• Ich hätte ja auch ´ne Alternative, sogar mit realem Hintergrund.


    Als ich vor etwa 50 Jahren im Hunsrück in der Nähe von Stromberg unterwegs war, entdeckte ich mitten im Gelände ein seltsames Gefährt. Neugierig geworden und die
    Proteste meiner Familie ignorierend hielt ich an, stieg aus und ging der Sache auf den Grund. Auf einem unkrautüberwucherten Anschlußgleis einer Brotfabrik, wie ich noch erfuhr, entdeckte ich ein „Lokchen“, das zwar klein, aber nicht mehr sehr fein war. Abgesehen von ihrem äußeren Zustand sah sie aus wie eine Kö, die aus Versehen zwischen zwei richtige Loks geraten war.


    https://abload.de/image.php?img=werkslok-71bj2e.jpg][/url]


    Doch etwas mehr Respekt! Es handelte sich um eine ehemalige DB-Lok, einem Rangierschlepper BR Kdl 01 von Schöma mit einer Leistung von stolzen 22 PS. Zu jener Zeit
    diente sie als Werkslok besagter Brotfabrik, um einen Waggon mit Mehl zur Entladung an die Rampe zu drücken. Aus hygienischen Gründen war eine Dampflok dafür nicht zugelassen. Der Betriebsvorgang spielte sich dabei folgendermaßen ab:







    DB-Lok mit Mehlwagen fährt von Norden kommend in den Gleisabschnitt a des Werksanschlusses, wo vor dem Prellbock die Werkslok wartet.
    DB-Lok drückt den Mehlwagen in Gleisabschnitt b, kuppelt ab, zieht wieder vor und verläßt den Anschlußbereich in Richtung Norden.
    Die Werkslok drückt den Mehlwagen in Gleisabschnitt c an die Rampe, kuppelt ab und kehrt wieder zurück in Gleisabschnitt a. - Erster Großauftritt der Werkslok!
    Nach Entladen des Mehlwagens wird dieser von der Werkslok in Gleisanschnitt zurück geholtund abgekuppelt. - Zweiter Großauftritt der Werkslok!
    DB-Lok aus Richtung Norden kommend holt den Mehlwagen aus Gleisabschnitt a ab und entschwindet mit ihm wieder nordwärts.
    An diesem Ablauf soll sich auch durch den Einsatz von DB-Dieselloks nichts geändert haben.


    Das ganze Szenarium ließe sich auf der mir zur Verfügung stehenden Fläche etwa so nachbilden.


    https://abload.de/image.php?img=btotfabrik2qdkcc.jpg][/url]


    Anmerkungen: Das Schienenkreuz soll ein drehbares Gleis (Mini-Fiddleyard) für Lok und Wagen symbolisieren. Am linken Anlagenrand gibt es einen versteckten
    Gleisstutzen für einen einzeln fahrenden Schienenbus, zur Steigerung der betrieblichen Möglichkeiten auf derartigen Module ja fast schon obligatorisch.

    Als DB-Loks könnten die BRen 64 und 89 in Betracht kommen. Als Güterwagen zur Mehlbeförderung könnte evtl. ein Staubbehälter-, Kessel- oder Gedeckter Güterwagen
    Verwendung finden. Als Werkslok könnte der Breuer Lokomotor dienen. Wer es moderner mag, könnte eine Köf oder eine andere kurze Diesellok einsetzen. Von einer V320 würde ich eher abraten.


    Es darf geschmunzelt werden.
    Schöne Grüße

    Reinhard

  • Hallo Spätnuller,


    Danke für Deine Beschreibung eines interessanten Betriebsablaufs!


    Doch etwas mehr Respekt! Es handelte sich um eine ehemalige DB-Lok, einem Rangierschlepper BR Kdl 01 von Schöma mit einer Leistung von stolzen 22 PS. Zu jener Zeit
    diente sie als Werkslok besagter Brotfabrik, um einen Waggon mit Mehl zur Entladung an die Rampe zu drücken. Aus hygienischen Gründen war eine Dampflok dafür nicht zugelassen.


    Diese interessante Lok kommt in Kürze von Jüürgen Moog (0mobau) als Messingbausatz samt Antrieb auf den Markt. Wer Interesse hat: Einfach mal bei Jürgen Moog nachfragen!


    Freundlicher Gruß
    EsPe

    Nur weil ich den einen oder anderen Fehler an manch einem Modell zwar bedauere und gelegentlich kritisiere, aber mich dennoch über perfekte Fahreigenschaften usw. und einen gelungenen Gesamteindruck freue, bin ich noch längst kein Spielbahner (was übrigens abwertend klingt).


    Und nicht jeder, der von sich selbst behauptet, ein ernsthafter Modellbahner zu sein, muss es deshalb auch wirklich sein.
    (frei nach Blaukäfer)

  • Zwei Schritt´ vor, einer zurück


    Hallo!


