[Spurensuche] - Dry brush - oder 'trocken färben'

  • [Spurensuche] - Dry brush - oder 'trocken färben'


    Hallo liebe Spur 0 Freunde!

    "Dry brush? - was meinst du damit?" fragte ich meinen Herrn Sohn, als er uns am vergangenen Wochenende besuchte und irgend wann im Bastelkeller einen MagicTrain-Wagen vom Gleis nahm. "Hast du schon mal d'ran gedacht, deine Modelle ganz dezent zu altern, Pa?" "D'ran gedacht schon, aber das hat Zeit!" und damit hatte ich gehofft, das Thema 'altern' vorerst zu beenden.

    Aber Jens liess einfach nicht locker, setzte sich an meinen Arbeitsplatz und liess den Blick über die stattliche Reihe von grossen und kleinen Töpfen mit Acrylfarben gleiten. "Hier", meinte er, "das wär's doch - etwas Flugrost auf die Federung und das Rad ... ". Damit langte er nach 'Hellbraun' und 'Dunkelbraun' und griff sich einen abgearbeiteten, mittelgrossen Borstenpinsel, der seine besten Tage schon hinter sich hatte. Meine anfängliche Skepsis wich langsam einer gewissen Neugier - schliesslich verfügt er über eine viel längere Modellbaupraxis als ich.


    "Hol am besten mit einem Spachtel oder Rührstäbchen die Farbe vom Grund des Topfs, weil sie sich mit der Zeit unten absetzt, wenig Wasser enthält und deshalb am dickflüssigsten ist, und streich die Farbe auf einen Karton oder ein Küchenpapier", sagte er; "danach nimmst du den Borstenpinsel, tauchst ihn in den Farbklecks auf dem Karton und streichst den Pinsel dann so lange auf dem Karton aus, bis er so gut wie keine Farbspuren mehr hinterlässt - now, the brush is dry, jetzt ist der Pinsel trocken. Aber er hat an den Borsten natürlich noch die Farbpigmente, und damit arbeiten wir jetzt" ...


    vorher - nachher



    Und dann strich und tupfte Jens mit dem 'trockenen' Borstenpinsel mal über die Blattfedern, mal über das Achslager oder über die Klotzbremse. Ich kam aus dem Staunen nicht 'raus ... "Übrigens musst du die hier aufgetragene Farbe nicht mit Mattlack fixieren, die Pigmente enthalten immer noch genügend Feuchtigkeit, um eine dauerhafte Verbindung mit dem Untergrund einzugehen! Wenn du aber den einen oder anderen 'dry brush'-Farbtupfer wieder entfernen möchtest, machst du das ganz einfach mit einem Wattestäbchen, das du in Spiritus getaucht hast." Sprach's und zwinkerte mir zu.


    Heute hab' ich's mal selbst versucht und mir als 'Versuchskaninchen' den Viehtransporter von Norev vorgenommen, einen Opel-Blitz aus dem Jahr 1951.





    Es hatte mich schon lange gestört, dass er glänzte, als hätte man ihn gerade erst aus der Lackiererei in Rüsselsheim gefahren. Jetzt war er fällig!





    Die eine oder andere Stelle, wie z.B. die Scheibenwischer, werde ich in den nächsten Tagen noch überarbeiten, aber ansonsten bin ich einigermassen zufrieden mit 'dry brush'!


    Und Morgen werde ich erst Mal einen neuen Satz Borstenpinsel kaufen ...

    Mit den besten Grüssen


    Dieter

  • OH,OH, Dieter, mach langsam... probiere doch mal mit Pulverfarben und Haarpinsel gaaanz vorsichtig, Fehler lassen sich so besser ausbügeln. Bin gespannt, was die Gemeinde hierzu weiter schreibt.


    Störe ja ungern anderer Leute Beiträge, hier habe ich Pulver mit Haar-und Borstenpinsel aufgetupft, auch das Holz - Spezies haben noch bessere Tips....



    BERT

  • Hallo,


    Alterungen bringe ich bei Gebäuden, Fahrzeugen und auch bei der Gestaltung der Landschaft und des Gleisumfeldes mit Puderfarben auf. Hier verwende ich meist die Farben aus dem Sorztiment von Real-Modell und N-Details, jedoch gibt es auch andere Hersteller mit ebenfalls einem umfangreichen Sortiment.
    Teilweise, besonders bei der Alterung von Fahrzeugen verwende ich die Pulverfarben in angelöster Form (Waser, Pulver und Mittel zum Entspannen wie Spülmittel).
    Nach Betrachtung des Ergebnisses im trockenen Zustand kann ich entscheiden od ich die Alterung fixiere oder wieder entferne und neu versuche.


    Den einzigen Nachteil, was jedoch auch gleichzeitig wieder ein Vorteil ist, Pulverfarben sind nicht grifffest und müssen unbedingt fixiert werden.
    Hierzu verwende ich Haarspray oder Mattlack aus dem Airbrush.


