• Freunde des Flügelrades,


    jetzt sind einmal die Landschaftsbauer gefragt. Wie sah ein Kornfeld eigendlich zur Epoche 2 und 3 aus? So wie heute bestimmt nicht! Gab es Kornblümen, Disteln oder Klatschmohn nicht nur neben den Feldern, sondern auch im Feld?
    Hat einer von euch Farbaufnahmen die belegen, wie bunt die Felder ohne Glyphosat waren?




    Eure Betriebsleitung der
    Naugarder Kleinbahn



    meine hooompätzsch: http://naugarderkleinbahn.jimdo.com

  • Moin zusammen,


    da die Verwendung von Herbiziden zur Bekämpfung von Wildkräutern wohl erst in der späten Epoche 3 so richtig "in Mode" gekommen ist, werden die Getreide-Felder früher wohl schön bunt gewesen sein.


    Beachtet werden sollte aber, dass die meisten im Feld wachsenden Wildblumen schon sehr früh im Jahr blühen, um vor der Ernte des Getreides ihre Samen schon wieder verteilt zu haben ...


    Auch solle bedacht werden, dass das Getreide früher nicht "kurz gespritzt" wurde, da vor Einführung der "Spaltenböden mit Schwemm-Entmistung", das Stroh in größeren Mengen in den Ställen benötigt wurde.
    Aus meiner Kindheit kann ich mich an Wuchshöhen, bei Roggen und Weizen, von gut 1,50m erinnern.
    Das wären im Modell etwa drei Zentimeter ...



    Tschüß aus Leese


    Frank-Martin

    Gutes Werkzeug kann man(n) nur durch noch Besseres ersetzen !!!

  • Nun, gespritzt wurde schon immer, das ist keine Entwicklung der Epoche 5-6.
    Eine gute Quelle sind die Veröffentlichungen der diversen Bauernhausmuseen.
    Ich habe mal die Bücher des Heimatfotografen Otto Beck zum Thema Franken (ab 1963) angeschaut sowie ein Buch von Alfons Eggert über Mähdrescher; eine gute Quelle dürfte das Heft des Kosakschen Hp1 sein, in dem er über einen Heubinder berichtet.
    Es ist erschreckend, wie gleichförmig gelb die Getreidefelder waren. Die sind heutzutage richtig bunt.


    Zum Selber-Nachlesen, da ich keine Rechte daran habe, die Bilder zu veröffentlichen:

    • Otto Beck, Aus alter Arbeitszeit, Fotografien aus Franken, Gudensberg-Gleichen 2006, http://www.wartberg-verlag.de
    • Otto Beck, Fränkisches Dorfleben in Fotografien aus den 60er Jahren
    • Alfons Eggert, Von der Mähmaschine zum Mähdrescher. Die Technik in der Getreideerte, MÜnster 1991, Aschendorff Verlag


    Die Bücher lassen sich auch über Fernleihe von der Stadtbücherei, sofern sie daran teilnimmt, oder von der Universitätsbibiothek im Fernleihverkehr besorgen.


    Im Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim läuft z.Zt. eine interessante Ausstellung zum Thema Kulturlandschaft und ihre Veränderungen, , wie ich gerade gesehen habe.


    Also lassen wir die Felder lieber gelber und wenig blumig. In den 60er Jahren hatte man noch kein Bewusstsein für die Schädlichkeit des Spritzens, es ging um Ertrag. Die Grüne Bewegung kommt ja erst Anfang der 70er Jahre in Schwung, in Bayern wurde das Umweltministerium 1973 eingerichtet.


    Grüße aus dem regnerischen Würzburg
    Andreas

  • Moin miteinander.


    Die Firma Busch bietet Pflanzen in H0 an, die meiner Erfahrung von der Größe her prima für die ganze Null passen und nicht einfach nur flache Lasercut-Stücke sind.


