ten Male durch - und fand nichts Passendes.Aber im gleichen Regal wie die gebundenen Mittelpuffer steht auch ein Band mit der Aufschrift DEV-KURIER. Kennt man nicht? Nun, so hieß ursprünglich die Zeitschrift, die heute unter dem Namen DIE MUSEUMS-EISENBAHN bekannt ist. Die redigierte ich bis 1972. Und das allerletzte Heft war ein Sonderheft mit dem Titel Mindener Kreisbahnen & Mindener Straßenbahn.


    Darin gab es acht Typenzeichnungen von Hartmut Brandt von meterspurigen Dampflokomotiven der Mindener Kreisbahn, auf Seite 22 der O&K B-Kuppler Nr. 10 mit 1,6 m Achsstand und 80cm Raddurchmesser. Die gleichen Werte wie die Stainz. Bingo!



    Die beiden roten Linien markieren den identischen Achsstand der beiden Maschinen




    Leider war in dem damaligen Heft nur ein einziges nicht besonders gutes Foto der Lok:


    Immerhin etwas.
    Jetzt war die Frage: Wie zu einem Aufbau kommen? Ich bin zwar ein leidlich guter Bastler, aber kein Lokbauer. Also fragte ich meinen Freund Jaffa, wie es denn mit Lasern wäre. Führerhaus und Wasserkästen gerne, antwortete er mir, aber alles Runde etc. geht mit Lasern nicht, sowas druckt man heutzutage. Nun begab es sich aber zu der Zeit, dass sich im SNM-Forum ein Mensch mit dem Nick Christian damit hervortat, dass er für das EG Leese-Stolzenau Gussformen für die Ziegelsteinwände in einer bisher nicht dagewesenen Detailtreue konstruierte und im 3D-Druck erzeugte.
    Den fragten wir.




    Und das erwies sich als eine sehr gute Idee, ein Glücksfall. Christian war nämlich sofort Feuer und Flamme; er hatte schon viel konstruiert und gedruckt, aber noch keine Lok, und die Herausforderung reizte ihn ungemein. Es dauerte auch keine Woche, da mailte er schon dieses Bild vom Anfang seiner konstruktiven Arbeit:


    Kurze Zeit später sah das dann schon so aus:
    So sieht das


    So sieht das also aus. Wusste ich bis dahin nicht.


    Es waren mehrere Bilder, die Christian schickte, aber die alle hier zu zeigen, würde den Rahmen sprengen. Christian kümmerte sich mit großer Geduld und Hingabe um jedes Detail, das aus der Zeichnung und dem Foto herauslesbar war, von der Abdampfleitung des Körting-Schalldämpfers bis hin zu den Auftritten am Wasserkasten. Dann wollte er es wissen und riskierte einen Probedruck:
    Hübsch,nicht? Sieht aus wie ein auftauchendes U-Boot der B-Klasse.
    Wird in Kürze fortgesetzt. Und haltet das nicht für einen Aprilscherz. Dafür ist es zu arbeitsaufwändig und zu teuer.
    Grüße
    Otto

  • Hallo,

    Also eine, die es wirklich gegeben hat, die vom Achsstand und Raddurchmesser so einigermaßen passt?

    Nur aus Interesse: Der Lenz Typ i - z.B. als Franzburg heute beim DEV unterwegs - gilt mit ebenfalls 80 cm Raddurchmesser aber 1,7 m Achsstand - also ein Unterschied von 2,2 mm in 1:45 - als nicht "so einigermaßen" passend?


    Gruß,
    Ralf

  • Doch doch, das gilt als "einigermaßen passend". Mein verstorbener Freund Horst Bertram hatte eine "i" auf Stainz-Basis gebaut, aber in 0e. Und an die komme ich leider nicht ran. Ich hätte im Übrigen nichts dagegen, wenn jemand jetzt rangeht und eine richtige Lenz i in 0m herausbrächte. Wäre super.
    Gruß
    Otto

  • Weitere Studien anhand der Fotos und Pläne ergaben die Notwendigkeit von Korrekturen an den Dateien und schließlich gab es ein neues besseres Material in passender Farbe, so dass ein zweiter Probedruck Sinn machte. Damit wurde ein vorhandenes umgespurtes STAINZ-Fahrwerk bestückt. Diese Versuchslok im beta-Stadium kam dann - wenige Tage vor Beginn der NuSSA - per Paketdienst zu mir, und ich konnte sie zu einigen Probefahrten auf meiner Anlage einsetzen, speziell auf der Grubenanschlussbahn, die auch die Spur 0m hat:


    Da kamen dann gleich schon rein visuell diverse Unzulänglichkeiten zutage. Die größte, nämlich die noch fehlende Pufferbohle vorn ist geschickt hinter den Brückenstreben verborgen. Aber das lose aufgesetzte Führerhausdach hat sich verzogen, und eine gewisse Streifigkeit der glatten Flächen - die Achillesferse des 3D-Drucks schlechthin - ist nicht zu übersehen. Und das Führerhaus sitzt nicht korrekt auf dem Rahmen.
    Alles nicht schön, aber auch alles kein Beinbruch. Dafür sind ja Probedrucke da. Die Gesamtproportionen der Lok sind korrekt wiedergegeben und die Kesseldetails ebenfalls, zehnmal besser als beispielsweise bei der MINEX-Dampflok.
    Nach der NuSSA ging die Arbeit an der Lok weiter.