    Gruß Heinz


    Foto stammt noch aus meiner H0-Zeit

  • Hallo,


    Interessante Technik, werde ich auch mal ausprobieren. Meine Lieblingsmethode ist aber die mit Pulverfarben, da kann man zur Not alles wieder rückgängig machen.
    http://www.spurnull-magazin.de…terung-mit-pigmentfarben/

    Trotzdem, ich graube, die Dry Brush Methode bietet Vorteile vor allem auf dunklen, matten Flächen, wo Pigmente nicht immer gut zur Geltung kommen.

  • Hallo liebe Spur 0 Freunde,
    über die Resonanz zum Thema "dry brush" habe ich mich gefreut. Ich denke aber, dass auch jede andere Methode ihre Vorzüge (und manchmal auch ihre Nachteile) hat. Schliesslich muss das jeder für sich beurteilen und entscheiden; ich hatte ja eh vorgehabt, das Thema "altern" möglichst noch eine Weile vor mir her zu schieben - da legt man doch einige Scheine für einen seltenen Oldtimer hin, freut sich über das gelungene Modell, und dann "soll man es gleich verhunzen" ...
    Okay, ich habe im letzten SNM-Heft mit wachsendem Interesse Stefan K.s Bericht über den Alterungsprozess der schönen Isabella verfolgt - aber bei den eigenen Modellen ... ? Das 'dry brush'-behandelte Modell ist halt nach 2, 3 Stunden "gebrauchsfertig" trocken, die Pigmente müssen nicht mehr zusätzlich fixiert werden, aber der Farbauftrag kann (bei Verwendung von Acrylfarben) jederzeit wieder entfernt werden - ein Wattestäbchen und ein Tropfen Spiritus o. ä. genügen, und darin sehe ich einen ziemlich grossen Vorteil.
    Beste Grüsse
    Dieter

  • Hallo Dieter.
    Du hast schon recht, es führen viele Wege nach Rom. Letzendlich kommt es doch darauf an wie mann selbst mit seiner Arbeit zufrieden ist und wie es einem gefällt.Für mich kommt es immer auf das Endproduckt an und ich meine das hast Du gut getroffen. :thumbup:
    Gruß Hein

  • Hallo Dieter,
    wer nichts wagt der nichts gewinnt. Auch ich hatte mich früher nicht getraut meine Fahrzeuge oder andere Sachen zu altern, oder mit irgend welchen anderen Farben zu bemalen.
    Nach studieren von allerhand Lektüre und dem vorsichtigem Probieren mit alten Modellen gings los. Heute schreckt mich auch der Preis einer Lenz 64 nicht vor einer Alterung zurück.
    Mann muß sich nur überwinden. Bei mir kommt eigenlich kaum noch ein Modell oder Haus ohne eine Farbbehandlung auf die Anlage. Nur arbeite ich mit mehreren Methoden auf einmal.
    Der LKW wurde erst soweit es ging auseinandergebaut, dann mit Mattlack gespritzt und mit heller Pulverfarbe von Asoa eigerieben ,damit die Farbe ausgeblichen aussieht. Auch
    die Reifen wurden mit Pulverfarbe bearbeitet. Dann mit Emailfarben Öl und Rostspuren gesetzt,das ganze noch mit verschiedenen Rostpulverfarben verfeinert. Die Plane auch mit Schmutzfarbpuver bearbeitet und dann noch alles mit der Airbrush Schmutzspuren gesetzt, sowie ein abschließender Seidenmattlack auftrag. Und natürlich rollt ein Auto nicht ohne Fahrer. Das ganze braucht aber auch seine Zeit. Von heut auf morgen ist sowas nicht gemacht.
    Viele Grüße aus Sachsen
    Klaus

  • Hallo Klaus,
    vielen Dank für deine aufmunternden Zeilen und die beiden aussagestarken 'Beweisfotos' sowie -nicht zu vergessen- die sehr detaillierte Beschreibung der Reihenfolge der jeweiligen Arbeitsschritte. Kurzum, du hast mich richtig neugierig gemacht! Eigentlich schade, dass du so weit entfernt von Ettlingen wohnst, denn die eine oder andere Frage wird sicher noch kommen!
    Beste Grüsse
    Dieter

  • Hallo Klaus,


    hervorragende Arbeit, wirklich Klasse.
    Der LKW schaut aus wie aus dem wirklichen Leben kleingeschrumpft. Und die Alterung wurde mit sehr viel Fingerspitzengefühl und Verständnis für die Vorbildsituation ausgeführt.
    Großes Lob dafür.


    Deine Arbeit kann anderen als Anschauungsobjekt dienen wie man es machen sollte.


    Gruß Heinz

  • der Borgward welch eine Rostlaube, ein Traum........... :thumbsup: :thumbsup:


    Hallo Klaus,
    der Tausendfüssler einfach top :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: wow :!:


    Hallo Bert,
    auch für deinen 4-achser ein großes Lob, gefällt mir
    sehr gut :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: :!:


    Nichts geht über ein geschultes Auge und das nötige
    Fingerspitzengefühl nicht nur das Altern betreffend. :thumbsup:


    Grüße aus dem Süden
    Siegfried

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