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Saturday, November 30th 2019, 4:26pm

Rai-Mo

Hallo miteinander,

ich bitte um Infos zu Rai-Mo bzw. Rail-Modell und deren Spur 0-Kits!

Hat jemand Erfahrungen damit? Wie sind diese Modelle einzuordnen, handelt es sich eher um Spielzeug oder doch um "ernsthafte" Modelle aus einer schon länger zurückliegenden Zeit?

Ich freue mich auf eure Antworten und wünsche einen schönen ersten Advent!

Beste Grüße

Helmut


(zur Unterscheidung: gestern 2:1)

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Saturday, November 30th 2019, 4:43pm

Hallo,

Als ich mit der Spur 0 anfing, waren Bausätze der Firma RaiMo eine gute Basis, um mit der Spur 0 anzufangen. Der Name RaiMo ist auch heute noch in der Branche zu finden, werden doch so Bausätze bezeichnet, die ihren Ursprung bei einer anderen Firma namens Pola hatten. Pola hatte Anfang der 70er Jahre unter dem Namen Pola-Maxi in Zusammenarbeit mit Rivarossi eine Serie von Kunststoff-Fertigmodellen auf den Markt gebracht.

1979 übernahm die Firma Merker + Fischer (M+F) die Formen der Pola-Maxi-Fertigmodelle von Pola und brachte diese Modelle als Bausätze heraus. Das Angebot umfasste die preußische T3 mit und ohne Schlepptender, die E69, die E44 und die V20. Von den zwei Reisezugwagen, die es bei Pola-Maxi gab, wurde nur einer übernommen. Als Güterwagen waren der G10, der G20, der X05, der Om21 und ein Drehschemelwagen zu nennen, die auf einem mit dem Personenwagen einheitlichen Fahrwerk basierten, was zur Folge hatte, dass der G20 und der Om21 ein paar Millimeter zu lang waren. Weiter wurden noch der R20 und der Gos50, auf einem Fahrwerk mit längerem Achsstand basierend, angeboten.

Als Eigenentwicklung wurde ein Modell des Schweizer Krokodils ins Angebot aufgenommen.

Während alle genannten Wagen nur als Zweier-Set angeboten wurden, gab es die Lokomotiven natürlich nur einzeln. Allen Bausätzen gemein war, dass sie anfangs in einer Klarsichtverpackung mit einem Sockel, auf dem ein Schotterbett aufgedruckt war, angeboten wurden. Diese Klarsichtverpackung wurde mit einer Papphülle umfasst, auf der auf der Vorderseite ein Produktbild und auf der Rückseite weitere Bausätze abgebildet waren. Da jedem Bausatz ein kurzes gerades Gleis beilag, bestand die Möglichkeit, das montierte Modell auf das Gleisstück, welches auf dem als Schotterbett bedrucktem Sockel zu liegen kam, unter dem Klarsichtdeckel in Form einer einfachen Vitrine zu präsentieren.

Allen Bausätzen lagen kleine Farbtöpfchen mit den für das jeweilige Modell benötigten Farben bei. Diese Farben konnten mit einem Pinsel aufgebracht werden. Weiter gehörten eine Schiebebild-Beschriftung und eine einfache Bauanleitung dazu.

Alle Lokomotiv-Bausätze wurden ohne Antrieb und ohne Beleuchtung angeboten. Die Stromabnehmer der E44 und des Krokodils mussten aus Guss- und Ätzteilen und Messingdraht individuell montiert werden. Loks wie auch Wagen hatten nicht federnde, feste Puffer. Als Kupplung wurde die vom Vorbesitzer eingeführte Fallhakenkupplung weiter verwendet, weswegen alle Modelle Ausschnitte in der Pufferbohle hatten. Die Wagen auf Basis des Einheitsfahrwerks wurden mit Kunststoff-Speichenräder ausgeliefert, der R20 und der Gos50 hatten Metall-Scheibenräder. Der T3, der E44 und den Wagenbausätzen lagen Kunststoff-Nachbildungen der Original-Hakenkupplung bei.

Nach wenigen Jahren änderte RaiMo die Umverpackung, von diesem Zeitpunkt an wurde auf die Klarsichtverpackung verzichtet und die Bausätze wurden in einer kleineren Pappschachtel ausgeliefert.