    Die Verkleidung der Ein- und Ausstömrohre unter der Rauchkammer musste gekürzt werden und die Umlenkung für das Zylinderhähne-Gestänge hinzugefügt werden. Vor allen Dingen aber musste Christian neue Zylinder konstruieren, denn die der STAINZ passen überhaupt nicht für die MKB-Lok. Wieder ein paar Arbeitsstunden, aber: Watt mutt dat mutt.


    So, der Körting Schalldämpfer ist sehr schön detailliert, hat man so noch nicht gesehen (ich jedenfalls nicht), das Kesselspeiseverntil gefällt ebenfalls, die kleinen Griffe und Scharniere und das Federpaket, sogar die Waschluke ist vorhanden.
    Aber inzwischen hatten wir freundlicherweise neue klarere Bilder von Ludger Kenning bekommen, die diverse Fragen beantworteten - und neue aufwarfen.


    Bleiben wir gleich noch einen Moment an der rechten Lokseite: Bei drei Leitungen bin ich mir einigermasßen sicher: rot = Speiseleitung, orange = Leitung vom Luftsauger zum Schalldämpfer, dunkelgrün = Heizleitung. So weit so gut. Aber die hellgrüne Leitung über dem Schalldämpfertopf, was könnte das sein? Sie muss hinter dem Pott verlaufen, denn die schräg-von-vorn-Aufnahme der Lok im ersten Post zeigt, dass sie nicht hinein geht. Zweckdienliche Hinweise nimmt - äh, genau - nehme ich selber gern entgegen.
    Nun zur Heizerseite:


    Und same procedure as last time: rot = Speiseleitung, weiß = Leitung zum Bläser; hellgrün = nix wissen. So eine zusätzliche Leitung am Dampfdom mit Absperrventil habe ich noch bei keiner Lok gesehen. Was sagen die Koniferen äh Koryphäen dazu?



    Außerdem grundsätzlich: Wer noch was entdeckt, was man nachbilden könnte, bitte melden.




    Zp 1 bis zum nächsten Mal.
    Otto

  • Christian war wieder fleißig.
    Die Zylinder sind nun auch an der Lok "angewachsen", und eine Pufferbohle gibt es auch schon mit einem Kupplungsaufnahmeschacht für zwei Höhen.
    Die Zylinder sind so konstruiert, dass die Treibstange und die Schieberschubstange der umgespurten Lok in der korrekten Ebene eingeführt werden können.
    Gruß
    Otto

  • Moin,

    ...gilt mit ebenfalls 80 cm Raddurchmesser aber 1,7 m Achsstand - also ein Unterschied von 2,2 mm in 1:45 - als nicht "so einigermaßen" passend?


    Wenn der Lenz-Typ "i" mit 1,7 m Radsrand und 800 mm Raddurchmesser einigermaßen passend ist, dann dürften es die Lokomotiven 1 "W. Seißenschmidt" und 2 "Plettenberg" der Plettenberger Kleinbahn mit 1,5 m Radstand und 750 mm Raddruchmesser auch sein? Zumal die Kisten wie die Stainz eine Allansteuerung besitzen. In der gleichen Liga spielt die Lok"Kanal" der Kleinbahn Piesberg-Rheine, welche ihren Lebensabend als Werkslok der V.D.M. im Versetal (Kreis Altenaer Eisenbahn) verbrachte.


    Bei der Hohenlimburger Kleinbahn fuhrLok 3 in dritter Besetzung - eine formschöne, bullige Jung-Lok mit 1550 mm Radstand - aber 900 mm Raddurchmesser. Da würden die kleineren Räder der Stainz schon auffallen.


    Fakt ist: es gibt noch einige Vorbilder, die man - mit mehr oder weniger Kompromisse - aus der Stainz zaubern kann.


    Grüße


    Jörn

  • Guten Abend,
    aber doch hoffentlich nicht mit diesem grottigen Antrieb mit dem originalen 3-Poler? Das ist was für Rennmaschinen zum Spielen aber nichts für eine äusserlich schöne Modelllok.
    Gruss, Dirk

  • Jörn schrieb:

    Fakt ist: es gibt noch einige Vorbilder, die man - mit mehr oder weniger Kompromisse - aus der Stainz zaubern kann.


    und Dirk entgegnete:


    ".... aber doch hoffentlich nicht mit diesem grottigen Antrieb mit dem originalen 3-Poler? Das ist was für Rennmaschinen zum Spielen..."
    Also auf meiner Grubenbahn lief jahrelang, in Ermanglung einer besser passenden Maschine eine umgespurte STAINZ, digitalisiert und gut eingestellt hatte die keine Mühe die Höchstgeschwindigkeit von 30 kmh einzuhalten und sanft zu rangieren. Problematisch war in der Hauptsache ihr geringes Gewicht.