    Bevor es beim Aufbau meiner Anlage mit dem nächsten Schritt vorwärts geht, geht es erst einmal noch einen Schritt zurück. Damit will ich keinesfalls die Echternacher Springprozession nachahmen, zum mal es bei der vor dem Schritt zurück immer zwei Schritte vorwärts geht. Worum geht es denn?


    Nach dem Abbau meiner dreidimensional gestalteten H0-Anlage habe ich auf dem verbliebenen Grundrahmen eine einfache flächige Anlage aufgebaut, um meinen H0-Zügen dann und wann noch einen Auslauf zu ermöglichen und sie dabei genüsslich zu beobachten.


    H0-Anlage Ausschnitt


    Für die vorher auf der Anlage untergebrachten Züge habe ich mehrere Wandvitrinen rings um die Anlage angebracht. Auf eigenen Sperrholzplatten wollte ich über der H0-Anlage nun meine Spur 0-Anlage, jederzeit wieder abbaubar, errichten. Distanzhölzer zwischen den beiden Anlagenböden sollen die H0-Gleise schützen. Um die vorerwähnten Vitrinen abzudecken und eine Hintergrundkulisse für die Spur 0-Anlage zu erhalten, habe ich ringsum entsprechende Sperrholzplatten platziert.


    Ausschnitt


    Dadurch verkürzte sich die zur Verfügung stehende Fläche ebenfalls ringsum jeweils um knapp zehn Zentimeter. Dieses Arrangement wollte mir jedoch noch nicht gefallen. Was war die Alternative?


    Nach längeren Überlegungen fand ich als beste Lösung, die ganze Chose einfach umzukehren.

    Also nahm ich die H0-Platten vom Grundrahmen und legte stattdessen die Spur 0-Platten aus.

    Da ich weitere H0-Modelle gut verkauft habe (Spur 0 ist ja nicht ganz billig), konnte ich gleichzeitig auch die vorerwähnten Vitrinen (die ich jetzt verkaufen möchte) abnehmen und gewann dadurch wertvolle Zentimeter. Durch einen hellblauen Anstrich der die geplante Anlage umgebenden Wände wurden auch die als Hintergründe vorgesehenen Sperrholzplatten entbehrlich.

    Bei dieser Gelegenheit habe ich auch den Grundplatten einen dunkelgrauen Anstrich verpaßt.

    Leider kommen die Farben auf dem Foto nicht recht zur Geltung



    Die Spur 0-Gleise können nun dauerhaft liegen bleiben. Das eröffnet auch Möglichkeiten für die Ausgestaltung der Anlage. Wegen meines individuell überschaubaren Zeithorizonts plane ich aber nicht mehr eine akribische an der Realität orientierte Ausgestaltung, sondern denke mehr an eine symbolische Ausschmückung, denn, wie schon erwähnt, möchte ich ja hauptsächlich rangieren und dem Vorbild abgeschauten Betrieb machen.


    Doch als nächst wichtigste Aufgabe muß ich die Anlagensteuerung einrichten; z21 start und Multimaus liegen bereit.



    Oh je!


    Schöne Grüße

    Rinhard

  • Das Kind braucht einen Namen


    Hallo!


    Wenn ein Super-Modellbahner beispielsweise den Leipziger Bahnhof in allen Einzelheiten akribisch nachgebaut hat, wird er sein Machwerk stolz und völlig zu Recht „Leipzig Hbf“ nennen. Der eher durchschnittliche Modellbahner, der seinen Bahnhof bestenfalls in Anlehnung an ein überschaubares Vorbild, ansonsten aber unter Berücksichtigung bahntechnischer Grundsätze nach eigener Fantasie entwirft, muß schon selbst einen passenden Namen finden. So geschehen: Meinen Bahnhof nenne ich schlicht und einfach „Brockhöfen“.


    Der Hintergrund: Brock war eine bedeutende Bauernschaft mit zahlreichen Gehöften und gehörte zur Ortschaft Brackwede am Südhang des Teutoburger Waldes. Dort bin ich geboren und aufgewachsen, sozusagen in Sichtweite der viergleisigen Cöln-Mindener Eisenbahn. Bei den Spaziergängen mit der Familie war ich der Einzige, der mit ungebrochenem Interesse die vorbei rauschenden Züge beobachtete, für alle Anderen waren sie alltäglich. Im Winter 1945/46 war das jedoch anders.