    Unter anderen wären aus meiner Sicht hier besonders geeignet:


    Lupinen 1218, Löwenzahn 1220, Sommerblumen 1229, Klatschmohn 1255,
    Kornblumen 1262, Schafgarbe und Klatschmohn 1263


    Als Bausätze bieten diese auch die Möglichkeit zu abendfüllender, kontemplativer Tätigkeit.
    Insbesondere da die landwirtschaftlichen Anbauflächen in der Naugaarder Gegend nicht klein zu sein scheinen... ;-)


    Gruß, Matthias

  • Um noch einmal auf die eingangs gestellten Fragen...



    jetzt sind einmal die Landschaftsbauer gefragt. Wie sah ein Kornfeld eigendlich zur Epoche 2 und 3 aus? So wie heute bestimmt nicht! Gab es Kornblümen, Disteln oder Klatschmohn nicht nur neben den Feldern, sondern auch im Feld?
    Hat einer von euch Farbaufnahmen die belegen, wie bunt die Felder ohne Glyphosat waren?


    ... zurückzukommen:


    1) Epoche 2 und 3 bedeutet für mich nicht Sechzigerjahre, sondern eher Dreißiger- bis Fünfzigerjahre, also grob 1930-1960.


    2) Erwartungsgemäß findet man nicht nur wenig Bildmaterial und wenn, dann ist dieses - zeitbedingt - nicht in Farbe und auf S/W-Bildern erkennt man natürlich keine bunten Blumen!


    3) Nach allem, was ich so ergoogeln konnte, war der Blumenbewuchs hauptsächlich am Rand (wie weiter oben von mir im Bild gezeigt) und im Feld waren nur vereinzelt Mohn- oder Kornblumen zu finden. Das deckt sich übrigens auch mit meiner persönlichen Erfahrung, wenngleich diese erst in den Sechzigerjahren begann: Blumen zuhauf am Feldrand, im Feld selbst nur vereinzelt. Ich weiß noch, wie uns Kindern verboten wurde, in die gelben Felder zu gehen, um dort einzelne Blumen zu pflücken. Um diesem Verbot Nachdruck zu verleihen, wurde uns gesagt, dass uns sonst die "Kornmuhme" holen würde. ;(


    4) Ich habe dann immerhin eine Ansichtskarte von 1933 in Farbe gefunden, die zeigt, dass der Blumenbewuchs schon damals hauptsächlich am Rand stattfand:



    Ist ja auch logisch, die Blumen brauchen Licht und das Korn wird zur Erntezeit gut 1,50 Meter hoch, da sieht man ohnehin keine Blumen mehr!


    PS: Habe noch ein Bild vom 31. Juli 1958 bei der Ernte mit einem Mähdrescher gefunden, auch hier keine Blumen im Feld zu sehen:



    Gruß, Claus

  • Was ich in diesem Beitrag generell noch vermisse, ist folgender Sachverhalt:


    Ich vermute mal bis in die 60er Jahre wurde Getreide auch noch ohne Drillmaschine eingesät ?!
    Ich erinnere mich noch an meine Kindeheit in den 70ern da hatte mein Opa noch eine Wanne umgebunden auf einem kleinen Acker Getreide per Handwurf gesät. Ich hoffe, dass ich mich nicht falsch erinnere und es evtl. Dünger war, den er aus der Wanne herausgeworfen hat.


    Vielleicht weiss ja jemand noch mehr dazu...


    Auf jeden Fall sahen die Getreidefelder sicherlich nicht so gleichmässig aus, wei in der heutigen Zeit.

  • Hallo Thoralf.


    Als Jugendlicher ging es für mich zu Ostern immer in die Ferien auf dem Bauernhof. Dort waren die ältesten, damals - in den späten Siebzigern - noch aktiven Maschinen eine Dreschmaschine wie das Modell von Busch und eine Drillsaatmaschine, die definitiv für Pferdebetrieb konstruiert war.


    Mich hat damals sehr gewundert, dass die noch so ein "uraltes" Gerät im Einsatz hatten. Der Bauer kommentierte: "Wieso neu, die geht doch noch. Was sollte an einer neuen besser sein?"


