BR 24 und Endbahnhof

  • Hallo,


    ich spiele seit langem mit dem Gedanken, die neue Lenz 24 zu erwerben... eine schöne Lok! Nun baue ich ja an einer Nebenstrecke mit Endbahnhof... ohne Drehscheibe!


    Passt denn da so eine Lok hin? Konnte und durfte sie denn überhaupt rückwärts vor einem Zug fahren?


    Für Infos wäre ich dankbar....


    Danke, Gruß
    Thomas

  • Hallo Thomas,


    ich kann Deine Bedenken zwar verstehen, denke aber mittlerweile: Erlaubt ist was gefällt. Das mit den 50 km/h rückwärts habe ich auch mal irgendwo gelesen. Wir alle (oder fast alle) müssen Kompromisse machen und ich habe auch keine Drehscheibe, aber trotzdem eine 24er ... :D Hier nochmal ein kleines Anfütterungsbild, um die Bedenken endgültig zu vertreiben:


  • Hallo Forumsfreunde,


    die Beschränkung auf 50 km/h bei der Rückwärtsfahrt von Schlepptenderlokomotiven wird überall so publiziert und ich meine mich erinnern zu können, daß mir das von Halberstädter Dampflokpersonalen bestätigt wurde. Einzige mir bekannte Ausnahme war die BR 50, die auch mit Tender voran für 80 km/ zugelassen war. Die hatte auch eine Schutzwand am Tender. Warum diese Beschränkung bestand, entzieht sich meiner Kenntnis. Wie vom Vorredner geschrieben, war es auf einer Schlepptenderlok bei "Rückwärtsfahrt" im wörtlichen Sinne a...kalt. Ich habe mich bei einer Fahrzeugausstellung in Erfurt / West seeligen Angedenkens auf einer BR 58 mal mit einem alten Lokführer unterhalten. Der beschrieb das für den Wintereinsatz so - vorne hast Du geglüht wegen des Kessels und hinten war das Eis. Ich weiß auch von Halberstädter Personalen, daß die in Blankenburg die 50er Reko im Gleisdreieck im Güterbahnhof gewendet haben, damit sie nicht Tender voran nach Halberstadt fahren mußten. Mal abgesehen von solchen quasi Komfortproblemen dürfte es kein Problem sein, eine 24er auf einer Nebenstrecke einzusetzen. Bei den dort zulässigen Streckenhöchstgeschwindigkeiten war die Rückwärtsfahrt mit 50 km/h sicher kein Thema. Zumindest in der Spätzeit der DR kamen auch Schlepptenderloks auf Nebenstrecken zum Einsatz. Wie das bei der DB war, weiß ich nicht. Verbürgt sind Einsätze der 50.35 des BW Halberstadt auf der ehemaligen Kleinbahn nach Osterwieck. Eine Lok dieser BR war dort sogar stationiert. Die waren dann auch mal mit drei oder vier Schachteln unterwegs. Da war der Zug kaum länger als das Triebfahrzeug. Also ich würde der Freude an der Lenz-24er nachgeben und sie erwerben. Viel Spaß damit.


    Gruß Henning

  • Warum diese Beschränkung bestand, entzieht sich meiner Kenntnis


    Grund dafür waren die relativ schlechten Laufeigenschaften der meisten Schlepptenderloks bei der Fahrt "Tender voraus" (und die Belastung der Personale durch den Fahrtwind) .
    Abgesehen von der bereits angesprochenen BR 50 waren auch die Loks der Reihen 42 und 52 für 80 km/h bei Rückwärtsfahrt zugelassen; die BR 23 m.W. sogar für 85 km/h.


    Beim Betrieb von Schlepptenderloks auf Strecken ohne Wendemöglichkeit wurde in Österreich - wenn es das Streckenprofil erlaubte - darauf geachtet, dass mit leerem bzw. halbleerem Tender nach Möglichkeit nicht rückwärts gefahren wurde. Der Fahrtwind verweht immer etwas Kohlenstaub - und wenn der Kohlenvorrat schon recht weitgehend verbraucht ist, dann wird der Kohlenstaub bei Rückwärtsfahrt verstärkt ins Führerhaus geweht.


    Grüße aus Wien
    Martin

  • Übrigens auch die DB Neubaulok BR 23 konnte rückwärts schneller als 50 km/h fahren: 85 km/h rückwärts (bei 110 km/h vorwärts). Auch hier war der Führerstand durch eine geschlossene Rückwand weitgehendst geschützt.


    Und ich glaube bei der Kriegslok BR 42 verhielt es sich ebenso (Geschw. v80/r80 km/h). - Analog zu BR 50/52


    Und bei den DB Wendezug-P8 auch (?)


    Gruß


    Kallisto

  • ... oder Dir einfach noch eine der tollen 24er schnappen, solange es sie noch gibt :D Und im Frühjahr 2016 wird sie turnusmäßig auch teurer. Aber ganz im ernst: Laß' Dich nicht abhalten. Man(n) ärgert sich nur über die Gelegenheiten, die man nicht ergriffen hat. Ist eine wunderschöne Lok.