Die Bausätze ließen sich in kurzer Zeit montieren – für die Montage war eigentlich kein Klebstoff erforderlich, alle Teile ließen sich einklipsen, anschrauben oder eindrücken. Allerdings empfahl es sich, bei der Montage schon an eine Verfeinerung zu denken: Einsatz von Metallrädern, Anbau von Federpuffern, Austausch der Kupplung gegen Original-Hakenkupplung, Anbringen einer richtigen Pufferbohle. Wer noch mehr machen wollte, konnte Handgriffe anbringen, die Klips-Öffnungen des Daches verschließen und das Modell mit anderer Farbe per Airbrush-Pistole optisch verbessern. Die Modelle boten also viel Potenzial zum Supern. Mehr zum Thema „Umbauen“ der RaiMo ist auch hier im Forum zu finden.

Ab 1983 wurden weitere Güterwagen-Bausätze angeboten, in denen die bekannten Modelle mit Bremserbühnen und teilweise auch Bremserhäuschen versehen waren. Diese zusätzlichen Bauteile bestanden nicht aus Kunststoff, sondern aus Weißmetall. Die neuen Bausätze beinhalteten nicht mehr zwei Modelle, sondern nur noch eines, allerdings ergänzt um die Weißmetallteile. Die Bausätze ohne Bremserbühne/Bremserhäuschen wurden weiterhin im Zweier-Set angeboten. Der Verkaufspreis war für beide Arten, also den Zweier-Sets wie auch den Bausätzen mit Weißmetalteilen, gleich.

In diesem Katalog aus dem Jahr 1983 sind diese neuen Güterwagenbausätze zu finden. Weiter interessant ist, dass in diesem Katalog die allseits bekannte V20 wieder auftauchte. Zur Erinnerung: Im Katalog von 1980/81 war sie nicht enthalten. Im Katalog aus 1983 ist eine Zeichnung der V20 zu finden, die bereits bei PolaMaxi im Katalog zu finden war. Auf den letzten beiden Seiten hatte RaiMo damals Werkzeug zum Basteln im Angebot.

Als Beispiel mal die Preise, mit denen die Firma Hehl, ein damals weit bekannter Spur-0-Händler mit sehr breitem Sortiment, in der Ausgabe 1/84 der „Spur-0-Lokomotive“, der Vereinszeitung der ARGE Spur 0, Werbung machte:

T3: 89 ,- DM
V20, E 69: je 69,- DM
Güterwagen: 44,- bis 49,- DM
E 44: 149,- DM
Krokodil: 199,- DM

In der gleichen Anzeige teilte Hehl mit, dass RaiMo die Produktion eingestellt habe.

Das war damals ein Alarmsignal, weil damit die Quelle für günstige Spur-0-Fahrzeuge zu versiegen drohte!

Es hatte sich herausgestellt, dass dieser Nischenmarkt aber für RaiMo nicht wirtschaftlich tragfähig war und so wurde dieser Geschäftszweig 1985 endgültig weiterverkauft.

Wer heute die alten Ausgaben der „MIBA“ studiert, kann in Ausgabe 4/86 im Rahmen der Messe-Berichterstattung nachlesen, dass die RaiMo-Formen von einem Ernst-Rudolf Klein aufgekauft wurden und dass sie wieder aufgelegt werden sollen. Ernst-Rudolf Klein vermarktete dann die Modelle unter dem Namen „Biller-Bahn“. Eines noch zu Biller-Bahn: Die V 20 wurde dann unter diesem Namen für 79,- DM als Bausatz angeboten und es gab diese Lok nun wieder mit Antrieb in drei Farbvarianten zum Preis von 329,- DM.

Nachdem "Biller-Bahn" dann vom Markt zurück gezogen wurde, übernahm EMA (Eisenbahn-Modellbau Apolda) die Formen und bot die grundlegenden Modelle weiter an. Teilweise wurden einzelne Bauteile von EMA durch Weißmetallteile ersetzt, auch erschienen auf diesem Weg neue Modelle, die sich allerdings durch ein hohes Gewicht auszeichneten.


