Ein Traum wird wahr....

  • Liebe Freunde des gepflegten Eisenbahn-Modellbaus in Spur 0,


    nach dem ich das Fahrtreffen im Januar 2020 in Egeln besucht hatte und den Anycubic Photon dort gesehen hatte, stand mein Entschluss fest: So'n Ding will ich auch haben! Ich habe mich dann für den etwas neueren und etwas teureren elfin von NOVA 3D entschieden, auch von einem Neuerer-Kollektiv in der VR China entwickelt, weil er ein paar zusätzliche Gimmicks hat und das Baufenster minimal größer ist. Außerdem wirkt das Teil sehr solide und sieht gut aus. Bin auch auf Anhieb gut mit ihm klargekommen und bis jetzt superzufrieden damit.


    Damit ist nun endlich ein großer, langgehegter Traum von mir Realität geworden. Manche 3D-Datei schlummert schon seit fast 20 Jahren auf meinen diversen Festplatten, z.B. eine fast vollständige V100 Ost in 1:45, die ich während einer Schulung 2003 mit CATIA V5 gemacht habe. Oder die V180, die ich 2013 in Potsdam während einer Schulung mit Inventor machte, oder das U-Boot, das ich jüngst begonnen habe, oder die Wumme, mit der ich jüngst auch etwas rumexperimentiert habe. Und dann spuken da noch Holzroller-, Berliner S-Bahn-, ETA 150- und V320-Pläne in meinem Kopf rum und sind schon teilweise konstruiert.


    Was mich auch schon lange beschäftigte ist die Fahrwerks- und Antriebsfrage. Da gibt es zwar alles mögliche in jeder Preislage und Qualität zu kaufen, aber ich will selbermachen ohne viel Geld dafür ausgeben zu müssen. Außerdem habe ich während des Studiums gelernt, wie man Getriebe entwirft, und welche Vor- und Nachteile die unterschiedlichen Bauformen haben.
    Bisher habe ich keine Motoren mit fertigem Getriebe verwendet und will das auch in Zukunft nicht tun. Finde ich Unsportlich. Und zu teuer. So habe ich bisher immer Schneckengetriebe eingebaut. Die sind unter uns Modellbahnern aus gutem Grund umstritten. Man baut sich sehr hohe Reibungsverluste und großen Verschleiß ein, wenn man sie einsetzt. Sitz die Schnecke gleich auf der Motorwelle entstehen bei hohen Drehzahlen sehr, sehr hohe Umfangsgeschwindigkeiten, und damit saust die Zahnflanke der Schnecke dann über die Zahnflanken des Scheckenrads. Ich habe schon erlebt, dass mir eine Stahlschnecke mit Modul 0,5 in wenigen Minuten die Zähne des Messing-Schneckenrads weggefräst hat. Ultraparadontose sozusagen.


    Stirnräder sind für Übersetzung die bessere Wahl. Sogenannte Evolventenverzahnungen haben den Vorteil, dass die Zahnflanken eines Zahnradpaares gewisserweise aufeinander abrollen, dadurch entsteht sehr wenig Reibung. Primär wirken nur Normalkräfte auf die Zähne, also Kräfte, die Senkrecht auf der Oberfläche der Zahnflanke stehen. Geradeverzahnte Zahnradpaarungen laufen unruhig, also hörbar. Daher wurden Schrägverzahnungen erfunden, die laufen viel ruhiger.
    Will man nun 2 Wellen kreuzen, geht das neben Schneckengetrieben mit Kegelrädern oder Ritzel - Kronenrad-Getrieben. Da liegen beide Wellen für gewöhnlich in der gleichen Ebene, es gibt aber auch Bauformen mit Achsversatz, da ist die Zahnform dann aber schon etwas komplizierter.
    Ein Kronenrad mit Modul 0,5 und 30 Zähnen habe ich vor vielen Jahren mal mit einer DEMO-Version von Kisssoft konstruiert. Geradeverzahnt. Dies und das Folgende zur Ausgangslage.