  • Moin Thomas,


    es gibt noch eine Möglichkeit, die ich bevorzugen würde, mach auf deiner Anlage das was dir gefällt, ob es das nun in der Realität gegeben hat oder nicht. Es gibt mit Sicherheit auf jeder Anlage das Eine oder Andere was nicht der Wirklichkeit entspricht. Schuld daran sind die Platzverhältnisse und schon geht man Kompromisse ein. Warum dann nicht auch einmal eine Lok so fahren lassen, wie sie in der waren Welt vielleicht nicht so oft gefahren ist.


    Kauf dir die Lok und hab Spaß am SPIELEN. :thumbup:


    Einen schönen 2. Advent
    Söhnke

  • Hallo
    Man sollte sich schon an Fakten halten und nicht diesen Unsinn darlegen,es gibt und gab Dienstvorschriften bei der DB u DR,wo diese auch eingehalten werden.So zum Beispiel die DV 938 und andere diverse Vorschriften,die wir als Lokpersonale einhalten mußten.Es war geregelt wie schnell man fahren durfte,Tender voraus mit 50km/h
    eine weitere Vorschrift ,war die Behandlung der Lokomotive bei der Eisenbahn wird alles über Vorschriften geregelt.Nur ein Beispiel wegen der 50km/h ist die Verbindung zwischen Lok u Tender ,wegen der starren Kupplung,man könnte es weiterführen , das geht bis zur Berechnungen der Fliehkräfte soweit möchte ich nicht gehen ,es ist ja hier nur ein Hobby,trotzdem viel Spaß mit der 24.
    Gruß Dietmar

  • Hallo Dietmar,


    ich meine, Dampflokpersonalen hätten mir mal erzählt, daß es für die 50er (und die daraus abgeleiteten 52er) Ausnahmen gab sprich 80 km/h zulässig bei Tender voran. Hier im Harzvorland gab es das immer mal, daß die 50er Reko Tender voran am Zug waren und da ist mir nie aufgefallen, daß die 50 km/h fuhren. Na ja- vielleicht war es ja so, daß die DV die Theorie war und die Praxis war ganz anders. Ich bin mal im Harz hinter Stiege auf der Neubaustrecke im Zug fas allein mitgefahren. Da waren 40 km/h zugelassen. Gefahren sind wir gefühlte 50 und dem Grinsen des Lokführers nach, den ich was zu entlocken versuchte, war das auch so.
    Sorry, wenn ich das Thema zerrede, aber das mit der "Rückwärtsgeschwindigkeit" interessiert mich doch jetzt sehr. Schade, daß mein Freund Ernst schon lange tot ist - ein begeisterter Lokfüherer und Modellbahner. Der hätte es gewußt.


    Gruß Henning

  • Hallo zusammen,


    vmax 80 kmh mit Tender voraus bezog sich auf die Wannentender. Auch ein Grund warum Wendezüge mit der P8 einen Wannentender bekamen.


    Soviel kann ich noch beisteuern.... Geht aber im Grunde vom eigentlichen Thema weg...nur als keine Erläuterung.


    MFG Michael

  • Hallo zusammen,
    die 50er war offiziell für 80 vor- und rückwärts zugelassen. Auch das Einzelstück der 24er mit dem Tender der 50er wurde mit 100 vorwärts erfolgreich getestet. Ob diese dann rückwärts schneller durfte weiß ich nicht. Der Hintergrund war, dass die 24er mit dem kleinen Tender wie viele 2 Zylinder Dampfloks sehr unruhig lief. Also vorwärts wurden die möglichen 90 wegen des Gerüttels sicher nicht allzuoft ausgenutzt. Es wurde damals überlegt eine größere Serie der 24er neu aufzulegen um die 38er zu ersetzen, weil die 24er sparsamer im Verbrauch war und mit dem großen Tender ruhiger lief. Das Ganze wurde aber dann zugunsten der Baureihe 23 aufgegeben.
    Aber zurück zum Thema ich habe das selbe Problem, in einer Richtung ist die Lok Schornstein voraus unterwegs, zurück geht es zur Zeit nur Tender voraus. Aber wo ist das Problem? Bei meinem Nebenbahnhof folgt nach der Ausfahrt eine Kurve.
    (bei mir viel zu eng) beim Vorbild gab und gibt es auch Kurven die durften nicht mit der Höchstgeschwindigkeit "durchbrettert" werden. In meiner Phantasie ist das so eine, und so fährt mein Zug (egal welche Lok dranhängt) gemächlich in den Bahnhof ein und irgendwann auch mal wieder raus.
    Da aber das drehen egal wie man das sieht, auch wieder zusätzlichen Spaß - äh Betrieb - bringt, ringt meine Bahnverwaltung gerade um die finanziellen Mittel für eine Drehscheibe. Platz dafür ließe sich sicher noch finden, vielleicht ist sogar bei rafinierter Planung auch eine Zufahrt über das Fiddle Yard möglich z. B. über eine rückwärtige Zufahrt von hinten über einen "aufgeschnittenen Lokschuppen". Nur bis jetzt sind die erhältlichen Drehscheiben entweder gerade richtig wie z.b. das Teil von Wenz ( ich würde sogar einen Selbstbau riskieren :S Hier ist der Vorteil der Etappenbausätze ). Ab was passiert wenn nun plötzlich eine 50er auftaucht, die war ja besonders nebenbahntauglich. Da ist die von Wenz zu klein, und mein "Personal" (inclusive meiner Person) dann schon verwöhnt :love: .
    Also kommt Zeit kommt Rad (sagte der Inder dem sie das Fahrrad geklaut hatten).
    Bin mit meiner 24er so zufrieden, dass auf jeden Fall noch ne zweite her muss.
    Viele Grüße
    Dieter