Mein Fazit zu RaiMo bezogen auf Deine Fragestellung ist, dass es sich dabei nicht um Spielzeugmodelle handelt, die Modelle selber aber auf Stand der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts sind. Allerdings sind sie eine gute Ausgangsbasis, um eigene Umbauten zu wagen. Diese Modelle haben ein großes Umbaupotenzial und können in der gelieferten Form nicht mit Lenz- oder Brawa-Wagen konkurrieren.

Freundlicher Gruß
EsPe

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merzbahn

Rangiermeister

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Saturday, November 30th 2019, 5:01pm

Hallo Helmut,

zu aller Erst, ich habe meine Antwort geschrieben, bevor ich die ausführliche Darstellung von EsPe gesehen habe.
Ich denke, mit meiner Antwort bekommst Du noch ein paar weitere Hinweise.

Folgendes Thema im Forum beschreibt die Entstehungsgeschichte der Firma, bzw. gibt Hintergrundinfos dazu:
Die Geschichte der Pola-Maxi etc.

Also Pola / Biller / Rai-Mo Modelle haben eine Art gemeinsamen Stammbaum.

Wenn Du Dir die entsprechenden Umbauberichte ansiehst, bekommst Du einen guten Eindruck, wie die Modelle aussehen, bzw. was man daraus machen kann:
[DB Regelspur] Sammelbericht für Umbauten -Pola-Rivar-Lima-Fahrzeuge.

Mein Link verweist auf einen Personenwagen.

Ich denke, die Bausätze sind eine gute Möglichkeit, eine Einstieg in das Thema "Fahrzeugbau" zu bekommen.

Grüße, Stefan

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Sunday, December 1st 2019, 10:09am

Unglaublich

Hallo miteinander,

herzlichen Dank Stefan und EsPe!

Es ist ja echt unglaublich, über welch´geballtes Wissen ihr verfügt!

Wie gut, dass es das Forum gibt und Hobby-Kollegen, die ihr Wissen teilen!

Beste Grüße am ersten Advent

Helmut

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Ole

Heizer

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Sunday, December 1st 2019, 11:31am

Hallo Helmut,

aus den alten Modellen läßt sich immer etwas machen.
Hier mal ein Beispiel, gestern nebenbei gebastelt, habe vor ein paar Tagen für 10 Euro einen Raimo Rr 30 bekommen, dieser besitzt herstellerseitig schon Metallradsätze, diese rostig lackieren. Von Schnellenkamp, Lenz-Adapterkupplungen (oder Du fährst gern Schraubenkupplung) und Federpuffer besorgen, ein Kupplungskopf ist mit Öse von Moog da ich oft Spielbahn- und Schraubenkupplung gemischt fahre, einen Ladeboden von Moebo rein, fertig. Was glaubst du wieviel Freude dir dieser Wagen bereitet wenn er fertig ist, erstmal Geld gespart, Arbeit ist überschaubar und nur aus der Originalverpackung raus aufs Gleis ist auch nur langweilig.

Gruss
Olaf
Ole has attached the following file:
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Dummheit fängt dort an, wo Ironie und Sarkasmus nicht verstanden werden !

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saarwalter

Hilfsbremser

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Sunday, December 1st 2019, 2:02pm

Raimo-Umbauten

Hallo Helmut,
ich begann 1987 mit der Spur 0 mit Raimo/Lima/Rivarossi Modellen. Einige meiner zahlreichen Umbauten habe ich mehr oder weniger ausführlich auf meiner Website www.saarwalter.de dokumentiert. Auch heute noch bekommt man diese Modelle als Bausatz oder Fertigmodelle auf Börsen sehr günstig zu kaufen schon ab 10.- Euro.

Vielleicht konnte ich dir hiermit ein paar Anregungen geben. Probiere es einfach mal aus, es bereitet sehr viel Bastelfreude - und du erhältst Modelle, die sonst nicht jeder hat.
Beste Grüße aus dem Saarland, schöner 1. Advent,
Walter

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Sunday, December 8th 2019, 10:36am

Vielen Dank Olaf und Walter

für eure Antworten!

Mit den besten Wünschen an alle hier Teilnehmenden zum 2. Advent

Helmut