    - Ich wünsche mir schon lange einen Antriebs-Bausatz aus 2 Hauptkomponenten, Achsgetriebe und ein Hauptgetriebe, preiswert und universell für Drehgestell-Loks und-Triebwagen verwendbar


    - Per Kardanwellen miteinander verbunden


    - Die Achsgetriebe mit Ritzel-Kronenrad-Kombination, da das einfach aufgebaut ist, sehr leichtgängig ist und nicht so schwierig einzustellen ist wie Kegelräder oder Schneckengetriebe, aber unbedingt mit unterschiedlichen Wellenlagen, damit die Ritzelwelle über der Radsatzwelle durchgeführt werden kann, um das nächste bzw. benachbarte Achsgetriebe auch anzutreiben


    - Das Hauptgetriebe mit schrägverzahnten Stirnrädern für leisen Lauf


    - Mit einer Gesamtübersetung von ca. 1:20


    - Möglichst leichtgängig und komplett Kugelgelagert


    - Geeignet für eine vorbildnahe Ausführung der Antriebe bei Vorbildern mit Gelenkwellenantrieb


    - Geeignet für eine Vorbildnahe Ausführung der Radsatzaufhängung in aussenliegenden, gefederten Radlagern im Drehgestellrahmen


    Das Kronenrad hatte ich also immerhin schonmal als CAD-Modell. Mit meinem TurboCAD 16Pro kann ich auch ganz einfach und schnell saubere Evolventenzahnräder konstruieren, und weil TurboCAD auch gedrehte Extrusion kann, ist auch Schrägverzahnung machbar. Und so hatte ich neulich die Idee, das gerade verzahnte Kronenrad, dass ich vor 10 Jahren konstruiert hatte, mit einem schrägverzahnten Ritzel mit 10 Zähnen zu kombinieren, um so das gewünschte Achsgetriebe zu realisieren. Schnell noch ein zweiteiliges Gehäuse konstruiert, und alles gedruckt für die ersten Tests. Und damit ich Probefahrten machen kann, habe ich auch gleich das ganze Drumherum konstruiert, in den Abmessungen für die V100. Und, was soll ich sagen:
    Hat alles fast auf Anhieb funktioniert. Nur mit Teilen aus dem 3D-Drucker! Weil die Zahnräder sicherlich nicht lange halten, habe ich mir die Ritzel-Kronenrad-Kombination auch 4x in Messing giessen lassen, bisher die einzige Fertigungsmöglichkeit für eine Ausführung in Metall, die sich realisieren liess


    Mit diesem Bausatz will ich zukünftig alle meine Drehgestell-Lokomotiven und -Triebwagen ausstatten. Als erstes die V100, dann die V180 und vielleicht das U-Boot und die Wumme und die E42... Alles in Kunststoffbauweise und alles in 1:45! Das Leben kann so schön sein!


    Damit Ihr mal einen besseren Eindruck von meinen Machenschaften und Plänen bekommt, hier noch ein paar Bilder:




    Bild 1: Meine erste virtuelle V100, 2003 mit CATIA V5 in 1:45 konstruiert, als Abschlußarbeit einer CAD-Schulung



    Bild 2: Mein erster 3D-Druck mit meinem NOVA 3D elfin



    Bild 3: Das zusammengebaute und gut funktionierende Versuchsfahrwerk mit diversen Einzelteilen. Hier sind 20 Kugellager eingebaut!



    Bild 4: Und hier....



    Bild 5: … und hier noch ein paar Detailaufnahmen, die Räder sind noch vom V15-Projekt



    Bild 6: Gegossene Messingzahnräder.



    Bild 8: Auch während einer CAD-Schulung entstanden, sogar in Potsdam! Dicke Babelsbergerin in 1:45, 2013.



    Bild 9: Ein U-Boot taucht auch bald auf...


    Ich werde bald wieder berichten. Schönes Restwochenende!


    Torsten Frieboese

  • WoW toll was Du da auf bezüglich Antrieb überlegt hast :thumbsup:


    Arbeite auch schon ewig mit Catia, derzeit die 2017 im Test.
    Es gibt ein Catia Evolventen Tool von der Fachhochschule Osnabrück ZaRaGen, Freeware und Dank an Prof. Dr.-Ing. Bernd Schwarze.


    Die MAK/Vossloh Loks geistertn schon seit Monaten im Gehirn herum...


    Einen schönen Sonntag noch.
    Gruß aus Wien von Andre

  • Hallo Andre,
    danke für das Lob. Mit CATIA V5 habe ich nie wieder gearbeitet. Aber sehr lange mit Inventor und seit einem halben Jahr mit SolidWorks. Auch schön... :) Muss mal nachschauen, ob das Evolvententool dafür auch funktioniert.