  • Hallo
    Es gibt viele Faktoren,zum Beispiel -Lokomotiven zum Tender mit großen Überhang bzw mit kurzen Überhang. Im Hauptkuppeleisen wird also die vorhandene
    Zugkraft durch die Massekräfte einmal erhöht,dann wieder um den gleichen Wert vermindert.Den Kräfteverlauf kann man berechnen. P + Pz + Pm = P1 man kann es noch weiter treiben ,auch kann die größte Geschwindigkeit des Tenders ermittelt werden.Bei der DR wo ich fast 20 Jahre auf Dampfloks gefahren bin,war es nach der DV
    50Km/h für die meisten Schlepptenderloks,auch gab es Ausnahmen bei Versuchsfahrten .Damit ist das Thema für mich erledigt.
    Gruß Dietmar

  • Hallo
    Muß mich nochmals melden,ich wollte das Thema nur beenden weil es sonst zu weit führt.Meine Diplomarbeit hatte das Thema Fliehkräfte bei Schienenfahrzeuge.
    Ich wurde angemahnt,weil ich das Thema als beendet betrachte,wahr wohl eine falsche Wortwahl.Man muß sich überlegen ob man überhaupt noch was schreibt.
    Gruß Dietmar

  • Hallo Dietmar,


    ich habe das Thema ja aufgebracht und muss sagen, ich habe viel gelernt! Danke für Deine ausführliche Schilderung! Es gehört zwar nicht alles, was in den letzten Beiträgen geschrieben wurde, direkt zum Thema (BR 24 und Endbahnhof), aber so richtig offtopic ist das ja alles nicht...


    Da ich mich mit den Betriebsvorschriften und dem Vorbild im Allgemeinen nicht wirklich gut auskenne, sind die Geschichten und Anekdoten der Profis immer viel einprägsamer als das schnöde Zitieren einer DV. :thumbup:


    Danke dafür,
    Gruß
    Thomas

  • Hallo,


    da wohl doch noch einige Unklarheiten bestehen, noch eine paar Fakten:


    Die von lokführer aufgestellten Behauptungen gelten nur für den Bereich der DR(ost).
    Bei der DRG/DRB und der DB war das etwas anders.


    Die zulässige Geschwindigkeit Tender voraus regelt die EBO § 40 in Verbindung mit der Fahrdienstvorschrift § 50 (1972) bzw. § 38 (1960). Diese Höchstgeschwindigkeit ist mit 50 km/h festgelegt. Ausnahmen sind zulässig.


    Für die BR 24 trifft diese Beschränkung zu, wie auch für fast alle deutschen Dampflok. Für Nebenbahnen war dies bis Mitte der 1960er Jahre meist ausreichend. Selbstverständlich durften Züge Tender voraus befördert werden.


    Bei der DRG/DRB und der DB bestanden folgende generelle Ausnahmen (im Führerhaus angeschrieben):


    BR 50 mit Normaltender sowie Wannentender und BR 52/42 mit Wannentender (2'2'T30) rückwärts 80 km/h.


    DB-Neubaulok BR 23 und BR 10 rückwärts 85 km/h.


    DB-Wendezuglok BR 38.10 mit geschlossenem Führerhaus und Wannentender rückwärts 85 km/h.
    Für diese letzgenannten gab es in der BD Hamburg noch eine zusätzliche Ausnahme von 100 km/h rückwärts schiebend. Dadurch konnten die Wendezüge dort in beiden Richtungen 100 km/h fahren. Quelle dazu: "Die preußische P8", EK-Verlag, Ausgabe 1994, Seite 251.


    Wahrscheinlich gab es darüber hinaus noch einzelne Ausnahmegenehmigungen, z.B. für Versuchsfahrten.


    Grüße


    PS: Siehe auch Diskussion hier: http://www.drehscheibe-online.…d.php?17,2949158,page=all

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