    Die Saatmaschine konnte ich im Einsatz erleben, die Dreschmaschine leider nicht... es war Ostern, wie gesagt. :-D


    Du schriebst:
    > Vielleicht weiss ja jemand noch mehr dazu...


    Historische Landmaschinen


    Und Wikipedia (naja...) sagt, schon die alten Sumerer hätten maschinell gesät...


    Gruß, Matthias

  • Freunde des Flügelrades,


    das ist der aktuelles Stand meines Stoppelfeldes nach 4 Wochen Bearbeitung! Es ist eine recht zeitintensive und auch nervige Angelegenheit so ein Feld zu gestalten, sodas ich in der übrigen Zeit mich mit den Bau meiner S 10.1 beschäftigen kann.
    Bei meiner alten Anlage Klb. Rathenow- Senzke- Nauen habe ich mir wirklich eine Sehnenscheidentzündung eingefangen. Dies wollte ich jetzt mal vermeiden, indem ich immer nur kleine Maurerborsten auf den Acker klebe. Nach einem Tag wir der Spaß mit dem Seitenschneider ca. 1cm über der Anlagenplatte abgeknipst. Die im Hintergrund sichtbare Öffnung wird durch ein großes Kornfeld geschlossen.




    Eure Betriebsleitung der
    Naugarder Kleinbahn




    meine hoooompätzsch: http://naugarderkleinbahn.jimdo.com

  • Wenn ich mich recht erinnere, hatte das Getreide damals, Hafer ausgenommen, wesentlich längere Halme als heute. Als Kind konnte ich nur zu den Ähren hochschauen. Ein Beispiel ist der heute auf Biohöfen angebaute Lichtkornroggen mit etwa 1,6 m Höhe. Auf diesen Feldern sieht es heute noch so aus wie damals - bunt. Mohn, Kornblumen und manchmal auch Kamille wachsen munter zwischen dem Getreide.
    Ich habe mir gerade Eure Internetseite angesehen und bin begeistert von Eurer Kupplung.
    Eine ähnliche Idee habe ich bereits zu Papier gebracht, wegen zweier linker Hände scheiterte bisher die Realisierung.
    Ich würde mich gerne mit Euch austauschen.
    Beste Grüße
    Wolfgang

  • Hallo Leute,


    meines Wissens ist nur der Roggen (im bayerischen 'Korn' genannt) das einzige Getreide, das natürlich so hoch wächst. Die Endwuchshöhe anderen klassischen Getreidesorten wie Weizen und Gerste würde ich auf Nabelhöhe angeben wollen - so etwa 90 cm - das sollte recht gut passen.


    Ich meine daß das Getreide früher auch mit der umgehängten Schüssel 'geworfen' wurde - bin da aber nicht ganz sicher. Evtl. ging man danach nochmal mit der Egge drüber.


    Zur Ernte hat man das Getreide mit der Sense auf Strammen gemäht. Die Halme wurden dann zu Strohgarben ('Stroh-Männchen') zusammengebunden (ebenfalls mit den Getreide-Halmen) und auf dem Feld aufgestellt. Die 'Stroh-Männchen' wurden später auf den Hof heimgefahren, und in der Scheune eingelagert. Vor dem Zeitalter der Dreschmaschine, hat man im Winter mit den sogenannten 'Dreschflegeln' das Getreide 'gedroschen': Getreide wurde auf eine Platte aufgelegt, und reihum von der Bauernsfamilie und Knechten gedroschen, wobei die Getreidekörner davon sprangen und von den Mägden eingesammelt wurden. Die Dreschmaschine hat dieses Verfahren automatisiert - anfangs mit einer Dampfmaschine angetrieben, später mit der allgegenwärtigen Riemenscheibe der Traktoren.
    Mit der Einführung der Traktoren wurde auch der 'Mähbinder' entwickelt, der das Getreide geschnitten und automatisch zu Männchen gebunden hat.