    Gruß Torsten F

  • Salut Torsten,
    Solisworks hatten wir auch schon im Test, aber aufgrund Datentaustausch doch Catia, klar jedes System hat seine +/-
    Das Evo Tool funzt nur in Catia, umständlich aber perfekt, habe inzwischen unmengen an Zahnräder als Step bzw. Part.
    Beispiel:




    Sorry, ist nur ein Beispiel was möglich und nix Spur 0, ein V2 40 ccm 4Takt OHC Modellmotor in Konstruktion ;)
    Falls Du ein Evo Zahnrad benötigst geht das via Step, das Tool berechnet alles 100% egal welches Modul.


    Bei deinem Stirnradgetribe würde ich auf eine Messing/Delrin Kombination optional als Alternative überdenken.


    Gruß Andre welcher versweifelt MAK/Vossloh Typenskissen benötigt


  • Liebe Freunde des gepflegten Eisenbahn-Modellbaus in Spur 0,


    nachdem mein Versuchsfahrwerk mit dem 5-poligen Bühler-Motor schon auf Anhieb ganz gut gelaufen ist habe ich gleich eine Radsatzbestellung an Herrn Hummel geschickt und die Teile des Achsgetriebes in Silikon abformen lassen und Abgüsse in PU beauftragt. Außerdem habe ich die Übersetzung des Hauptgetriebes noch etwas erhöht und eine Variante für einen Faulhaber-Motor konstruiert. Die Gesamt-Übersetzung ist jetzt 1:22,5 (Erste Stufe 10:25, zweite Stufe 10:30, dritte Stufe 10:30).


    Beim zweiten Prototyp wollte ich die Radsätze nunmehr aussen gefedert lagern. Da es um die V100 geht, wäre natürliche eine originalgetreue Gummifederung toll. Ich habe mich aber erstmal für Schraubenfedern von Munz entschieden, die hatte ich noch rumzuliegen. Die Radlager in den Drehgestellwangen sind also starre Blenden, dahinter ist Platz für Lagersteine und Federn. In den Lagersteinen werden ebenfalls Kugellager eingebaut. Damit sind pro Radsatz inkl. Achsgetriebe 6 Kugellager eingebaut, und nochmal 4 im Hauptgetriebe. Sind jetzt also 28 Stück.


    Das neue Drehgestell zu konstruieren hat ca. 8 Stunden gedauert. Freitag angefangen, Samstag weitergemacht, Sonntagvormittag fertiggemacht, Druckfile erstellt, den Drucker angeschmissen, und am späten Nachmittag waren 2 Drehgestellrahmen fertig. Finde ich irre, wie schnell das geht.


    Dieser zweite Prototyp besteht also wieder fast vollständig aus Teilen, die mir mein 3D-Drucker gemacht hat. Ist natürlich sehr empfindlich. Die Drehgestellseitenwangen sind 3 mm stark, die Achsgabelstege sind angeschraubt und aus Messing-U-Profil, mit eingeklebten Gewindebolzen und Muttern in M1. Die Bohrungen dafür habe ich gleich mitgedruckt. Wenn meine Fräse endlich läuft werde ich wahrscheinlich einen Messingrahmen konstruieren und mit gedruckten Blenden versehen.


    Die Achsgetriebe sind sehr, sehr leichtgängig, einfach super. Obwohl der Motor keine Schwungmasse hat beträgt der Auslauf bei Unterbrechung der Stromversorgung so um die 10 cm bei 12 V. Der Antrieb ist fast geräuschlos (behauptet ein Hörgeräteträger...) und läuft ganz geschmeidig.
    Hier mal noch ein paar Bilder (mit der Tiefenschärfe habe ich's heute nicht so hinbekommen):



    Bild 9: Zweiter Prototyp V100 mit Fauli, gefedert!



    Bild 10: Die Auflösung des Druckers ist bemerkenswert, bitte beachtet die Sechskantmuttern von der Bremshebelbefestigung!



    Bild 11: das Hauptgetriebe und die Antriebswelle zum Drehgestell.



    Bild 12: Nachdem LKM (Lokomotivbau KleinMachnow) letztes Jahr die V15 ausgeliefert hat folgt nun die V100 in 1:45


    Ansonsten ist das Projekt jetzt schon soweit gediehen, dass ich mit dem Hauptrahmen und dem Aufbau weitermachen kann. Darüber mehr, wenn's wieder was zu zeigen gibt.


    Andre: Der Motor sieht cool aus. Das Zahnradproblem ist erstmal gelöst. Danke für die Hinweise, aber meine vorhandenen Tools (TurboCAD16Pro) genügen erstmal. Welche MaK-Lok ist das genau? Ich konstruiere überwiegend nach Fotos. Am besten selber welche machen, immer schön frontal, möglichst große Brennweite. Bild ins CAD-Program laden, anhand bekanter Masse skalieren und nachzeichenen.
    Hier eine Vorlage dazu: http://www.dmg-berlin.info/pag…trag_vossloh_neubauer.pdf


    Wenn Du Hilfe brauchst, einfach mal melden.


