Projekt ÖBB 1042

  • Hallo Zusammen


    Nachdem wir einige Rückmeldungen bekommen hatten von Leuten die den Beitrag in der ARGE
    nicht mitverfolgen können haben wir beschlossen, den Bau der Lok auch hier weiter zu dokumentieren.


    Dies ist in der Zwischenzeit vorallem auch deshalb interessant geworden, weil aktuell noch 3 weitere Projekte
    mit Teilen in 3D Druck und verschiedenen Antriebssystemen gezeigt werden. Da es sich aber gleichzeitig auch
    um 3 zum Teil verschiedene Philosophien handelt betreffend Aufwand, Perfektion und Kosten, ist ein Vergleich
    sicher spannend.


    Viel Spass beim Studium
    Ferdinand und Peter

  • Vorgeschichte:
    Nachdem das im Forum bereits im Oktober 2019 gezeigte Projekt Projekt ÖBB 1042 offenbar wegen
    etwas verschiedener Konstruktionsansichten ins Stocken geraten war, hatte ich mich mit Ferdinand
    kurz geschlossen und ihm meine Unterstützung in der Verwirklichung des von ihm gezeichneten und
    konstruierten Modells angeboten. Wir hatten bereits 2007 bei seinem ersten Bauversuch mit Urmodellen
    und Resinabgüssen Kontakt und vorallem das Heu auf gleicher Bühne gehabt, leider waren wir aber
    plötzlich gegenseitig nicht mehr auffindbar gewesen.

    Es hatte sich nun gezeigt dass wir nach wie vor gleiche Vorstellungen vom Bau einer Lok haben und es
    vorallem kein Messingmodell werden sollte, sondern ein im Vergleich dazu erschwingliches Fahrzeug.
    Es sollten so weit wie möglich und sinnvoll (ev. Abbruchgefahr) 3D gedruckte Teile verwendet werden
    die sich jederzeit reproduzieren lassen. Dies vorallem auch weil Ferdinand damit schon einige Erfahrungen
    gemacht hat und einen Drucker besitzt.


    Projekt Neuausrichtung:
    Schliesslich haben wir einige Konstruktionsideen überarbeitet, ergänzt und womöglich vereinfacht. Das Ziel
    war dann, dass die Lok in Giessen 2020 gezeigt und auch gefahren werden kann, sei es auf der ARGE Anlage
    oder falls möglich auch auf anderen Ausstellungsanlagen mit wenn möglich schweren Zügen. Anschliessend
    hätten wir die Bauphasen Schritt für Schritt im Forum zeigen wollen.
    Da uns jetzt ein kleines, unerwünschtes chinesisches „Gratis-Exportprodukt“ einen Strich durch die Rechnung
    gemacht hat, drehen wir den Spiess um. Wir werden den Bau zuerst im Forum dokumentieren und die Lok 2020
    in Giessen zeigen, ev. auch mit weiteren ÖBB „Geschwistern“.


    Lokgehäuse:
    Entgegen dem bereits vorher gezeigten Gehäuse wollen wir eine Qualität die keiner Nacharbeit bedarf, auch
    wenn wir sie uns was kosten lassen wollen. Unser Ziel ist nicht schleifen/spachteln, sondern weitere Modelle
    zu entwickeln und bauen, d.h. man soll die Teile fast so wie einen Faller-Bausatz zusammenbauen können.
    Das jetzt vorhandene gedruckte Lokgehäuse entspricht diesen Ansprüchen voll, sodass Ferdinand bereits weitere
    Bauvarianten gezeichnet hat inkl. der von Kollegen gewünschten ersten Serie mit den grossen ÖBB Emblemen.
    Aktuell wird aber die 1042 in der aktuellen Version ohne Eckfenster gebaut, da uns dieses noch ein wenig Mühe bereitet.

  • Die vorangegangenen Bilder zeigen noch das Gehäuse und den Brückenrahmen in einer Testversion,
    Fotos vom aktuellen Gehäuse folgen später.



    Brückenrahmen:
    Dieser wird analog dem Lokgehäuse hergestellt und ausgedruckt und liegt ebenfalls bereits vor.
    Zur Verstärkung und Beschwerung liegt im Innern eine massive Stahlplatte. Dort können auch zusätzliches
    Gewichte oder unter Umständen ein Lautsprecher eingebaut werden, falls dies gefragt ist.