    Videos dazu gibt es jede Menge. Hier ein paar Beispiele:
    Video Mähbinder: https://www.youtube.com/watch?v=3u7Qw9Nhj6M
    Video Dreschmaschine: https://www.youtube.com/watch?v=oUpaTeHACeU
    Video Dreschflegel: https://www.youtube.com/watch?v=3zue82rfx-k
    Video - einfach nur gut: https://www.youtube.com/watch?v=nrJQHkA345g


    Glaubt sich aus Erzählungen seines Vaters zu erinnern


    der NNullguggi

  • Hallo Leute,


    noch ein paar Details, wohl eher nicht soo wichtig für den Modellbau:


    - der Flachriemen an der Dreschmaschine rutscht nur deshalb nicht von den Rollen, weil diese ganz leicht ballig gedreht sind. Bei Förderbändern nutzt man den gleichen Trick.


    - Mähdrescher hatten bis zu einer Schnittbreite von 3 m ein fest montiertes Schneidwerk (z. B. Claas 'Mercator'). Größere Schnittbreiten mußten für Fahrten auf der Straße abgebaut und auf dem Wagen transportiert werden (z. B. Claas 'Dominator'-Serie)


    - bei uns (kleine Felder) fuhr man die Lohn-Mähdrescher oft mit 'etwas kleinerem' Schnittwerk, mit der Begründung, dann schneller fahren zu können. Hab' ich bis heute nicht wirklich verstanden, was das unterm Strich bringt. War halt so.


    - es gab auch eine Entwicklung von Mähdreschern mit hinten eingebauter Strohpresse. Hat sich aber nicht durchgesetzt, weils es da mal 'vorne' und mal 'hinten' Probleme gab, und so kein ordentlich fließender Prozeß zustande kam.


    - Wenn das Stroh nicht gebraucht wurde, wurde am Mähdrescher das hinten eingebaute Hächselwerk eingeschaltet. So blieb hinter dem Mädrescher keine Strohstramme, sondern nur ein Fussel-Teppich. Langes Stroh hätte sich nämlich bem Ackern/Pflügen im Pflug festgesetzt


    - bei den Strohpressen, gabs zuerst die Niederdruck-Ballen (bis ca. Ep III), die noch alles andere als quaderförmig waren. Danach kam die Hochdruck-Presse (ca. ab Ep IIIb), die Rundballenpresse (ca. ab Ep IV/V), und die Großquader-Presse (ca. ab Ep V/VI).


    - wenn man zum Stroh/Heu 'heimfahren' die Hochdruck-Bündel mit der Gabel auf den Wagen gespießt hat, hat man 2 x 3 Reihen hoch geschlichtet - also erst 3 Reihen komplettiert und dann nochmal drei Reihen drauf geschlichtet, immer beginnend von hinten her. Die Wagen hatten dafür hinten ein ansteckbares Gatter. Jede Lage hatte dabei ihr bestimmtes Schema - sonst wäre die Fuhre auseinander gefallen. Die Länge der Hochdruck-Bündel konnte an der Presse eingestellt werden (die beiden Kurbel, die hinten oben rausschauen)


    soviel aus meiner kleinen Erfahrungswelt


    der NNullguggi



  • Freunde des Flügelrades,


    wärend der Bau meiner S 10 etwas ins Stocken geraten ist, habe ich mich in einer Hauruckaktion über mein Getreidefeld hergemacht. Für die Fertigstellung benötigte ich jedoch sogenannte " Puppen". Das sind diese zum Trocknen aufgestellten Garben. Sie heißen übrigens in jeder Region anders. Die Bilder zeigen eigendlich alles wesentliche zum Bau dieser Garben. Geklebt wurde der Knoten mit Sekundenkleber. Viel Spaß beim Bauen,



    Eure Betriebsleitung der
    Naugarderkleinbahn



    meine Hooopätzsch: http://naugarderkleinbahn.jimdo.com






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