    Gruß Torsten Frieboese

  • Hallo Torsten,
    sehr interessant, was Du (Ihr) da auf die Gleise stellst. Ist das nur für den "Eigengebrauch" gedacht, oder wird es eine kaufbare Kleinserie geben?


    Schöne Grüße
    Rainer aus Bremen

  • Hallo Rainer,
    erstmal ist das natürlich Selbstbau aus Spaß an der Sache. Und ich bitte erstmal um Geduld, bis eine fertige V100 auf den Gleisen steht. Wir werden sehen...


    Grundsätzlich sehe ich darin aber eine Entwicklung, die die Art, wie wir unser Hobby betreiben, sehr verändern wird. Die Qualität der Drucke wird sich hinsichtlich Materialeigenschaften und Oberflächengüte in den kommenden Jahren rasant weiterentwickeln. Und wie ich gezeigt habe kann man auch beim Antrieb schon Teile aus dem 3D-Drucker verwenden, ich kann allerdings noch keine Aussage über die Haltbarkeit treffen und erwarte da jetzt auch noch nicht viel.


    Was sich auch rasch weiterentwickeln wird ist die 3D-Fotografie und die Software, um 3D-scans in brauchbare CAD-Daten zu transformieren. In einigen Jahren werden einige von uns selbstverständlich damit arbeiten. Und damit steht uns eine Flut von Modellen ins Haus, die Ihren Ursprung nicht mehr in der Serienfertigung mit teuren Spritzgußformen haben werden, sondern mit 3D-Druckern hergestellt sein werden. Vor diesem Hintergrund finde ich die Diskussion darüber, was z.B. die Fa. Lenz als nächstes als Modell bringen sollte, nicht so zukunftsweisend. Nach meiner Überzeugung wird diese Produktions- und Vertriebsweise aussterben, könnte ganz schnell gehen. Die Digital-Komponenten wird man sicherlich weiterentwickeln und anbieten, und vielleicht das Gleissystem, aber sonst? - Dafür wird die Auswahl an Eigenkonstruktionen der Modellbahner in den nächsten Jahren rapide zunehmen. Davon werden wir alle profitieren, nicht zuletzt, weil Varianten wie z.B bei der V100-Ost wie Prototyp, Serienversionen, verstärkter Hauptträger, durchgehender Hauptträger, die Rangierversionen, Grabenräumgerät, Exportversionen, Umbauten bei der Modernisierung, Meterspur-Variante (Harzkamel) usw. lediglich etwas zusätzlichen Konstruktionsaufwand bedeuten, aber Fertigungstechnisch wird diese Variantenfülle kein großes Problem mehr sein, auch bei kleinsten Stückzahlen.


    Deswegen habe ich meinen Beitrag ja mit "Ein Traum wird war..." überschrieben! :):):)


    Gruß
    Torsten Frieboese

  • . Und damit steht uns eine Flut von Modellen ins Haus, die Ihren Ursprung nicht mehr in der Serienfertigung mit teuren Spritzgußformen haben werden, sondern mit 3D-Druckern hergestellt sein werden. Vor diesem Hintergrund finde ich die Diskussion darüber, was z.B. die Fa. Lenz als nächstes als Modell bringen sollte, nicht so zukunftsweisend. Nach meiner Überzeugung wird diese Produktions- und Vertriebsweise aussterben, könnte ganz schnell gehen.


    Für 0 wäre das eine Katastrophe, denn ein Haufen Nerds, der irgendwann mal irgendwas macht, kann keinen Hersteller ersetzen. Immerhin ist die Technik inzwischen so weit, daß die Ergebnisse nicht mehr für die Tonne sind, wenn sie sich auch mit Spritzguß nicht vergleichen können. Wie lange das Material hält, kann aber noch niemand sagen. Ich lasse das mal alles auf mich zukommen, wenn es mich auch ärgern würde, wenn aus der 70 von Lenz deswegen nichts mehr wird.


    Herbert

  • Ich glaube kaum das ein 3D Drucker egal ob Filament oder Resin einen Hersteller ersetzen kann.
    Nicht jeder der sich solch ein Drucker leisten kann, kann im Umkehrschluss auch die erforderlichen Konstruktions Dateien dafür selber erstellen. Muss also auf fertige Dateien zurückgreifen. Diese wird auch nicht jeder zur Verfügung stellen.