    Ich hätte nichts dagegen, für die MKB 10 ein hochwertigeres, vor allen Dingen auch schwereres Fahrwerk zu verwenden, aber hast du einen Tipp, Dirk, woher nehmen?
    Und Jörn muss ich sagen, dass es derzeit nicht lohnt, über weitere Ableitungen auf Basis der STAINZ nachzudenken, einfach weil es keine gibt. Der Markt ist leergefegt. Das wird auch die Stückzahlen der MKB-Lok begrenzen.
    Die MKB-Lok hat übrigens gegenüber der Lenz'schen i den Vorteil des größeren Volumens infolge des hohen dicken Kessels und der größeren Wasserkästen. In eine i wird man außer Decoder, Sounddecoder, Lautsprecher und Speicher wohl kaum noch Ballast hineinbekommen.
    Gruß
    Otto
    @ Jörn: Die MKB-Lok sieht dem bulligen B-Kuppler von Hagen - Vörde - Breckerfeld zu Verwechseln ähnlich. Denk mal drüber nach.

  • Darüber nachdenken brauche ich nicht, denn die MKB-Lok sieht toll aus wie sie ist. Mir persönlich würde sie mit hinterem Kohlenkastenv noch besser gefallen, aber das ist sicherlich ein Frage des Geschmacks. Ebenso eine Frage des Geschmacks ist, ob man als Spender die Variante mit Scheibenräder nimmt wie bei Dir oder die mit den zwölfspeichigen Rädern. Ich werde nach letzterer Ausschau halten, wenn nicht noch eine aus 0e-Zeiten in einer Kiste habe.


    Die Frage, die noch nicht beantwortet ist: wie habt Ihr den MT-Dampfer auf Meterspur umgedengelt? Ich vermute mal, dass die Räder und das Zahnräder von den Achsen abgezogen und auf verbreiterte Achsen gepresst wurden. Hierzu benötigt man Spezialwerkzeug und entsprechendes Wissen oder man sourct das ganze out.
    Grüße
    Jörn

  • Auch wenn ich hier seit zwölf Tagen nichts gepostet habe, so ist es doch intern zügig und intensiv weiter gegangen.


    Es gab ja immer noch ein paar ungeklärte Kleinigkeiten:
    Sandungseinrichtung, Heizkupplung, Fabrikschild, Prüfhähne am Wasserkasten, um die von außen sichtbaren zu benennen, und generell Unterschiede zwischen Lok 10 und Lok 12 der Mindener Kreisbahn. Hier ein paar Bilder von den Ergebnissen:
    Sandungseinrichtung: Die Typenzeichnung von Hartmut Brandt zeigt am Sanddom zwei Hebel, für jedes Sandfallrohr (Vorwärtsfahrt und Rückwärtsfahrt) einen, aber nur ein Betätigungsgestänge:


    während die Bilder von der 12, die wir haben, nur noch einen Hebel und auch nur noch ein Sandfallrohr zeigen:

    Chris hat daher versucht, zunächst einmal die kompliziertere Variante zu konsturieren.


    Ich finde, das sehr gut gelungen, so muss es gewesen sein. Mann kann sich richtig vorstellen, wie das funktioniert hat.


    Jetzt mal eine Übersicht:

    Auch hier wieder die spezielle Sandungseinrichtung, aber weitere leckere Details wie die Heizkupplung und die Prüfhähne am Wasserkasten.
    Interessant auch der gewölbte Deckel des Körting-Schalldämpfers mit dünner von oben eingeführter Leitung unbekannter Funktion. Normalerweise haben diese Pötte einen flachen Deckel ohne Rohreinführung.



    Auch das Fabrikschild mit korrekten Daten sowie das Schild "Mindener Kreisbahn" hat Chris implementiert, wobei ersteres vermutlich kaum lesbar sein wird und das MKB-Schild weggelassen wird. Der Erwerber kann dann ein Eigentümerschild seiner Wahl in gelaserter Form dazu bestellen.


    Soweit der Stand von gestern, wer weiß, wasCchris inzwischen schon wieder verfeinert hat.
    Allen einen schönen Sonntag
    Otto

  • Kleine Ergänzung noch:


    Die Prüfhähne und die Heizkupplung sind eher selten integrierte Details. Man beachte auch den Vorreiber vor der kleinen Klappe im unteren Bereich des Wasserkastens, die vermutlich zum Schmieren der Umlenkung des Aufwerfhebels da ist.
    Im kleinen inset-Bild dann die Heizkupplung, die vorn und hinten an der Pufferbohle sitzt. Ihr Vorhandensein sagt uns u.a. auch, dass das Maschinchen nicht nur zum Rangieren, sondern auch im Personenzugdienst eingesetzt gewesen ist.
    Gruß


    Otto
    PS: Das ist vermutlich mein letzter Post vor dem Umzug des Forums. Falls es Anlaufschwierigkeiten geben sollte und ihr meine Posts nicht sogleich sehen könnt, denkt daran, regelmäßig in meinen Blog zu schauen, da ist eigentlich jeden Tag etwas Neues drin.

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