    Auf dem nordwärts führenden Gütergleis rollten in dichter Folge schwere Kohlenzüge , die das schwarze Gold vom Ruhrgebiet zu den Nordseehäfen beförderten. Gezogen wurden sie in der Regel von den Dampflokomotiven der Baureihe 56.20..29, der ehemaligen preußischen G8.2. Sie mußten schon arg schuften, den Pass des Teutoburger Waldes zu erklimmen. Darin sahen die in der Winterkälte frierenden Anlieger ihre Chancen, sich den nötigen Hausbrand zu besorgen. Am Anfang der Steigungsstrecke enterten die Jüngeren unter ihnen die langsam fahren Züge und warfen die mitgebrachten Säcke nach deren Befüllen neben den Zug, wo sie von Älteren aufgelesen und auf Bollerwagen verladen wurden. Kurz vor Erreichen des Scheitelpunktes gaben die meisten Lokführer durch ein Pfeifsignal sozusagen den Befehl zum Abspringen. Die damals noch zuständige britische Militärpolizei fuhr zwar manchmal Patrouillen, hat aber niemanden erwischt. Allerdings sind mehrere Unfälle passiert, leider auch mit tödlichem Ausgang. Nach dem Winter war das ganze nur noch eine Episode, die ich als kindlicher „Mitläufer“ aber noch selbst erlebt habe.


    Brock selbst hat keinen eigenen Bahnhof, diesen gibt es in Brackwede, das im Zuge der gemeindlichen Gebietsreform 1973 der Stadt Bielefeld einverleibt wurde. Ob sich daraus ein Nutzen ergab? Schließlich wurde ja die Existenz von Bielefeld – gibt es nicht – überhaupt angezweifelt, und bis zur Stadtwerdung im Jahre 1956 wurde Brackwede immerhin als größtes Dorf Europas gepriesen. In Brackwede zweigen die eingleisigen Nebenstrecken nach Osnabrück und Paderborn von der viergleisigen Hauptstrecke ab. Gehalten haben in all den Jahren keinerlei Fernzüge, lediglich Personenzüge, heute Regionalzüge.


    Als in Köln Studierender mußte ich deshalb stets bis Bielefeld durchfahren und von dort auch starten. Die Fahrten waren zu jener Zeit wahrlich kein Vergnügen. Vorkriegs-Schnellzugwagen mit Holzbänken und Sitzanordnung 2:2, zudem meist überfüllt, lange Fahrzeiten durch das Ruhrgebiet, zudem ein zeitraubender Lokwechsel in Hamm – da hätte man bei der Durchfahrt durch den Brackweder Bahnhof gern einmal die Notbremse gezogen.


    Noch eine kleine Anmerkung: Zum Semesterbeginn und – ende gab es die Fahrkarten zum halben Preis. Für Familien mit drei und mehr Kindern hatte der damalige Familienminster Würmeling – auch bekannt geworden durch das studentische Gröllied „Ein Würmeling, zwei W. , drei W., vier Schnäpse“, daraus eine Dauereinrichtung gemacht; man brauchte vom Einwohnermeldeamt nur eine entsprechende Bescheinigung, vulgo „Karnickelschein“, und dann fuhr man zu halben Preis.


    Noch eine kleine Anekdote: Wir waren vier Kommilitonen. Bei einer gemeinsamen Heimreise nach Semesterende fanden wir nur im Speisewagen zusammen einen Platz und haben uns die Bierchen schmecken lassen, jeder in der Annahme, irgendwer könnte uns schon leihen, leider Fehlanzeige.

    Da war dann nicht nur die Zeche teuer, sondern auch guter Rat. Aber da gab es ja noch den Lokwechsel in Hamm, Zeit genug, um eine Freundin anzurufen, die bereits über ein eigenes Auto verfügte, um dem Zug bis Gütersloh entgegen zu fahren und uns dort mit dem nötigen Kleingeld zu versorgen. So konnten wir bis Bielefeld locker unsere Bierdeckel auslösen, ja, sie hatte uns sogar noch zu einer Extrarunde eingeladen. Mann, hat das Bier geschmeckt. Erst später haben wir darüber sinniert, was passiert wäre, wenn der Notruf unsere Freundin nicht erreicht hätte.


    Doch zurück zum Bahnhof, denn Brackwede verfügte auch noch über einen geräumigen Güterbahnhof. Nicht nur vielseitige Ortsgüteranlagen galt es zu versorgen. Es wurden hier auch die Nahgüterzüge für die Nebenstrecken gebildet und die Wagen für mehrere private Anschlußgleise

    zusammengestellt. Rangiert wurde vornehmlich mit ehemals preußischen Loks, die auch den Streckendienst besorgten, die Baureihen 55 (G 8.1), 57 (G 10), 91 (T 9.3), ) 93 (T 14.1) und 94 (T 16.1). Aufgrund glücklicher Umstände konnte ich auf allen Loks Mitfahrten genießen.


    Was sagt das nun für den Namen „Brockhöfen“ meines Anlagenbahnhofs? Direkt eigentlich nicht viel. Aber beim Nachdenken fiel mir das Alles wieder ein, was ich hier nieder geschrieben habe. Vielleicht findet´s ja Euer Interesse.


    Schöne Grüße

    Reinhard

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!