    Nichts desto trotz melde ich Bedarf an den Getrieben an.
    Mir geistert dort ein 4 teiliger Triebwagen aus Görlitz im Kopf herum.

  • Moin zusammen,
    ich sehe das entspannt. Mit grafischen Computerprogrammen kenne ich mich ziemlich gut aus und über mich gerade in FreeCad. Irgendwann werde ich für mich auch 3-Drucke und Lasercut machen. Ich werde mich aber bestimmt nicht anmaßen irgendwelche Getriebe oder Fahrgestelle selbst zu bauen.


    Auch wenn man selbst Wagenaufbauten oder Lokgehäuse in 3-D selbst druckt. Das kostet alles viel Zeit und auch Geld. Gab es bislang eine Marktmischung aus preislich interessanter "Massen" Ware wie Lenz oder Brawa,exklusiven hochpreisigen Modellen und den Messing-Selberbauern so kommt jetzt noch ein vierter Bereich mit den neuen Techniken hinzu. Das kann der Markt aber gut ab.
    Gruß
    Uli

  • ]Mit dem Gedanken bist Du immerhin schon mal nicht alleine! ;)


    Eine 1:1 Zeichnung für die Wagenkästen Seitenwände besteht schonmal. Genaue Pläne der Umsetzung Geistern schon in meiner Birne rum. 8|
    Umsetzung aber erst wenn ich meine Fräse dafür gebaut habe. Die erforderlichen Dateien für die Wagenkästen dazu muss ich auch erstellen.



    ich sehe das entspannt....
    ...Das kostet alles viel Zeit und auch Geld...


    Volle Zustimmung, der kosten Zeit Aufwand ist nicht zu unterschätzen, da geht schon einiges an "Fehldrucken" drauf.
    Beim Ätzen im Verhältnis ja nicht anders.

  • Hallo Matze, hallo Uli,


    wie lange ich für die Konstruktion der originalgetreuen Drehgestelle inkl. Druckfileerstellung und 3D-Druck gebraucht habe, könnt Ihr ja weiter oben lesen. So von Freitag Abend bis Sonntag Abend inkl. diverser anderer Tätigkeit wie einkaufen und kochen. Das Volumen eines Drehgestellrahmens beträgt 14,3 ml. Wenn ich für den Liter Harz 40,- € ansetze, kostet mich der Druck eines Drehgestells 0,6 €. Der Drucker hat 400,- gekostet, nehmen wir mal an, der schafft 400 Drehgestelle, bis er kaputtgeht, und die Konstruktion hat 10 Stunden gedauert. Dann kostet ein Drehgestell 1,60 € und 1,5 Minuten Arbeitszeit. Also ich finde, das ist weder teuer noch Zeitaufwändig. Da ich mein CAD-Program sehr gut beherrsche, mache ich ja auch täglich für Geld, ist das vielleicht nicht repräsentativ. Aber in 5 Jahren haben wir wahrscheinlich Drohnen, die das Objekt der Begierde automatisch und GPS-gesteuert 10 Minuten lang umkreisen und dann hat man die Daten. Ein Smartphone kann das dann wahrscheinlich auch, erwarte ich zumindest.


    Gruß und schönes Wochenende!


    Torsten Frieboese (schreibt sich wirklich mit oe!) :)

  • Hi Torsten,
    wenn ich richtig gelesen habe, hast du auch Kurse belegt.
    Desweiteren kommt ja auch zum Drucker das entsprechende Programm dazu. Was auch mit kosten verbunden ist.
    Dann kommen ja auch nicht alle mit Programm X klar aber besser mit Y. Ich denke da liegt dann auch der Hase begraben denn nicht jeder möchte Unnötig Geld dafür ausgeben.


    Ich finde auch das man immer wieder etwas findet was man an der Konstruktion verbessern kann, somit ist man wie bei einer Modellbahnanlage nie fertig.


    Auf meinem PC existiert eine Konstruktion für eine T334 diese wurde dann auf einem Filamentdrucker Probe gedruckt. Danach einige Änderungen vorgenommen.