    Wir für uns bauen die Lok aber ohne digitalen Firlefranz, sondern versehen sie nur mit einem
    einfachen Decoder, der das Licht steuert, mit dem die Lok aber auch digital gefahren werden kann.
    Mit einem Umschalter kann sie aber auch analog betrieben werden, sodass die Charakteristik der
    Faulhaber Motoren mit sauberem Gleichstrom voll genutzt werden kann.

  • Drehgestelle:
    Die Drehgestellrahmen mit sämtlichen Zurüstteilen wie Federung, Aufhängung, Bremsen, Schienenräumer,
    Sandkästen etc. werden ebenfalls in 3D gedruckt. Da der Rahmen selber kaum sichtbar ist, konnte ein
    günstigeres Druckverfahren gewählt werden.


    Die Bilder zeigen die erst teilweise zugerüsteten Drehgestelle, da gewisse Teile aus Montagegründen
    aktuell nochmals überarbeitet werden. Was am Bildschirm in 3D perfekt aussieht garantiert eben noch
    keine einfache oder sichere Montage in der Praxis.


    Entgegen der Gedanken im ersten Forumsbeitrag bestehen die Radsätze aus Standard Vollscheibenrädern,
    die mit einer Radscheibenattrappe beklebt werden. Dies ist die einfachste und preiswerteste Möglichkeit
    und ist durchaus akzeptabel, da vom schönen Rad ja nur ganz wenig zu sehen ist. Aufwendige Radsätze
    in Messing mit Stahlreifen und Isolierung herzustellen sind für uns selber vorallem aus Kostengründen
    kein Thema mehr.

  • Antrieb:
    Ferdinand hatte das bereits 2007 von mir vorgeschlagene Antriebskonzept mit jeweils
    2 Faulhabermotoren 2020B übernommen und vorgesehen. Dabei hatte er auch wieder an einen
    3D Druck sowie entgegen meinen Konstruktionen an eine einfache Zerlegungsmöglichkeit zu
    Wartungszwecken gedacht.


    Zusammen haben wir dann seine Ideen so weiterentwickelt, dass sich eine gute Radsatzlagerung in
    Messing ergibt, bereits ordentlich Gewicht direkt in den Drehgestellen verbaut werden kann, vorallem
    aber die Herstellung der Einzelteile möglichst einfach wird. D.h. die Bearbeitung des Messingprofils
    soll möglichst einfach sein, in diesem Falle einen breiten Schlitz fräsen und 2 Löcher für die Achsen bohren.
    Die schwieriger herzustellenden Teile werden hingegen in 3D gedruckt und mit dem Messing verklebt.
    Die Pilzkontakthalterungen konnte er von mir übernehmen und mit einplanen für eine einseitige Radsatzisolation.


    Und bereits kann der wiederum einfach gebaute und mit genug Leistung versehene Standardantrieb
    in Betrieb genommen werden.
    Solange wir die für uns an Lager gelegten Faulhaber Getriebemotoren 2020B verwenden können,
    müssen wir uns auch keine Gedanken betreffend eine anderen Antriebsmöglichkeit machen.



    Wir haben vorgesehen laufend über den neuen Bauzustand der Lok zu zeigen, sofern dies auch gewünscht wird.


    Gruss und viel Spass beim Studium
    Ferdinand und Peter

  • Hallo Peter,


    vielen Dank für den ausführlichen Baubericht über das Modell der ÖBB1042 unter Verwendung von Teilen aus dem 3D-Drucker. Sowas mache ich ja auch gerade, das macht schon Spaß, oder?
    Ich habe mir mal für die V180 eine Konstruktion überlegt, mit der man die gewölbten Fenster in den Ecken der Führerstände gut nachbilden könnte, melde Dich einfach mal PN, wenn es Dich interessiert.
    Bei der 1042 finde ich sehr interessant, daß man sofort die Verwandtschaft zum Ur-Ahnen der laufachslosen Elektroloks in Europa erkennt. Es ist die Drehgestellkonstruktion, die zahlreiche Lokomotivbauer in West- und Osteuropa mal mit, mal wohl auch ohne Lizenz von SLM aus der BLS Ae4/4 übernommen haben.
    Die Achslager sitzen in einem Gußgehäuse mit 2 Federträgern für die Primärfederung. Innerhalb dieser Federn sind runde Führungsbolzen eingebaut, die in Kugelhülsen geführt sind, damit wird das Radlager geführt, und die Antriebskraft wird so in den Drehgestellrahmen übertragen. In der Mitte des Drehgestells befinden sich links und rechts Blattfedern, deren Enden am Drehgestell mit Schaken aufgehängt sind, darauf ruht ein massiver Querträger, auf den der Lokomotivkasten aufgesetzt wird.