  • Ich habe vor über 10 Jahren schon einen Bericht gesehen, wo die Zukunft des 3D-Drucks herbei beschworen wurde. Die Idee tendiert allerdings mehr dazu, das man sich die entsprechenden Dateien (passend für seinen 3D-Drucker) einfach (sehr wahrscheinlich kostenpflichtig) herunterladen kann, statt wie heute bei einem Produzenten/Hersteller fertige Produkte einkauft. D.h. letztendlich ,man muss eigentlich kein CAD-Programm beherrschen. Datei runterladen, auf die SD-Karte spielen, 3D-Drucker anschmeißen, Programm laden, warten und fertig! Das wird der entscheidende Wandel für die Hersteller sein und diese sicherlich zum Umdenken zwingen.


    Die Materialkosten für den 3D-Druck sind IMHO auch sehr überschaubar. Und ob ich ne Nacht auf meinen Druck warte oder nicht, spielt finanziell keine entscheidende Rolle mehr. Die Zukunft wird spannend. Auch für diejenigen, die kein Plastik mögen! Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis auch 3D-Drucker die Metall verarbeiten können in die privaten Haushalte einziehen. In der Industrie sind die Dinger schon lange aktiv. Eine Riesenchance eigentlich für die Modellbau Industrie. Alles wird möglich!


    Gruß
    Tschokko

  • Liebe Freunde der Modellbahn in Spur 0,


    die Hinweise von Tschokko und 0-DR-Bahner sind natürlich sehr richtig. Die Berichterstattung über den 3D-Druck in den einschlägigen Medien, die über alles berichten, war schon immer von Ahnungslosigkeit und Nachplappern geprägt, da habe ich auch immer Kopfschmerzen bekommen. Klar, das Futter für den Drucker besteht erstmal aus 3D-Daten, und es benötigt Fachwissen. Aber das ist keine Hexerei. Ein Freund von mir (den ich wie einige heutzutage noch nie persönlich getroffen habe) ist Bankkaufmann. Der hat eine Portalfräse der 1500,-€-Klasse, einen Filamentdrucker und einen STL-Drucker. Arbeitet mit ScetchUp und TurboCAD. Der macht die tollsten Sachen. Hat er sich alles sebst beigebracht.
    Die CAD-Daten sind natürlich der Schlüssel. Dieser Freund von mir hat ein Tablett, damit scant er manuell echte Objekte, und da werden dann Druckerdaten draus. Alles schon möglich und alles schon Realität. Wie ich mir die weitere Entwicklung ausmale ist natürlich Spekulation, wir diskutieren hier über die Wahrscheinlichkeit, dass es so kommt.
    Wenn man bedenkt, welchen Aufwand und welches handwerkliche Geschick unsere Vorfahren in diesem Metier aufbringen mußten, kann man auch mal darüber nachdenken, was wir alles verlieren in der digitalen Revolution.


    Noch was: Ich bin ja kein Modellbahnanlagenbauer. Aber wenn ich mir nur in diesem Bereich die Entwicklung der Modellbahn anschaue, muß ich sagen, das ist der totale Wahnsinn, was manche von Euch heute so abliefern. Mit den verfügbaren Materialien und Werkzeugen, mit Fantasie und Leidenschaft. Mir gefällt unser Hobby immer besser, auch weil die Möglichkeiten, die sich uns biten, immer ausgefeilter und schöner werden.


    Ihrkönntet aber wirklich mal eure wirklichen Namen offenbaren....



    Gruß
    Torsten Frieboese

  • Na Torsten,


    stell mal Dein Licht und das der ganzen anderen Freaks nicht unter den Scheffel! Aber mit deiner Bemerkung:


    - Wenn man bedenkt, welchen Aufwand und welches handwerkliche Geschick unsere Vorfahren in diesem Metier aufbringen mußten, kann man auch mal darüber nachdenken, was wir alles verlieren in der digitalen Revolution. -


    sprichst du eine wahres Problem an! Es zeugt aber auch von Deiner Bescheidenheit trotz der tollen Sachen, die du machst! Chapeau, tolle Einstellung! Mit solchen Leuten wie Dich ist mir um die Zukunft nicht bange!



    Gruß Reinhold

  • Torsten: Danke für für die Blumen, möchte Dein Projekt hier nicht mehr weiter "Zerstückeln" MAK/Vossloh ist ein anderes Thema.
    Einzig der Antrieb für dieselelektrisch macht Kopfschmerzen wegen Faulhaber 2020B, wie bei E103 Projekt.
    Die Umwelt liegt schwer am herzen auch in 0, daher: DE18 Smart Hybrid, DM20 Dual Mode ect.
    Nur nach Bilder Konstruktion geht nicht wegen Proportionen, Details sehr wohl ab 4000 Pixel.


    Drucken/Oberflächnbehandlung lassen wir immer in Österreich bei http://www.1zu1prototypen.com, auch für SpurZ, teuer aber 1A Qualität.
    War 2 Tage im Spital, die Hölle aber CoV free :)


    Gesundheit für Euch alle von Andre

  • Liebe Freunde des gepflegten Eisenbahn-Modellbaus in Spur 0,


    nun geht es endlich weiter.


    Zunächst noch ein paar Anmerkungen: Bei der Konstruktion des Antriebs ging es mir darum, ein möglichst vorbildnahes, leises, leichtgänges und kompaktes Konzept zu realisieren. Ich habe heute wieder Proberunden auf dem Fußbodenoval gedreht, und das Teil läuft wirklich seidenweich. Die messtechnische Untersuchung durch das VES-M Halle steht noch aus, werde ich aber demnächst übernehmen. Zugkraft ist glaube ich gar nicht so wesentlich. Das Fahrwerk mit dem neuen Hauptrahmen, das ich heute vorstelle, wiegt knapp 300g. Bereits bei geringer Spannung drehen die Räder durch, wenn man gegen die Wand fährt. Ich sehe den Vorteil erstmal darin, daß die Stromaufnahme auch mit ein paar Reko-Wagen sehr gering sein wird. Viele Großserienmodell aus China wie die V80 oder die V200 aus dem Reich der Corona-Viren sind ja technisch eher lausig, da muß man dann natürlich ein oder 2 monströse Motoren reinpacken, damit sich die Fuhre überhaupt bewegt. Im Ergebnis braucht man auch monströse Decoder und monströse Stromversorungen. Hier, bei meiner V100, genügt ein H0-Decoder wahrscheinlich völlig, und damit hätte ich auch dieses Ziel erreicht.


    Zum neuen Hauptrahmen: Ich bin ja immer noch im Lern- und Versuchsstadium. Daher habe ich den Rahmen nah an der originalen Bauweise aus Blechen konstruiert, den Außenrahmen mit Hohlträgern. Für die Umsetzung in Kunststoffbauweise in PU-Harz ist das nicht geeignet, aber das kann ich von diesem ersten Rahmenmodell gut ableiten. Einen Rahmen aus geätzten Messingblechteilen aber auch. Was mich fasziniert ist die Auflösung meines 400,- -Euro-Druckers. Die Riffelblechkontur ist schon fast exakt in 1:45 realisiert und wird absolut sauber wiedergegeben. Cool. Aber schaut selbst.




    Bild 13: Das Baufenster des NOVA3D elfin ist ausreichen groß, den Rahmen zweiteilig zu drucken. Beide Hälften unterscheiden sich nur durch die Position der Führerhausaufstiege.



    Bild 14: So sieht das ganze (lausig lackiert) zusammengebaut aus...



    Bild 15: …und so aus einem anderen Blickwinkel. Die 2x6 Bohrungen dienen beim Original zur Befestigung der Verschleißpufferbohle.



    Bild 16: Und so sieht es von unten aus. Offenbar habe ich die Reste der Stützpunkte an Drehgestell und Rahmen nicht so besonders sorgfältig entfernt...



    Bild 17: Nochmal im Detail schräg von vorne, das Riffelblech ist wirklich sehenswert, oder?



    Bld 18: So sieht das ganze mit Aufbau aus. Das Pappmodell liegt schon lange bei mir rum, habe ich mal gemacht, als ich einen Ätzfilm für die V100 konstruiert habe, der allerdings nie fertig geworden ist.


    Das war's für heute. Ich hoffe, es hat euch gefallen.


    Bleibt gesund!


    Gruß und vielen Dank für die guten Bewertungen!
    Torsten Frieboese

  • Liebe Freunde des gepflegten Eisenbahn-Modellbaus in Spur 0,


    heute habe ich mich mit der messtechnischen Untersuchung meines Prototypen beschäftigt. Wie Ihr auf den folgenden Bildern sehen könnt, habe ich mir dazu erstmal einen einfachen Prüfstand aufgebaut, um Stromaufnahme, Spannung und Grenzzugkraft zu messen. Mit Grenzzugkraft meine ich die Zugkraft des Modells, die bei durchdrehenden Rädern erreicht wird. Diesen Wert zu kennen ist bei Eigenbaumodellen sehr wichtig, denn wenn man die Leistungsdaten des Motors kennt, dann kann man damit überprüfen, wie stark der Motor belastet wird und ob das innerhalb der zulässigen Grenzen ist. Außerdem ist es natürlich wichtig für die Decoderauswahl. Motor und Decoder sollen ja ihren Job machen, heizen bzw. verbrennen gehört dazu ja nicht.