    Die ÖBB hat das offenbar für die 4061 übernommen und danach als Weiterentwicklung die 1042 nach dem gleichen Prinzip gebaut.
    Skoda hat ebenfalls eine Lizenz erworben und einige Lokbaureihen wie die E499 damit ausgestattet. LEW Hennigsdorf hat dann die Skoda-Konstruktion für die polnische EU04 übernommen, und als es dann an die Entwicklung der E11/E42 ging, hat man sich wieder dieser Konstruktion bedient, die direkt auf die Ae4/4 zurückgeht, soweit meine Vermutungen zum E-Lokstammbaum in Europa, und zwar West- und Osteuropa!


    Nun gehe ich ja auch mit der E11 schwanger, und natürlich möchte ich die Achsführung bzw. die Primär- und Sekundärfederung dann auch 1:1 umsetzen. Mit Teilen aus dem Drucker.
    Ist schon toll, dass man eigentlich nur noch konstruiert und bemalt, mal ganz salopp gesagt.


    Ich bin sehr gespannt auf Eure weiteren Projekt...


    Gutes Gelingen!
    Torsten Frieboese

  • Hallo in die div. Quarantänen


    Heute Morgen früh wurde die ÖBB 1042 570-0 am Arlberg bei einer Überfuhr am Schluss eines Containerzuges gesichtet,
    vermutlich vom Lackier- ins Ausbesserungswerk, wo sie in den kommenden Tagen (oder wegen Corona und den entsprechenden
    Lieferschwierigkeiten in den kommenden Wochen) komplettiert werden soll.


    Die fehlenden Komponenten liegen zum Teil einbaubereit vor, andere werden noch optimiert und sind in Fertigung.
    Vorallem der Drehgestellbereich muss noch nachgerüstet und die Radsätze komplettiert werden.


    Ostergruss
    Ferdinand und Peter

  • Hallo Zusammen


    Wegen Corona bedingten Engpässen und Lieferschwierigkeiten aus dem und ins Ausland stockt die Fertigstellung der 1042
    noch etwas. Es gab aber auch noch eine technische Knacknuss, die wir hatten lösen müssen.


    Im Gegenzug konnten dafür die Arbeiten an der ÖBB 2060 vorangetrieben werden und 2 Prototypantriebe sind bereits weit
    fortschritten, warten aber ebenfalls noch auf die 3D Teile aus dem Ausland. Es folgt ein separater Bericht.


    Dach:
    Die Teile für den „Dachgarten“ liegen bis auf die Pantos bereit, aber wir warten mit der Montage noch, bis die restlichen Teile
    am Gehäuse angebaut sind.


    Pantographen:
    Es gab/gibt eine Überlegung meinerseits dass man die Pantos ebenfalls in 3D Druck und in einer bestimmten Hebestellung
    fixiert verklebt. Dabei stellt sich nämlich die Frage, ob der Panto tatsächlich funktionstüchtig sein und am Fahrdraht anlieben
    muss oder nur eine Attrappe darstellt.
    - Wieviele Modellbahner haben eine entsprechende Fahrleitung montiert?
    - Wieviele Modellbahner fixieren den Panto in einer bestimmten Höhe ohne Berührung des Fahrdrahts z.B. mittels einer
    kleinen Kupferlitze?
    - Und wieviele fahren mit gesenktem Panto, was auch wenig vorbildgemäss ist.


    Würde man den Panto also in 3D drucken, könnte man verschiedene Höheneinstellungen selber wählen und diesen dann
    mittels Sekundenkleber fixieren. Dann bräuchte er natürlich auch nicht so stark wie üblich, nur aufs Dach gesteckt oder
    mit Magneten befestigt zu sein, damit er bei einem Crash mit der Fahrleitung einfach vom Dach gerissen wird oder fällt,
    ohne die Fahrleitung selber zu beschädigen.
    Würde er trotzdem kaputt gehen, könnte man die Teile ja jederzeit nachdrucken. Und bei einem ev. Teilesatz würde man
    sowieso gleich Ersatzteile mitliefern.
    D.h. man würde ihn ebenfalls nur aufs Dach stecken, sodass bei einem Abbruch keine geklebten Teile hängenbleiben,
    und er könnte dann in Minutenschnelle ersetzt werden.


    Leider hat es mit dem Druck bis anhin schlecht geklappt, da sich die dünnen Teile nachträglich verbogen haben.
    Aus diesem Grunde wird der Pantograph zum heutigen Zeitpunkt nun doch mal noch in Ms Guss ausgeführt.
    Was in Zukunft möglich sein wird, wird sich aber noch zeigen.

  • Schneeräumer :
    Eine ähnliche Anmerkung ist in Bezug auf den Schneeräumer in 3D Druck an mich herangetragen worden. Die Frage war
    ob dieser bei einer Entgleisung die zerstörerischen Kräfte aufnehmen könne.


    Auch hier haben wir wieder eine ähnliche Überlegung:
    Was soll bei einer Entgleisung eher kaputt gehen dürfen?
    a) ein leicht zu ersetzender Schienenräumer an der Lok?
    b) die fix und für Jahre montierte Gleisanlage, vorallem der Weichenbereich, d.h. Weichenteile, Weichenlaterne, Stellelemente etc.?


    Deshalb ist die Befestigung des Schienenräumers so, dass man ihn in den Drehgestellrahmen einstecken und mit
    wasserlöslichem Klebstoff fixieren kann. D.h. bei einem entsprechenden Crash, der ja bei einer Drehgestelllok sowieso
    wenig wahrscheinlich ist, kann man ihn leicht austauschen.


    Aufstiegsleitern, Rangiertritte und Griffstangen:
    Da erstere doch sehr exponiert sind und beim falschen Anfassen einer Lok schnell kaputt gehen können, habe wir uns
    für einen Messingguss entschieden.
    Bei den Griffstangen, die ja eng am Gehäuse anliegen, haben wir uns noch nicht entschieden, aber der Wunsch wäre
    ebenfalls ein einfach auszutauschender 3D Druck. Denn in diesem Bereich wird eine Lok ja auch mit 2 linken Händen
    eher weniger angefasst.


    Fenster:
    Diese werden aktuell gelasert und können von innen in die extra eingesetzten Fensterrahmen eingesteckt werden,
    ähnlich den seitlichen Lüftungsgittern.


    Und jetzt heisst es mal abwarten bis die nächsten Teile geliefert werden können...



    Gruss
    Ferdinand und Peter

  • Hallo Zusammen


    Nach längerer Funkstille wegen anderer Prioritäten ist es mit der 1042 wieder weitergegangen.


    Der oben erwähnte Pantograph ist wie angekündigt in Messingguss in Arbeit und soeben werden

    Seriegüsse gefertigt. Ferdinand hatte da einmal mehr top Arbeit geleistet sodass der Panto auf

    Anhieb funktioniert hat.


    Das 1. Prototyp Drehgestell konnte heute endlich fertiggestellt werden, die Farbe ist aber noch

    nicht durchgetrocknet, deshalb glänzt sie noch etwas. Aus montage- aber vorallem auch
    demontagetechnischen Gründen mussten Teile nochmals überarbeitet werden. Diese sind
    bereits in den aktuellen Druck für weitere Maschinen eingeflossen.


    Der Drehgestellrahmen wurde aus zähem Material gedruckt, deshalb die etwas rauhe Oberfläche.

    Aber er verschwindet fast kpl. hinter dem Lokrahmen, sodass das kein Problem darstellt.

    Die sichtbaren Anbauteile wurden hingegen wieder in Resin gedruckt.


    Der Drehgestellrahmen inkl. aller Anbauteile ist nur eine Attrappe und übernimmt keinerlei

    mechanische Funktion.


    Bei den kaum einsehbaren Rädern handelt es sich wie bereits früher erwähnt um Scheibenräder

    mit aufgeklebten "Boxpok-Räder" Attrappen in 3D Druck.


    Sobald auch das 2. Drehgestell einsatzbereit ist, geht die Lok erst mal in einem benachbarten

    Club auf Jungfernfahrt, wo sie ihre Fahrtüchtigkeit und Zugkraft beweisen wird.


    Wir werden weiter berichten.


    Gruss

    Ferdinand und Peter

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