    Ich verwende im V100-Prototyp einen Faulhaber 2233R012S mit folgenden Daten:
    Nennspannung U: 12 V
    Leistung Pmax: 3,66 W
    Leerlaufstrom: 9 mA
    Maximaldrehmoment Mmax: 3,0 mNm
    Das R bedeutet, daß er mal mit Ritzel ausgeliefert wurde, mit einer 2mm-Welle


    Das Prototyp-Fahrwerk wiegt 300g, ich habe noch etwas Zusatzballast spendiert. Zum Vergleich gebe ich die Werte meiner analogen V80 an. Für die Messung habe ich einen uralten Titan-MoBa-Trafo verwendet, daher gibt es leider keine Messwerte unter 3V. Für die Kraftmessung habe ich eine digitale Briefwaage verwendet, die lehnt an einem Dubbel. Immer wieder nützlich, dieses Handbuch des Maschinenbaus.


    Die Messwerte für Prototyp V100 und V80:


    Was können wir aus diesen Messwerten herauslesen?
    1. Das ist keine besonders exakte Messung. Aber mit dem was mir und Euch vielleicht auch an Messtechnik zur Verfügung steht kann man zumindest ganz gut angenäherte Werte ermitteln. Wenn man dabei feststellt, daß die ermittelten Werte weit entfernt von den zulässigen Werten des verwendeten Motors und der vorhandenen Stromversorgung liegen, kann man die Lok sorglos dem Betriebsdienst übergeben.
    2. Die Stromaufnahme bei Grenzlast liegt für den Prototyp bei 127mA, die Grenzleistung bei 1,4W. Die maximal zulässige Leistung steht in den technischen Daten des Motors – 3,66W. Bei Grenzlast liefert der Motor also nur ca. 40% seines maximalen Leistungsvermögens. Und damit ist eine Überlastung des Motors erstmal ausgeschlossen.
    3. Wegen der hohen Leistungsreserve könnte man reichlich Ballast auflegen. Verdoppeln wir das Gewicht nochmal auf 1340g, sollte sich die Leistungsaufnahme auch ungefähr verdoppeln, die Zugkraft betrüge dann ca. 3,4 N bei 2,8W. Damit hätte der Motor immernoch eine Leistungsreserve von 20%, wird also innerhalb der zulässigen Leistungsdaten von Faulhaber betrieben.
    4. Fährt die Lok solo leistet der Motor gerade 0,65W. Da sind alle Reibungsverluste von Motor, Getriebe und Kraftübertragung drin. Es gehen also ca. 18% der möglichen Maximalleistung verloren, theoretisch haben wir als noch 82% der Zugleistung an der Kupplung zur Verfügung. Wieviel es tatsächlich sind entscheidet der Ballast.
    5. Vergleicht man die Messwerte meiner V100 mit der V80 aus China, erkennt man, dass da Welten dazwischen liegen, vor allem aber, dass man mit dem kleinen Fauli in der V100 sogar die Zugkraft der V80 übertreffen könnte. Denn die schafft zwar 2,94 N, aber wie schon erklärt, die V100 könnte man durch mehr Ballastgewicht auf 4,25N bringen, bis die zulässige Leistungsaufnahme erreicht ist.
    6. Richtig hart ist natürlich die Leistungsaufnahme, die die V80 bei Grenzlast hat. 1,4A! Damit bestätigt sich meine Wortwahl aus dem vorangegangenen Beitrag (lausige Technik braucht monströse Motoren). Das Verhältnis von Zugkraft zu Leistungsaufnahme ist bei der V100 bei Grenzlast ungefähr 1,2N/W. Bei der V80 sind das 0,2, also 1/6.


    Ich möchte hiermit die Diskussion eröffnen. Vor allem interessiert mich eine kritische Beurteilung meiner Ergebnisse, und natürlich Eure Gedanken und Vorschläge zum Versuchsaufbau und zu Messfehlern. Interessant wäre auch, ob Ihr vergleichbare Ergebnisse Eurer Loks beisteuern könnt.


    Und noch was: Mein Vater sagte immer: „Wer misst misst Mist...“


    Noch 2 Bilder zur Veranschaulichung:



    Bld 19: Versuchsaufbau zur Zugkraftmessung mit Ampèremeter, Voltmeter und Briefwaage



    Bld 20: Messung der Stromaufnahme der solo fahrenden Lok.


    Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende!
    Gruß
    Torsten Frieboese

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